Gallensäure, bitter und hoffnungslos schwappt sie über meine Zunge, ich dränge sie zurück, mein Kiefer zuckt, ich schlucke unter grosser Mühe. Dann drängt sich der Nihilismus einem glühenden Dolch gleich hinter meinen Stirnlappen. Ein knappes, verräterisches Blinzeln und meine kalte Iris schweift über Schlagzeilen und klamme Zeitungsseiten, genauso wie über Blogeinträge und Onlinenewsticker.
Totschlag am Karneval
Kenya bald in Flammen
Blutbad in Tschad
Subprime-Krise
Im Kosovo wieder einmal Krieg
Sozialversicherungsbetrug in Millionenhöhe
Raketen über Sderot
Teddybärenaffäre
Links-rechtes Bündnis gegen Rationalismus
Jérôme Kerviel und verbrannte Milliarden
Gleichstellung von Aberglaube und Wissenschaft
Neapel im Müllbad
Meine Worte verhallen in hunderten von Ohren. Kein Widerhall. Ausbleibendes Echo. Die Vernunft im Siechtum. Die Welt in Flammen, seit tausenden Jahren schon. Die Aufklärung ist gescheitert, der gegenseitige Diskurs verkümmert und das Verbessern der gesellschaftspolitischen Ordnung in der Hand von Ideologisten. Dann doch vielleicht die Hoffnung, ein Mem in die Welt zu setzen, das weiterlebt, das sich verbreitet und erstarkt.
Die Blogosphäre? Die Blogger schwimmen lieber im öligen Pool der eigenen Probleme, ziehen ihre Runden und begreifen nicht, dass die Welt - steigen die Schreiberlinge wieder aus dem Pool - nicht mehr so aussehen wird wie zuvor, wie zu jenem Zeitpunkt, da der Blogger seine Zehen ins kühle, verheissende, selbstreferentielle Nass getaucht hat.
Monday, February 4, 2008 at 5:46
Tuesday, February 5, 2008 at 2:36
Ja, man könnte wahnsinnig werden. Ob Blogger oder nicht, ob gehört oder gelesen oder nicht, ob stumm oder schreiend auf Papier… Und doch bleibt am Ende eins vor allem anderen zu tun: Das Leben mit sich selbst angehen und die eigenen kleinen und grossen Schwächen sehen, annehmen und an ihnen arbeiten. Von wegen selbstreferenziellem Bloggen, z.B. Mein Zeigefinger ist übrigens gerade gegen meine eigene Brust gekrümmt. Ich bin hier zu Besuch, um mir selbst ins Gewissen zu reden.
Tuesday, February 5, 2008 at 7:12
Tuesday, February 5, 2008 at 7:58
Smell that?
You smell that?
Napalm, son.
Tuesday, February 5, 2008 at 17:25
@Thinkabout:
An den Schwächen arbeiten… Mehr darf man sich wahrscheinlich gar nicht wünschen. Doch ich vermute, etliche Leute sind sich ihrer Schwächen gar nicht bewusst, schlimmer noch: Halten sie gar für Stärken.
Apropos selbstreferentielles Bloggen: Es besteht ein gewisser Unterschied, ob man nachsinnend in sein Innerstes schaut, oder ob man sich plump von der eigenen Selbstverliebtheit leiten lässt. Was du machst, ist Introspektion und insofern zu befürworten. Wenn man jedoch daraus gewonnenes Wissen benutzen kann, um in der äusseren Welt etwas zu bewirken, umso besser.
Tuesday, February 5, 2008 at 18:36
Vielen Dank Benjamin. Über das Bewusstsein anderer Menschen für ihre Schwächen mache ich mir keine Gedanken. Ich versuche, bei mir die Dinge ins Lot zu stellen - wer dem folgen und daraus für sich etwas ableiten kann, der macht mir Freude. Mehr muss nicht sein.
Wednesday, February 6, 2008 at 0:28
“Über das Bewusstsein anderer Menschen für ihre Schwächen mache ich mir keine Gedanken.”
Du kannst das, ich leider nicht. Zwar versuche ich, an meinen Schwächen zu arbeiten, doch gleichzeitig komme ich nicht umhin, an anderen Kritik zu üben. Wenn sich anderer ihrer Schwächen schon nicht bewusst sind, sollte man sie darauf aufmerksam machen, meine ich.
Ein düsteres, meist von Erfolglosigkeit gezeichnetes Vorhaben…