Ihr, die ihr denkt, der Staat müsse intervenieren, wenn Leute einen ungesunden Lebensstil pflegten, sprecht dem Menschen also sein Recht auf Eigenbestimmung ab. Dies bedeutet nicht nur, dass ihr es falsch findet, wenn jemand frei über seinen Körper verfügen darf, sondern auch, dass ihr es richtig findet, wenn andere Leute darüber bestimmen können, wie dieser jemand leben soll. Denn dies ist die Bedeutung von Fettsteuern, staatlichen Gesundheitskampagnen und Drogenverboten: Der Staat legt fest, welchen Lebensstil seine Bürger pflegen dürfen. Ein autoritär-paternalistisches System ist die Folge.
Du, der du also für Fettsteuern bist: Magst du es, wenn sich die Staatsgewalt in die Gestaltung deines Lebens einmischt? Findest du dies tatsächlich moralisch korrekt und unbedingt erstrebenswert?
Sunday, September 14, 2008 at 19:21
Sunday, September 14, 2008 at 23:49
Und was ist, wenn Du auf ner überdosis Kokain voller Paranoia mit Deiner Flinte Amok läufst? Findest Du dann auch, der Staat soll da nicht eingreifen? Erledigst Du dann die Drecksarbeit?
Monday, September 15, 2008 at 2:21
Ehm… und wie oft ist so etwas schon vorgekommen? Autofahren oder das Tragen von Waffen unter Drogeneinfluss ist ja nicht umsonst verboten, aber das muss nicht mit einem Generalverbot von Drogen gleichgesetzt werden.
Monday, September 15, 2008 at 13:09
Wie würde sich das auf die Überbevölkerung auswirken, wenn China die Geburtenrate nicht kontrollieren würde?
Sind meine Krankenkassenprämien so hoch, weil es nicht verboten ist, sich fettzufressen und statt Sport zu treiben nur seinen fetten Arsch mit einem Offroader durch die Gegend zu kutschieren?
Brutal ernsthafte Fragen, die nicht so leicht zu beantworten sind….
Der Staat soll nicht frei über den Körper seiner Bürger verfügen, jedoch soll der Bürger auch verstehen, dass er nicht frei über seinen Körper verfügen kann, da jeder auch eine Mitverantwortung für seine Mitmenschen trägt.
Das wird natürlich von verschiedensten Leuten verschieden ausgelegt. Die einen andeln sehr verantwortungsvoll und sind eigentlich die Träger unserer Gesellschaft. Andere setzen sich ins gemachte Nest. Sie sehen aus wie erwachsene Menschen, sind aber im Grunde genommen nichts anderes als Riesen-Babys
Der Anreiz dazu, Verantwortung zu übernemen ist jedoch, dass man dadurch selbst zum Macher wird nicht zu einem ferngesteuerten Phantomwesen verkommt.
Monday, September 15, 2008 at 16:42
@Tara: Was ist mit all den Leuten, die ausrasten, weil jemand in ihrem Garten ein Blümchen ausgerissen hat?
Wenn du Angst davor hast, dass Leute unter Drogeneinfluss aggressiver sind als sonst, dann müsstest du Alkohol verbieten. Aber das funktioniert nicht. Und Kokain wird allen Verboten zum Trotz konsumiert.
Monday, September 15, 2008 at 16:43
@Mathias:
Exakt, Drogen zu legalisieren, bedeutet nicht, dass man unter Drogeneinfluss Auto fahren darf. Oder dass man den Arbeitgebern die Freiheit nimmt, betrunkene Arbeitnehmer nach Hause zu schicken.
Monday, September 15, 2008 at 16:50
@Tara: Ich kenne China nicht genügend gut, um irgendetwas über die Einkindpolitik zu sagen.
Was wäre zudem, wenn Übergewichtige dein Portemonnaie weniger stark belasten als Schlanke? Und was ist mit all den Sportverletzungen? Motorradfahrern? Alkohol und Tabak? Da Trottoirs neben Strassen gebaut sind, atmen Fussgänger Feinstaub ein, was die Gesundheitskosten ebenfalls in die Höhe treibt. Bist du so konsequent, dass du all die obigen Dinge verbieten willst?
