Kinder, die noch nicht zwischen Fiktion und Realität, zwischen Faktenbeschreibungen und Handlungsaufforderungen unterscheiden können, sollte man nicht mit Bildern und Texten überfluten. Die Konsequenzen scheinen klar zu sein. Einem Menschen aber, der klar bei Verstand ist und obige Kompetenzen besitzt, den Zugang zu Medien, resp. die Benützung derer, zu verbieten, scheint etwas merkwürdig zu sein.1
Es ist nicht empirisch nachgewiesen, dass Splattermovies zu mehr Gewalt führen. Doch nehmen wir für den Lauf dieses Eintrags an, es wäre so. Das Ergebnis dieses Nachweises müsste folgendermassen lauten: Leute, die häufig Filme mit expliziten Gewaltszenen ansehen, zeigen eine höhere Wahrscheinlichkeit auf, später in ihrem Leben eine Gewalttat zu verüben, als Leute, die nie oder selten Thriller, Splatter, Krimis etc. ansehen.
Was sagt uns das?
Dass bestimmtes Verhalten sich auf eine gewisse Art auf zukünftiges Verhalten auswirken kann. Scheint keine neue Erkenntnis zu sein. Doch wenn man aus obigem Beweis schliesst, dass Gewaltfilme verboten werden müssen, weil deren Konsum eine gewisse Verhaltenswahrscheinlichkeit auf negative Art beeinflusst, dann müsste man jeden einzelnen Reiz, dem ein Mensch ausgesetzt werden kann, auf ein solches Risiko untersuchen. Was unmachbar ist (Schon nur empirisch nachzuweisen, dass Killergames zu Amokläufen führen, ist ein Ding der wissenschaftlichen Unmöglichkeit.) und zudem dazu führen würde, dass nicht mehr viele Dinge übrig bleiben würden, die man ohne sogenannte Gefahr tun kann. D.h. die Erkenntnis wäre, dass sich jegliches Agieren negativ auf künftiges auswirken kann, worauf es ankäme, wären nicht die Risikofaktoren, sondern die Personen. In anderen Worten: Diese Reize haben negative Auswirkungen auf das Verhalten dieser Personen, jene Reize auf jene Person, usw.
(Nicht zu vergessen sind die negativen Auswirkungen von Verboten von Handlungen mit unerwünschten Konsequenzen.)
Daraus lernt der Sicherheitsfanatiker, dass er sein Leben nicht unter Kontrolle hat und man immer von gewissen Risiken begleitet wird, solange man lebt. Statt uns um imaginäre oder reale, aber geringe Risiken zu sorgen, sollten wir einfach das Leben geniessen. Niemand kann uns Sicherheit garantieren. Befinden wir uns aber in einem Angstzustand, so sind unsere Handlungen häufig nicht die klugsten.
(Letzte Sätze gilt auch für Killerspielehasser, Botellonkritiker, Atomkraftgegner, Rauchverbotepropheten, Kapitalismuskritiker und Börsenbroker.)
Thursday, September 25, 2008 at 19:47