Die Welt ertrinkt in Blut

Gestern. Nachmittag.

Alleine sass ich auf dem Gleis 1 am Freiburger Bahnhof. Die Schule aus. Ein Wochenende vor mir.

Keiner war dort, als ich mich ins Wartehäuschen setzte. Bloss eine alte Dame, die durch ein buntes Blättchen bätterte. Und draussen auf einer Holzbank ein junges Pärchen, eng umschlungen. Es war heiss, doch kein Schweiss netzte meine Stirn, bloss eine kalte Wut, die dahinter wütete.

Ich dachte nach. Und wäre dies eine gute Geschichte, oder irgendein Blockbuster, dann würde jetzt ein Schwarm heiser krächzender Raben über dem Bahnhofsdach kreisen, düster kalter Nebel zwischen den Gleisen hervor quellen oder schon nur ein paar entsetzlich schwarze Gewitterwolken sich am Horizont zusammenrotten.
Doch es war bloss öde Realität. Nicht einmal ein Hitzeflirren kräuselte die Luft über dem Asphalt.

Einsamkeit schnürte mir die Luft ab, doch was in mir weit mehr Unbehagen auslöste, das war das Fehlen von Gerechtigkeit. Mochte es etwas geben, das ür andere paradiesisch war, für mich schaute es nur wie ein kalter Ascheregen aus.
Grau.

Was will ich in dieser Welt, wo ich am Freitag nach der Schule weit weg von Vertrauen und einem Gefühl das annähernd Zufriedenheit sein könnte, allein am Bahnhof sitze, zusammengekauert wie ein Obdachloser in einer kalten Moskauer Nacht. In einer Zeit, in der es allgemeines Entsetzen auslöst, wenn ein Cho Seung-Hui ein paar miserable Theaterstücke schreibt. Damn. Als ob es nicht dazu gehörte, mal jemandem den Tod zu wünschen.

Gerechtigkeit. Hah. Ich hätte vielleicht glücklich sein sollen. Doch was ich tatsächlich empfand, das war eine tiefe, irritierende Langeweile. Und ich fragte mich. Fragte mich, was tatsächlich so erstrebenswert daran sein sollte, ein Leben zu leben, wie es alle taten. Wieso, verdammt, fallen früher oder später alle in die Gutbürgerlichkeit zurück, der sie entstammen. Warum rann einsame Gleichgültigkeit über meine Haut.

Irgendwann einmal flatterte eine Taube vorbei. Etwas später fuhr mein Zug im Bahnhof ein. Grelles Licht strömte in die staubigen Compartements. Ich zitterte vor Kälte.







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