Giovanni Schumacher - sein Nachname verhöhnt den Wohlklang seines Vornamens bitterlichst - führte seine Brigaden des Bündnisses für globalen Widerstand in Bern zum Sieg. Jener Sieg über die Vernunft, bei dem seine anarchosyndikalistischen Anhänger ihr wahres verfassungsfeindliches Gesicht gezeigt haben.
Nun ist es ja ein alter Hut, dass die Anarchisten Gesetzesbrecher seien, schliesslich lässt sich dies sehr direkt aus ihrer politischen Haltung schliessen. Besonders wenn sich der Libertarismus mit dem Klassenkampf vermischt und nun in einem Kollektivschlag sowohl Staat als auch Marktwirtschaft überwunden werden sollen. Dass dies nur mit dem Bruch von Gesetzen möglich ist, das ist verständlich. Ehrenhaft - lächerlich, zu welch obszön unironischen Worten ich hier greife - dass der Schumacher nie etwas anderes behauptet hatte.
Schuld an der Gewalt sind natürlich die unmenschlichen Kriegstreiber in Davos, welche geschützt durch das milliardenschwere Sicherheitsdispositiv die Welt unter sich aufteilen. Ich habe die Kritik am WEF ja noch nie wirklich verstanden. Wenn sich Leute zum Austausch von Meinungen treffen wollen, dann dürfen sie das. Und wer nicht eingeladen ist, ist nicht eingeladen. So einfach geht das. Ich gehe auch nicht auf die Strasse, bloss weil ich an jene Party nicht eingeladen wurde, an der wohl zwei oder drei über mich lästern. Wie lächerlich wäre das auch! Das WEF ist zwar keine Party, sondern eher ein Diskussionszirkel, doch ein legitimes Recht, dort anwesend sein zu müssen, kann niemand geltend machen. Auch wenn es hier um den Lieblingssozialrevolutionär geht. Ich komme auch nicht plötzlich daher und verbiete dem Chavez sich mit dem Ahmadinejad zu einem antizionistischen Tee zu treffen. Vielleicht begrüsse ich es nicht, doch etwas dagegen habe ich nicht ernstlich. Ich will ja niemandem verbieten, eine kleine Party steigen zu lassen. Auch meinen grössten Neidnasen nicht.
Alles in allem sind die Ereignisse, welche am frühen Samstagvorabend in Bern geschehen sind, nicht weiter erstaunlich. Ein paar Dogmatiker haben sich den Weltfrieden in den Grind gesetzt, meinen alles besser zu wissen und, da sie den Staat ja ablehnen - was jedoch dann nicht mehr so legal-legitim ist -, selbst ein Gewaltmonopol errichten zu müssen.
Merkwürdig auf welch abstruse Ideen manche Leute kommen. Doch natürlich wollen diese Manifestanten (*hust* Linksextremen) ja nur das Beste für alle Leute. Na ja, auch Uriella will bloss das Beste für die Menschheit.
Wenigstens ihr, meine getreuen Leser, wisst, dass es einen gewaltigen Unterschied zwischen der Intention und der Aktion ist. Anders ausgedrückt: Jeder will das Beste, bloss sind die meisten Ideologien nur in der Theorie auch dafür geeignet. So mag ein libertärer Staat zwar auf grossartigen Idealen fussen, funktionieren tut er jedoch nicht, sondern bringt verruchtes Elend über die Leute. So viel also zu den guten Absichten.
Monday, January 21, 2008 at 8:11
Nein, nein, nein. So geht das natürlich nicht.
1. Allen Anarchisten unterstellen, dass sie Gesetzesbrecher sind mit dem Argument, dies liesse sich aus ihrer politischen Haltung schliessen. Man kann durchaus pro Anarchismus sein, aber bis es soweit ist die demokratisch abgestützten Gesetze respektieren.
2. Die WEF mit einer Party vergleichen (was du ja selbst gleich wieder einschränkst). Beim WEF werden von Staats- und Firmenchefs weitreichende Entscheidungen für die ganze Menschheit ohne über die Köpfe der Betroffenen getroffen. Dagegen zu protestieren kann man überflüssig oder naiv finden.
3. Ich hoffe, nicht nur ein paar “Dogmatiker” haben sich den Welfrieden in den “Grind” gesetzt. Sonst gute Nacht.
4. Den “anarchosyndikalistischen” Demonstranten anzudichten, sie möchten ein Gewaltmonopol errichten. Wie - bitte schöne - soll das den zusammenpassen.
5. Die Demonstranten mit Uriella zu vergleichen. Muss ich das noch ausführen?
6. Die Anarchisten wollen einen libertären Staat? Die Anarchisten wollen gar keinen Staat.
Monday, January 21, 2008 at 8:46
Monday, January 21, 2008 at 14:03
1. Sie mögen sich vielleicht an die Gesetze halten, doch akzeptieren sie sie auch?
2. Das meinte ich, du drückst dich bloss besser aus als ich.
3. Ich assoziiere mit Weltfrieden das Paradies. Dass alle glücklich sind, niemand jemandem etwas tut, alle lieb miteinander sind und zusammen Schokokuchen essen. Das, soweit meine Meinung, ist ein Traumbild. Und ich denke, man sollte auch konkretere, realistische Ziele hinarbeiten.
4. Das ist eine Übertreibung der Dramatik wegen. Doch soweit ich Schumacher richtig verstanden habe, will er das Gewaltmonopol des Staates nicht akzeptieren. Was für mich heisst, er selbst möchte Gewalt anwenden dürfen, wenn er es für nötig hält. Und das ist verdammt fragwürdig.
5. Ach, mir sind die Demonstranten auch lieber. Doch realitätsfern erscheinen mir beide. Deswegen der Vergleich. Ich nehme des weiteren an, beide beanspruchen für sich, die einzige Wahrheit zu kennen.
6. Da hast du vollkommen Recht.
Monday, January 21, 2008 at 21:13
Zu. 1. Wer sich an Gesetze hält, akzeptiert sie auch (zu einem gewissen Grad)
Zu 3. Höchstwahrscheinlich werden sich auch in allerfernster Zukunft nicht alle Menschen lieb haben. Aber müssen wir uns deswegen und wegen unserer Gier den “Grind” einschlagen, va. auf nationaler Ebene? Ich behaupte eine mehr oder weniger friedliche Koexistenz der Nationen ist durchaus machbar.
Zu 5. Ob man eine Sektenführerin, die mit gerührtem Wasser die Leute über den Tisch zieht (zog?) und schon mehrmals vergeblich den Weltuntergang verkündet hat mit den Demonstranten vom Samstag vergleichen kann? Da würden mir eher andere politische mehr oder weniger Hellsichtige einfallen.
Tuesday, January 22, 2008 at 19:07
1. Zu einem gewissen Grad, darüber hinaus kann er trotzdem gleichwohl an der Abschaffung des Staates arbeiten.
3. Hm, ich weiss nicht, viele Kulturen scheinen zum Frieden nicht geeignet. Doch die Zukunft könnte tatsächlich friedliebende Völker hervorbringen. Die Frage ist, ob Pazifismus mit der Natur des Menschen überhaupt vereinbar ist.
5. Ich denke nicht, dass sie die Leute absichtlich abzockt. Sie ist eher hilflos verblendet. Gewiss gibt es passender Vergleiche, doch hinsichtlich der Verblendung sind manche weltliche Weltbilder durchaus mit religiösen Weltbildern vergleichbar.