Warum Atheisten keine Gottesleugner sind

Nein, ich leugne Gott nicht, genauso wenig, wie ich die Existenz eines unsichtbaren rosafarbenen Einhorns leugne, das in einem winzigen Mondkrater auf der Rückseite des Mondes Lavendelschaumbäder nimmt.
Leugnen kann man einzig Dinge, die existieren, doch die Wahrscheinlichkeit der Existenz eines Gottes oder eines Einhorns auf dem Mond oder einer Teetasse nahe Venus ist derart gering, dass sie vernachlässigbar wird. Und so kommt es dazu, dass sich mancher Agnostiker1 Atheist nennt. (Natürlich auch, um einen Gegenpol zu den Theisten zu bilden.)

Wir Atheisten definieren uns auch nicht über unseren Atheismus. Wir sitzen nicht zuhause auf der Couch und murmeln mantra-artig vor uns hin: “Es gibt keinen Gott. Nein, es gibt keinen Gott.”
Bezeichnet sich jemand als Atheist, ist er häufig [Nicht immer, denn ich habe schon Atheisten erlebt, die an Trolle geglaubt haben.] viel mehr als das. Er ist ein Bright2. Zentral dabei ist das naturalistische Weltbild, das uns Brights vereint.

Schlicht ausgedrückt:
Wir glauben nicht. (Egal, ob es jetzt um Götter, Osterhasen, Marienerscheinungen, Orks oder Uri Gellers Zauberkünste geht. Blossen Behauptungen, die nicht einmal durch Belege oder Beispiele gestützt werden, stehen wir grundsätzlich skeptisch gegenüber. Dazu kommt, dass die Beweislast immer bei dem liegt, der die Behauptung aufstellt. Und nicht bei dem, der sie anzweifelt.)

Das Wort Atheist ist zu einem Kampfbegriff geworden. Vornehmlich von Gläubigen aller Schattierungen, um uns als fundamentalistisch zu brandmarken. Aber auch von uns, um unser Uneinverständnis mit öffentlichem Glauben kund zu geben. Eine zutreffende Bezeichnung ist Atheist allerdings nicht. Denn unser Agnostizismus macht nur einen marginalen Teil unseres Weltbilds aus. Naturalist wäre schon treffender. Doch unserem Engagement für eine säkulare, auf einer humanistischen Ethik basierende Welt wird nur der Name Bright gerecht.

evil under the sun - Eine gottlose Veranstaltung.
sapere aude - Völlig irre: Naturgesetze Glaubenssache?

  1. stern.de - “Gott existiert mit großer Wahrscheinlichkeit nicht” []
  2. Brights Deutschland []






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21 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiAtheismus - Warum Atheisten keine Gottesleugner sindPubliziert am 25. February 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. Thinkabout

    links from TechnoratiMisanthropen

  3. Thinkabout

    Leider scheint mir die im Artikel betonte Freiheit von jeder Kampfansage (und der eigenen Definition durch das Contra gegen einen vermeintlichen Mainstream) mehr Wunsch als Tatsache: Dafür steht auch der Einstieg in den Artikel, in dem ein Glaube an Gott mit einem Einhorn auf dem Mond (Hinterseite natürlich) gleichgesetzt wird. Das soll witzig sein, ist es vielleicht auch. Es ist aber bestimmt nicht so nüchtern, wie unten die grundsätzliche Haltung weis gemacht werden will.

  4. Benjamin B.

    Ein Bright zu sein, bedeutet durchaus, sich dem “Kampf” gegen religiöse Eiferer, die Glaube und Politik, Glaube und Wissenschaft, Glaube und Staat, Glaube und Öffentlichkeit, Glaube und Medizin vermischen. Leute, die ihren Glauben privat ausleben, auf eine Art und Weise, die niemandem schadet, dürfen ruhig glauben. Das Problem ist nur: Wer gläubig ist, orientiert sich stets an seinem Glauben, egal in welcher Situation. Es wäre ja auch etwas merkwürdig, würde man zu Hause die Bibel für Gottes Wort halten und sich im öffentlichen Leben an einer rationalen, humanistischen Ethik orientieren.

    Der Vergleich mag vielleicht nicht allzu nüchtern sein, doch es lässt sich kaum abstreiten, dass das Einhorn auf dem Mond ebenso wenig falsifizierbar ist, wie der Gott in uns und um uns. Das ist die Gemeinsamkeit zwischen Einhorn und Gott. Der Unterschied macht die starke emotionale Bedeutung, die Gott für viele hat.

