Wären die Wirtschaft und das Individuum nicht vom Staat geknechtet, existierte also ein wahrlich libertärer Staat (Dazu gehört auch der fälschlich als Neoliberalismus bezeichnete völlig freie Markt, der nie existiert hat und nun für die Finanzkrise verantwortlich gemacht wird. (Obwohl es keine sonderlich grosse Schwierigkeit ist, nachzuschlagen, wo die Verknüpfung zwischen hochrangigen Politiker, die den Ärmsten ein Eigenheim ermöglichen wollten, und Fanny und Freddie und deren staatlichen Garantien liegt, des weiteren eine gewisse Zinspolitik einer nahmhaften Person. Aber lest dazu besser unten verlinkten Text.)), dann sähe die Welt wahrlich anders aus. Jeffrey A. Miron (”a senior lecturer in economics at Harvard University”) skizziert das Libertäre Land.
In Libertarian Land, individuals and businesses would take risks, but they would think long and hard about these risks. Some individuals and businesses would profit handsomely from smart risk-taking, but many would earn modest returns on average because their seemingly “excessive” returns in good times would be balanced by big losses in bad times.
Reasonable people can debate whether consistent pursuit of libertarian policies would have improved U.S. economic performance over the past two centuries. They cannot claim, however, that recent events demonstrate the failure of libertarian policies, since those policies have not been employed.
Nor can they say, as Weisberg contends, that “libertarian apologetics fall wildly short of providing any convincing explanation for what went wrong.” In fact, by theorizing, anticipating, and underscoring the inevitable failure of mixing free-market dynamics and politically driven interventions into the economy, libertarians explain both what’s going on and how to avoid its periodic repetition.
At a minimum, the jury is still out on whether a truly libertarian policy regime is desirable. With luck, some government will one day have the courage to give it a try.1
Na, wenn selbst das Cato Institute die Steuerpolitik der Eidgenossenschaft lobt:
via cato-at-liberty
Mit seiner lizenzfreien Klempnerarbeit widersetzt sich Joe auf wahrlich heldenhafte Weise dem System. Er sollte dafür nicht getadelt werden. Er sollte als Freiheitskämpfer gefeiert werden. Er kann sich über weit mehr beschweren als nur über Steuern. Seine wahren Feinde sind der Staat selbst und all seine Inkarnationen. Von den Politikern sollte er Antworten verlangen über ihre Regulierungspläne, die in einer großen Bandbreite von Bereichen den Wettbewerb noch weiter einschränken sollen – zum Beispiel im Bankwesen!
[...]
Es stellt sich also heraus, dass wir in Joe Wurzelbacher tatsächlich einen amerikanischen Archetypus haben. Er ist ein Gesetzloser im gleichen Sinn, wie die Gründerväter Gesetzlose waren. Er lebt außerhalb der Regulierungen des Staates, weil diese Regulierungen seine Freiheit und sein Eigentum bedrohen. Die amerikanische Revolution kam zustande, um Systeme wie diese zu beenden. Und dennoch finden wir uns in genau einem solchen System wieder – in einem System, das in jeder Hinsicht unvorstellbar schlimmer ist.1
via sir winston
Im marketingtechnischen Sinne greifen die Atheisten nun wahrhaft zu den Waffen. Statt sich mit Talkshow-Auftritten und Büchern zu begnügen, wird nun Werbefläche auf britischen Bussen gekauft.1

Man darf natürlich skeptisch sein, wie gross der Nutzen dieser Kampagne sein wird. Doch diese Plakate werden doch dem einen oder andern Atheisten ein Lächeln auf die Wangen treiben und die Theisten den Kopf schütteln über diese dekadenten Zeiten.
Kein Kind ist für die Taten seiner Eltern verantwortlich.
(So wie das Kind von Nazis für den Holocaust nicht verantwortlich ist und nicht einmal etwas mit Nationasozialismus zu tun hat, so hat das Kind von ehemaligen Sklaven keinen Anspruch auf irgendwelche Wiedergutmachungen oder sonstige Bevorteilungen.)
