Die Eizelle mit Menschenwürde
Bezüglich der Diskussion um die Stammzellenforschung und Menschenwürde:
Der argumentative Bezug zur Menschenwürde entspringt der theologischen Ethik, und die hat in der Forschungspolitik nichts verloren. Ethik wägt nach vernunftbestimmten Kriterien ab, und einer befruchteten Eizelle die volle Menschenwürde zu zu billigen ist nicht vernünftig.
Der Verweis auf bisher fehlende Therapien gleicht dem Klammern der Forschungsgegner an den letzten Strohhalm. Auch den Gegnern ist allerdings klar, dass nicht erwartet werden kann, ein komplettes Forschungsgebiet sei in fünf Jahren entwickelt und liefere Therapien, wenn schon die Entwicklung eines Alltagsmedikaments 10 Jahre und länger dauert.
[...]
Niemand, der je in einem Labor mit Zelllinien gearbeitet hat, ob nun tierischen oder menschlichen Ursprungs (die sehen nämlich gleich aus, wenn sie vom gleichen Zelltyp sind) wird behaupten, dass diesen Zelllinien eine Würde innewohnt, die es verbiete, daran zu forschen.
[...]
Auf dass die Debatte weniger emotional und von religiösen Werten geprägt geführt wird, sondern logisch, rational, überprüfbar - und basierend auf produzierten Daten und erreichten Meilensteinen. So funktioniert nämlich Wissenschaft. Und: Wissenschaft konnte noch nie durch Denk- und Forschungsverbote aufgehalten werden.1
Ins Extreme gezogen, könnte man gar sagen, ein Verbot der Stammzellenforschung sei menschenfeindlich, da man so das extreme Potential nie erforscht und somit womöglich etliche Leben drastisch verkürzt,
- WeiterGen! - Stammzellen: Forschungsfreiheit oder Ethiklobby? [↩]









April 22, 2008
April 23, 2008
Irgendwie bin ich froh das ich diese Entscheidungen nicht treffen muss.
Man wird sehen wie sich das alles entwickelt.
April 23, 2008
April 30, 2008
Nur eine kurze Anmerkung. Der Titel “Eizelle mit Menschenwürde” ist falsch; richtig wäre Zygote oder befruchtete Eizelle.
Weiterhin sollte bedacht werden, daß es hier darum geht, jeden Angriff auf menschliches Leben grundsätzlich abzuwehren.
In diesem Zusammenhang hat die kath. Kirche eine klare Position und kath. Priester - ich erinnere an den Kardinal von Galen - sind im 3. Reich ins KZ gewandert, weil sie sich gegen das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten stellten, mit großem Ernst und vollem Risiko. - Wo möchtes Du denn im Hinblick auf menschliches Leben Grenzen ziehen - beim 16 Zell Stadium, nach 3 Monaten, bei bestimmten Krankheiten, bei Alzheimer???
April 30, 2008
Nun, vielleicht sollten wir die Grenze dort ziehen, wo die neuronale Tätigkeit beginnt. Ab jenem Zeitpunkt, ab dem ein Heranwachsendes zum ersten Mal in der Lage ist, zu spüren, Empfindungen zu verarbeiten.
April 30, 2008
Warum nicht morgen eine andere Grenze? Und unter dem angeführten Kriterium lassen sich doch auch Komapatienten entsorgen,nicht wahr? - Man könnte dieses Spiel noch eine ganze Weile treiben. Ich finde es, im Hinblick auf den ethischen Aspekt, sehr fortschrittlich, daß menschliches Leben nicht in das Belieben von Interessen (Wissenschaft,Pharmaindustrie,Brightjünger
gestellt wird.
April 30, 2008
Ist bei Komapatienten keinerlei neuronale Aktivität mehr vorhanden? Anyway, sie sind prinzipiell empfindungsfähig. Sie haben alle Anlage dazu. Nervenzellen, Hirnzellen, etc. Bei einem Sechzehnzellhaufen ist dies nicht der Fall.
Als Demokrat spreche ich mich dafür aus, dass dies vom Volk entschieden wird. Als Liberaler fordere ich jedoch grösstmögliche Forschungsfreiheit.
By the way, wenn Stammzellforschung nicht erlaubt sein soll, dann ist Abtreibung Mord. Selbst Verhütung wird dann problematisch. Denn wenn eine befruchtete Eizelle dieselben Rechte hat wie ein Kleinkind, wieso sollte eine unbefruchtete Eizelle keine Rechte haben?
May 1, 2008
May 1, 2008
Es scheint mir aus den genannten Gründen problematisch und auch vor der geschichtlichen Erfahrung gefährlich, die Anerkennung des Menschenseins an irgendeine Leistung zu knüpfen.
