Es geht immer noch nicht um Freiheit

Botellóns brennen. In andern Worten: Jeder redet darüber, die Hälfte regt sich auf, die andere stammelt was von dümmeren Dingen, die die Jugend tun könnte.1

Bullshit. Der Fakt, dass andere Dinge schlechter sind, macht die Tat nicht besser. Das ist schlicht keine Argumentation. Dazu fällt auf, dass viele Kommentatoren völlig berechtigt fest stellen, dass auch an Schwingfesten und Grümpelturnieren gesoffen wird und Drogenkonsum zudem kein neuzeitliches Phänomen ist, sondern sich durch die ganze Menschheitsgeschichte zieht. Doch nahezu keiner steht für die Freiheit der Jugend ein, mit sich machen zu dürfen, was auch immer ihnen beliebt.

Manche tun es trotzdem, wie Kurt Imhof, dessen Interview oben verlinkt ist. Ich komme nicht umhin, auf die paradoxe Scheinheiligkeit hinter seinen Worten hinzuweisen. Imhof erkennt zwar die Verbotskultur, die grassiert, und stemmt sich gegen Verbote, die Alkohol, Sex und Tabak betreffen. Moralisten mag er ebenso wenig wie Buttersäure. Gleichzeitig poltert er gegen Neoliberalismus und Globalisierung und spricht sich für eine rigorose Kontrolle der Wirtschaft aus. Hier liegt das Paradoxon. Die Freiheit zu wirtschaften gehört ebenso zur Freiheit des Individuums dazu, wie die Freiheit sich zu besaufen. Es sind keine gegensätzlichen Dinge, es sind nahezu dieselben. Dazu sollte ein Soziologe wissen, dass man den Paternalismus nicht in haben Stücken bekommt. Entweder will man Freiheit oder will sie nicht. Beginnt man sie zu verbrennen, bleibt rasch nicht mehr als Asche übrig, aus der ein sozialistischer Staat aufersteigt.

Dazu ist es lächerlich. Freie Marktwirtschaft ist unser grösster Trumpf. Beschneidet man sie, dann leiden die Arme zuerst. Aber vielleicht gehört Imhof auch zu jenen Moralisten, die es fürchterlich finden, T-Shirts in China herstellen zu lassen. Aber nimm’ den Chinesen, die sich gerade auf den Weg in die glitzernde Dienstleistungsgesellschaft machen, diese Jobs weg und du hast ein paar tausend Hungernde mehr. Gewiss, der Weg ist brutal und mühselig, aber er ist der einzige, den eine Gesellschaft hat. Auch wenn Globalisierungsgegner diesen Weg noch so gerne Verbarrikadieren möchten.

  1. tagesanzeiger - «Macht Massenbesäufnisse! Es gibt Dümmeres» []






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5 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiEs geht immer noch nicht um FreiheitPubliziert am 20. August 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. Düsterkeit

    Was interessieren eigentlich die Leute diese beschissenen Botellóns? Da finden ein paar statt und es wird gleich so getan, als stecke der Staat in einer riesigen Krise. Sommerloch, hoffe ich da doch.
    Die alten Säcke, die pauschal was gegen Jugendliche haben, nehmen dies als Vorwand, eben dies zu tun.
    Die Juso-Pseudo-Rebellen glauben wieder, die tolle politische Avantgarde zu sein.
    Langweilige Spiesser geben sinnlose Kommentare in sinnlosen Blättern von sich.
    Du nimmst das ganze als Vorwand, mal wieder auf die Sozialisten zu hauen.
    Sucht euch ein Leben! - Oder genehmigt euch ein Bierchen in ner Spunte. Oder zwei, drei. Vielleicht vier. Oder freut euch auf die Fastnacht. Das ist ja was gaaaaanz anderes.

  3. Benjamin B.

    Kein Sommerloch, aber ein Thema, dass wiederkehrt.

    Klar, botellóns sind an und für sich belanglos und haben niemanden zu interessieren. Allerdings trifft das auf einen ganz grossen Packen anderer Dinge zu, in die sich der Staat auch einmischt. Und solange er das tut, mische ich mich auch ein. Um das geht’s, nicht um Besäufnisse.

  4. Düsterkeit

    Gut, aber du kommst einfach zu weit vom Thema weg.
    Vom Besäufnis zur Imhof zur freien Marktwirtschaft.

  5. Benjamin B.

    ich weiss, tut mir leid. ist mir beim schreiben aufgefallen, aber dann dachte ich: was soll’s, drei themen zu verbinden ist zwar nicht die feine art, aber irgendjemanden wird’s vielleicht gefallen. und dann hatte ich auch einfach keine lust, diesen post zu löschen und drei neue zu schreiben.

  6. Düsterkeit

    Schon ok, dir ist vergeben ;-). Wenigstens heulst du nicht über die schlimme Jugend rum.




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