Was wäre, wenn der nächste Präsident, Kanzler, Bundesrat ein kleinwüchsiger Hermaphrodit mit pakistanischen Eltern wäre?
(Hängt natürlich von seinen politischen Ideen ab. Und dies ist der springende Punkt. Man sollte eigentlich keine Person ins Präsidium wählen, man sollte sich nicht über Personen streiten, sondern sich für eine bestimmte politische Meinung entscheiden.
Ob nun der Vertreter dieser Ideen schwarze Hautfarbe oder blonde Haare hat, oder rosarote Linsen trägt, ob er Besitzer eines Strip Clubs ist oder Golf spielt, oder sein Geld als Dirne verdient, ob er nun verheiratet ist oder gerne Poker spielt. Es ist so vollkommen egal. Darum sollten wir bei Präsidentschaftswahlen auch über Ideen sprechen. Wir sollten einen grossen gesellschaftlichen Diskurs darüber halten, nach welchen politischen Ideen unser Staat aufgebaut sein soll.
(Doch was wir momentan tun, ist ganz und gar nicht das, sondern gleicht einer Seifenoper, wo es darum geht, wer welche Handtasche besitzt, wer mit wem ins Bett steigt, angereichert mit einer Prise Korruption und Kollektivismus.))
Für einen Präsidentschaftskandidaten zu stimmen, weil er schwarz ist, ist das
a) Rassismus
b) plumper Kollektivismus
c) völlig in Ordnung, weil Schwarze früher in den Vereinigten Staaten Sklaven waren?
Hochstehende Inhalte verschwinden, die Jugend verblödet und das Fernsehen liefert bloss noch Schwachsinn. - Gute alte Kulturkritik. Schön, wenn man sich darin suhlen kann und die heutigen Medieninhalte für so belanglos wie eine trocknende Wand halten mag.
Doch war es jemals anders?
Nicht, dass mir der Content von TV, Radio, Zeitungen, Büchern und Internet zusagen würde. Den grössten Teil finde ich abstossend bis todlangweilig oder schlicht uninteressant. Nachdenklicher stimmt der Gedanke, dass die Medien den Gesetzen des Marktes unterliegen. Wenn das Fernsehen angefüllt ist mit Seifenopern und Reality TV, dann liegt die womöglich darin, dass genau dies gewünscht wird. Jene, die lieber etwas anderes sehen würde, haben Arte, 3Sat, Youtube, einen DVD-Recorder und den ganzen Untergrund. Dasselbe gilt für die gedruckten und digitalen Medien, wie auch für das Radio. In Zeiten von glühenden und summenden Datenkabeln kann man sich nicht darüber beklagen, dass man selbst nichts Akzeptables in den Medien findet. Höchstens, dass es zuviel gibt, das einem nicht gefällt.
Doch vielleicht liegen bloss unsere Erwartungen fernab der Realität.
Kulturkritik übten schon die alten Griechen - so stereotyp dies auch tönen mag. Auch sie meinten, in ein paar Jahrzehnten wäre des menschliche Hirn zu einem überflüssigen Accessoire geworden. Die Panik vor jener ominösen globalen Verdummung hat viele Vorfahren und -gänger. Der untergebildete, übergewichtige und Soaps verschlingende Dummkopf ist kein neuzeitliches Phänomen. Die Sorge, dass Vivaldi, Bach und Goethe aus den Ohren und aus den Augen verschwinden werden, ist also reichlich unbegründet.
Macht das irgendetwas besser?
Nein, Medien sind voll mit Lügen, Halb- und Unwahrheiten, Belanglosigkeiten, Skandalen, Schlagzeilen und Promigeschichten. Mich widert’s ab und zu an. Doch dann wechsle ich einfach den Sender - bildlich gesprochen. Zweifellos würde ich mich freuen, wenn mehr Leute als jetzt sich an tiefgehenden politischen, philosophischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Debatten und Diskussionen beteiligen würden. Wenn jeder Adam Smiths An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations gelesen hätte, aber Interessen sind verschieden und die Freude, sich in die Wirtschaftswissenschaft zu vertiefen, teilen nur wenige.
