Der Neoliberalismus wird 70

Der Neoliberalismus wird heutzutage mit schrankenlosem, ungezügeltem Kapitalismus verbunden, doch vor 70 Jahren forderten die Neoliberalen einen starken Staat, der über der Wirtschaft steht. Romanus Otte gratuliert in der Welt dem Neoliberalismus zum Jubiläum und erklärt dem Leser, was Neoliberalismus ist und was eben gerade nicht.

Ist der Mensch frei, oder wird er es erst durch den Staat?

Doch Neoliberale und -sozialisten streiten über mehr als ein effizientes und gerechtes Wirtschaftssystem. Es geht ihnen um die Würde, und dabei verfolgen sie sehr unterschiedliche Menschenbilder. Sind Menschen an sich frei, fähig, ihr eigenes Leben zu leben und sich aus Vernunft in einem Gemeinwesen zu organisieren? Oder ist der Mensch hilfsbedürftig und wird erst durch den Staat und dessen Fürsorge frei?

Der Jenaer Soziologe Stephan Lessenich kritisiert in dem Buch „Die Neuerfindung des Sozialen“ die Agenda 2010 als illiberal. Seine Begründung lässt aufhorchen. Denn er lehnt die Reform ab, weil sie die Menschen in die Pflicht nehme, für ihr eigenes und das Gemeinwohl zu sorgen. Lessenich fordert, dass nicht der Einzelne für das Allgemeinwohl verantwortlich sein müsse, sondern der Staat für das Wohl der Einzelnen. Er will einen Sozialstaat, „der sich der kollektiven, solidarischen, umverteilenden Absicherung von Individualität, Autonomie und Differenz verschreibt.“ Oskar Lafontaine sagt dies kürzer: „Freiheit durch Sozialismus“. Dies ist der Kern.

Gegen diese Reduzierung des Menschen auf ein unmündiges Wesen, das erst im Kollektiv frei sein könne, treten Neoliberale an. Seit 70 Jahren. Ihre Stimme bleibt wichtig. Schon um die Balance nicht zu verlieren.1

  1. Die Welt - Herzlichen Glückwunsch, Neoliberalismus / via Jan []






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2 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiDer Neoliberalismus wird 70Publiziert am 24. August 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. Jochen Hoff

    Es nützt doch nichts nach der Radio Eriwan Methode den “alten” Neoliberalismus als gut zu betrachten und zu negieren, dass er sich zu einer unkontrollierbaren Bestie entwickelt hat, die in ihrer Gier alles zerstört.

    Ob Arbeitsplätze, Solidarität, Finanzwirtschaft oder die Weltwirtschaft. Sie haben in weniger als 25 Jahren alles breit geklopft und immer noch nicht begriffen, dass man dem Ochsen der drischt das Maul nicht verbinden soll.

    Aber selbst der tote Ochse ist ihnen keine Lehre. Sein Tod ist sein Fehler. Hätte er doch leben sollen ohne Futter zu existieren.

    Die kommenden Aufstände und Revolutionen werden sie auch nicht als ihren Fehler sehen.

    Neoliberalismus ist das kleingeistige Denken in festen Schemata und die totale Verantwortungslosigket.

    Aber es ist ja bald vorbei.

  3. Benjamin B.

    Ich bin mir unsicher, ob ich den Neoliberalismus so gut finde. Vielleicht auch nicht. Was wir jedoch nicht tun sollten, ist: Andauernd die Bedeutung von bestimmten Begriffen ändern. Neoliberalismus bezeichnet diese bestimmte liberale Strömung, die vor 70 Jahren entstand. Und diese wollte einen starken Staat. Punkt. Können wir uns auf diese Definition von Neoliberalismus einigen. Schliesslich, könnte man meinen, dürfen die Erfinder eines Begriffes diesen auch definieren.

    Ich verstehe nicht genau, was du willst. Du bist gegen den Neoliberalismus, verstehst unter ihm aber nicht dasselben wie die Begründer dieser Strömung und bist somit eigentlich gegen freie Marktwirtschaft?

    Und deiner Ansicht nach ist der heutige Wohlstand nicht der Wirtschaft, sondern der Kontrolle durch den Staat zu verdanken? Was auch der Grund ist, wieso etliche Staatsbetriebe defizitär laufen?

    Zudem geht es uns heute bei weitem besser als vor 25 Jahren. Ich sehe die Krise nicht, die du hier an den Nachthimmel malst.

    Welche Aufstände und Revolutionen? Die Sozialisten in Venezuela? Oder die Taliban? Oder Erzkatholiken?
    Tut mir leid, aber in die Zukunft blicken kann keiner.

    Ach, jetzt hast du den Begriff schon wieder falsch verwendet. Zudem würde die freie Marktwirtschaft gerade Innovation und Kreativität fördern. Feste Schemata sind eher Sache des Staates.
    Verantwortungslos? Nein, aber man trägt die Verantwortung selber, anstatt sie an den Staat zu delegieren.

    Ja, hoffen wir, dass der Staat nicht noch mehr wächst.




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