Monatsarchiv für October 2008



FSM, RAmen! (i/ii)

Ein kleines Gedankenspiel:

In der Schweiz gibt es zwei grosse Religionen, die Pastafari und die Mormonen. Abgeschlagen, aber mit immer noch respektabler Grösse folgt der Hinduismus auf Rang 3. Die restlichen Sekten sind blosse Marginalien. Während an den öffentlichen Schulen den Kinder entweder gelehrt wird, dass Piraten nach dem über die Planke gehen zum Biervulkan kommen oder, dass Joseph Smith seinen Kopf in einen Hut gesteckt hat, um das Buch der Mormonen zu übersetzen. Während an staatlichen Universitäten darüber gestritten wird, ob jener Hut aus Seide oder Filz gewesen war und an anderen Fakultäten über die Original-FSM-Rezeptur für Spaghettisauce nachgedacht wird. Während Leute von ganeshaförmigen Fuchsschwänzen und krishnaförmigen Schimmelflecken geheilt werden. Während die NPD(S) verboten bleibt und Katholiken wegen ihrer antipastafarischen Heilslehre und den Völkermorden in ihrer Vergangenheit weiterhin mit einem Versammlungsverbot belegt sind. Während die Hindus die Schweizer Kultur mit dem Kastensystem bereichern und staatliche Direktzahlungen erhalten. Während da und dort Swastikas auf Gartenzäunen zu erblicken sind und die Verwendung von Christenkreuzen mit Zuchthaus bestraft wird. Während all dem schneidet ein Student seine Spaghetti. Die Nation ist schockiert. Wütende Pastafari drohen dem Jungen mit Mord. Selbst Agnostiker fordern, dass auch Ungläubige die Bräuche der Pastafari zu respektieren haben. Die Schweizer Presse weigert sich, Bilder der geschnittenene Spaghetti abzudrucken. Aus Rage steuert ein Pirat sein Boot auf das Botschaftsboot der Konfessionslosen und Atheisten zu, das direkt neben dem Bundesschiff ankert…




Zwangsschwimmen, die Freiheit vor der Religion und das Recht auf Dummheit

(sda) Muslimische Schüler haben keinen Anspruch mehr auf einen Dispens vom gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht. Das Bundesgericht hat seine Praxis geändert und stellt die Integration nunmehr über die Glaubens- und Gewissensfreiheit.

Eine tunesische Familie aus Schaffhausen hatte 2006 für ihre damals elf- und neunjährigen Söhne um eine Befreiung für den gemischtgeschlechtlichen Schwimmunterricht in der Schule ersucht. Sie berief sich dabei auf ihren muslimischen Glauben, der den Knaben den Anblick leichtbekleideter Mädchen verbiete.1

Seine Kinder ideologisch zu erziehen, ist zutiefst unmoralisch. Egal, ob diese Ideologie Buddha, Odin, Marx, Bush oder Couchepin beinhaltet. Ein Verbot für tendenziöse Erziehung lässt sich jedoch weder durchsetzen, noch wären alle Auswirkungen dieses Gesetzes positiv. Von daher muss man zulassen, dass Tunesier ihren Kindern ein eher traditionelles Geschlechterbild vorbeten. So schlecht das für die Kinder auch ist. Die Worte zu schleifen und mit allen medialen Möglichkeiten gegen diese Indoktrination anzukämpfen, könnte man jedoch als humanistische Pflicht ansehen.

Doch sollte die öffentliche Schule Ausnahmen, die mit religiösen Motiven begründet werden, zulassen? Wie steht es mit privaten Schulen?

Öffentliche Schulen, als Teil des säkularen Staates, müssen jeglichen religiösen Einflussnahmen widerstehen. Dazu gehört auch, dass strenggläubige Eltern den Unterricht ihres Kindes an dieser Schule nicht mitbestimmen können. Ob es nun um Schwimm- oder Biologieunterricht geht. Wie jedes Kind in Mathematik unterrichtet wird, wird jedes Kind Sport und Biologie nach Stundenplan besuchen. Denn würde man den Muslimen erlauben, ihre Kinder vom Turnunterricht zu entfernen, so müsste man dem Evangelikalen dasselbe bezüglich Bio, Astronomie und Geologie zugestehen. Oder aufgrund welcher Basis will man die einen unbegründeten Irrationalitäten (Das Kind ist ja nicht physisch unfähig, am Schwimmunterricht teilzuhaben, sondern das Familienoberhaupt möchte dem Kind seine Moralvorstellungen, die vor etlichen Jahrhunderten ein Warlord herbei halluziniert hat, während Tag und Nacht aufzwingen.) zulassen, die andern aber ablehnen? Akzeptiert man muslimische Einflussnahme in den Stundenplan, so darf man den Pastafari und Neopaganisten nicht nein sagen.

