Eine weitere Dekade des Kalten Krieges

Wir haben sicherlich weitaus grössere Probleme als den Islamismus. Doch kaum etwas kann uns derart nachhaltig schaden wie eine zu grosse Ausbreitung des Fundamentalismus - egal ob islamisch, römisch-katholisch, evangelikal oder nationalsozialistisch motiviert -.

Nun verhält es sich heutzutage so, betrachtet man lediglich Westeuropa, Heimat von uns allen und Vorreiter in Sachen Menschenrechte (Was nicht mit strikter Einhaltung der Menschenrechte gleichzusetzen ist, sondern bloss bedeutet, dass hier in Westeuropa die persönlichen Freiheitsrechte einen grösseren Stellenwert einnehmen als in manch anderen Staaten.), sich die extremen Christen immer noch in Grenzen halten - Ich würde trotzdem ein scharfes Auge auf Kreationisten und dergleichen sektiererischen Gemeinschaften werfen. - und zwar seit Jahren vor einem Ausbreiten des Nationalsozialismus gewarnt wird, sich die Szene dem medialen Anschein nach jedoch nicht merklich zu vergrössern scheint und deren öffentlichen Auftritte (wenn rassistische Parolen geschwungen werden) zumindest in der Schweiz verhindert oder rasch wieder aufgelöst werden.

Im Gegensatz dazu scheinen sich radikalfundamentale Moslems - auch Islamofaschisten genannt - in Europa auszubreiten und teils öffentlich ihre Gedanken äussern dürfen, teils ihre Aufrufe zu islamistisch motivierter Gewalt nur unzureichend unterbunden wurden.

Nebenbei ist auch anzumerken, dass die tiefe Spaltung zwischen islamfreundlichen und islamkritischen Bevölkerungsteilen im Internet besonders gut zu beobachten ist, andererseits aber auch ganz reale Auswirkungen hat, wenn einerseits Morddrohungen gegenüber Islamkritikern ausgesprochen werden und manchmal auch vollzogen werden, andererseits öffentliche muslimische Anlässe gezielt gestört werden. Beide Seiten scheinen sich dabei immer häufiger über die Verfassung hinwegzusetzen und zu Selbstjustiz zu greifen, was vielleicht nicht verwerflich ist, aber absolut inakzeptabel.
Des weiteren ist bei Islamfreunden und bei Islamkritikern zumeist nicht unbedingt ein geringes Fachwissen, sondern mehr eine grosse Voreingenommenheit festzustellen. Eine sachliche Diskussion, z.B. darüber, ob der Staat und seine Organe härter gegen radikale Muslime vorgehen, resp. ob in manchen Fällen Islamismus gar toleriert wird.

An dieser Stelle möchte ich einerseits auf eines der jüngsten Interviews mit Ibn Warraq hinweisen, anderseits ein paar Linktipps zu weiteren Information geben, anderseits die Frage aufwerfen, was man persönlich tun kann, wenn man - virtuell oder real - mit Fundamentalismus konfrontiert wird.

FAZ.net: Ayaan Hirsi Ali im Interview: Die schleichende Scharia
Focus Online: Fluch im Internet gegen Islamkritiker
Qantara.de: Interview mit Khalil Samir: Politischer Islam als Primat der Unvernunft
Welt Online: Ist der Islam reformierbar?
Welt Online: Morddrohungen wegen Dialogs mit den Muslimen

Gerade das Interview mit Ibn Warraq ist sehr aufschlussreich, stimmt nachdenklich, aber auch etwas traurig, wenn man tatsächlich 100 Jahren Kalten Krieges entgegen blicken muss. Und nimmt man ihm beim Wort: “Der Kalte Krieg gegen den Kommunismus hat 40 Jahre gedauert, dieser hier kann 100 Jahre dauern. Oder noch länger. Aber er muss geführt werden.”, so liegt noch viel Arbeit vor uns, wahrscheinlich eine Periode noch verhärteterer Fronten, einige Todesopfer und langwierige, kräftezehrende Diskussionen.
Schlussendlich ist es die Vernunft die obsiegen muss und an diesem Prozess der Auseinandersetzung mit dem Islam, wie auch mit dessen Gegner muss sich der ganze Westen beteiligen, nicht nur einzelne Exponate, sondern auch der einfache Bürger. Die Zukunft liegt schliesslich und endlich in unseren Händen. Bloss: Momentan erwecken die wenigsten Händen den Eindruck, dass sie sich erstens an diesem Kalten Krieg beteiligen möchten und zweitens dazu in der Lage wären.

Spiegel Online: Interview mit Ibn Warraq: “Dieser Kalte Krieg kann 100 Jahre dauern”







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2 Kommentare

  1. rafael

    Danke für die spannenden Gedankengänge und den versuch ein brisantes Thema und die damit verbundenen Spannungen zu komunizieren. Im Beschriebenen Islamisten-Fundamentalisten Schwerpunkt muss einfach viel an grundsätzlicher Aufklärung getan werden. Es gibt unter vielen islamischen Staaten maximal vier mit radikalen Tendenzen und das ist wenig. Auch die West-Ost Fronten, welche sich zunehmends verhärten erfasse ich als problematischen Punkt. Angst schüren und Verbarikadieren nützt uns hier rein gar nichts!

  2. burnttongue

    Danke für den Comment, Rafael.




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