Bedeutet Solidarität nicht auch, dass man mit jenen solidarisch ist, die schlechte Entscheidungen treffen? Oder sollen Krankenkassen nur für genetische Defekte aufkommen und nicht für Verletzungen und Kranken, für die mindestens zu einem Teil der Kranke verantwortlich ist? Wie willst du überhaupt zwischen den beiden unterscheiden?
Des weiteren meine ich, dass die Leute gerade dadurch verantwortungsvoll werden, indem man ihnen Freiheit gibt. Je mehr Verbote, desto mehr Verantwortungslosigkeit und desto weniger Solidarität und desto mehr geistige Faulheit. Jemand anderer Meinung?
Tuesday, September 16, 2008 at 0:32
Nun, das mit der Freiheit ist ein guter Punkt (siehe z.B. auch http://www.bbv-net.de/public/article/auto/verkehr/589859/Die-erste-Stadt-ohne-Verkehrsschilder.html), aber mir geht es um etwas anderes: Deine Texte sind vollgespickt mit Polemik und Du pochst dauernd auf Privatrecht bzw. Privatisierung.
Das heisst aber in der heutigen Zeit: Alle Macht dem Stärkeren. Und da bin ich dagegen. Es ist schon genug so und es braucht mehr Gegengewicht. Und das erreichen wir eher durch persönliche Einschränkung zugunsten der Schwächeren (in letzter Instanz die Tiere und die Natur), als durch den “uneingeschränkte Freieit für jeden”-Betrug.
Tuesday, September 16, 2008 at 4:32
@Tara:
Ich stimme dir insofern zu, als ich in der uneingeschränkten Laissez-faire-Forderung auch die Gefahr sehe, dass die naturgemäß Schwächeren - das müssen nicht nur Tiere und Pflanzen sein, sondern auch Menschen mit schlechten Anfangsbedingungen oder körperlich Schwache - dabei untergehen, während die gebildete und starke “Elite” macht, was sie will. Klingt zwar drastisch, aber ohne - auch staatliche - Restriktion womöglich Realität.
Aber: Es gibt immer noch genügend Bereiche, in die der Staat in die persönliche Freiheit eingreift, obwohl dies alles andere als nötig wäre und bloß stur auf veralterten (und subjektiven) Moralvorstellungen pocht. Die Sache mit den Drogen ist ein solcher: Inwiefern schadet es anderen, wenn ich mir eine Line reinziehe und danach bis zum frühen Morgen feiere? Oder dies zu Hause tue, in meinen eigenen vier Wänden? Oder meinetwegen auch bei und mit Freunden - jedenfalls in einem Umfeld, in dem ich garantiert höchstens mich selbst gefährde. Ich sehe keinerlei Begründung für ein Drogenverbot, die über die Ideologien: “Gott sagt, dass Drogen böse sind”, “Wir wollen nicht, dass uns öffentliche Gelder abhanden kommen, weil sich jemand zudröhnt” (was aber genauso auf Extremsportler, Übergewichtige, Fleischesser und Spaziergänger anwendbar ist) und “Der Staat soll Einfluss auf seine Bürger ausüben” hinausgeht.
Wieso also ein Verbot von Drogen?
Tuesday, September 16, 2008 at 16:30
@Tara: Inwiefern bedeutet mehr Freiheit für alle, dass die Schwächeren unterdrückt werden?
Anders gefragt: Welche Verbote möchtest du, die den Schwachen helfen und die Starken in die Schranken weisen?
Wie unterscheidest du zwischen Starken und Schwachen?
Tuesday, September 16, 2008 at 16:36
@Mathias: Für dich ebenfalls die Aufgabe nach Beispielen zu suchen, die zeigen, wo Schwache von Verboten profitieren würde.
Mir fallen momentan keine Fälle ein, bei denen Schwache durch mehr Freiheit Schaden nehmen.