Nicht zuletzt hat jede Schule das Recht, zu verlangen, dass der von ihr aufgestellte Stundenplan strikt eingehalten wird. Bei einem reichen, freien und konkurrierenden Angebot von Bildungsdienstleistern hätte zudem jedes Elternpaar die Freiheit, für den Sohn oder die Tochter die passende Schule auszuwählen. Papa und Mama müssten nicht fürchten, dass der Sohn wegen ein paar nackten Mädchenschenkeln verdorben wird. Gewiss, Schulen mit religiöser Färbung zuzulassen, gereicht zwar manchen Kindern zum Nachteil, aber dafür wird das staatliche Bildungsmonopol gebrochen und durch den entstehenden Wettbewerb dürften Koranschulen so marginal bleiben wie heute. Auf dem Anforderungsprofil für heutige Arbeitnehmer stehen einfach keine Punkte wie “Erstklassige Korankenntnisse” oder “Misogynie”.

  1. tagesanzeiger - Auch muslimische Schüler müssen zum Schwimmunterricht []



Kirchen oder Freiheit für Misogynisten

Du hast einen hundsgewöhnlichen Job zu vergeben und bist kein Stripclubbesitzer. Wie wählst du die richtige Person aus?
a) Du schaust, wer am besten dafür qualifiziert ist.
b) Du lehnst Bewerbungen von Frauen im Vornherein ab und gehst danach so vor wie bei a) beschrieben.

Würde man eine derartige Umfrage machen, so hoffe ich, dass die meisten Personen Antwort a) wählen würden. Ansonsten müsste man sie des Kollektivismus bezichtigen. Katholische Bischöfe sind gar dazu verpflichtet, Antwort b) zu wählen. Zumindest wenn der zu vergebende Job das Pfarramt darstellt.

Spräche man die Leitung der katholische Kirche darauf ein, würde sie vermutlich mit Bibelzitaten und irgendwelchen alten innerkirchlichen Bestimmungen antworten. Akzeptierte man jedoch diese Antwort, so müsste man jedem eine Ausnahme von den Antidiskriminierungsgesetzen gewähren, der seinen Antrag mit einem genügend alten Buch oder mehrere Jahrhunderte alten Gesetzestexten (im weitesten Sinne des Wortes) begründen kann. Würde lediglich eine theologische Begründung genügen (was vermutlich der Fall ist), so könnte rein theoretisch jeder seiner Unternehmung einen religiösen Untergrund verpassen, um so die Antidiskriminierungsgesetze zu umschiffen.

Die katholische Kirche (und mit ihr viele andere Kirchen und Sekten) untergräbt diese Gesetze nicht nur, sie führt das ganze Konzept ad absurdum. Denn diese Gesetze sind darauf angewiesen, dass Ausnahmen nur zugelassen werden, wenn eine objektive Notwendigkeit besteht, Vertreter eines bestimmten Geschlechtes anzustellen. Was zum Beispiel in Stripclubs der Fall ist.

Doch die Kirche kann ihre Behauptung, dass Frauen nicht Pfarrer werden können, so wenig mit Fakten untermauern wie die Kirche des FSM ihre Auffassung, dass für das Sekretariat nur Frauen mit Körbchengrösse D in Frage kommen. Das heisst, die Aussage, dass Frauen fürs Pfarramt ungeeignet seien, weil dies vor etlichen Jahrhunderten ein paar Leute bestimmt hätten, die von Geistern besessen wären vom Heiligen Geist inspiriert worden seien, gleichwertig mit der Begründung, man wolle keine Frauen einstellen, weil man sich in deren Nähe “unwohl” fühle.

