Ich mag es akzeptieren, dass in der Schule gegenseitiger Respekt und Anstand herrschen. Wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass ich den gesitteten, wohlgeformten Umgang schätze. Es erleichtert die tägliche Qual ein wenig, um 6 Uhr aufzustehen, Stunden mit Lernen zu verbringen, sich gravierend langweiliges Geschwätz anzuhören, genickbrechende Prüfungen zu schreiben. Generell gesehen ist der Nutzen eines guten Umgangtones recht gross, sei es beruflich oder auch privat.
[Von der Verkümmerung des Gentlemans sei an anderer Stelle die Rede.]
Doch muss es wirklich sein, Tag und Jahr die strengen, zwingenden Regeln der Political Correctness eingeprügelt zu bekommen?
Scheinbar gebiert eine freie Nation nicht unbedingt freie Ausbildungsstätten. Beinahe verspüre ich etwas wie Trauer, vielleicht möchte ich auch nur eine Rose niederlegen ans Grab der Meinungsfreiheit. Dann erinnere ich mich daran, dass es in jenem Fall
“Es geht nicht, dass Sie in einem Aufsatz nur die männliche Form verwenden. Wie kommen sie auch auf die Idee nur “Studenten” zu schreiben und nicht etwa “Studenten und Studentinnen” oder “Studierende”? Sie müssen das lernen, später im Berufsleben müssen sie dies dann auch so machen.”
gar nicht einmal um freie Meinungsäusserung geht - gut, in einem gewissen Sinne schon - sondern vorrangig darum, die eigene Sprache so anzuwenden, wie man selbst will. Ohne sich dem Diktat der Gutmenschen unterwerfen zu müssen. Ach, welch’ Tor ich doch war. Ich habe auch noch geglaubt, man könnte Politische Korrektheit befolgen oder auch nicht. Noch schlimmer: Ich war tatsächlich der Überzeugung, man könnte einem Gutmenschen begreiflich machen, dass das sprachliche Geschlecht etwas ganz anderes ist als das biologische.
Statt den Schülern Freiheit zu lehren, sie ihre eigene Meinung bilden zu lassen und ihnen klar zu machen, dass die Welt der Gedanken und Sprache ein Hort der unbegrenzten Möglichkeiten ist, ihnen die grenzenlose Schönheit des spielerischen, lockeren Umgangs zu zeigen, steckt man sie in ein Korsett, aus dem sie kaum mehr entfliehen können.
Keine schweizerische Neutralität herrscht beim Lehrkörper, sondern Voreingenommenheit und eine deutlich zum Ausdruck kommende politische Haltung. Das ist schade und ein schlechtes Zeichen für den Bildungsstandort Schweiz.