  5. ugugu

    Und bitte Agnostiker nicht mit Atheist verwechseln, oder um den amerikanischen Fernsehkomiker Stephen Colbert wieder mal zu zutieren: “Isn’t an agnostic just an atheist without balls?”

  6. Benjamin B.

    “Und so kommt es dazu, dass sich mancher Agnostiker Atheist nennt.”

  7. Luclog

    Ich bin ja auch den Brights zugetan und wenn ich mich richtig erinnere, sogar sowas wie ein Mitglied. Ich bekomme jedenfalls immer noch E-Rundbriefe von denen, habe aber ansonten keinen Kontakte. Ich sehe aber die Positionierung Atheismus, Agnostizismus etwas anders. Der Agnostizismus ist wie ich es sehe, ein ziemlich trickreicher Begriff, aus der kirchlichen Ecke. Der eigentlich den Einspruch des ungläubigen Atheisten entkräftet, wenn er sich darunter subsumiert oder sich so bezeichnen lässt. Denn der Agnostiker sagt etwas anderes: Er sagt man könne diese Frage nicht entscheiden. Das heißt etwas anderes, das heißt rosa Einhörner auf dem Mond sind erstmal möglich, bis man nachschaut, und logische Schlüsse könne keine Antwort geben. Der Atheist trifft hier erstmal eine Entscheidung und bezieht eine Position in der Frage. Diese Position halte ich für besser.

    Stephen Colbert hat hier in diesem Fall recht.

  8. Benjamin B.

    Hm, wenn man den Agnostizismus so betrachtet, dann hast du recht. Dann will ich mich auch vom Agnostizismus distanzieren.

    Das Problem ist vermutlich, dass unter Agnostizismus so alles fällt, was irgendwelche Unsicherheiten beinhaltet.

    Hm, wenn ich so Wikipedia anschaue (http://de.wikipedia.org/wiki/Atheismus), dann merke ich, dass ich nach Dawkin’scher Einteilung ein De Facto Atheist bin. Schlussendlich sind’s Bergriffsspielereien.

  9. Luclog

    Der Streit um Begriffe ist irgendwie doch mehr als Spielerei. Ich habe schon so einige Streiterein diesbezüglich mitgemacht. Und fast jede Diskussion wenn sie hinreichedn komplex ist, kapriziert sich irgendwann auf die Deutungshoheit von Begriffen. Begriffe sind Gesellschaftlich immer in Bewegung, und dienen meist der Abgrenzung. Und dies ist besonders schlimm dort wo sich Gruppierungen die Deutungshoheit über Begriffe aneignen können. Religion ist ein solcher Fall.Aber auch in den Gesellschaftswissenschaften ist es ein oft zu beobachtender Vorgang. Aber eigentlich ist keine Wissenschaft und auch keine gesellschaftliche Gruppierung davon frei. Sprache dient halt auch immer dazu auszugrenzen, oder manchmal auch dazu Tabuzonen zu errichten.

  10. Benjamin B.

    Ya got that point.
    Eine Diskussion zu führen, wird schwierig, wenn die Begriffe nicht klar definiert sind. Üblicherweise ziehe ich bei Begriffsunklarheiten Lexika zu Rate, aber im Falle Agnostizismus/Atheismus scheint auch dies nichts zu bringen. Dummerweise sind die Grenzen auch schwierig zu ziehen, da es gewisse Grauzonen und Überschneidungen gibt. Notgedrungen müsste man die Begriffe in jeder Diskussion von Neuem definieren.

  11. Luclog

    Nichtmal Lexika sind in diesem Sinne objektiv. Auch da gibt es je nach Diskussion gewaltige Unterschiede. Wikipedia ist zum Beispiel in allen politisch relevanten Fragen fast unbenutzbar, weil dort dann doch zu viele schreiben die “engagiert” sind. Aber auch bei allen anderen Wissensgebieten, Fakultäten, und Lexika sind die “Engagierten” diejenigen die die Begriffe belegen, deuten und definieren. Und leider ist es so, daß die die am meisten “engagiert” sind, meist über die wenigste Objektivität verfügen.

  12. Benjamin B.

    Bei Wikipedia ist mir das auch schon das eine oder andere Mal aufgefallen, stimmt.
    So bleibt also in jeder tiefer schürfenden Diskussion nichts anderes übrig, als zuerst die Begriffe selbst zu definieren, damit alle Gesprächspartner dasselbe meinen, wenn sie dieselben Wörter benutzen?