Ich spreche mich ja nicht für eine Anarchie aus, sondern für einen libertären Staat, der Eigentumsrechte garantiert.
Tuesday, September 16, 2008 at 17:56
Ich plädiere ja weder für ein Verbot von Drogen noch für irgendwelche verkorksten Moralvorstellungen.
Gesetzesentwürfe hier auszuhecken würden den gegebenen Rahmen wohl auch eher sprengen.
Mir gefällt einfach Dein Tonfall nicht. Du bedienst dich des Vokabulars eines Neo-Liberalen. Doch was ist Deine konkrete Position?
Tuesday, September 16, 2008 at 18:32
@Tara: Du sollst hier keine Gesetzesentwürfe aushecken, sondern mir sagen, wo ein Plus an Freiheit die Schwachen benachteiligt. Dies aus dem Grund, weil mir kein solches Beispiel einfallen mag.
Wie hättest du es denn gerne, wie ich mich ausdrücke? Welches Vokabular wäre dir genehm.
Meine Position? Nun, ich fordere zum Beispiel, Drogen vollständig zu legalisieren. Das Gleiche gilt für Prostitution. Des weiteren komplette Meinungsfreiheit. Die Abschaffung dieses Rassismusverbotes also, keine Zensur und Verbote von Musik-CDs, Filmen, Games etc. In Deutschland dasjenige Gesetz zu eliminieren, das die Abmahnungen ins Leben gerufen hat. Komplette Werbefreiheit. Kein Rauchverbot. Vollständige Vertragsfreiheit, so lange alle beteiligten Parteien alle Details kennen und mit ihnen einverstanden sind. D.h. Fight Clubs legalisieren. Komplette Liberalisierung der Geschäftsöffnungszeiten. Abschaffung der Ehe, wie wir sie kennen. Abschaffung der Todesstrafe. Totale Säkularisierung des Staates. Und so weiter und so fort.
Tuesday, September 16, 2008 at 19:07
Naja, ich wäre da vorsichtig mir der Abschaffung von Mechanismen, die solche Leute wie dich vor solchen Leuten wie mir schützen
Nein im Ernst, das sind ja alles schöne Schlagworte die da Deiner Feder entspringen. Dem einen oder anderen würde ich auch noch tendenziell zustimmen, obwohl ich bei genauerem Abwägen der Konsequenzen in den meisten deiner angeführten Punkte eher konservativ gestimmt bin. “Kein Verbot von Prostitution und Drogen z.B.?” In was für einer Wohlstands-Romantik-Kinder-Fantasie-Welt lebst Du dass Du für so etwas plädierst? Und glabst dann noch, Du seist progressiv und fortschrittlich…. das ist doch lächerlich…
Allerdings liefere ich dir jetzt doch noch ein kleines Beispiel:
Globalisierung sollte dir ja ein Begriff sein. Ein komplexes Thema und nicht generell ein schlechter Mechanismus. Der ungehinderte Transfer von Geldern aus Entwicklungsländern in reiche Industriestaaten ist das Beispiel schlechthin, für eine “Freiheit”, unter der ein überwiegender Teil der Menschheit leidet. Ein Vergleich mit dem Holocaust wäre hier für einmal angebracht.
Tuesday, September 16, 2008 at 20:07
Dir ist geläufig, dass wegen dem Prostitutionsverbot Prostituierte keinen (polizeilichen) Schutz geniessen? Findest du es so gut, dass Drogensüchtige im Gefängnis landen, da Drogenhandel ein schwarzes Geschäft ist, es sehr viel Gewalt und Verbrechen gibt und die Drogenmilliarden Terrororganisationen am Leben halten? Ach ja, trotz dem Verbot von Drogen, hat der Drogenhandel einen beträchtlichen Anteil am Weltumsatz. Und findest du nicht auch, dass jeder das Recht hat, mit seinem Körper zu verfahren, wie es ihm beliebt?
Versteh’ mich nicht falsch, Drogen können grausam sein, aber wenn man die Leute, die darunter leiden, kriminalisiert, hilft das denen auch nicht.
