Geil nach Traffic

Geil nach Aufmerksamkeit, so drückt es Pascal Witzig aus und verweist dabei auf diesen Beitrag von Julian Kücklich. Schöne neue Blogsosphäre?, fragt jener sich und stellt korrekterweise eine Selbstausbeutung bei einigen Bloggern fest.

Doch was steckt tatsächlich dahinter? Hinter jenem Kampf um Aufmerksamkeit und der Selbstausbeutung?

Ich kann es nicht sagen. Ich bin zu neu hier.

Fest stehen drei Punkte:

1. Der Durchschnittsblogger will Traffic.

2. Viel Traffic bedeutet gewöhnlicherweise viele Leser.

3. Je grösser der eigene Bekanntheitsgrad, desto mehr zählt die eigene Stimme.

Dies wiederum läuft auf Punkt 4 hinaus:

4. Je mehr Aufmerksamkeit man bekommt, desto mächtiger ist man.

Ein Abbild der Realität, dem Alltag, in dem wir gefangen sind und den wir zu meistern versuchen. Wir alle brauchen Leute, mit denen wir kommunizieren können. Und die meisten von uns haben eine sehr gefestigte Meinung, von der sie nur ungern abrücken. Sobald man sich jedoch im Recht wähnt, sind andere Meinungen falsch, unkorrekt oder gar schlecht. (Wie zum Beispiel in der Frage um den Irakkrieg. Jedermann meinte etwas dazu. Obwohl kaum einer die Gegebenheiten im Irak kannte und nur ein paar wenige die Auswirkungen eines Einmarsches erahnen konnten. Doch jedermann äusserte sich dazu, und meistens sehr abschätzig über die ‘Gegner’, jene Leute, die die gegenteilige Meinung vertraten. Niemand dabei, dass es weder richtig noch falsch gab. So machte sich auch niemand daran, abzuwägen, ob die Kosten oder die Nutzen eines Krieges grösser wären. Zu Beginn des Einmarsches dann wusste immer noch keiner, ob der Krieg ein Verlustgeschäft werden würde.) Andere Meinungen werden jedoch nicht toleriert, sondern bekämpft. Da es jedoch nicht besonders einfach ist, eine Vendetta auszurufen, werden diese ‘bösen’ Leute nicht kalt gemacht, sondern, wenn möglich, auf die eigene Seite gebracht.

Aus diesen Gründen ziehe ich folgendes Fazit: Sobald einer anfängt zu bloggen und etwas tiefer eintaucht in die Blogosphäre, befindet er sich unweigerlich mittendrin in diesem Kampf um Meinungen. Und er beginnt selbst, sich den Mund wässrig zu machen, wenn er Traffic riecht. Er buhlt um Aufmerksamkeit und versucht aufzusteigen. Stück für Stück dehnt er seinen Einflussbereich aus und vergrössert seine Macht. Bis hin zur Selbstausbeutung, bis hin zur Vernachlässigung der Grundbedürfnisse. Bis ins kalte Grab, denn es ist der Kampf des Alltags, der mit Tastatur und Wordpress ausgefochten wird.

Bis die ersten Steine fliegen…







Bei allen Services (Mister Wong, Yigg, Infopirat etc.)
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7 Kommentare

  1. Jochen Hoff

    Nein Sobald jemand anfängt zu denken, befindet er sich im Kampf der Meinungen, weil jeder der sich Mühe mit seinem Denkprozess gegeben hat, dessen Ergebniss und den Erkenntnisweg auch anderen mitteilen möchte. Ob im Blog oder am Tresen.

    Erkenntnisse möglichst vieler Menschen die miteinander, zu gleichen Bedingungen konkurrieren, nützen allen und bilden einen Meinungsfluss, der sich mit anderen zu einem Strom verbinden, aber auch versickern kann.

    Meinung muss sich behaupten, verteidigen und angreifen. Intelligent, geschickt aber eben auch fair.

    Je mieser ein Gedanke oder eine Meinung ausgearbeitet ist, desto leichter fällt es den Verteidigern dieser Meinung, alle Andersmeinenden zu beschimpfen. Prügel statt Argumente - wer keine Argumente hat, muss prügeln.

  2. robert

    Wie am Stammtisch halt…

    Aber solche Tage habe ich auch. Und das ist ja ebenfalls ein Abbild des “echten” Lebens. Man denkt dann, dass das ganze so sinnlos ist. Aber dann gibts doch auch wieder andere Tage, in denen Bloggen kreativ, fröhlich und verlockend genug erscheint, nicht damit aufzuhören :)

  3. Die Welt ist Scheisse - Aber ohne Geruch » Blog Archiv » Abmahnung von Blogger zu Blogger [Update]

    [...] blogger irgendwie auch trafficsucht, ich auch. jeder, w?rde ich einfach mal als these behaupten. hier fand ich einen link zu einem interessanten artikel dazu - Sch?ne neue [...]

  4. Pascal

    Danke für den Backlink; das freut den Traffic-Geilen. Könntest du evtl. einen manuellen Trackback machen? Irgendwie zeigt es deinen Trackback bei meinen Kommentaren nicht an. Und ich will ja schliesslich auch nett sein ;)

  5. burnttongue

    @Pascal:

    Bitteschön. Ist Ehrensache. Ohne dein Post hätte ich meinen Beitrag auch nicht schreiben können, resp. wäre gar nicht auf das Thema gestossen.

    thx also

  6. burnttongue

    @robert:

    Yep…

    Wir sind auch nur Gefangene unseres eigenen Lebens, wir kennen auch gar kein anderes. Somit wird alles, was man tut, zu einem Abbild dieses ‘echten’ Lebens.

    Stimmt, es gibt solche und solche Tage. Wenn zweitere überwiegen, ist es gut so. Wenn nicht, wird nicht mehr gebloggt, zumindest für eine kleine Weile. Ging mir auch schon so.

  7. burnttongue

    @Jochen:

    Du hast schon Recht. Wer keine Argumente hat, der wird sehr schnell sehr persönlich. Und subjektiv. Und moralisiert gerne.

    Doch ich habe erlebt, dass ‘Erkenntnisse’ verschiedener Menschen keineswegs allen nützen. Vielleicht auf lange Zeit gesehen schon, das kann ich nicht sagen. Aber wenn die ‘Erkenntnisse’ anderer dem eigenen Weltbild widersprechen, dann werden sie nicht nur bekämpft, sondern kahlgeschlagen und verbrannt. Und dies keineswegs nur bei argumentativ Schwächeren. Nein, ich habe das auf sehr schmerzhafte Weise auch schon bei Leuten erlebt, die durchaus stechende Argumente haben. Doch wenn dann jemand ihrer Meinung widerspricht, dann sind alle Argumente und die feinere Rhetorik plötzlich verschwunden und nur noch schwere Geschütze zählen.




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