Gentech und Mutantengemüse

(sda) Der Bundesrat will das Moratorium für eine gentechnikfreie Landwirtschaft um weitere drei Jahre verlängern. Das gegenwärtig geltende Moratorium läuft im November 2010 aus. Die Landesregierung will nun Zeit gewinnen, um Klarheit über Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen zu gewinnen. Die Resultate des entsprechenden Nationalen Forschungsprogramms liegen voraussichtlich Mitte 2012 vor. Vollzugsbestimmungen für den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen im Freiland könnten sinnvollerweise erst erarbeitet werden, wenn diese Grundlagen vorliegen, hielt der Bundesrat am Mittwoch fest.1

Leuenberger meint gar, die Verlängerung des Moratoriums entspräche dem Volkswillen. Zwar wollte das Volk bloss ein Moratorium bis 2010, und nicht bis 2013, aber das ist ja ein Detail und was das Volk will, sowieso egal.

Doch selbst wenn. Wenig ist derart unbegründet wie die Furcht vor Gentechnik. Häufig ist diese wohl sowieso nur Teil einer allgemeineren Technophobie oder Futurophobie. Manchmal geht sie auch Hand in Hand mit religiösem Konservatismus.

Vielleicht sollten wir für die Nutzpflanzen- und Kleintierzucht ebenfalls ein Moratorium aussprechen. Schliesslich wurde bei denen noch nie untersucht, ob sie nicht eventuell schädliche Wirkungen haben. Zumal wurden herkömmlich gezüchtete Pflanzen jahrzehntelang als gentechfrei gekennzeichnet. Das grenzt an gezielte Irreführung des Konsumenten. Schliesslich wurden an der Gene einer gewöhnlichen Kartoffel doch ziemlich viel herumgeschraubt. Vom Weizen, den Äpfeln und dem Mais gar nicht erst zu sprechen. Wer weiss, vielleicht verlassen diese künstlich gezüchteten Apfelgene ja die Äpfel und verbinden sich mit irgendwas anderem. Nicht auszudenken, wenn diese plötzlich in Birnen landen würden. Das gäbe mindestens eine Million Tote.
Du lächelst darüber? Wieso lächelst du dann nicht auch über die Argumente gegen Gentech?

Weil es was anderes ist? Stimmt, das Züchten ist effizienter geworden. Direkter. Man muss sich nun nicht mehr mit hunderten von Pflanzengenerationen abmühen, bis man dann vielleicht das gewünschte Ergebnis erlangt. Gentech ist zwar bei weiten davon entfernt, uns den Werkzeugkasten für die Zucht von Wunschpflanzen in die Hand zu drücken, doch das Züchten fällt nun schon leichter als noch bei den alten Ägyptern.

Lustigerweise sind auch Bio-Produkte unbedingt gentechfrei. Blinde Naturromantik. Vermutlich.

  1. nzz - Mehr Zeit für Gentech-Forschung []






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15 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiGentech und MutantengemüsePubliziert am 17. May 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. juliaL49

    Sehr schön auf den Punkt gebracht.

    Das Problem ist nämlich nicht (nur) die Gentechnik, sondern die Uninformiertheit der meisten Konsumenten. Ein schönes Beispiel ist auch immer diese berühmte Maus mit dem Ohr auf dem Rücken, die “neulich” wieder beim Launch des Projektes TransGen (Transparenz für Gentechnik) verwendet wurde. Dabei war das das Werk von Chirurgen und Immunologen…

  3. Benjamin B.

    :-)

  4. Zombieeichendorff

    Aber Naturromantik macht doch auch Spass.

  5. Benjamin B.

    Klar kann sie Spass machen. Aber wenn es darum geht, die Gefährlichkeit von gentechnisch veränderten Pflanzen zu beurteilen, sollte man sich lieber auf Fakten stützen.

  6. Düsterkeit

    Ich habe mir auch schon gedacht, dass die Leute, die gegen Gentechnik sind, denjenigen ähneln, die gegen Obduktion von Leichen etc. waren.
    Andererseits sehe ich keine Notwendigkeit, Gentechnik einzusetzen, einfach, weil wir auch so genug zu essen haben. Bin aber offen für Argumente von eurer Seite.

  7. Benjamin B.

    Mit der Gentechnik kann man natürlich sehr viele verschiedene Dinge machen. Golden Rice zum Beispiel. Und auch gegen höhere Produktionserträge hätte ich - angesichts steigender Lebensmittelpreise - nichts einzuwenden. Und wenn Gentechn hilft, weniger Pestizide einsetzen zu müssen, dann habe ich auch dagegen nichts.