Nein, ich halte mich weder für progressiv, noch für fortschrittlich, sondern für freiheitlich. Wer Paternalismus oder Liberalismus für fortschrittlicher hält, ist deren Angelegenheit und mir relativ egal.
Welche Gelder fliessen von Entwicklungsländer in Industrienationen? Waren fliessen in diese Richtung. Geld in die Gegenrichtung. (Vereinfacht gesagt.) Aber was ist so schlecht daran?
Wenn ich für mich so überlege, dann lebe ich lieber hier und jetzt als in einem Ureinwohnerstamm oder im Mittelalter. Entwicklungsländer sind auf dem Weg in die Moderne, wenn du so willst. Ohne Globalisierung wären sie’s vielleicht nicht. Der Weg in die Moderne ist leider ein steiniger. Aber eine Wirtschaft lässt sich nicht in Sekundenbruchteilen aus dem Boden stampfen. Afrika macht momentan diesen Prozess der Wandlung von einer Clangesellschaft in eine Dienstleistungsgesellschaft durch. Wir haben diesen Prozess glücklicherweise schon hinter uns. Schmerzhaft war er trotzdem. Allerdings mit sehr erfreulichen langfristigen Konsequenzen. Du bist wenigstens hier der gleichen Meinung wie ich, oder?
Tuesday, September 16, 2008 at 21:42
Prostituierte geniessen weniger polizeilichen Schutz als jeder andere Bürger? Das ist doch eine weitere lächerliche Behauptung deinerseits. Wahrscheinlich denkst Du auch, dass all diese Frauen freiwillig am Strassenrand stehen und dies wolmöglich auch noch aus Spass am Sex tun.
Du bist wahrscheinlich auch noch nicht allzuoft von Drogensüchtigen überfallen oder abgelinkt worden.
(das war nun reiner Zynismus, bitte nicht darauf eingehen, doch bitte lies weiter, bis zum Schluss)
Wie auch immer, ich respektiere Deine Meinung trotzdem, auch wenn ich diese eher nicht teile. Ob ich lieber jetzt oder im Mitelalter lebe kann ich nicht beurteilen, doch der entscheidende Unterschied macht wohl auch hier aus, ob ich der Papst war oder eine Hexe.
Wie gesagt, es ist einfach die “Freiheit” hoch anzupreisen, wenn man sie hat. Und ich vermute, Du gehörst zu den extremprivilegiertesten. Du bist jung, erfreust dich bester physischer und geistiger Gesundheit, hattest eine gemächliche Kindheit in wohlbehütetem, gutsituierten Elternhaus, eine ausgezeichnete Schulbildung, nie Hunger, warst noch nie persönlich in einem Entwicklungsland… habe ich recht…?
Auf mich jedenfalls trifft diese Beschreibung beinahe zu 100% zu.
Ich schäme mich für die unter meinen Landsleuten, die bei einer Grossbank angestellt sind, mit einem Offroader durch die Gegend protzen, während andere am verhungern sind. Leben und leben lassen ist meine Devise, aber ich könnte so ignorant nicht leben. Ich habs auch schon versucht. Das ist vermutlich dieselbe Spezies, die um jeden Preis den EU-Beitritt hinauszögern will, zwecks Beibehaltung des Bankgeheimnisses, die Financiers hinter der SVP, deren Sprache sehr ähnlich tönt, wie die Sprache, in denen mancher Deiner Blog-Beiträge abgefasst ist.
Ich lebe hier und jetzt, und tue was ich kann, kaufe Fairtrade- und Bio-Produkte, habe kein Auto, spare Strom, nehme (fast) keine Drogen und esse (nahezu) kein Fleisch. Ich denke ich habe das grosse Erwachen schon hinter mir. Es was sehr schmerzhaft und es ist noch nicht ganz vorbei, doch es geht mir schon viel besser jetzt und ich lebe “wirklich”….
