Ich verstehe es nicht, manchmal heissen Mainstreammedien und -blogs es gut, wenn Organisationen mit Rechtsmitteln und Staatsgewalt gegen einzelne Bürger vorgehen, weil letztere erstere kritisieren oder gewisse peinliche Fakten über diese publizieren, in anderen Fällen verurteilen sie es zutiefst.
Gemäss Mainstream ist es also schlecht, wenn Transparency International eine Bloggerin unter Druck setzt, einen Artikel zu löschen, in dem sie eine ihrer Meinung nach unrechtmässige Entlassung einer Kollegin kritisiert, aber gut, wenn der Deutsche Gewerkschaftsbund einen Blogger bedroht, weil dieser eine dem DGB peinlichen Screenshot veröffentlichte.
Alle weiteren Details sind bei Marco Kanne nachzulesen.
Leider scheint es jedoch so zu sein, dass etliche zwar so tun, als würden sie für die Freiheit anderer einstehen, aber dies immer nur in jenen Fällen tun, in denen die Freiheit der anderen sehr eng mit der eigenen verknüpft ist. Für die Freiheit von jemandem einzutreten, dessen Meinung man nicht teilt, scheint nciht im Trend zu liegen. Schlimmer gar: Dessen Freiheit wird negiert. Man merke: Wird Freiheit gefordert, ist in vielen Fällen bloss die eigene Freiheit gemeint, nicht aber die der andern.
In andern Worten: Heuchelei, Scheinheiligkeit und Doppelmoral ist keine Seltenheit.
Die Bibel wird dem leicht zu beinflussenden Kind sehr gerne als Bilderbuch gezeigt. Dort sieht man dann süsse Lämmchen, ein lächelnder Jesus, der den Armen hilft, die Arche Noah und Regenbogen, noch mehr süsse Tierchen, Brot und Fisch, selbst die 10 Plagen, die über die ägyptische Pharaonenstadt gekommen sind, werden ganz süss und schnuckelig mit lustigen Fröschen, die vom Himmel fallen, dargestellt. Wir alle wissen, dass Szenen, in denen sich die Akteure humanistisch verhalten, in der Minderheit sind. Das ändert nichts daran, dass im schulischen Religionsunterricht die Bibel mitsamt allen anderen heiligen Schriften in ein positives Licht gerückt wird. Es wird Zeit, dies zu ändern und die Fratze der Bibel zu entblössen. Paul Farrel tut dies mit seinem Bilderbuch Illustrated Stories from the Bible (that they won’t tell you in Sunday School) erschienen bei American Atheists Press.
hat tip to the friendly atheist
Nebst Rauchverboten, Offroaderinitiativen, Fettsteuern, Killergameverboten und Abtreibungsverboten ist die Lichtverschmutzung ein beliebtes Thema, um sich aufregen zu können und nach Vater, Mutter und Onkel Staat zu rufen.
Wieso? Weil manche finden, in der Nacht müsse es stockdunkel sein und es sei einfach nicht richtig, wenn man in der Nacht legal einen Skybeamer auf den nackten Himmel richten kann. Zwar symbolisiert die hell strahlende Nacht gerade den technischen Fortschritt und mit Naturromantik Verbote abzusegnen geht immer schief, aber ein Verbot von Skybeamern klopft trotzdem schon an unsere Haustüre.
Welche Gründe sprechen für ein Lichtverschmutzungsverbot und welche dagegen?
- Es gibt Leute, die es mögen, wenn es in der Nacht zappenduster ist.
Diese Leute in Ehren, aber es gibt auch viele, die ihre Freude an einer lichterhellen Nacht haben.
- Sternwarten und Astronomen leiden darunter, weil sie die Sterne nicht mehr so gut sehen.
Soweit ich Ahnung von diesem Thema habe, glaube ich, dass 08/15-Sternwarten kaum etwas zum Menschheitswissen beitragen. Sie können gewiss viel Wissen weitergeben und dies auf sehr anschauliche Art und Weise, aber das sollte auch in einer hellen Nacht möglich sein. Dazu gibt es viele verstecktte Winkel in Mitteleuropa, so dass man zwar ein paar dutzend bis hundert Kilometer fahren muss, aber dann tiefschwarze Nacht vor sich hat. Die ganz Angefressenen haben auch immer noch amerikanische Salzwüsten, um ihrem Hobby zu frönen.
Aber grundsätzlich sind die Interessen von Astronomen nicht höher zu bewerten als die Interessen von Nachtmenschen.
- Lichtinstallationen sind überflüssig.
Alles, was nicht dem unmittelbaren Überleben dient, ist überflüssig. Kekse genauso wie Blogs und Dahlien im Garten.
- Zugvögel kommen vom Kurs ab, Insekten verbrennen und Fledermäuse finden keine Nahrung.
Mein tiefstes Mitgefühl mit diesen Tieren. Ehrlich. Dies ist das einzige Argument, das in der ganzen Lichtverschmutzungsdiskussion Gewicht hat.
Aber ich weiss es schlicht nicht. Ich weiss nicht, wie gravierend Skybeamer für nachtaktive Tiere sind. Ich weiss nicht einmal, ob es hierzu irgendwelche grösseren Studien gibt.
Allerdings sind sehr viele menschliche Taten schlussendlich indirekt tödlich für dutzende, hunderte Tiere. Jedes Haus, jede Strasse raubt einem anderen Lebewesen Lebensraum. Ein zwischenartlicher Kampf, der ganz natürlich ist und überall vorkommt, wo sich verschiedene Spezies oder Individuen treffen, dadurch aber nicht legitimiert wird.