    Andererseits geht es nicht zwingend um die Notwendigkeit - auch wenn die meiner Ansicht nach an vielen Stellen gegeben ist - es geht auch um die Freiheit der Forschung und der Bauern. Wenn einer an Gentech forschen will, dann soll er das dürfen. Wenn ein Bauer Gentechkartoffeln anpflanzen will, dann soll er das auch dürfen.

  8. Andreas Kyriacou

    Sorry Benjamin, aber hier schwurbelst Du Unsinn.

    Mit herkömmlichen Zuchtverfahren kriegst Du kein Gen einer Mikrobe in die DNA einer Pflanze. Aber genau das ist das das Prinzip hinter Bt-Pflanzen.

    Es macht sehr wohl einen Unterschied ob ein Toxin als Insektizid eingesetzt wird oder - wie eben bei Bt - Teil der DNA-Sequenz einer Pflanze ist. In beiden Fällen kann es zwar in die Nahrungskette gelangen. Aber nur im zweiten Fall kann es sich via Auskreuzung fernab des ursprünglichen Einsatzgebietes ausbreiten. Raps z.B. kann sich über mehrere Kilometer hinweg bestäuben.

    Und im Gegensatz zu einem “gewöhnlichen” Herbi- oder Insektizid kann das transgene Material auch nicht nur zeitweise eingesetzt werden. Es entfaltet seine beabsichtigte, aber auch seine unbeabsichtigte Wirkung über die volle Lebensdauer der Pflanze.

    Noch völlig unklar sind auch die Allergierisiken von gentechnisch veränderten Pflanzen.

    Es sind beileibe nicht einfach eine Handvoll Esoteriker und Naturromantiker, die sich von den Verheissungen der Saatgutmonopolisten nicht einfach blenden lassen.

  9. Benjamin B.

    Nein, artfremde Gene bekommst du nicht in die Pflanze. Aber das sagt noch überhaupt nichts aus.

    Darum bin ich auch für intensive Forschung. Damit man eben derart unerwünschte Wirkungen verhindern kann.

    Ich würde bezweifeln, dass die Allergierisiken von gentechfreien Pflanzen derart klar sind. Bei manchen ja. Doch was ist mit dem grossen Rest?

    Ah ja, bezüglich den Monarchfaltern, die von transgenen Pollen geschädigt werden: Du weisst ja, was passiert, wenn Pflanzen und Tiere an Orte kommen, an die sie nicht gehören. Artensterben im Dutzendpack. Auch ohne Gentech. Dafür mit ganz herkömmlicher Landwirtschaft. Und Flugreisen. Und die Nomadenvölker erst, die Samen über hunderte Kilometer transportieren.

  10. Düsterkeit

    Doch, ich bin mir sicher, dass es Allergierisiken gibt; wenn du nur schon ungewöhnliche Gerichte isst, geht es dir, wenn du empfindlich bist, nachher schlecht.
    Gegen Milch hatte der Mensch ja auch was; nur durch die Evolution haben sich die Menschen mit Laktoseverträglichkeit durchgesetzt.

  11. Benjamin B.

    Ist es nicht so, dass z.B. Chinesen auch heute noch keine Milch vertragen?

  12. Düsterkeit

    Ja, glaube ich auch, ich bin mir leider auch nicht hunderprozentig sicher.

  13. Benjamin B.

    Seit 8000 Jahren können Erwachsene Milch trinken.
    Chinesen nicht wirklich.

    Etwas mehr hierzu

  14. Andreas Kyriacou

    Na ja, Milch ist ein Boomgetränk in China (video). Den meisten fehlt zwar tatsächlich das Verdauungsenzym Laktase, aber sie müssen schon mehrere Gläser bechern, um dem Magen wirklich zuzusetzen.

    Noch zu den artenfremden Genen: Doch, das sagt eben schon was aus: Dass Du nämlich Zeugs bastelst, für die Du keine gescheite Versuchsanordnung hinkriegst. Das hat bezüglich Vorgehen wenig mit Verfahren zu tun, bei denen “einfach” ein Gen ausgeschaltet wird, z.B. um bei einer Kartoffel zu steuern, welche Art Stärke sie produziert. (Selbst das ist nicht ganz ohne, da Gene dummerweise oft an zig Stellen wirken, aber die Auswirkungen solcher Mutationen sind viel eher vorhersehbar.)

    Golden Rice ist im besten Fall ‘fool’s gold’. Mangelernährung kriegst Du nicht wirklich mit einer einzigen Pflanze weg - im Gegenteil: Die grossflächigen Monokulturen sind Teil des Problems, nicht der Lösung.

  15. Benjamin B.

    Allerdings ist es durchaus besser, du isst Golden Rice als normalen Reis. Besser ein wenig Vitamin A als gar keins.




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