High Heels und Trottoirs

Es scheint ja nicht gerade gesund zu sein, High Heels zu tragen. Müssten unsere Gesundheitsfanatiker nicht auch für Präventionskampagnen, Verbote oder Stöckelschuh-Steuern eintreten? Man stelle sich ja nur all die Gesundheitskosten vor, die von High Heels verursacht werden. Beinahe noch schlimmer als Passivrauchen, Fast Food oder Skisport.

Bevor wir allerdings bestimmte Schuhmodelle verbieten, sollten wir damit beginnen, Bürgersteige nicht mehr neben der Strasse zu bauen. Man will ja Gesundheitskosten senken und der Feinstaub und Smog, die über einer viel befahrenen Strasse hängen, sorgen für viele Kranke.

Da wir in einem Zeitalter der Solidarität und Toleranz leben, erstaunt es mich, dass sich niemand mehr mit jemandem solidarisieren will, der eine schlechte Entscheidung getroffen hat und dass kaum einer den ungesunden Lebensstill eines andern toleriert.

Wenn wir also Zwangssolidarität wollen, dann sollten auch Frauen in High Heels und Vielfrasse in diesen Genuss kommen. Besonders weil letztere unser Portemonnaie eher ent- als belasten.

Wenn wir in einer freien Gesellschaft leben wollen, dann sollten wir uns überlegen, ob wir dem Staat erlauben wollen, unseren Lebensstil durch Warnungen auf Zigarettenpaketen, Verboten von McDonalds-Werbung und Präventionskampagnen zu beeinflussen. Die Leute zu informieren ist gut, aber jene zu stigmatisieren, die einen ungesunden Lebensstil pflegen wollen? Das ist deren private Angelegenheit, und in solche hat sich der Staat nicht einzumischen.







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7 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiHigh Heels und TrottoirsPubliziert am 7. September 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. Matthias

    Es ist nur solange deren private Angelegenheit, wie die Gesellschaft nicht in übermässiger Weise die Kosten dieses Lebensstils tragen muss — in Form von Krankenkassenprämien oder direkter Beeinträchtigung des Lebensstils und der Lebensqualität anderer Leute.

    Wenn dieser Grundsatz nicht beachtet wird, wird alles Reden über Freiheit zur Farce, da es nur noch um die Freiheit des Stärkeren bzw. des Rücksichtsloseren geht.

  3. Benjamin B.

    Es ist aber kaum festzustellen, welcher Risikofaktor wie grosse Kosten verursacht. Zwar kann man bei ein paar wenigen Faktoren eine Korrelation mit einer Krankheit beobachten (Raucher haben häufiger Lungenkrebs etc.), aber dies für Dinge wie High Heels zu tun, kommt einer fröhlichen Rätselraterei gleich. Das heisst, wir würden ein paar Risiken herausgreifen, deren Auswirkungen man gut kennt und alle anderen vernachlässigen, auch wenn diese vielleicht schlimmere oder kostenintensivere Folgen haben. Wo liegt hierin genau der Sinn?
    Dazu kommt, dass jeder Einzelne Risiken eingeht. Es geht schlicht nicht anders. Und es ist ja genau der Sinn einer Versicherung, dass man sich nicht andauernd über die Kosten der möglichen Folgen den Kopf zerbrechen muss, da ja die anderen Prämienzahler z.B. die Spitalkosten mitzahlen helfen. Sonst müssten wir uns dazu durchringen, dass Krankenkassen nur die Behandlung von Erbkrankheiten bezahlen. Aber auch hier wieder: Wie unterscheiden, ob jemand wegen ungesundem Lebensstil oder seinen Genen Krebs bekommen hat?

    Nein, risikoabhängige Prämien funktionieren nicht. Zumal Fettleibige dann eine Reduktion erhalten müssten, da Schlanke aufgrund ihresm längeren Lebens insgesamt grössere Kosten verursachen.

    Du willst also Rücksicht per Staatsgewalt erzwingen?
    Ich für meinen Teil finde es besser, wenn Leute sich von sich aus rücksichtsvoll verhalten und nicht, weil man ihnen eine Pistole an den Kopf hält.

  4. Matthias

    Ja, was High Heels angeht bin ich völlig einverstanden. Ebenfalls meine ich, dass die Leute von sich aus rücksichtsvoll sein sollten, dies entspricht aber, wie man immer wieder sieht (z.B. im Strassenverkehr) nicht der Realität.

    Auch bin ich einverstanden, dass risikoabhängige Prämien vor allem eine Stigmatisierung der betroffenen Bevölkerungsteile bewirken. Ich habe aber auch nach mehrmaliger Lektüre des Blogeintrages nicht bemerkt, dass dies das Thema des Textes sei.

