Nationalismus zu verstehen ist nicht leicht. Besonders nicht, wie man stolz sein kann auf ein völlig zufälliges Ereignis, das meist schon Dutzende Jahre zurück liegt.
Man kann sich über die Chancen freuen, die einem ein Land bietet, gewiss. Doch darüber den Verstand verlieren?
In der Türkei liebte eine Schulklasse ihre Nation heiss und innig. So beschlossen sie, eine Landkarte zu malen und sie den im Kampf gegen die PKK gefallenen Soldaten zu widmen.
Nach zwei Monaten und hunderten von Nadelstichen in Daumen und Finger, hatten sie die Karte endlich fertig. Ein weisses Stück Tuch, das nun getränkt war mit türkischem Blut.
Sie sendeten sie dem Generalstabschef der Armee, Yasar Büyükanit, der sogleich in Tränen ausbrach.
Landesweit wurde die Karte gelobt und die nicht mehr ganz so kleinen Kinder zu so etwas wie Nationalhelden.
Ein positives Zeichen dennoch: Kritische Stimmen wurden laut, einer möchte ich mich ganz besonders anschliessen:
Dem linken istanbuler Ökonom Ahmet Insel:
“Wenn die Existenz unserer Nation durch Blutvergießen garantiert wird, dann haben wir kein Recht, unseren Platz unter den zivilisierten Staaten zu fordern”
Wie wahr, Ahmets Einsichtsvermögen wünschte ich auch dem Rest der mittelalterlichen Welt. Hoffen können wir bloss noch, dass diese Schüler eine Tetanusimpfung hatten und dass sie nächstes Jahr ihren Soldaten nicht den Dorfplatz widmen möchten.
jetzt.de - Bis aufs Blut gereizt: türkische Jugendliche, ihre Nation und deren Symbole
taz.de - Türkische Schüler malen mit Blut
Thursday, January 24, 2008 at 5:16