Ich hoffe, Du verstehst mit irgendwann, statt dass Du laufend Deine Energie damit verschwendest, deine Position zu verteidigen… insofern wünsch ich Dir alles Gute
Tuesday, September 16, 2008 at 23:18
Uneingeschränkte Freiheit führt meistens dazu, dass sich die Stärkeren über die Schwächeren hinwegsetzen. Beispiel Arbeitsmarkt: Würde jeder Arbeitgeber über seine Arbeitnehmer frei verfügen dürfen - also Arbeitsverhältnisse grundlos kündigen, Löhne auszahlen wie ihm beliebt oder unmenschliche Forderungen stellen -, blieben die auf der Strecke, die sich entweder nicht gegen ihren Chef durchsetzen können oder aber keine Alternativbeschäftigung finden. “Man kann ja kündigen” stimmt, führt aber nur zu mehr Arbeitslosigkeit, weil es je nach Branche und Ausbildung verdammt schwer sein kann, wieder einen Beruf zu finden, wo es einem womöglich besser geht.
Beispielsweise eine Putzkraft, die von ihrem Ansteller bezahlt wird, wie es diesem beliebt, 12-Stunden- und Nachtschichten leisten muss, um überhaupt etwas zu erhalten und wenn der Arbeitgeber für sie keine Verwendung mehr hat, einfach auf die Straße gesetzt wird. Ohne Gesetze (sprich, Gebote), die den Arbeitgeber einschränken, wäre dies alles Realität und könne nicht mal vor Gericht angefochten werden. Der Arbeitgeber würde sich wohl freuen, die Putzkraft weniger, vor allem wenn sie Arbeit dringend nötig hat und keine vertraglichen Ansprüche stellen kann.
Immer, wenn ein Abhängigkeitsverhältnis gegeben ist - in dem Fall also der Arbeitsuchende vom Arbeitgeber abhängig ist - muss eine neutrale Kraft einschreiten um zu garantieren, dass dieses Verhältnis nicht bestehen bleibt oder besser überhaupt verhindert wird. Das ist zwar nicht freiheitlich, aber menschlich und fair, was ich als höhere Werte erachte.
Wednesday, September 17, 2008 at 16:10
@Mathias: Ich bin zwar für Vertragsfreiheit, aber auch für Vertragssicherheit. Wenn der Arbeitgeber seinen Teil den Vertrag nicht einhält, dann braucht es gerichtliche Institutionen. An der Vertragssicherheit will ich garantiert nicht rütteln. Das hätte böse Folgen.
Wednesday, September 17, 2008 at 16:19
@Tara: Glaubst du eigentlich, weil ich für Freihandel einstehe, würde ich den Sinn und das Gute in Fairtrade nicht sehen oder Leute, die Fairtrade Produkte kaufen, belächeln? Glaubst du, bloss weil ich für grösstmögliche wirtschaftliche und persönliche Freiheit bin, wäre ich für hirnlose Verschwendung?
Du musst verstehen, Libertäre und Sozialdemokraten haben durchaus eine ähnliche Wertebasis. Auch Libertäre sind nicht dafür, dass man Leute schlecht behandelt oder tiefe Löhne zahlt oder die Umwelt verschmutzt, sie haben aber ganz andere Ansätze, um diese Probleme zu lösen.
Rayson von der Bissigen Liberale hat dies wunderbar formuliert:
http://www.bissige-liberale.com/2006/11/21/projektionsirrtmer/
http://www.bissige-liberale.com/2008/08/24/erkenntnisgewinn/
Thursday, September 18, 2008 at 1:16
Ist mir schon klar, alle wollen immer nur das gute. Möglichst für alle, aber vor allem für einen selbst. Ist ja auch ganz legitim.
Ich habe ja ziemlich detailiert geschrieben, was ich von Dir glaube. Da du das nicht dementierst, ist das einzige weitere was ich glaube und Dir noch mitteilen möchte folgendes: Leute in Deiner Position sollten sich nicht für mehr Freiheit zur verschwendung des eigenen Körpers einsetzen, sondern vielmehr für mehr Freiheit für andere, schwächere, benachteiligte….