Der Glotzer (Pejorativ für jenen, der sich mit Bier und Chips Reality TV anschaut.) mag wahrhaftig und aufrichtig, was er sich ansieht. Doch er ist nicht zwangsläufig dumm. Oder hat eine schlechte Bildung genossen. Einen Zusammenhang zwischen den drei Dingen hat man schnell geschlossen, doch es ist eine Kollektivisierung, die wir - trotz all unseres Hasses auf das Fernsehprogramm - nicht begehen sollten.
(Der Filmgeschmack von anderen Personen kümmert mich persönlich wenig. Und über politischen Populismus und wirtschaftswissenschaftliche Ammenmärchen darf man klagen - besser wäre, deren Vertreter offen zu kritisieren, Gegenargumente vorzubringen und sich Gehör zu schaffen. Denn was mich interessiert, ist nicht, ob der Herr Jemand Soaps mag, sondern ob er meine Freiheit einschränken will.)
Inspiration hierfür ist natürlich Marcel Reich-Ranickis Ablehnung des Ehrenpreis des Deutschen Fernsehens. Hierzu ein paar Links:
Zettels Raum - Marginalie: Marcel Reich-Ranicki langweilt sich. Und provoziert einen Eklat. Besuch des alten Herrn. Ein Erklärungsversuch
Band of Brothers - Unterschichtenfernsehen
fdog - Reich-Ranicki lehnt deutschen Fernsehpreis ab
deutschlandfunk - Reich-Ranicki zu seiner Ablehnung des Deutschen Fernsehpreises
Jörg Haider ist tot.1 Er hat sich zu jener erdrückenden Mehrheit von Menschen gesellt, die bereits (ob kürzlich oder vor Jahrtausenden) gestorben sind. Über die wenigsten dieser Personen denken wir je nach. Die meisten kannten wir nicht, konnten wir nicht kennen, den wenigsten standen wir (emotional, physisch, intellektuell) nahe.
Niemandem sollte man den Tod wünschen. Doch darf man sich über den Tod von jemandem freuen?
Es besteht keine moralische Obligation, den Tod eines jeden zu betrauern oder auch nur einen Mundwinkel hängen zu lassen. Doch darf man in Jubel ausbrechen, weil jemand gestorben ist? Wie viele Verbrechen muss ein Mensch verübt haben, dass man sich über seinen Tod freuen darf? Oder darf man sich einzig freuen, wenn der Tod eines Individuums gleichzeitig das Ende von Pein, Tod und Qualen für andere bedeutet?
Kurz vor der Mitte des letzten Jahrhunderts wurde der Tod von unglaublich schrecklichen und grausamen Personen gewünscht, herbeigeführt und bejubelt. Dürfte der Europäer des einundzwanzigsten Jahrhunderts sich immer noch freuen, wenn derartige Charaktere ableben?
Jörg Haider und Stefan Petzner gebrauchen ein seltsames Vokabular, wenn es um jene Anstalten geht, in die mutmasslich kriminelle Asylbewerber ohne vorhergehendes Rechtsverfahren eingeschlossen werden sollen1. Haiders “Sonderanstalten”, die Petzner auch gerne “konzentriere Lager” nennt, sind dabei nur eine “Zwischenlösung”, bis Haiders mutmasslich kriminellen Asylbewerber aus Österreich abgeschoben werden können. Dies ist dann das “Endziel”. Oder vielleicht die “Endlösung”?2
Über das Verbot, sich am Sonntag ein Paar Sneaker zu leisten oder es an jemanden zu verkaufen:
In the end, the law exists not because so many Germans don’t want to shop on Sundays but because so many of them do. In a modern economy, there’s something wrong with a policy that bars shoppers and stores from doing business when they find it mutually agreeable. Maybe it’s time to give that approach a rest.1