Exorzisten gesucht

In was für Zeiten leben wir, wenn Kirchenvertreter nach Exorzisten brüllen und sich niemand auch nur darüber enerviert?1

Der Herr Papst Benedikt XVI. kündigte letzte Woche an, sein Exorzistenkontigent um 3′000 wackere Mannen aufzustocken. Laut Schweizer Teufelsaustreibern sind Exorzisten in der Schweiz stark gesucht. Ausbildungszentren sind an diversen Orten geplant.

Wenigstens gibt es Ärzte, die vor Teufelsaustreibungen warnen. “Gefährlich wird es, wenn Patienten auf Therapie und Medikamente verzichten”, so der Chefarzt einer psychiatrischen Klinik in Basel.

Selbst hier in Westeuropa kommt es von Zeit zu Zeit vor, dass Leute bei Teufelsaustreibungen sterben. Aber für treue Katholiken ist daran natürlich Satan schuld, der diese armen Opfer ganz hinterhältig getötet hat.

Es ist jedoch nicht einzig diese ganz leibliche Gefahr, die uns aufschrecken sollte. Was hinter diesen Exorzismen steckt, sollte uns auch zu Denken geben: Düsteres, schrecklich finsteres Mittelalter mit Hexenverbrennungen und wohlsatten Bischöfen. Ein verblüffend einfaches, dualistisches Weltbild. Gut und Böse sind klar definiert. Dämonen schwirren umher und könnten von Leuten Besitz ergreifen. Danach zwingen sie diese armen Menschen zu gar grässlichen Dingen wie zum Beispiel Gotteslästerung oder vorehelichem Sex. Doch welch Glück gibt es aufrechte Pfaffen, die den Teufel austreiben können.

Was nach einem Fantasy-Roman klingt, das bestimmt so manches säkulares, westliches Leben: Dämonen und die Versuchungen des Teufels.

Yep, das ist ein satter Sprung ins Mittelalter zurück. Und wer einst dort ist, sich an der Einfachheit seines Glaubens labt und überzeugt davon ist, dass es das Böse wahrhaftig gibt, der schreckt auch nicht davor zurück, Leute auf den Scheiterhaufen zu schicken. Der Heilige Krieg beginnt wieder, und das bei weitem nicht nur im arabischen Raum.

  1. sonntasgzeitung - Katholische Kirche startet Offensive gegen den Teufel []






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2 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiExorzisten gesuchtPubliziert am 10. March 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. plasmaoxyd

    Hihi =) Irgendwie lustig, zum Glück bin ich kein Katholik *grinz*

    Man darf sich Exorzismus aber nicht mehr so vorstellen wie im Mittelalter. Heutzutage handelt es sich da um Gespräche, Meditationen, Tänze usw. In Rumänien werden ja auch Leichen wieder ausgebuddelt, und deren Herzen verbrannt, wenn man vermutet dass ihre Seelen rumspuken. Insofern schlechtes Beispiel. ;)
    Bei solchen in den Medien auftauchenden Fällen handelt es sich auch fast aussschließlich um Fälle aus entsprechenden Kulturkreisen und orthodoxen Kirchen.

    Fragt man sich nur, wann jemand Bessessen ist, oder ob diese Regelung auch für Leute wie den Papst gilt - schließlich kann der sich bei diesem Weltklima auch mal schnell ‘nen Dämonen einfangen. :P

  3. Benjamin B.

    Scheisse, ich schon. Vielleicht sollte ich auch tagsüber die Türen schliessen, damit keine Teufelsaustreiber bei mir einsteigen können.

    Das hoff’ ich doch sehr, dass sich Exorzismen heutzutage nicht mehr so abspielen wir früher. Die Vorstellung, dass manche Leute glauben, da würden Dämonen herumschwirren und urplötzlich von Leuten Besitz ergreifen, da kriecht mir ein kalter Schauer die Wirbelsäule hoch.
    Dies war für mich immer so etwas Entferntes. Klar, man hat im Geschichtsunterricht mal davon gehört oder eine Doku über Voodoo gesehen, aber wirklich nahe kam ich diesem Dämonenglaube nie. Dass es ihn nun in meiner Nachbarschaft geben soll, erschreckt mich doch ziemlich.

    Denn selbst der Gottesglaube, mit dem ich in meiner Kindheit konfrontiert worden war, das war ein sehr abstrakter. Kein personifizierter Gott, sondern halt so “die treibende Kraft hinter allem”.

    Na ja, ab und zu erwacht man ganz schön brutal.

    Ach, der Papst, der hat sicherlich eine ganze Armada an Schutzengeln. Wie soll sich da ein Dämon zu ihm verirren können?




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