Allgemeine Kritik an der Scharia

Viele Male habe ich den Satz schon hören müssen: Allgemeine Kritik an der Scharia sei nicht zulässig, da die Scharia gar keine Einheit darstelle. Vielmehr müsse man sich auf einzelne Fatwas konzentrieren.

Das mag stimmen, wenn man einzelne Inhalte kritisieren will. Oder auch nicht.

Ein Rationalist kann und wird die Scharia jedoch grundsätzlich nicht akzeptieren, egal wie rehäugig deren Inhalte nun daher kommen.

Denn das Wesen der Scharia ist religiös. Sie stellt die vollkommene Verschmelzung von Rechtssystem und Religion dar, das Gegenstück zum von Naturalisten heftigst umworbenen Laizismus also. Darüber hinaus werden die Gesetze religiös begründet, was jedem Atheisten ein Gräuel sein dürfte. Vernünftige Gesetze lassen sich mit der Religion im Rücken jedenfalls nicht formulieren. Dies ist einzig mit rationalistisch-demokratischem Vorgehen möglich. Dies braucht seine Zeit, das ist klar, und ganz viel Fachwissen; ist auch nicht frei von Fehlern, beansprucht es keine Absolutheit. Doch langfristig bringt uns einzig eine weltliche Gesetzgebung die grösstmögliche Annäherung an das Paradies auf Erden.

Deshalb ist die Scharia grundsätzlich abzulehnen. Und nicht nur in den Details.







Bei allen Services (Mister Wong, Yigg, Infopirat etc.)
Bookmark and Share




8 Kommentare

  1. Jochen Hoff

    Hmm. Können wir dann auch die Paragraphen aus unserer Rechtsordnung herausnehmen, die auf wirren religiösen Prinzipien beruhen.

    Du sollst nicht ehebrechen, ist doch echt Mist, und dieses du sollst nicht töten und nicht stehlen. Alles Quatsch.

    Es war dieser Moses der mit seine blöden Tafeln mit dem Quatsch angefangen hat. Vater und Mutter der Sharia ist übrigens der Talmud.

    Mit der Sharia hat es übrigens den gleichen Ärger, wie mit deutschen Gerichten. Drei Gerichte vier Meinungen.

    Entschuldigt das die Fehler der Scharia. Nein. Aber es erklärt sie.

    Wie immer hängt Gerechtigkeit auch bei der Scharia vom Richter ab. Das sind Menschen.

  2. politik-blogs.ch » 2008 » March » 05

    Kramer auto Pingback[...] Allgemeine Kritik an der Scharia [...]

  3. Benjamin B.

    Alle Gesetzesartikel, die sich nicht rationalistisch begründen lassen, will ich raus.
    Ich sehe nicht, was Gesetze, die auf reiner Willkür basieren, für einen Sinn haben.

    Die Fehler der Scharia haben allerdings schon ein recht anderes Ausmass, als die westeuropäischer Gerichte. Für Islamisten wie für Humanisten. Bloss im umgekehrten Sinne jeweils.

  4. Kathi

    das meise ist einfach viel zu übertrieben meiner meinung nach.

    im westen hier kaum herzudenken. aber naja, andere kluturkreise - anderes denken.

  5. plasmaoxyd

    Vernünftige Gesetze lassen sich mit der Religion im Rücken jedenfalls nicht formulieren …
    … ethische Leitlinien und Grenzen aber sehr wohl, um auf den Kommentar von Jochen Hoff Bezug zu nehmen. Manche Gesetze stellen eben ein möglichst konfliktloses Zusammenleben von Menschen in einer Gesellschaft sicher.
    Die angesprochenen 10 Gebote sind aus moderner theologischer Sicht übrigens keine “Gesetze” sondern ein Angebot in der Wechselbeziehung zwischen Gott und dem Volk Israel.

    “Du sollst nicht töten” halte ich personlich übrigens für recht sinnvoll. Überschneiden sich da rationalistisches Denken und Religion etwa nicht?

  6. Benjamin B.

    Plasmaoxyd, da hast du recht. Sorry. Es ist wirklich eine wahnwitzige Formulierung. Klar können zutiefst vernünftige Gesetze auf der Religion basieren.

    Bloss, finde ich, reicht es in der heutigen Welt nicht mehr, wenn ein Gesetz “von Gott kommt”. Ob ein Gesetz mehr nützt oder mehr schadet, ob es also angemessen ist, das müsste man mit der ratio untersuchen.

    Hm, kannst du mir das mit den 10 Geboten erklären? Ich sehe da nicht ganz, inwiefern ein Gebot zugleich ein Angebot sein kann…

  7. plasmaoxyd

    Da hast du recht. Religiöse Texte nicht zu reflektieren und algemeinhin als Gesetz zu betrachten war schon immer gefährlich (siehe Scharia). Die “Gesetze” wurden von Gott eben nicht heruntergefaxt. Menschen haben diese “Worte” in der biblischen Geschichte empfangen und sie wurden dann eben zu Gesetzen, was einfach nur menschlich ist, denn Menschen suchen schon immer nach einem Rahmen und nach Erklärungen in denen sie sich bewegen können.

    Das Geschehen zwischen Gott und dem Volk Israel gründet sich auf der sogenannten Bundtheologie. YHWH (wie er im alttestamentlichen Originaltext genannt wird), schließt mit seinem auserwählten Volk Israel immer wieder einen Bund.
    Das erste Mal geschieht das im Schöpfungsbericht in dem den Menschen die Erde zur Fürsorge und Herrschaft anvertraut wird.
    Ein weiteres Mal geschieht es mit Abraham, wobei als Zeichen des Bundes zwischen seinen Nachkommen und Gott die Beschneidung gesetzt wird.
    Das dritte Mal, was für uns jetzt explizit interessant ist, ist der Bund den Gott mit Moses schließt (nachzulesen in Exodus 19 Vers 5).
    Zu einem Bund gehören bekanntlich ja wie bei einer Ehe immer zwei dazu, d.h. diese Bündnisse mit Gott können nur funktionieren, wenn sich beide Parteien damit einverstanden erklären und gemeinsame Werte verfolgen. Die Zehn Gebote sind in diesem Fall aber kein Strafrechtskatalog, sondern ein ethischer Leitfaden, der Werte und Formen ihrer Gefährdung nennt und spricht somit das Gewissen an.
    Es werden dann noch ein paar andere Bündnisse geschlossen, zb mit König David, allgemein hin immer dann wenn das Volk Israel zu seinem Gott “zurückkehrt”. Im Neuen Testament wird dieser Bund übrigens durch das letzte Abendmahl symbolisiert (Matthäus 26 Vers 26).

    Hoffe es war jetzt nicht zu frech hier so eine theologische Ausführung in den Comments zu posten, aber damit wollte ich nur deine Frage so gut wie möglich beantworten. ;)

  8. Benjamin B.

    danke für die theologische lehrlektion. und nein, war nicht zu frech, ich hab’ ja danach gefragt.

    kommentieren kannst du hier eh wie du willst. insbesondere wenn du was anderes zu sagen hast, als bloss ein kopfnicken zum ausdruck zu bringen. nun, die hab’ ich natürlich auch gerne. aber du siehst, was ich meine.

    und erklärungen sind immer gern gesehen.




Kommentieren

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>