Vergiss nicht, du verbreitest hier Informationen, machst gewissermassen Propagande, in einem öffentlichen Raum…
Thursday, September 18, 2008 at 2:00
Darum geht’s nicht. Dass du für Vertragssicherheit bist hab ich mir gedacht, aber es muss erst mal zu einem günstigen Vertrag auch für den Arbeitnehmer kommen. Und gegenüber dem Chef hätte der ohne Kollektivvertrag und arbeitsrechtliche Grundbedingungen wohl zumeist das Nachsehen - immerhin besitzt nicht jeder irgendein Talent oder eine besondere Ausbildung, mit der er den Arbeitgeber von der unbedingten Notwendigkeit seiner Anstellung unter seinen Bedingungen überzeugen kann. Damit aber auch Putzkräfte und Lagerarbeiter ordentlich und regelmäßig bezahlt werden bzw. Rückversicherungen bekommen, braucht es nun mal Gesetze und Regeln, und nicht willensfreie Arbeitgeber.
Thursday, September 18, 2008 at 16:47
@Tara: Zuerst zu deinem vorletzten Kommentar:
Wenn Prostitution illegal ist, dann können Prostituierte tatsächlich nicht einfach der Polizei anrufen, wenn sie vergewaltigt worden sind. Nein, nicht alle stehen dort freiwillig. Manche aber schon. In der Schweiz muss dank Sozialhilfe zudem niemand anschaffen gehen. Und wie denkst du, dass ein Verbot von Prostitution den Prostituierten hilft?
Denkst du, indem du Drogen verbietest, könntest du die Drogensucht bekämpfen?
Ja, beinahe hast du recht. Über die Geldfrage könnte man sich streiten. Dazu gibt es etliche andere Libertäre, deren Budget verdammt knapp ist. Aber das tut eigentlich nichts zur Sache. Argumente zählen. Nicht der Lebensstil der Argumentierenden.
Nein, ich bin kein SVP-Financier. Den meisten SVPlern stehe ich auch sehr kritisch gegenüber. Dann gibt es aber noch jene wie Spuhler. Der EU-Beitritt wäre ein Thema für sich. Wir haben bereits mehr als genügend Themen angeschnitten.
Und was meine Wortwahl anbelangt: Wäre es nicht ein wenig oberflächlich, von Polemik oder Zynismus gleich auf bestimmte Eigenschaften oder Ansichten zu schliessen?
Dann schneidest du die Problematik um Drittweltländer und die Globalisierung mit. Das sind ebenfalls komplexe und komplizierte Themen, über die man mehr als nur ein, zwei Sätze sagen müsste. Trotzdem: Konsum schafft Arbeitsplätze. Dies geht leicht vergessen. Auch über Fairtrade und Bio lässt sich streiten. Das Prinzip dahinter finde ich jedoch gut. Aber gerade dies beiden Dinge sind von deinem Portemonnaie abhängig. Wer knapp bei Kasse ist, kauft keine der beiden Dinge.
Ich verstehe deine Position durchaus, aber mir scheint, bis jetzt habe ich noch nicht viele Argumente von dir gehört, die deine Position untermauern. Um das geht es mir hier (Nebst dem Spass an der Sache und dem “Kampf” gegen einen paternalistischen, autoritären und freiheitsfeindlichen Staat.), um den Austausch von Argumenten.
Thursday, September 18, 2008 at 16:49
@Tara: Zu deinem letzten Kommentar:
Ich setze mich, anders als Recht und Linke, nicht nur für die Freiheit einer bestimmten Gruppe von Leuten ein, sondern für die aller. Also auch der Armen, Schwachen, Benachteiligten.
Obwohl ich immer noch wissen möchte, was du unter “Schwachen” meinst. Wir sollten uns darüber einig werden, bevor wir aneinander vorbei reden.
Ja, ich mache Propaganda. Propaganda für die Freiheit, nicht für die Ausbeutung, wie du vielleicht antönen magst.
