Menschenrechte, auf Ibisse angewandt

Singer verfasste 1975 das Buch “Animal Liberation” (Die Befreiung der Tiere), bis heute das Grundlagenwerk des Konzepts Tierrechte. Letzte Woche veröffentlichte er in dieser Zeitung ein Lob des spanischen Parlaments. Denn dessen Ausschuss für Umwelt und Landwirtschaft hatte erklärt, Singers “Great Ape Project” (Projekt Menschenaffen) zu unterstützen. Mit dem Projekt, das Singer mit Gleichgesinnten seit 1993 verfolgt, soll erreicht werden, dass Menschenaffen fundamentale Menschenrechte zugesprochen werden, darunter das Recht auf Leben, Freiheit und Schutz vor Folter.1

Er ist ein sehr intelligenter Mann, dieser Singer. Seine Ideen sind es jedenfalls wert, über sie nachzudenken - auch wenn man zum Schluss kommt, dass die kompletter Bullshit sind. Dies trifft bei obiger Idee zu: Menschenrechte für Affen. Klar, wir sollten die Affen vor Leid und Ungemach aus Menschenhand schützen. Genauso wie es moralisch zutiefst falsch ist, einer Maus die Barthaare auszuzupfen oder einen Elefanten ins Bein zu kicken. Aber wir können ihnen kein Recht auf Leben zugestehen. Wir können es jedem einzelnen Menschen auf dieser Erde verbieten, einen Affen zu töten oder zu quälen. Aber ihr Leben, ihre körperliche und geistige Unversehrtheit können wir ihnen nicht garantieren. Sonst müssten wir jenen Bonobo vor Gericht bringen, der gerade einen anderen vergewaltigt hat, jenen Schimpansen ins Gefängnis werfen, der bloss so aus Spass einen andern umgebracht hat. Und was ist mit jenen Pinguinen, die von Seeelefanten sexuell belästigt werden? Jene Ibisse, deren Heuschrecken in diesem Moment von einem andern gestohlen wurden?

hat tip to nikpol

  1. Michael Miersch - Falsch verstandene Affenliebe []






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6 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiMenschenrechte, auf Ibisse angewandtPubliziert am 13. August 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. Mathias

    Prinzipiell sehe ich nichts Falsches an den Ideen Singers. Klar ist es unmöglich, Tiere nach menschlichen Maßstäben vor Gericht zu verteidigen oder gar anzuklagen. Es wäre aber schon viel getan, wenn einerseits Tierquälerei in jeglicher Form verboten und auch verfolgt wird - dazu gehören natürlich auch Tierversuche, selbst wenn sie, wie als Beispiel angegeben, Medikamente gegen AIDS hervorbringen könnten -, andererseits die Tierwelt so gut wie möglich von uns Menschen in Ruhe gelassen wird. Dass eine hundertprozentige Verwirklichung dieser Prämisse unmöglich ist, ist mir durchaus bewusst, aber das ist noch lange kein Grund nicht so gut wie möglich darauf hinzuarbeiten. Etwas Inhumanes sehe ich darin ganz und gar nicht, außer man würde das Fehlen des ach so köstlichen Steaks auf dem Teller eines “Gourmets” so bezeichnen.

  3. Benjamin B.

    Ich komme später noch auf deinen Kommentar zurück, Mathias.

    In der Zwischenzeit habe ich jedoch 3 Fragen für dich:

    - Beträfe ein Verbot für Tierversuche auch Experimente mit Bakterien, Viren etc.? (Sofern nein, wo würdest du die Grenze zwischen erlaubten Versuchen und verbotenen ziehen?)

    - Würden auch Tierversuche verboten, die dem Tier keinen Schaden zufügen? (Z.B. Experimente, um ihre kognitiven Fähigkeiten zu erforschen.)

    - Liege ich damit richtig, dass du die Menschen weitgehend von den anderen Tieren trennen willst?

  4. Mathias

    1.: Nein, bin ich nicht; die Grenze ziehe ich, wie die meisten Tierrechtler, bei der Leidensfähigkeit eines Lebewesens. Hierbei halte ich mich an wissenschaftliche Erkenntnisse, denen zufolge Leid wie wir es kennen nur mit einem Zentralnervensystem erlebbar ist. Dass es auch andere Formen von Leid gibt, zum Beispiel so, dass auch Pflanzen es erleben könnten, ist möglich, in meinen Augen jedoch sehr unwahrscheinlich.

    Natürlich ist es gewissermaßen inkonsequent, nur jenen Lebewesen ein Recht auf Leben zuzuweisen, welche leiden können - aber irgendwo müssen wir nun mal die Grenze ziehen. Derzeit liegt die Grenze bei “Alle Lebewesen, die der Gattung homo sapiens sapiens angehören, haben ein Recht auf Leben” (und nicht etwa mehr “Alle weißen Männer” oder “Alle westlichen Menschen” und dergleichen) - würde man sie auf alle leidensfähigen Lebewesen ausweiten, so würde zumindest eine Menge Leid erspart bleiben.
    2. Das ist eine gute Frage. Generell wäre die Begrenzung auf diese Art von Tierversuchen schon mal ein sehr guter Anfang, widerspricht jedoch meinem Ideal, sich gänzlich von der Tierwelt fern zu halten (wie gesagt: so gut als möglich), was manipulative Aktionen betrifft. Könnte jedoch jedes Mal garantiert werden, dass das entsprechende Tier keinesfalls zu Schaden kommt und auch sonst nicht schlechter behandelt wird, als es in Freiheit würde - abgesehen von der Tatsache, dass es nicht frei wäre -, würde ich wohl nicht meine Stimme dagegen erheben.

