Es ist nun allerdings nicht die (politisch motivierte) Geisselung des Konsums durch die Linken, die mir Sorgen macht, sondern die zunehmende Selbstidentifikation, die wir Alle aus dem Konsum ziehen. Dabei verändert sich nicht mal so sehr der Mechanismus, der wohl schon immer galt: Ich leiste mir „was Schönes“, damit „es mir gut geht“. Das Problem ist vielmehr der immer grössere Stellenwert des Konsums, die Sinnentleerung, die damit einher geht, und die uns nicht zuletzt die eigene Jugend vorzeigt.1
Hm, wenn ich der einzige bin, der meinem Leben einen Sinn geben kann, spielt es da noch eine Rolle, wie ich meinem Leben den Sinn verpasse?
Ich muss zugehen, dass der Konsum auch schlechte Seiten hat. Nike schafft es zum Beispiel immer wieder in die Schlagzeilen durch die eine oder andere Ausbeuterei. Ja, ganz im Ernst, wenn ich hier etwas konsumiere, hat das mitunter grauenhafte Konsequenzen auf andere Leute. Ich wage allerdings zu behaupten, dass dies nur vorübergehende Erscheinungen sind. Haben die Schwellen- und Drittweltländer ihre Entwicklung zu einem demokratischen Rechtsstaat abgeschlossen, so werden die Konsummöglichkeiten nicht abgenommen haben, der Konsum jedoch völlig frei von negativen Aspekten sein.
Und ja, ich definiere mich über mich selbst. Oder sollte ich mich etwa durch andere definieren lassen? Lieber nicht. Was ich konsumiere, wie ich mich anziehe, was ich esse, wie ich lebe, wofür ich mich interessiere, das ist alles Ausdruck meines Charakters. Auch der Kaviar auf meinem Brötchen. Manche würden daher auf guten Geschmack schliessen, andere auf einen dekadenten Charakter. Whatever. Es ist weder grundsätzlich schlecht, noch per se gut.
Künstlich suggerierte Bedürfnisse?
Nun, Annehmlichkeiten sind eigentlich immer überflüssig. Überflüssig im Sinne von nicht überlebensnotwendig. Und doch geniessen wir doch alle das Stückchen Schokolade, die goldene Rolex, das inspirierende Gedicht…
Tuesday, February 26, 2008 at 9:04