Nach ellenlangen Diskussionen, in der sich viele profilieren wollten und die meisten ein Stückchen vom Traffic-Kuchen abschneiden wollten, ist endlich wieder etwas Ruhe eingekehrt in der Blogwelt. Gewiss doch, die Selbstgerechten predigen weiter und Gutmenschen zündeln weiter, aber so lange man keine einschlägigen Blogs im Feedreader stehen hat, bleibt man unbehelligt von der Relevanzfrage. Dass sich der eine oder andere Katzencontent unter mein Auge schleicht, ist jedoch unvermeidbar. Im Grossen und Ganzen herrscht jedoch wieder die seltsame Einträchtigkeit zwischen Selbstmitleid, aussagelosem Brimborium und den paar wenigen guten Texten.
Nein, die konstanten Blogs, bei denen die Qualität zwischen Header und Footer heraus tropft, sind weiterhin rar und in der öden Wildnis spärlich gesät. Doch wenigstens sind die grossen Themen vorbei. Die Nachwehen von Burma sind zwar noch zu spüren, in der Schweiz werden die Wahlen wohl auch erst in ein paar Tagen fertig besprochen sein, doch die meisten Blogger kehren wieder vor der eigenen Türe. Nun gut, genau dies tun sie nicht, aber wenigstens kümmern sie sich wieder um ihre eigenen Angelegenheiten. Meistens.
Es mag erstaunen, dass gerade ich dies gutheisse, wenn nicht befürworte. Jedoch muss der geneigte Leser auch sehen, dass die wichtigsten Schlachten geschlagen sind. Anzuerkennen, dass bei jedem sporadisch ein Blogblues auftritt, gehört genauso wie die - traurige - Tatsache, dass nicht das geringste Interesse an einem Bloggerverein vorhanden ist, zu den Erkenntnissen, die man hätte erlangen können. Ebenso scheint es nun relativ klar zu sein, dass Blogs keine generelle Relevanz haben müssen, sondern einzig eine subjektive. Den einen oder anderen vermag es noch zu überraschen, dass im Internet sehr kontroverse Themen diskutiert und herumgereicht werden. Leider scheint sich der Fakt, dass Wertungen und Bewertungen nie etwas anderes sind als Ansichtssache und somit Teil des persönlichen, durch diverse Einflüsse geformten und geprägten Weltbild, noch nicht etabliert zu haben. Schade, doch im zutiefst demokratischen Prozess der Meinungsbildung habe ich meine Aussage wohl noch nicht vereinfacht genug bei jeder passenden Gelegenheit wiederholt. Anders ausgedrückt, ich war zu wenig selbstreferenziell.
Wenigstens hat mich die Leere wieder. Die samtene, melancholische Düsternis. Gut geeignet, um einen Schlachtplan zu entwerfen.
Tuesday, October 23, 2007 at 17:18
[...] Der Misanthrop erfreut sich der Leere, die wieder zu ihm zurückgefunden hat. Beste Voraussetzungen also, was zur Jahreszeit passt, die “samtene, melancholische Düsternis” als Basis zur nächsten Schlacht zu sehen. Wenigstens zum Entwurf einer Schlacht. Tönt doch gut: Die melancholische Düsternis gebärt den Schlachtarchitekten, der tollkühn und verwegen Pläne entwirft. Den Rest übergibt der Schlachtarchitekt seinen Statikern. Nein, nicht den Statikern, sondern den Dynamikern, die darauf warten, die Schlacht zu schlagen: in 2D, 3D, im Sandkasten, schliesslich auf der Schlachtbank. [...]
Tuesday, October 23, 2007 at 21:58
So wie du das schilderst, hälst du es für weniger gut, wenn viele Blogger über dasselbe schreiben, quasi dem “Trend nach”. Aber doch nur so bekommt solch ein Thema doch die Aufmerksamkeit, die es meistens auch verdient hat!
Wednesday, October 24, 2007 at 0:36
[...] kann mir niemand erzählen, die alle paar Wochen auftretende Relevanz-, Blogblues- oder Werbehurendebatten hätten nichts damit zu tun, dass die Blogosphäre in Deutschland [...]
Wednesday, October 24, 2007 at 6:18
Wednesday, October 24, 2007 at 10:15
[...] x-beliebigen Themen die Deutungshoheit. Die Frage ob uns diese eigentlich zusteht, ist berechtigt. Der Misanthrop bemerkte für sich jüngst «Leider scheint sich der Fakt, dass Wertungen und Bewertungen nie etwas [...]
Thursday, October 25, 2007 at 13:38
Ich stimme dir in der Hinsicht schon zu, Blogs (vor allem die privaten) haben ihren Erfolg ihren vielen privaten “eigenen” Themen zu verdanken. Ich finde es zwar gut, wenn ein wichtiges Thema durch Blogs bekannt gemacht wird, wenn es dabei aber nur um Traffic geht, wird immer wieder das gleiche produziert und “verwaschen”. Es ist ein sehr schmaler Grad und auf diesem zu gehen ist mehr als schwer. Mit meinem früheren Blog habe ich vor allem auf Traffic gesetzt und gemerkt, dass ich über wirklich unwichtige Themen berichtet habe oder einfach nur Informationen zusammengefasst habe - dadurch habe ich zwar viele Besucher gehabt, aber das Besondere, dass Blogs so erfolgreich gemacht hat, verloren. Deswegen habe ich einen neuen Blog gestartet und bin auch glücklich mit dieser Entscheidung. Ein paar tausend Besucher pro Tag sind schön, aber sie sind “wertlos” in meinen Augen wenn sie nur durch ominöse Suchbegriffe auf den Blog gelangen. Finanziell haben sie einen gewissen Wert, der mir meinen SErver finanziert - doch weiterschreiben tue ich auf diesem Blog nicht mehr.
Schöner Artikel.
Thursday, October 25, 2007 at 21:03
@plasmaoxyd: Wie Wiesel schon sagt, sich zu solchen Themen zu äussern, ist an sich schon gut und auch nötig, aber nur dann, wenn man auch etwas zu sagen hat, und nicht, wie im Fall Burma, bloss ein Banner hisst und seine Solidarität bekundet, ohne ein paar persönliche Worte zu verlieren oder sich ernsthaft darüber Gedanken gemacht zu haben.
@wiesel: Mir geht’s ziemlich ähnlich wie dir. Zwar freue ich mich über jeden Besucher, auch wenn der durch einen ‘zwielichtigen’ Weg hierher gefunden hat, doch bloss wiederkäuen, was andere gesagt haben, das mag ich nicht. Das kann ich auch nicht, da würde der Spass am Bloggen verloren gehen und ich müsste meinen Blog schliessen.
Danke, übrigens.
Wednesday, October 31, 2007 at 12:14
[...] sehen wir auch , dass an verschiedenen Stellen der RUF nach “AKTION BURMA - UND NUN ?” laut wurde . - “FREE BURMA ! - Da war doch mal was…?!” - Offenbar besteht auch weiterhin ein [...]