Als ich gerade so beim alkohollose Stöbern durch die Web-Gefilde war, fiel mir das Manifest gegen die Gaffer in die Hände. MC Winkel hat’s geschrieben und sich als Mann hinter “die Angestarrten, die Reduzierten und die Vermaterialisierten” gestellt. Symbolisch, versteht sich.
Eine lobenswerte Tat von jemandem, der selbst nicht ganz gegen das Gaffen gefeit ist, wie er ehrlicherweise gesteht.
Er ist halt auch nur ein MC.
Ich möchte jedoch die Spezies der gemeinen Gaffer (durchaus doppeldeutig zu verstehen) gegen die wohlerzogene und kultivierte Rasse der Geniesser abgrenzen. Was MC Winkel schon angetönt hat, möchte ich doch hier noch einmal in fetten Lettern nieder geschrieben sehen.
Was den Gaffer anbelangt, hat sich MC Winkel schon genügend darüber ausgelassen. Deshalb hier ein kurzer, von weissem Ascheregen bedecktes Manifest für den Geniesser:
Was der Gaffer sehr frontal und direkt macht und mit obszönen Gesten begleitet, kleidet der wahre Geniesser in ein kultiviertes, kennerisches Auftreten. Nach einem Blick weiss er schon, ob jenes weibliche Wesen mehr Aufmerksamkeit wert ist, als bloss die eines kurzen Blickes, mit dem man üblicherweise das Proletariat bedeckt. Ist sie es, so geniesst er zuerst einfach mal nur ihre blosse Anwesenheit. Ab und an streift er sie mit einem Blick, der bloss einen Bruchteil länger ist als ein zuälliger Blick. Irgendwann, nachdem er sich der Ästhetik, Wohlgeformtheit und Schönheit jener Frau vollends bewusst geworden ist, sucht er dann nach etwaigem Blickkontakt oder beginnt ein Gespräch mit ihr um ihr so implizit und mit der dem Geniesser eigenen Subtilität eines Gentlemans seine Bewunderung auszudrücken.
Und für den Gaffer hat er, genauso wie für alle anderen Ignoranten und Stümper, nur in Eis gefrorenen Zorn übrig.