Gewiss, Krieg ohne Splittergranaten und mit humaner Behanldung der Gefangenen ist besser als Krieg mit jenen Abscheulichkeiten. Aber immer wenn ein paar Staaten derartige Abkommen abschliessen, erweckt das einen leicht absurden Eindruck bei mir. Besonders, wenn die Diplomaten und Politiker mit ernster Miene schwören, den Krieg humaner zu gestalten. Ein sauberes, trockenes Paradoxon. Human wäre es, nicht in den Krieg zu ziehen. Verkündet ein Politiker voller Stolz, soeben ein Abkommen unterzeichnet zu haben, dass die Folterung von Kriegsgefangenen oder Splittergranaten verbietet, so klingt das immer ein wenig wie: “Hey, wisst ihr, es ist in Ordnung, wenn ihr in den Krieg zieht und euch gegenseitig umbringt. Ich will auch nicht versprechen, dass ich nie einen Krieg beginnen werde. Aber ihr könnt euch darauf verlassen, dass wenn ich euch in den Krieg ziehen lasse, ihr euch human die Köpfe einschlagen werdet. Ihr könnt euch umbringen, wenn ihr wollt. Aber wenn ihr einen am Leben lässt, dann behandelt ihn gut. Merkt euch das, entweder ihr tötet euren Feind auf der Stelle oder ihr geht anständig mit ihm um.”
Friday, November 21, 2008 at 19:35
Saturday, November 22, 2008 at 13:46
Einspruch!
Da schüttest du das Kind mit dem Bade aus.
Das humanitäre Völkerrecht (jus in bello) ist schon sehr alt (basierend auf einem Ehrenkodex) und hat zweifelsohne schon viel Leiden verhindert (und ich würde nie so eine kontrafaktische Behauptung leichtfertig mit solcher Überzeugung vortragen, wäre dies nicht deutlich).
Klar wäre es das Beste gar keine Krieg zu haben. Diese scheinen aber nicht zu verschwinden und so ist es doch pragmatisch, zu versuchen die Brutalität und das Leid zu verkleinern.
Natürlich ist es pervers ‘unnötiges’ von ‘nötigem’ Leiden zu unterscheiden. Wenn aber etwas unternommen werden kann, dass die Zivilbevölkerung weniger in Mitleidenschaft gezogen wird und physisches und psychisches Leid verhindert werden kann, dann soll es auch getan werden. Ein Alles oder Nichts hilft niemandem.
Ein grossteil der Regeln wird in einem Grossteil der Fälle respektiert (übrigens wäre das IKRK nicht was es ist, ohne die Genfer Konventionen).
Saturday, November 22, 2008 at 14:27
Deswegen sagte ich ja bereits im ersten Satz, dass ich auf die Genfer Konventionen nicht verzichten möchte. Den paradox-absurde Beiklang kann man diesen Abkommen aber trotzdem nicht absprechen.
Saturday, November 22, 2008 at 15:10
Dann folge ich dir nicht warum es absurd sein soll. Du möchtest nicht darauf verzichten (ergo musst du einen Sinn darin sehen), aber findest die Regeln absurd (gemäss Duden “Sinnwidrig, sinnlos”).
Wenn du mit mir einig bist, dass zumindest kurz- bis mittelfristig Krieg eine Realität in den Beziehungen zwischen Staaten sein wird, kannst du kaum behaupten diese Regeln wären ’sinnlos’ oder ‘paradox’. Ausser natürlich es geht dir darum auf kosten des humanitären Völkerrechts billig zu Punkten in dem du ein Ideal als einzige Lösung darstellst.
Würde ein Politiker behaupten, er wird nie einen Krieg führen, wäre das doch auch unehrlich (oder zumindest extrem naiv)?
Saturday, November 22, 2008 at 15:29
Hmmmm, zugegeben, objektiv sind diese Abkommen weder absurd, noch paradox. Aber immer wenn ich von diesen Konferenzen höre, beschleicht mich ein derartiges Gefühl. Wenn sich zwei Staaten schon zu solchen Gesprächen treffen, wieso können sie nicht gleich ein Abkommen treffen, das besagt, dass sie nicht gegeneinander in den Krieg ziehen? Auch wenn Staaten nicht grundsätzlich ausschliessen können, nie wieder in den Krieg zu ziehen, aber am liebsten nie würden und eigentlich ziemlich humanistisch sind, wieso brauchen sie dann diese Abkommen und behandeln Kriegsgefangene nicht von sich aus gut? Ein Staat, der begreift, dass Krieg schlecht ist, müsste man eigentlich nicht dazu zwingen, keine Personenminen mehr zu verwenden.
Saturday, November 22, 2008 at 16:35
Wenn genug Länder solche Abkommen schliessen, können die Regeln sogar zwingendes Völkerrecht werden (z.B. ist es egal ob man die Folterkonvention unterschrieben hat oder nicht, das meiste gilt trotzdem).
Übrigens haben tatsächlich fast alle Länder einen Vertrag unterschrieben in dem sie einen Angriffskrieg ausschliessen: Die UNO Charta ist nämlich ein Vertrag und genau das steht da drin. Somit wäre eigentlich diese Bedingung erfüllt, das fast alle Länder dieser Welt UN Mitglied sind.
Saturday, November 22, 2008 at 17:41
Hier stellt sich wieder einmal das Problem, dass bei zwischenstaatlichen Verträgen wenig Rechtssicherheit besteht. Ich bin zwar positiv überrascht von der UNO-Charta, aber da die Mitgliederstaaten das Völkerrecht beliebig brechen können, stellt sich wieder die Frage nach dem Sinn.