    Nun aber meine Rückfrage: Bist Du dagegen, dass z.B. Gesundheit Schweiz (Informations-)Kampagnen gegen Fettleibigkeit macht?

  5. Benjamin B.

    Ja, es gibt leider viele rücksichtlose Leute, aber ich bin der Meinung, dies kann man mit Gesetzen und Verboten schlecht ändern.

    Nun ja, eine klare Botschaft hat der Eintrag auch nicht. Ich wollte einfach ein paar Gedanken loswerden.

    Wenn ich jetzt wüsste, was Gesundheit Schweiz ist, dann könnte ich dir besser antworten. Gegen Informationsweitergabe habe ich nichts, ich befürworte es, dass man in den Schulen Kochen lernt und Ernährungslehre etc. hat, dass man den Kindern also lehrt, wie eine ausgewogene Ernährung aussieht und dass Weissbrot mit Mayonnaise einen höheren Energiegehalt hat als eine Selleriestange. Vielleicht sollten die Schulen mehr Zeit in diese Dinge investieren, vielleicht auch nicht. Ich weiss es nicht.

    Aber staatliche - oder staatlich finanzierte - Werbekampagnen gegen Fettleibigkeit (Du magst dich vielleicht an diese aufgedunsenen Velos erinnern, die man eine Zeit lang an Plakatwänden gesehen hat.) lehne ich ab, da es ein Versuch darstellt, die Lebensweise der Bürger zu beeinflussen. Und dies sollte der Staat meiner Meinung nach nicht tun. Gegen private Kampagnen habe ich insofern etwas, dass ich ihre Wirkung bezweifle und das Risiko einer Stigmatisierung der Dicken besteht.

    Ich habe nichts dagegen, wenn man anderen versucht, einen gesunden Lebensstil nahe zu bringen. Das ist eine wunderbare Sache, so lange es nicht auf Zwang besteht und funktioniert. Also z.B. jemandem einen Kochkurs zu zahlen, anstatt im ein Diätbuch zu kaufen.

  6. Matthias

    Ich habe genau diese Kampagne mit den aufgedunsenen Velos gemeint. Ich glaube auch nicht, dass solche Plakate einen grösseren Eingriff in den persönlichen Lebensstil darstellen als jemandem einen Kochkurs zu bezahlen. Beides kann als Hinweis verstanden werden.

    Ich verstehe Deine Abneigung gegen den Versuch, Einfluss auf ungesunde Lebensweisen zu nehmen, nicht. Es sollte klar sein, dass z.B. Fettleibigkeit bei weitem nicht das einzige “Problem” ist. Vielleicht wird dies nicht genügend klar kommuniziert. Aber immerhin wird etwas getan — man kann nicht immer auf die perfekte Lösung warten, diese kommt nämlich nie. Für mich sind solche Kampagnen als Teil des Gesellschaftsvertrages zu sehen. Die Gesellschaft gibt, sie verlangt aber auch. Ihre Ressourcen sind endlich, und wenn sie durch jemanden übermässig beansprucht werden, muss im Sinne der Freiheit der übrigen eingeschritten werden.

    Man kann die gesellschaftliche Komponente des menschlichen Lebens nicht komplett ausblenden und sagen, dass es nur individuelle und eigenverantwortliche Lebensgestaltung gibt — dies ist realitätsfremd, und zwar nicht nur in unserer heutigen Gesellschaft sondern auch zu Urzeiten.

  7. Benjamin B.

    Findest du nicht, es macht einen Unterschied, ob dieser Hinweis von einem Kollegen kommt oder einer Plakatwand, ob der Staat sich in dein Leben einmischt oder deine Freunde?

    Ich finde es bloss falsch, wenn der Staat sich in solche Angelegenheiten einmischt. Wenn Privatpersonen so etwas tun, dann hab’ ich nichts dagegen.

    Du sagst also, dein Körper gehört nicht dir allein, sondern jeder Bürger der Nation hat gewissermassen ein Mitspracherecht, wie du deinen Körper benutzen darfst?

    Welche Ressourcen werden genau von Übergewichtigen übermässig beansprucht?

    Reicht es nicht, wenn der Gesellschaftsvertrag lautet: Du gibst dem Staat Geld, dafür baut er dir Schulen, Strassen und Spitäler?

    Du kannst dein Leben natürlich nicht abgekoppelt von äusseren Faktoren und deinen Mitmenschen gestalten. Ich spreche mich auch für Respekt und Höflichkeit und Freundlichkeit aus, aber ich halte erzwungenen Respekt für wertlos. Oder würdest du es mögen, wenn jemand dich nur grüsst. weil er sonst eine Busse zahlen müsste?




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