Thursday, September 18, 2008 at 16:55
@Mathias: Du willst also die Vertragsfreiheit einschränken. Soweit ich dich verstanden habe, meinst du, wenn man diese nicht einschränkt, würden die Arbeitgeber die Arbeitnehmer ausnützen. Dies ist eine umstrittene Annahme.
Kann ich davon ausgehen, dass du für eingeschränkte Arbeitszeiten und Mindestlöhne bist?
Thursday, September 18, 2008 at 17:26
Ich will sie nicht einschränken, ich bin für eine Beibehaltung der aktuellen Regeln. Ja, das ist eine Einschränkung, aber zugunsten der oft benachteiligten (wieso, habe ich ja bereits erläutert) Arbeitnehmer.
Wieso umstritten? Denkst du nicht, dass ohne gesetzlichen Hintergrund für die Arbeitnehmer viel nachteiligere Beschäftigungsverträge entstünden - ganz einfach, weil der Arbeitgeber prinzipiell das letzte Wort hat?
(Mich würde zudem interessieren, was du von Monopolverboten hältst. Sinnvoll oder auch eine Einschränkung in die Freiheit der armen Wirtschaftstreibenden?)
Ja, ich bin für eingeschränkte Arbeitszeiten (nicht jedoch für geregelte Ladenöffnungszeiten), Mindestlöhne sind ein fragwürdiges Thema. Allerdings durchaus befürwortenswerter als eine staatliche Grundsicherung.
Thursday, September 18, 2008 at 18:02
Geht man von einer globalisierten Wirtschaft aus - Heutige Lage also. -, in der Wettbewerb zwischen den einzelnen Staaten herrscht, dann verhält es sich durchaus so, dass ausländisches Kapital eher abgeschreckt wird, je mehr Rechte die Arbeiter haben. Je leichter es ist, einen Angestellten zu feuern, desto eher wird ein Arbeitnehmer ihn einstellen. Deshalb sind die Arbeitnehmerrechte umstritten, weil sie gute und schlechte Auswirkungen haben.
Ohne jene Gesetze wären manche Verträge wohl tatsächlich nachteiliger, aber es ist gut vorstellbar, das solche Verträge dann viel eher und in grösserer Zahl abgeschlossen werden. Kurz gesagt: Ohne Arbeitnehmerrechte mag der Angestellte zwar weniger verdienen, mehr arbeiten oder schneller entlassen werden, aber er wird auch schneller (wieder) angestellt und hat somit einen grösseren Einfluss darauf, welchen Arbeitsvertrag er unterzeichnen will und welchen nicht.
(Ah, Monopolverbote und die Wettbewerbskommission. Die Vertragsfreiheit wird eingeschränkt um den Wettbewerb - und damit das Geniale an der Marktwirtschaft - zu erhalten. Eine schwierige Frage und ich muss dir ganz ehrlich sagen: Keine Ahnung. Ich habe sehr wenig über dieses Thema gelesen und noch nie darüber nachgedacht. Wäre vermutlich mal an der Zeit, dies nachzuholen.)
Grundsätzlich kann man auch sagen: Gibst du einer Gruppe von Personen gewisse Rechte, so schränkst du automatisch die anderer Leute ein. Schränkst du z.B. die Arbeitszeiten ein, so bereitest du vermutlich vielen Leuten eine Freude, aber jenen nicht, die bereit wären, zu diesen Konditionen zu arbeiten, weil sie sie z.B. nicht als schlecht empfinden oder gerade darin einen Vorteil sehen.
Das Thema Arbeitnehmerrechte ist eine Gratwanderung, bei der jeder Schritt positive und negative Auswirkungen hat. Vielleicht bricht sich die Problematik auch darin herunter, ob der Bürger eher risikoreich und freiheitlich oder risikoarm, aber weniger freiheitlich leben will.
Trotz all den Annehmlichkeiten, die einem solche Rechte bringen, würde ich mich für die Freiheit entscheiden. Mir ist sie einfach sehr viel lieber als Sicherheit, die dir Handschellen anlegt.