Entweder muss man also die römisch-katholische Kirche dazu zwingen, Frauen ins Pfarramt zu heben, oder man streicht die Antidiskriminierungsgesetze und gibt dem Arbeitgeber die volle Kontrolle über seine Eigentum zurück, was bedeutete, dass er nach völlig willkürlichen und beliebigen Massstäben Leute einstellen kann. (Womit er allerdings eine Vielzahl gut qualifizierter Arbeitskräfte ignorieren und somit einen Nachteil im Vergleich zur nicht diskriminierenden Konkurrenz in Kauf nehmen würde. Was diesen Arbeitgeber langfristig marginalisieren würde.) Allerdings müsste die Kirche dazu vollkommen privatisiert werden. D.h. Abschaffen der Kirchensteuer für juristische Personen und Abschaffen der Erhebung und des Eintreibens dieser Steuer durch den Staat, kein konfessioneller Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, keine Steuererleichterungen, Verbot von finanziellen Leistungen aus der öffentlichen Hand an die Kirche, keine Seelsorge an staatlichen Einrichtungen, keine konfessionellen Fakultäten an öffentlichen Universitäten.

Voraussichtlich wird aber weder der erste, noch der zweite Fall eintreten, so dass die Antidiskriminierungsgesetze nicht konsequent angewendet werden können und die Eidgenossenschaft eine offen sexistische Vereinigung finanziell und administrativ unterstützt.




Copenhagen Consensus




Was unterscheidet d’Mönsche vom Schimpans

Was unterscheidet d’Mönsche vom Schimpans
S’isch nid die glatti Hut, dr fählend Schwanz
Nid dass mir schlächter d’Böim ufchöme, nei
Dass mir Hemmige hei

~ mani matter - hemmige

The characteristic defining a human
distinctly apart from an ape
Not opposable thumbs, or intelligent thinking,
but what we can do with Scotch tape.
Your chimp or bonobo or highland gorilla
will typically not even care
And orangs and gibbons tear tape into ribbons
and tangle it into their hair.

~ the digital cuttlefish - X-Rays From Stick Tape?!?!




Tim Minchin - If You Open Your Mind Too Much, Your Brain Will Fall Out (Take My Wife)

hat tip to eso blog




Wir wollen bloss alleine gelassen werden

It is sad—extraordinarily and searingly sad—that so very many people seek salvation through politics and refuse to understand that many individuals, myself included, want neither to be saved nor persecuted by the state. We just want to be left alone by busybodies so that we can be part of building a great spontaneous order of free and prosperous people.1

  1. Donald J. Boudreaux - Thoughts on Freedom ~ Sad Democracy / via freilich - Die Anti-Wahlempfehlung []



Schwarze Märkte und M&M’s

Wo immer ein bestimmter Konsumgegenstand (oder der Handel mit ihm) verboten ist, entwickelt sich ein Schwarzmarkt. Auch wenn man an Schulen den Verkauf von Süssigkeiten verbietet.1

  1. daily press - Students turn a profit from candy sales / via paxx - Agorismus in Kinderschuhen []



Splitter

Wie sähe eine Welt aus, in der die grösste Partei fünf Prozent der Wählerstimmen auf sich verenigen kann?

Wie auch immer die Antwort ausfallen mag, wäre mir eine Welt voller Agoristen, Anarchokapitalisten, Neolibertären, Transhumanisten, Extropianisten, Rothbardians, Neostalinisten, Marxisten, utopischen Sozialisten, dialektischer Materialisten, Anarchosyndikalisten, Possibilisten, Austrofaschisten, Estado Novo und libertären Marxisten wohl lieber (Natürlich könnte ich auf manche der obigen Denkströmungen verzichten.) als eine, in der man entweder links, rechts oder in der Mitte ist.

(Wer meint, Politik zu verstehen, versteht Politik nicht. (Hier bezogen auf politische Strömungen.) Anders ausgedrückt: Wie viele Leute kennen den Unterschied zwischen Agorismus und Anarchosyndikalismus?))




Da der Etatismus scheiterte, ersetzen wir ihn durch Etatismus

Was wir jetzt erleben, ist nicht der Übergang vom freien Kapitalismus in den staatlich gezähmten Kapitalismus, sondern die Ersetzung eines korporatistisch-interventionistischen kapitalistischen Systems, das offenbar nicht funktionierte, durch ein ähnliches, aber noch etatistischeres, das ebenfalls nicht nachhaltig funktionieren wird, wenn es die beiden Bereiche Staat und Wirtschaft nicht möglichst bald wieder abkoppelt.1

  1. Robert Nef - Der Populiusmus “gegen Bosse, Bonzen und Banken” / via paxx - De Jasay und Nef zur Finanzkrise []