Eint die Blogger!

Was ich eigentlich in diesen Tagen tun wollte, den Versuch einer Definition, was ein Blog ist, zu wagen, hat mir Pascal schon abgenommen. Gewiss, es ist nicht meine Definition, aber sie kommt dem, was ich sagen wollte, so nahe, dass es unnütz ist, wenn ich den Sachverhalt noch einmal in eigenen Worten würde formulieren.

Ganz nüchtern betrachtet: ein Blog ist ein Medium, wie es ein Stück Papier auch sein kann. Auf einem Stück Papier findet eine harmlose Kinderzeichnung und aber auch brisante Informationen Platz, welche möglicherweise gar einen Krieg auslösen können. Man ist frei zu entscheiden, was man auf das Blatt Papier schreibt/zeichnet. So verhält es sich auch mit den Blogs. Ein jeder Blogger ist frei das zu schreiben, was sein Herz begehrt.


Pascal kommt, wie zuvor schon der Bürger-Herold, nicht umhin meine leicht überspitzte ‘Forderung’ nach einer Revolution zu kritisieren. Die Beiden haben gewiss auch Recht. Bloss: Was ich möchte, das ist nicht eine vereinte Blogosphäre, das ist auch keine Professionalisierung von Klein-Bloggers-Dorf. Ein Kodex, an den sich jeder halten muss, der sich Blogger schimpfen möchte oder lediglich mit einem blogähnlichen System im Internet selbstgeschriebene Beiträge publik machen möchte, würde ich auch zutiefst ablehnen. Ich liebe die Freiheit. Und ein jeder sollte im Netz das schreiben dürfen, was er will (Abgesehen von verfassungswidrigem Bullshit). Wie banal es auch sein mag. Sonst müsste man dieselbe Forderung auch beim Fernsehen, bei Zeitschriften und bei Radiostationen vorbringen. Nicht zu vergessen ein Redeverbot für jeden, der sich nicht gerade auf einem hochstehenden Niveau über gesellschaftlich oder wissenschaftlich relevante Theme unterhalten will.

Nein, worauf ich hinaus will: Was man bei etablierten Medien früher hatte, nun jedoch immer weiter auf dem Rückzug ist, in die Blogosphäre bringen: Eine sicht- und fühlbare Trennung zwischen seriösen, relevanten Blogs und den Privatblogs. Ich bin mir im Klaren darüber, dass es zahlreiche Mischblogs gibt. Privatblogs wie Hilton-Blogs und IT-Blogs haben denn auch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen: Die der Unterhaltung.

Deswegen halte ich auch Pascals ‘Wunsch’ nach Bloggerverbänden für gerechtfertigt.
Blogs könnte man dann auch tatsächlich als fünfte Macht im Staate etablieren. Jedenfalls der Teil der Blogosphäre, der sich ernsthaft mit Politik, Gesellschaft, Medien etc. auseinandersetzt. Doch bevor ein Blogger z.B. auf nationaler Ebene wahrgenommen wird, muss noch eine Menge getan werden. Denn noch werden Blogs von vielen belächelt. Vor allem sind Blogs immer noch ein relativ unbekanntes Medium.

Doch bevor man überhaupt die Forderung nach einem Verband stellen kann, sollte man tatsächlich eine Grundsatzdiskussion führen. Und natürlich müsste man die Frage stellen, ob es überhaupt etwas brächte, einen Bloggerverband zu gründen. Der Bürger-Herold zum Beispiel ist nicht dieser Meinung.

Und schlussendlich müsste sich wohl jeder mal wieder vor den Spiegel stellen und sich jene entscheidende Frage stellen: Was will ich mit meiner Bloggerei eigentlich?
Denn es macht einen gewissen Unterschied, ob man seine Unzufriedenheit bloss in die Menge brüllt oder tatsächlich etwas aus ihr machen will.

Blogclub: Blogger-Gewerkschaft in den USA
Bürger-Herold: Revolution demnächst
Das Subjektive: Ein Verband für Blogger
Der Misanthrop: Content: Eine sanfte Revolution in Sicht?
Paperholic: Blogosphere/Schweiz: Verband vs. Notverband
Swiss Metablog: Wundverband für Blogger







Bei allen Services (Mister Wong, Yigg, Infopirat etc.)
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5 Kommentare

  1. Pascal

    Die Kritik an deinem Post ist nicht böse gemeint ;)

    Nun, es ist nicht einfach. Viele Leute verstehen meine Forderung nach einem Blogverband falsch. Dabei geht es mir nicht darum, dass alle Blogger in einem Verband sind oder dass sich der Verband irgendwie von anderen abheben möchte. Das wäre Gugus. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, wie man sich als spezialisiertes Blog mehr Gewicht verschaffen kann. Falls man das will. Und das seh ich in der Mitwirkung in einem Verband.