  13. Luclog

    Das Zauberwort heißt hier “Wiederholung”. Es gibt eigentlich keine Möglichkeit etwas so auszudrücken, das es nicht missverständlich ist. Desto genauer man in etwas Ausdrückt, desto unschärfer wird es eigentlich. Am besten sieht man das bei der Mathematik, dort hat man ganz abstrakte Ausdrücke, Zahlen, die sich auf vielerlei Dinge anwenden lassen. Was in sich geschlossen sehr genau ist, aber auch am weitesten von der Welt entfernt. Es gibt also keinen Weg über Abstraktion Klarheit zu schaffen, auch nicht über definierte Worte oder Sprache. Dies führt immer nur zu mehr Ungenauigkeit. Und der eigentliche Grund für Fachsprache ist immer Ausgrenzung der Nichteingeweihten und Bildung einer spezialisierten Zunft, das kennt selbst der Bäcker und der Elektriker, eine uralte Geschichte. Wenn man aber eine Botschaft hat, oder etwas vermitteln will, also eine Diskussion führt, und etwas klar Ausdrücken will, ist der Weg dafür auch schon seit der Antike bekannt: man wiederholt die Botschaft möglichst häufig, und wechselt dabei die Form damit der Empfänger es sich gut merken kann. Was man dreimal sagt ist wahr. Wenn man etwas ganz stark verankern will reimt man.

  14. *Evil under the Sun*: Eine gottlose Veranstaltung [Blogparade]

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  15. sapere aude » Blog Archive » Eine gottlose Veranstaltung

    [...] Atheismus - Warum Atheisten keine Gottesleugner sind. Und noch ein beitrag, der zeigt, dass Athesimus nur ein durch religiösen Fanatismus [...]

  16. dvizard

    “Das heißt etwas anderes, das heißt rosa Einhörner auf dem Mond sind erstmal möglich, bis man nachschaut, und logische Schlüsse könne keine Antwort geben. Der Atheist trifft hier erstmal eine Entscheidung und bezieht eine Position in der Frage. Diese Position halte ich für besser.”

    Das Problem ist leicht anders gelagert. Gäbe es rosa Einhörner auf dem Mond, würden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit welche sehen, wenn wir nachschauen würden. Wenn wir keine sehen, können wir mit relativ guter Gewissheit davon ausgehen, dass wohl keine vorhanden sind. Hingegen könnten verschiedene Arten von Gottheiten existieren, ohne dass wir auch nur die geringsten Anhaltspunkte dafür oder dagegen hätten bzw. haben könnten. Atheist bin ich also bezüglich speziellen Gottheiten wie der christlichen Gottheit, die in ihrem Wirken klar erkennbar sein müsste. Gegenüber deistischen oder pantheistischen Gottheitsbildern kann ich effektiv keine Art von sinnvollen Aussagen machen, daher bin ich diesen Gottheiten gegenüber agnostisch.

  17. plasmaoxyd

    Sehr ansprechender Text, aus dem jeder was lernen kann.
    Übrigens sind Atheisten jedem Gläubigen angenehmer als die Menschen, die sich mit solchen Fragen überhaupt nicht mehr auseinandersetzen. :P

  18. Benjamin B.

    Na, da würde ich zweifeln. Gläubige mit starken humanistischen Einflüssen vielleicht.
    Hardcore-Gläubige - a.k.a. Fundamnetalisten - würden mir viel lieber ihre Sammlung an Heugabeln zeigen.

  19. Aufgedeckt!Scientology=Chaos!! - GW-Fanworld

    Kramer auto Pingback[...] schrein. AMEN! Und was den Atheismus angeht kann ich nur auf diese Seite verweisen: Der Misanthrop __________________ Es gib drei Sorten von Menschen: Die Wenigen, die dafür sorgen, dass etwas [...]

  20. Anon

    Der text hat mich zutiefst erschuettert
    wie kann man solche sachen behaupten
    nur weil etwas unwarscheinlich ist
    kann es trotzdem existieren

    natuerlich gibt es orks
    die reisen in ausgehoehlten asteroriden durch den weltraum um auf anderen planeten so richtig en waaaagh abgehen zu lassen

  21. Benjamin B.

    ah, die gute alte mischung zwischen fantasy und science fiction. ein schmaler, aber deliziöser grat.




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