Gewissensprüfung abgeschafft, Militarismus steht noch

Wer den Militärdienst mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, soll nicht mehr vor einer Kommission antreten müssen. Geht es nach dem Bundesrat, soll der Tatbeweis, einen Ersatzdienst zu leisten, der anderthalb Mal länger als der Militärdienst ist, in Zukunft genügen. ((nzz - Keine Gewissensprüfung mehr für den Zivildienst))

Die Schweiz wird auf den ersten April nächsten Jahres ein wenig liberaler. Die Abschaffung der Gewissensprüfung ist zwar ein guter Schritt in die richtige Richtung, aber lediglich ein Kaffeelöffelchen voll Zucker in ein Bassin voller Essig. Die Milizarmee soll endlich auf den Schlachthof. Ein unliberales Monstrum wie dieses, das weder Frauen und Männer gleich behandelt, noch irgendeinen positiven Effekt auf die Geisteshaltung junger Schweizer Bürger hat. Im Grunde genommen werden Hundertscharen Einwohner für etliche Monate aus dem Berufs-, Privat- und Ausbildungsleben herausgerissen und mit so sinnvollen Aufgaben beschäftigt wie auf dreckigem Waldboden herumzukriechen. Die Milizarmee ist ein urchiges Relikt, das jedoch nichts im Europa des Einundzwanzigsten Jahrhundert zu suchen hat. Eine Alternative zum Wehrdienst besteht auch nach der Abschaffung der Gewissensprüfung nicht wirklich. Immer noch dauert sie eineinhalb mal so lang und bedingt ein schriftliches Gesuch. Zwar kann man sich im Zivildienst fürs Wirtschaftsleben rüsten, indem man sich zum Beispiel Sozialkompetenzen aneignet oder auch seine Kenntnisse der Buchhaltung vertieft, doch ein wahrlich liberaler Staat zwingt seine Bürger niemals zu schlechtbezahlten fragwürdigen Diensten.

kyriacou.ch - Das Ende der Wehrpflicht
kyriacou.ch - Tatbeweis statt Gewissensprüfung - mutloses Reförmchen







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8 Kommentare

  1. politik-blogs.ch

    links from TechnoratiArmee - Gewissensprüfung abgeschafft, Militarismus steht nochPubliziert am 28. February 2008 im Blog «DER MISANTHROP»

  2. gebsn

    Nun, als alter Pazifist würde ich die Armee gerne ganz abgeschafft sehen. Solange es aber eine Armee sein muss, plädiere ich für eine Milizarmee. Nur so - so meine Erfahrung - sind neben militärgeilen Rambos und gehorsamen Mitläufern auch kritische Stimmen innerhalb der Armee vertreten, die sich wagen, gegen militärische Unvernunft die Stimme zu erheben.

  3. Christian

    Salve

    Uiii… ich bin der erste, der PRO Milizarmee ist… :D

    Genau so wie im Zivildienst können die ADA auch im Militär Sozialkompetenz lernen. Es ist längst nicht mehr die alte Führungsschule, die praktiziert wird, der Umgang untereinander in Stresssituationen und auf engstem Raum will auch gelernt werden usw.

    Wo ich Dir zustimmen muss.. auch für Frauen sollte die Dienstpflicht (Ich schreibe ausdrücklich nicht Militärdienstpflicht) bestehen. Bei Paaren mit Kindern müsste einfach einer der beiden die Dienstpflicht erfüllen.

    Gruss
    Christian

  4. Andreas Kyriacou

    @Christian
    Die Idee, statt nur über die Steuern durch Arbeit einen Beitrag ans Gemeinwohl zu leisten, scheint bestechend - aber nur auf den ersten Blick. Sie ist nämlich kaum umzusetzen. Das Völkerrecht verbietet - aus gutem Grund - die Fronarbeit. Ausgenommen sind nur die “traditionellen Bürgerpflichten”.

    Unser bestehendes Milizsystem ist dadurch also nicht gefährdet. Aber Leute zu Zwangsarbeit in Spitälern, im Strassenbau- oder Unterhalt oder was auch immer einsetzen zu wollen, liegt völkerrechtlich nicht drin. Wenn wir dies in Europa aufweichen würden, wäre es anderswo auch nicht zu sanktionieren. Frankreich hatte solcherlei Pläne, die jedoch fallen gelassen wurden, gerade auch wegen der Völkerrechtsinkompatibilität. Schlussendlich wurde wie fast überall in Europa in Frankreich die Wehrpflicht ersatzlos gestrichen, bzw. auf einen eintägigen ‘Wehrdiensttag’ reduziert, der als Informationstag zu Militärlaufbahnen, freiwilligem (!) Sozialjahr etc. dient.

    Das Ende der Wehrpflicht ist auch in der Schweiz abzusehen.

  5. Benjamin B.

    Gebsn, haben dann kritische Stimmen, die von ausserhalb der Armee kommen, überhaupt keinen Einfluss auf selbige?

    Andreas, interessanter Aspekt. Die Dienstpflicht aus völkerrechtlicher Sicht zu beurteilen, wäre mir jetzt nicht eingefallen.

  6. Andreas Kyriacou

    @Benjamin. Ich hab zum Thema allgemeine Dienstpflicht schon vor einem Jahr meinen Senf niedergeschrieben. Es gab bereits mehrere Tagungen zum Thema (1, 2). Die Quintessenz ist eigentlich immer die gleiche: Alle Modelle scheitern an der Zwangsarbeit.

  7. gebsn

    @Benjamin B.
    Ich mein ja nicht die Ausrichtung der Armee, die Regelungen, die grossen Linien, sondern den militärischen Alltag in der Truppe. Und dort leider nein.

  8. Benjamin B.

    Natürlich, Gebsn, den militärischen Alltag kann man von ausserhalb schwerlich beeinflussen. Mir ist nur der übergeordnete Kurs der Armee eingefallen, als ich deinen Kommentar gelesen habe. Allerdings vermute ich, dass es ziemlich ungemütlich werden kann, wenn man im Dienst ist und sich über die Armee kritisch äussert?




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