Ein kühler Wind streicht draussen um die Fassaden. Leichter Regen fällt als Überbleibsel eines Gewittersturmes. Doch noch immer kann man die Hitze durch das feine Nebelgespinst hindurch riechen, das wie eine erstickende Feuersbrunst über dem Erdboden liegt. Ein paar dünne, trübe Lichtstrahlen tröpfeln durch die Düsternis und kratzen an meiner schwitzigen Haut.
Mehrere Stunden ist es nun her, seit das Ergebnis der Abstimmung über die 5. IV-Revision bekannt geworden ist.
Eine Mehrheit der Stimmbürger sprach sich für die dringend nötige, aber problematische Revision aus.
Über das Ergebnis kann man denken, was man will. Drei Fakten lassen sich jedoch daraus ablesen:
1. Das Scheitern der Linken. Einmal mehr haben sie eine Abstimmung schändlichst verloren. Dazu noch lief die SVP mit wehenden Flaggen in eines der traditionellen Hauptthemengebiete der Linken ein. Somit lässt sich sagen: Nicht nur gleicht die SP momentan einem ruder- und steuerlosem Floss ohne markante Spielfiguren und reissender Propaganda [An den Marketing-Winkelzügen einer SVP könnten sie sich ein geissbockiges Vorbild nehmen.], auch lassen sie es mit dünnem Proteststimmchen geschehen, dass die Rechte traditionell linke Themen wie Sozialwerke oder Invalide für sich beansprucht.
2. Das Scheitern der Medien. Ja, neutrale, sachliche Argumente waren nie zu hören, was mitunter dazu führte, dass ich bis heute nicht weiss, ob die IV-Revision eher nützlich oder eher schädlich ist. Die Zeitungen und Fernsehstationen boten lediglich Platz für beleidigende Werbekampagnen und diffamierende Propaganda, die an der Wahrheit wohl meilenweit vorbeigeschippert ist.
3. Das Scheitern der Schweizer Blogwelt. Niemand sagt was dazu, ausser ein paar Nachrichtendienste, der Blog des gfs.bern, doch die zählen alle nicht, und der Wiedenmeier. Wenigstens er äussert sich auf seinem Gedankenbörsen-Blog zur heutigen Abstimmung und trifft die Wirklichkeit mit grosser Treffsicherheit:
“Der Wahlkampf diente vor allem der SVP…”
Zu bedauern ist jedoch, dass er bis zu diesem Zeitpunkt der einzige blieb. Die fünfte Macht im Staat, die Blogosphäre, streitet sich lieber um Fotodienste, die beste Biermarke oder Greenfield-Groupies, als ihre Klauen zu wetzen und ihre Zukunft zu gestalten.
Doch lassen wir sie, die armen Teufel, die wie wir alle vor die Hunde gehen. Es ist nicht schlimm, die Verantwortung aus der Hand zu geben und sich nicht darum zu kümmern, was mit der eigenen Nation geschieht. Mein Verständnis für all die, die nichts ändern wollen, obwohl sie sich lautstark über alles mögliche beschweren.
Es betrübt mich wirklich sehr, dass wir als fünfte Macht bloss dasitzen und zuschauen, derweil die Welt vor uns vorbei zieht und die Wirklichkeit statt findet. Vielleicht sollten wir alle mal wieder raus gehen und ein wenig tagträumen, um die Essenz unseres Daseins wieder zu finden: Die Möglichkeit unsere Zukunft zu formen.
Ausserdem sollten wir ein paar Politblogger haben, es scheint, als würde sich jeder für das iPhone interessieren, aber keiner für unsere Landesregierung.
Schade.
Tuesday, June 26, 2007 at 16:09
[...] Der Misanthrop on post Protokoll der Hochrechnung [...]