Daß das Volk über den Sachverhalt entscheidet, ist schon in Ordnung. Natürlich geht der Entscheidung eine rationale Diskussion voraus und jeder muß sich prüfen, ob seine Gründe tragfähig sind, auch wenn sie zum aktuellen Mainstream zu gehören scheinen. Gründe werden gewogen und das verlangt gründliches eigenständiges Denken.
Forschungsfreiheit ist ein hoher Gut, der Mensch jedoch ein höheres.
Das Abtreibung Tötung eines (potentiellen) Menschen ist, wer will das bestreiten.-Verhütung scheint mir jedoch völlig unproblematisch zu sein und eine unbefruchtete Eizelle ist halt kein potentieller Mensch.
May 4, 2008
Geschichtlich gesehen… Du spielst vermutlich auf den Sozialdarwinismus an.
Doch hier geht es nicht um irgendwelche Leistungen, sondern um die Wahrnehmungsfähigkeit. Dass wir empfindsamen Lebewesen nicht unnötig Schmerzen zufügen, dessen sind wir uns wohl einig. Aber ein winziger Zellhaufen, der spürt ja überhaupt nichts. Seine Gene sind halt identisch mit denen eines Menschen, stimmt, doch auch mit dem Geisseltierchen haben wir sehr viele Gene gemeinsam.
Nein, ich sagte Mord, nicht Tötung. Abtreibung ist ein Tötungsakt, doch eher vergleichbar mit dem Töten eines Bakteriums, oder, wenn’s hoch kommt, einer winzigen Mücke.
Eine unbefruchtete Eizelle ist ein halber potentieller Mensch, wenn du so willst. Doch wenn man der Natur freien Lauf liesse, dann würde aus ihr ein Mensch. Gut, es gibt auch “natürliche Abtreibungen”. Stimmt eigentlich, deinen Argumenten zufolge müsste man dann alles mögliche tun, um selbst eine befruchtete Eizelle zu retten. Mindestens aber jedes noch so früh geborene Kind. Bist du derart konsequent, dass du sagst, man muss alles Menschenmögliche tun, um selbst die zweimonatige Frühgeburt zu retten?
May 7, 2008
Das meiner Meinung nach problematische ist, eine biologische Argumentation zu beginnen.
Beispiel:Der Vergleich einer Zygote mit einem Geißeltierchen; die Formulierung:Wenn man der Natur ihren Lauf ließe, etc.
Diese Argumentation verfehlt den Kern des Problems, der eben kein biologischer sondern ein ethischer ist.
Darüber hinaus sind ethische Probleme keine, die eine schwarz- weiß Malerei vertragen. Wenn z. B. abgewogen werden muß zwischen zwei gleichwertigen Gütern, z.B. dem Leben der Mutter und dem des Kindes, so gibt es ein echtes Problem, nicht jedoch wenn das Leben des Kindes dem ökonomischen Mehrwert der Familie im Wege steht.
May 25, 2008
Schade das Ihr abgebrochen habt, comments waren sehr interessant zu lesen. Nur so viel dazu Ich als Betroffener habe wohl mehr Würde als ein kleiner haufen Zellen in einer Petrischale. Auch wenn ich hier an dieser stelle nicht objektiv genug sein kann ist es ja nun mal so das ich von dieser Forschung hätte profitieren können.
May 25, 2008
Wie sieht’s dann aus? Das Leben von tausenden Zellen im Gegensatz zum Leben von hunderten Menschen?
May 25, 2008
May 25, 2008
Wenn man so argumentiert, wie Ihr es tut, hat man die Entscheidung längst getroffen. Nach diesem Schritt geht es nur um politische Rhetorik, z.B.:
” Das Leben von tausend Zellen im Gegensatz zum Leben von hundert Menschen?” oder
“..ich habe wohl mehr Würde als ein kleiner Haufen Zellen in einer Petrischale.”
Das ist unbenommen, hilft aber nicht, die Position des Menschenseins zu stabilisieren.
Ich möchte nicht lange darüber reden, daß bisher die Versprechen der Molekularbiologen etc. sich nicht realisiert haben; auch nicht, daß man vielleicht zu wenig in die Forschung mit adulten Stammzellen investiert.
Einem betroffenen Menschen würde ich gerne sagen: Wir tuen alles, deine Krankheit zu heilen (wir investieren in adulte Stammzellenforschung, in vielleicht alternative molekularbiologische Verfahren), aber wir können nicht unser Bild vom Menschen zur Disposition stellen. Das ist keine Prinzipienreiterei. Was auf dem Spiel steht, ist oben schon beschrieben worden.
