Kinder dürfen jetzt Häuser kaufen (?)

Für ein Wahlrecht von Geburt an setzt sich FDP-Generalsekretär Dirk Niebel (Berlin) ein. Auch Kinder und Jugendliche sollten ihre Stimme abgeben können, sonst würden 17 Prozent der Bevölkerung von einem Grundrecht ausgegrenzt, sagte er der katholischen Zeitung „Die Tagespost“ (Würzburg).

Wie könnte es anders sein, so lange die Kinder noch nicht wählen können, sollen die Eltern für ihre Kinder an die Urnen gehen.

Wie Niebel sagte, habe er seinen Vorschlag rechtlich prüfen lassen. Die Juristen kämen zu dem Schluss, dass das Staatsvolk – alle, die in Deutschland geboren werden – durch Wahlen seinen Willen zum Ausdruck bringe. Zum Staatsvolk gehörten auch Kinder. Sie würden nur aufgrund ihres Alters beim Wahlrecht ausgenommen. Andererseits käme niemand auf die Idee, beispielsweise einem 83-jährigen dementen Bürger das Wahlrecht zu entziehen. Die neue juristische Betrachtung werde die politische Diskussion beeinflussen, so Niebel.

Na klar, alle Säuglinge gehen schnell man Stimmzettel ausfüllen und alle sind glücklich. Oh, natürlich nicht die Säuglinge, sondern die Eltern. Das heisst, doppeltes, vielleicht auch dreifaches, manchmal gar fünffaches Stimmrecht für Leute mit Kind. Yes. Viele neue Gründe für Polygamie und “Karnickel Spielen”. Selbstverständlich werden die Eltern so stimmen wie die Kinder es würden. Abgesehen davon, dass Dreijährige die Stimmzettel nicht lesen können, Neunjährige keinerlei politische Bildung haben (geschweige denn Dinge wie Inflation oder Eigentumsrecht verstehen (Okay, das war unfair. Gegenüber den Kindern. Denn wie viele Erwachsene wissen schon, was Inflation bedeutet?), Dreizehnjährige keinerlei eigenständige politische Meinung haben, sondern alles den Eltern nachplappern, ist es eine gute Idee. Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Welcher Politiker glaubt ernsthaft, Eltern würden z.B. für den Bau eines neuen Schulhauses stimmen, wenn sie selbst ausdrücklich dagegen sind? Ich meine, wenn man schon doppelte Stimmkraft hat, dann missbraucht man die auch. Sonst braucht man sie ja nicht.

Dazu: Welcher 83-Jährige Demente geht schon wählen? Diese Leute haben andere Probleme. Z.B. wichtige Dinge wie ihren Namen oder Adresse des Pflegeheimes auf ihre Unterarme kritzeln, damit sie dort nachschauen können, wenn der Alzheimer schon wieder ein paar Erinnerungen gefressen hat.

Kinder haben deshalb kein Wahlrecht (und auch ein sehr eingeschränktes Vertragsrecht), nicht, weil dem Herrn Staat die Zahlen auf der ID nicht passen, sondern weil sie mental schlicht nicht in der Lage sind, vernünftig mit solchen Rechten, bzw. Pflichten, umzugehen. Mit obiger Argumentation müsste man einem Siebenjährigen erlauben, Kredite aufzunehmen und Häuser zu kaufen. Hey, welche Zwölfjährige möchte nicht gerne ein Pferd besitzen? Kein Problem, dank Niebel ist jeder Vertrag, den sie abschliesst, rechtlich gültig. Zahlen dürfen dann trotzdem die Eltern.

Vor drei Jahren hatten der Innenausschuss und der Familienausschuss des Bundestags einen interfraktionellen Antrag auf ein „Wahlrecht von Geburt an“ mehrheitlich zurückgewiesen. Im Innenausschuss stimmte nur der sächsische FDP-Abgeordnete Klaus Haupt dafür. Seit Jahren fordert unter anderem der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), ein Familienwahlrecht. Solange nicht jeder Mensch eine Wahlstimme habe, werde „der Demokratie und Familienfreundlichkeit unseres Landes ins Gesicht geschlagen“. Die Allianz repräsentiert rund 1,3 Millionen Evangelikale in Landes- und Freikirchen.1

Ein Familienwahlrecht? Wie schön. Vergessen wir all die zerstrittenen Familien und Patchworkfamilien und Eltern, die sich scheiden lassen und spielen - frei nach Marx und Benedikt XVI. - Kollektivismus. Sortieren wir all die Singles aus und statten dafür die Amish People und andere Sektenheinis mit dutzendfachem Stimmrecht aus. Kleinere Gemeinden hätten sie im Handumdrehen “erobert”. Dank ihrer durch Gebärfreudigkeit enorm gesteigerte Stimmmacht. Ich wette, diese Evangelikalen haben sich nicht überlegt, dass dann auch hunderte Gemeinden von Islamisten “übernommen” würden. Denn auch diese bringen Kinder zur Welt wie der Bauer Kartoffeln.

Manche Dinge sind einfach absurd. Wahlrecht ab Geburt gehört definitiv dazu.

Klar, Mündigkeit mit 18, da gibt es viel zu kritisieren. 18 ist ein relativ willkürlich gewählte Zahl. Genau wie 17 oder 19. Aber irgendwo müssen wir die Grenze setzen. Und 18 ist ein relativ vernünftiger Kompromiss. Da haben die Leute schon etwas Kenntnis von der Welt, kennen die Namen von ein paar Politikern, verdienen vielleicht schon Geld, gehen arbeiten, haben teils schon grosse (politische) Bildung - ja, da kann man erwarten, dass sie mit ihren vollen Bürgerrechten umgehen können.

  1. brightsblog - Niebelöses Kinderwahlrecht []






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4 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiKinder dürfen jetzt Häuser kaufen (?)Publiziert am 24. July 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. Schmitt

    Es gibt gute Gründe, das Wahlrechtsalter anzuheben:
    Ein Beispiel aus Deutschland:
    Ein Zwanzigjähriger haut Dir einen Baseballschläger auf den Kopf: Sollte er nicht geistig behndert sein, hat er die Reife zu erkennen, daß das dem Betroffenen mindestens sehr weh tut, wenn nicht sogar töten kann. Trotzdem wird er nach Jugendstrafrecht abgeurteilt.

    Widersinnig daran ist: In einem Bereich, in dem es sehr leicht ist -auch ohne große Bildung-, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden, wird er als Jugendlicher behandelt.
    In unübersichtlichen politischen- oder Rechtsfragen ist der Zwanzigjährige seit zwei Jahren mündig.

  3. Benjamin B.

    In der Schweiz gilt das Jugendstrafrecht für Kinder von 10 bis 18.

    Was Deutschland anbelangt: Ich denke, ich wäre eher dafür, die obere Altersgrenze für das Jugendstrafrecht zu senken, statt das Wahlalter anzuheben. Gründe? Unzuverlässige Intuition.

  4. Schmitt

    @Benjamin B.
    Auch ‘ne Alternative!
    Birgt aber mehr Eigenverantwortung, klappt in Deutschland also sicher nicht!




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