    3. Kommt darauf an. Tiere unterscheiden sich prinzipiell natürlich von Menschen, in Punkten, die jedem bekannt sein dürften. Allerdings ist es wichtig, einen Unterschied und nicht eine Degradierung darin zu sehen. Soll heißen: Bloß, weil viele Tiere keine derart ausgeprägten kognitiven Fähigkeiten besitzen wie Menschen, macht sie das nicht schlechter, lediglich anders. Aus dieser Andersartigkeit soll jedoch gerade nicht folgen, dass bestimmte Grundrechte wie das Recht auf Leben oder das Recht auf Unversehrheit nicht auf diese Tiere zutreffen sollten, da sie, wie gesagt, ja dennoch lebens- und leidensfähig sind. Das, was wir als Intelligenz definieren, halte ich diesbezüglich also für einen schlechten Maßstab.

  5. Mathias

    Ehm, der allererste Satz sollte heißen “Nein, meiner Meinung nach nicht” oder so was in der Art.

  6. Benjamin B.

    1. Genauso würde auch ich die Grenze ziehen.
    By the way: Es gibt keine klare Definition, was ein Lebewesen ist und was nicht. Wo beginnt das Leben? Bei Aminosäuren? RNAs? Baktieren? Mehrzellern? Diese Frage kann man schlicht nicht beantworten, da es keine klare Grenze gibt.
    Genauso wenig kann man allerdings die Grenze zwischen leidensfähigen und -unfähigen Lebewesen ziehen. Obwohl wir sie ziehen müssen. Gleichzeitig allerdings berücksichtigen sollten, dass verschiedene Tiere unterschiedlich stark leiden können. Ich nehme an, hat eine Spezies ein Bewusstsein für die Zukunft, so empfindet sie z.B. das Eingesperrtsein als schlimmer, als eine Spezies, die nicht im Stande ist, vorauszusehen, dass sich ihr Leid noch in die Zukunft fortsetzen wird. Obwohl auch diese Spezies unter der Gefangenschaft leiden kann.
    Und natürlich ist es kaum möglich, dem Leid eine Ziffer zu geben, also zu sagen, wer unter welchen Bedingungen mehr leidet als der jeweils andere.

    2. Ein Tier in Gefangenschaft, das in guten Bedingungen leben kann und ab und zu ein paar Spiele durchstehen darf, kann sogar glücklicher sein, als ein Tier in der Wildnis, da die Gefahren der Wildnis allesamt wegfallen.
    Nein, damit meine ich nicht, dass man Tiere von der Wildnis retten sollte. Das wäre eine ausgesprochen dumme Idee.
    Aber da das Tier kein Leid erfährt, sehe ich schlicht nicht, wieso man gegen derartige Experimente sein sollte.

    3. Unterschied und Degradierung sind keine Synonyme. Jede Spezies differiert von der andern. Jedes Individuum differiert vom andern. Hier gebe ich dir vollkommen Recht.

    Ich bin mir nicht sicher, ob du die Frage so verstanden hast, wie ich sie stellen wollte. Ich wollte fragen, ob du Menschen und Tiere physisch trennen willst. Dies bejahst du in Punkt 2. (”meinem Ideal, sich gänzlich von der Tierwelt fern zu halten”)

    Darf ich fragen, wieso sich der Mensch von den anderen Arten fernhalten soll?
    Es geht bei dir ja darüber hinaus, Schlachthöfe und Tierversuchslabore zu schliessen. Ich bin auch dagegen, dass Tiere Leid aus menschlicher Hand erfahren, doch Begegnungen zwischen Tier und Mensch müssen nicht Leid hervorbringen. Milchkühe, die viel Auslauf haben, einen für sie schönen Stall und nicht augenblicklich geschlachtet werden, sobald sie keine Milch mehr geben, leiden ja durch den Menschen nicht. Was spricht also dagegen?

  7. Benjamin B.

    Gut, dir liegt es fern, Tiere strafrechtlich zu verfolgen, auch wenn diese sich des Genozides schuldig machen würden. Da sind wir der gleicher Meinung.

    Bezüglich Tierquälerei: Gehört verboten, ganz klar. Dazu gehört auch ein Verbot von unzumutbaren Bedingungen in Tierzuchten, auf Bauernhöfen, in Tierfabriken etc.

    (Du bist Vegetarier, nehme ich an? Auch Veganer?)

    Bezüglich Tierversuchen: Diese müssen so gestaltet werden, dass das Tier nicht leidet. Anaesthetika und Schmerzmittel z.B. In manchen Staaten gibt es auch schon Gesetze, die in diese Richtung zielen.
    Während Tierversuche moralisch fragwürdig sind, gibt es trotzdem etwas, das man gegen ein Verbot in die Waagschale legen kann: Den Nutzen. Ohne Tierversuche würde es derart viele Medikamente nicht geben, dass wir wohl kaum eine Lebenserwartung von 80 Jahren hätten.
    Diabeteskranke hätten extrem geringe Überlebenschancen, wenn sie kein Insulin beziehen könnten.
    Ein Verbot von Tierversuchen resultiert also in menschlichem Leid. Und während Tierversuche irgendeinmal ihr Ende erreichen werden, wird es das menschliche Leid nicht. (Das heisst schon, aber du weisst schon, was ich meine.)

    Jetzt gilt es abzuwägen: Menschliches Leid oder nichtmenschliches Leid? Eine Maus oder deine Tochter?




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