May 27, 2008
Benjamin, Ich glaube auf Deine Frage wirst Du nie eine Antwort erhalten - mit ihrer Antwort würden sie sich sowiso nur selbst belügen.
Und um Fair zu bleiben ^^ wir sind ja jetzt 2 wollte ich nur mal erwähnt haben.
Jeder soll seine Meinung haben Pro & Contra ist immer gut nur sollte alles in Bahnen der Vernunft und mit einem maximum an Objektivität geschehen. Und das in irgendwelchen Zellen irgendeine Art von Würde innewohnt hat glaube ich, auch wenn ich nicht objektiv sein kann nix mit Vernunft zutun.
Und um was es nun mal hier geht ist wie in Post 10 geschrieben (ab Zeile 6).
Leuchtspur(Post 11),… aber eine rein Ethische Argumentation reicht aus ? Das verstehe ich nicht. Es geht hier doch um Biologie - Das wir die Ethik nicht ganz ausser Acht lassen sollten ist völlig klar und brauch hier nicht debattiert werden.
Aber mit einer einseitigen Argumentation möchte ich mich nicht zufrieden geben.
Wie auch immer, ich für meinen Teil habe die Grenze gezogen und habe dabei kein schlechtes Gewissen, selbst zum Zeitpunkt wo meine Gesundheit 100% war das hat also nicht unbedingt was mit meiner Krankheit zu tun.
Benjamin(Post14), naja es sind eher die Entscheidungsträger die Ihr Fähnchen - aus welchen Gründen auch immer - in den Wind drehen, was einen kaputt macht. Ottonormal “Gegner” versucht man halt seinen eigenen Standpunkt zu erklären.
Ich habe halt den Eindruck das die meisten dagegen sind, sei es aus Unwissenheit, Propaganda oder eben aus Überzeugung naja und da muss ich als Entscheidungträger doch irgendeinen Nutzen daraus ziehen können, zumal diese Leute uns ja schon Zugestädnisse gegeben haben ganz am Anfang war ja in D generelles Forschungsverbot falls ich da jetzt nicht komplett falsch liege. Und dies ist für mich schon sehr merkwürdig wenn ich als Enscheidungträger der Meinung bin das dies Ethisch nicht vertrettbar ist mach ich doch keine Zugeständnisse - und wenn ich welche mach warum nicht auch den letzten Schritt gehen.
Sicherlich kann man den momentanen Stand sowie das für und wieder in D nicht so einfach wie ich oben erklären und beschreiben, will ich hier auch garnicht. Es soll nur eine kurz Antwort auf Benjamins Post sein (Schade das man hier keine Tags benutzn kann)
Die Gegner können Ihre Meinung haben obgleich Sie mir und allen anderen damit die Pistole an die Brust setzen, ob man damit guten Gewissen schlafen kann das weis der Abendwind.
Gute Nacht…
May 27, 2008
Zur Info die Postings haben sich überschnitten.
Leuchtspur, Du hast völlig recht ich für meinen Teil habe Entschieden. Ich habe aber auch geschrieben das ich nicht Objektiv genug sein.
May 27, 2008
Nur nochmal kurz zur Info…
Ich weis das ich bei meinen Postings weiter ins Detail hätte gehen sollen aber dies würden den Rahmen hier sprengen. Und klären können wir 3 das zwar hier auf der Seite, aber ändern wird es die Situation in D erstmal leider erstmal nicht.
June 1, 2008
Die Naturwissenschaften sind wohl die Einzigen, die ein realitätsnahes Bild des Menschen zeichnen können. Alles andere wäre Selbsttäuschung.
Und keine Wissenschaft der Welt fordert einen dazu auf, Leute umzubringen. Sie sagt auch nicht, dass man es nicht tun sollte. Sie sagt bloss, hier haben wir ein Wirbeltier mit einem gut ausgebildeten Nervensystem, das in der Lage ist, Schmerz und Angst wahrzunehmen. Oder eben: Hier haben wir eine Ansammlung von Zellen ohne Nervensystem.
June 2, 2008
Mit Verlaub, die Behauptung die Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Biologie) wären die, die ein realistisches Bild vom Menschen eigen, liegt wohl erheblich neben der Realität. Wo bleiben die Psychologie, die Ökonomie, die Soziologie, die Philosophie, Theologie, etc. Die Naturwissenschaften zeigen viel mehr eine bloße Abstraktion des Menschen (und auch der Natur).
June 2, 2008
Philosophie ist purer Denksport. Durchaus schön, aber wissenschaftliche Methodik wird kaum angewandt.
In der Theologie erst recht nicht.
June 2, 2008
Es dürfte doch klar sein: Nur das Ganze ist das Wahre, nicht wahr!
June 2, 2008