Ein Fluchwort auf den blassen Lippen

Eines der unzähligen Dinge, die ich nicht verstehe, ist die Hysterie um Fluchwörter. Wie kommt es, dass zwar jeder ab und an flucht, bestimmte Wörter wie fuck oder shit aber teils von ganzen Fernsehsendern verbannt werden?

Mir wäre es zwar vollkommen fremd, aber ich könnte es annähernd verstehen, wenn diese Zensoren unserer Alltagssprache jeglichen unanständigen Worte und Flüche eliminieren möchten. Doch das Wörtchen fuck wird zumeist lediglich als f*ck geschrieben oder mit einem Piepston übertönt. Welchen Sinn macht das? Ein jeder weiss immer noch haargenau, um welches Wort es sich handelt und spricht es höchstwahrscheinlich in seinem Geiste mit. Der andere Ansatz ähnelt jenem von Ned Flanders. Fluchwörter werden nicht auszulöschen versucht, sondern werden durch frei erfundene Ausdrücke ersetzt. Als läge ein Fluch auf einem Wörtchen wie gottverdammt und jeder, der dieses in den Mund nähme oder gar schon nur dächte, nähme realen Schaden. Selbst Jugendschutz zieht nicht. Wörter wie fuck oder crap richten schlicht keinen Schaden an. Blosse Worte verderben keinen Verstand. Jemand, dem auf einem Tonband ellenlose Schleifen profaner Ausdrücke vorgespielt würden, dem ginge es gleich gut wie jenem, der Diddlydum sagen würde, wenn er sich mit dem Hammer auf den Daumen schlägt.

Was also kann jemand dazu motivieren, Fluchwörter ausrotten zu wollen, ausser der irre Glaube, Worte, also bestimmte Ton- und Zeichenfolgen, besässen eine inhärente positive oder negative Macht, die sich auf alles auswirkt, was mit ihnen in Berührung kommt?

(Siehe auch Penn & Teller: Bullshit! - Profanity 1, 2 & 3)

Ich meine bloss, wenn sich jemand das Herz aus dem Leib fluchen will, lasst ihn, flucht mit.







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10 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiEin Fluchwort auf den blassen LippenPubliziert am 4. November 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. Michael

    Die meisten Leute wuerden warscheinlich ja noch nicht mal das Wort bemerken. Aber wenn ein Piepston gespielt wird der so gar nicht in das Bild was man sieht reinpasst merkt jeder das da wohl ein Schimpfwort war.
    Das neueste was ich hier in USA bemerkt habe ist das sie wenn so ein Wort gesagt wird dann wird fuer diese zeit einfach der ton leisergestellt.
    Ist ziemlich nervig in Action Filmen. Wenn grade etwas explodiert und dann sowas wie ein Tonfehler kommt.

  3. Düsterkeit

    Ich denke, es geht hier um gesellschafliche Konventionen. Wer flucht, benutzt ein niedrigeres Sprachregister als die Standatsprache.

  4. Michael

    Srache veraendter sich staendig. Woerter die unsere Eltern als Schimpfwoerter hatten sind heute einfach normale Woerter geworden. So wird es wohl auch dem “Fuck” ergehen. Und dann kommen neue Woerter.

  5. Kein toter Fisch

    links from TechnoratiEin Fluchwort auf den blassen Lippen

  6. Benjamin B.

    @Michael: Scheint schlimmer zu werden mit diesem linguistischen Säuberungswahn. Aber ich gebe dir Recht, es würde niemand bemerken, wenn jemand fuck oder shit sagt. Gerade weil es relativ alltägliche Worte sind. Piepstöne sind das nicht.

    @Düsterkeit: Mich dünken diese Konventionen relativ verkrampft. Dazu sehe ich nicht ein, wieso man bestimmte Worte in bestimmte Kategorien einteilen soll und diese dann als höher oder niedriger bezüglich ihres Wertes ansehen sollte. Es macht für mich schlicht keinen Sinn.
    Dazu halte ich es für viel wichtiger, wie diese Worte benutzt werden. Fluchwörter können zum Diskriminieren benutzt werden, aber auch als künstlerisches Mittel.

  7. Düsterkeit

    Verstehe mich nicht falsch. Ich fluche gerne und lese auch gerne Bukowski und das VIce Magazine. Aber: Sprache unterteolt Menschen. Daran wird sich nichts änderen, es sei denn, du willst “Neusprech” einführen.
    Und komm mir nicht mit irgndwelchem Freiheitsgewäsch. Es ist jedem möglich, seine Ausdrucksweise selbst zu wählen. Allerdings sagt die Sprechweise auch etwa süber dich aus, genau wie die Kleidung. Du kannst meinetwegen auch, was weiss ich, in Strapsen und mit einem Napoleonhut an den SVP-Parteitag - nur, beliebt mahcts du dich nicht.
    ich glaube auch nicht, dass du auf irgendeiner für deine Karriere wichtigen Veranstaltung rumfluchen würdest, es sei denn, du wolltest keine Karriere machen, sonderen dich lächerlich.
    Fluchen als künstlerisch zu bezeichnen halte ich für übertrieben, ich sehe es eher so, dass Künstler, da sie ein spezieller Teil der Gesellschaft sind, viele Sitten und Normen derselben ohen Prestigeverlust brechen können.

  8. Benjamin B.

    Gewiss, Sprache sagt schon etwas über den Sprechenden aus. Der Durchschnittsakademiker drückt sich anders aus, als der Durchschnittsbauer. Und ja, seine Ausdrucksweise muss man zwingend dem Umfeld anpassen.

    Was ich aber möchte, ist, dass wir mit der Sprache lockerer umgehen. Ich strebe nicht mehr Rumgefluche an oder unmanierliches Gehabe, sondern ich will, dass kein Drama draus gemacht wird, wenn jemand derbe flucht. Sei dies daheim in der Garage, sei dies beim Businessmeeting oder sei es der Bundesrat im Staatsfernsehen. Es gibt sehr viel Wichtigers, als ob dieser oder jener nun relativ einfache oder hochkomplizierte Sätze, ob er antiquitierte oder “schmutzige” Worte gebraucht.

    Nein, Fluchen ist nichts künsterlisches. Aber es kann ein künsterlisches Mittel sein. Bei Bukowski ist es zum Beispiel ein Stilmittel. Aber George Carlin ebenfalls. Ein Carlin wäre kein Carlin, wenn er nicht derart grob fluchen würde. Seine Aussagen werden aber wegen dem nicht weniger wert oder weniger tiefsinnig. Ich halte Carlin für einen ziemlich intelligenten Menschen. Für intelligenter als manche, die schon bei der Begrüssung komplizierte Fachausdrücke verwenden.

    Das wollte ich eigentlich sagen: Dass der Gebrauch von Fluchworten kein Indiz für die Intelligenz der Person ist. Und dass wir mit Flüchen lockerer umgehen. (Damit meine ich nicht, dass wir mehr fluchen sollten, sondern dass wir unsere panische Scheu vor ihnen verlieren.)

  9. Düsterkeit

    Hm, da hast du Recht.
    Aber leider erreicht dieser Blog kaum Bünzliamerikaner :/.

  10. Benjamin B.

    Es erreicht nicht einmal die Bünzlischweizer. ;-)




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