oder Ein kurzer Rückblick auf die Tiefpunkte der Blogosphäre und zugewucherte Pfade des Anstands und der Gelassenheit.
Die Blogosphäre könnte ein schöner Ort sein, ein lichterner, von einer kühlen, atlantischen Brise durchwehter Hort des Wissensaustausch, der Meinungsbildung und der lockeren Kontroversen und gemütlichen Diskussionen. Wären da nicht ein paar Punkte, die das Bloggerdasein hin und wieder zur Hölle machen würden:
- Selbstgerechtigkeit (Ja, gottverdammt. Eine Meinung ist nichts weiter als eine persönliche Ansicht, und nicht gleichzustellen mit der Realität. Nur weil du findest, dies sollte so oder so sein, jene Werte sollten gelten und jene Dinge seien grässlich, hast du nicht den Anspruch auf Universalgültigkeit. Werte, als aschene Blüten der Kultur, sind in keinem Fall objektiv anzusehen. Doch als solche unterliegen sie auch dem Schutz der Meinungsfreiheit und dürfen, sofern nicht hetzerisch, geäussert werden. Du fühlst dich gut, weil du alle anderen im Unrecht siehst und du der einzige bist, der weiss, wie man’s machen müsste? Das nennt man Selbstgerechtigkeit, und gerade indem du deine Haltung dervon anderen als überlegen oder gar ‘besser’ ansiehst, läufst du in Gefahr, verdammt grosse Scheisse zu stammeln.)
- Angespanntheit (Ein einzelnes Wort in einem unwichtigen Nebensatz kann eine leicht bissige Färbung aufweisen und schon hat man die halbe Blogosphäre zähnefletschend im Nacken. Ich möcht’ dir einfach sagen: Zieht den Stock aus dem Arsch und entspannt euch. Ist halt jemand nicht deiner Meinung oder meint, dich kritisieren zu müssen, was kümmert’s dich? Dir liegt an jenen Leuten eh nichts am Herzen, also kannst du dir getrost den Bullshit von der Schulter wischen und weitermachen. Warum die Aufregung, wenn ich mich gewählt drastisch ausdrücke und ein paar leichtfüssige Zeilen zu Zynismus pulverisiere? Es ist niemals persönlich gemeint, wie könnte es in den digitalen Welten, da zumindest ich kaum jemanden je in Fleisch und Blut gesehen habe. Ich kenne dich nicht, wie könnte ich dich dann angreifen? Ich stelle nur meine Meinung neben deine, und wähle diejenigen Stilmittel, die mir gefallen.)
Grässliche Unsitten das, die vor allem davon künden, das bei vielen die Nerven abscheulich blank liegen. Das ist natürlich traurig, doch Gegenwind wird mich nicht davon abhalten, das hier durchzuziehen. Koste es die Wertschätzung einzelner.
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November 30, 2007
[...] Ein kurzer Rückblick auf die Tiefpunkte der Blogosphäre und zugewucherte Pfade des Anstands und der Gelassenheit ……findet man heute beim Misanthrop. [...]
November 30, 2007
Die Blogosphäre als hehrer Ort einer geistigen und moralischen Elite, die auschliesslich mit Vernunft und Anstand debattiert? Tschuldigung, aber man kann doch von der Blogosphäre nicht mehr erwarten als vom “wirklichen” Leben. Im Gegenteil, muss man sich im Internet doch nicht von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten und so fällt es leicht, selbstgerecht und ausfallend zu werden.
P.S. Atlantische Brise? Nö du, dann doch lieber ein karibisches Lüftchen.
November 30, 2007
So sei die Blogosphäre also “wirklicher” als das reale Leben. Die Essenz des ‘real life’ findet sich in der Blogosphäre wieder, bloss treten die negativen Aspekte deutlicher in den Vordergrund als die positiven.
Wohl weiss ich, dass ich nicht mehr erwarten darf, doch warum ist es trotzdem so enttäuschend?
December 15, 2007
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