    Ich finde es erstaunlich wie viel Ablehnung und Skepsis mir bei dem Versuch eine Debatte zu lancieren entgegengekommen ist. Ich überlege derzeit noch, wie ich das werten bzw. verstehen soll. Aber allgemein ist es recht schwierig in der Blogosphäre eine unpopuläre Ansicht zu vertreten. Ich musste feststellen, dass der Blogger an sich ziemlich engstirnig auf seiner Meinung beruht und Diskussionen daher nicht einfach sind. Aber schauen wir mal zu, wie es weitergeht…

  2. Revolution demnächst | Bürger-Herold

    [...] Der Misanthrop » Blog Archive » :: Content: Eint die Blogger! schrieb am 20. August 2007 um 05:54 Uhr: [...]

  3. burnttongue

    Nun, ich hab’s auch nicht als böse aufgefasst. Und die Ablehnung schon nur gegen eine Diskussion erstaunt mich auch etwas.
    Ich bin eigentlich der Überzeugung, dass es einige Blogger geben würde, die Interesse daran hätten, sich mehr Gewicht zu verschaffen. Doch vielleicht liege ich hier auch falsch. Wahrscheinlich sogar.
    Was ich schlussendlich schade finde, da einige Stimmen, die mMn wirklich etwas zu sagen hätten, einfach untergehen.

    Unpopuläre Ansichten zu vertreten bin ich mir quasi ‘von daheim aus’ schon gewöhnt. In dem Punkt, und in dem dogmatischen Festklammern an der eigenen Meinung, unterscheiden sich Blogosphäre und der non-virtuelle Alltag kaum.

    Yep, sehen wir, wie’s endet…

  4. Gris-Gris

    Lieber Misanthrop - weisst du, warum es bei mir nur noch LEISE klingelt bei solchen Ideen und Postings? Weil alles nur eine Hamstermühle ist… denn alles war schon da, wurde verfolgt, scheiterte usw. usw.

    Wir haben uns (auch) Paperholic deshalb genannt, weil wir dieses Verkommen der 4. Kraft schon vor drei Jahren sahen, als wir mit Bloggen begannen. Und haben wir nicht um Linktausch gebeten? WIR waren jederzeit zu Koalitionen bereit - nicht aber Vereinsgründungen. Braucht es unserer Meinung nach nicht im Zeitalter des Hyperlinks.

    Zahlreiche Belege für das eben Gesagte findest du auf unserem Blog, weitere insbesondere aufm Meta-Blog, wo ich mich viele Stunden “herumgeschlagen” habe zu diesen Themen (*). Ich selber habe in meinem “Blogger-Leben” in etwas soviel Energie fürs Kommentieren aufgewendet wie für die Postings.

    Eigentlich schreibe ich nicht gerne Kommentare solchen Inhalts. Zu selbstreferentiell. Aber etwas würde mich (persönlich) schon ein wenig ärgern: Wenn wir allenfalls unter jene subsummiert würden, welche “Unzufriedenheit bloss in die Menge” brüllen.

    By the way, wir haben einen “Anglo”-Fimmel. Die Amis sind uns - schon aus ganz anderen Gründen auch - irgendwie phasenweise emotional sehr viel näher als die Swiss Sphere. Macht mal ein bitzeli das Fensterchen auf nach dem Draussen&Drüben. Das sind nicht nur Mainstream-Idioten - einige von ihnen haben genau eure Probleme schon längsten zu Faden geschlagen - und, mit Verlaub gesagt, wesentlich brillanter.

    (*) gerne herumgeschlagen - es war spannend und von hier aus dem M.G. (nochmals) Dank für seine Themensetzung (aka Agenda)

  5. burnttongue

    Danke für den Comment, Gris-Gris.

    Ich sehe ein, dass es keinen Sinn hat, resp. Zeitverschwendung ist, ‘Ideen’ zu verfolgen, die schon dutzende Male durchgedacht wurden und gescheitert sind.

    Wenn jedoch die Amis zu unseren Problemen schon Lösungen gefunden haben, dann wäre es meiner Ansicht nach einen Versuch wert, diese, falls möglich, auf unsere Schweizer Verhältnisse zu adaptieren. Oder wäre auch dieses Unterfangen zum Scheitern verurteilt?
    (Denn wie gesagt, ich kenne die Blogosphäre zu wenig gut, um mehr als drei Amiblogs zu kennen und zu wissen, wie brilliant die Amis unsere Probleme gelöst haben.)

    Dann geh’ ich jetzt mal die Fenster öffnen. Auch wenn’s ein bisschen kalt ist, draussen.




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