Aber wenn es der Fall ist, dass ein Haus mehr Tieren das Leben kostet als ein Skybeamer, dann sollte man nachdenken. Auch darüber, wie verwerflich indirekte Auswirkungen einer Handlung sind und sein können.
- …welches Bedürfnis schwerer wiegt: Das des Unternehmers, für seinen wirtschaftlichen Erfolg einen möglichst großen Werbeerfolg zu erzielen – oder dass der Allgemeinheit auf eine ruhige und dunkle Nacht?1
Dieses Argument ist sehr gefährlich, denn es impliziert, dass überall wo eine Mehrheit sich durch die Taten einer Minderheit gestört fühlt, die Majorität ein Verbot erlassen darf, resp. soll. Dies ist aber das Gegenteil einer freiheitlichen, individualistischen Gesellschaft. Hier muss man sich entscheiden: Wählt man die Freiheit oder die Diktatur der Mehrheit. Entweder verzichtet man auf persönliche Freiheiten, dafür kann man die Freiheit der andern einschränken oder man liebt seine Freiheit und gesteht diese auch andern zu.
Dvizard hat dies sehr gut formuliert und ihn möchte ich hier in voller Länge zitieren:
Das Schlimme ist ja gerade, dass jeder zu vielen Mehrheiten gehört, aber immer auch zu einigen Minderheiten - und der vertragsphilosophische Sinn der Freiheit (unter anderem) gerade der ist, dass man jeweils anderen Minderheiten ihre Freiheit lässt, aber dafür im Gegenzug die Freiheit beanspruchen darf, wo man selber in der Minderheit ist. Was momentan passiert, ist, dass Punkt für Punkt in einem Thema nach dem anderen die jeweilige Mehrheit ihre Meinung zum Gesetz macht.
Der auf dem Land lebende Familienvater, der heute mit der Mehrheit gegen Botellons wettert, und mit der Mehrheit das Rauchen am liebsten abschaffen würde, wird sich noch freuen, wenn er seinen Offroader abgeben muss, weil er einer der Wenigen ist, die sich aus irgendeinem Grund ein solches Gefährt gekauft haben, und in der Abstimmung in der Minderheit sind. Und der junge Umweltschützer, der am Tag Unterschriften für die Offroaderinitiative sammelt und wohl - wie fast alle - nie einen Offroader gefahren ist und sich keine sinnvolle Verwendung dafür vorstellen kann, macht sich am Abend strafbar, weil er gerne nach der Arbeit einen Joint raucht, aber dort wiederum die Minderheit vertritt.
Was fällt auf? Es ist einfach, Sachen verbieten zu wollen, die einen nur marginal betreffen. Sind die eigentlich Betroffenen eine klare Minderheit, versagt die Demokratie beim Schutz der Freiheit.
Unsere Gesellschaft läuft geradeaus auf einen Zustand zu, den niemand sich wünscht, aber den Weg finden alle super.2
- Der Mensch braucht Dunkelheit, um sich erholen zu können.
Deswegen empfehle ich jedem, in seinem Schlafzimmer Storen, Fensterläden oder Vorhänge zu montieren. Das hilft auch gegen heimliche Blicke aus dem Nachbarsblock und störende Scheinwerferlichter von vorbeifahrenden Autos. Das heisst: Perfekte Dunkelheit und keine Voyeure.
Was mich persönlich anbelangt: Ja, ich finde es schade, wenn Sterngucker ihre Sterne und Planeten und Monde nicht mehr geniessen können, und ich lasse sie auch gerne auf privater Ebene für eine dunkle Nacht plädieren. Aber die Staatsgewalt einsetzen lasse ich sie nicht.
Wieso hat sich der Staat in einen Vertrag einzumischen, den zwei mündigen Menschen freiwillig und in völligem Einverständnis aller Vertragsdetails abgeschlossen haben und der besagt, dass der eine dem andern ein gewisses tödliches Gift bereit stellt oder es ihm einflösst?
Ein wunderbarer Artikel bei eigentümlich frei über gegenkulturelle Kommunen, Eigentumsrechte, Gated Communities und Arcadia Potsdam. Einer der besten Artikel, die ich in diesem Monat gelesen habe. Absolute Lesepflicht:
Gated Communitys (GCs) sind Wohngegenden, die sich komplett in privatem Besitz befinden. Innerhalb ihrer Grenzen sind Infrastruktur und Sicherheit keine öffentlichen, sondern private Güter. GCs sind also so etwas wie kleine Dörfer, die einen oder mehrere Eigentümer haben – so, wie ein Restaurant, eine Kneipe oder eine Diskothek einen oder mehrere Eigentümer hat. Und genau wie die Eigentümer von Restaurants und Diskotheken können die Eigentümer von GCs auch von ihrem Hausrecht Gebrauch machen, zumindest von dem, was ihnen nach Diskriminierungsverbot, Rauchverbot etc noch davon bleibt. Dazu gehört die Entscheidung darüber, wer die GC betreten darf, und welche Verhaltensregeln dort einzuhalten sind.1
Wer den Film Fight Club gesehen hat, wird wissen worum’s geht. Für alle anderen: Ein Fight Club ist ein “Verein”, dessen Mitglieder sich mit ihrem Beitritt einverstanden erklären, in einem Zweikampf auf relativ grobe Art verprügelt zu werden und selbst hemmungslos physische Gewalt gegen den Kombattanten anwenden zu dürfen. Anders als bei Kampfsportarten geht es in Fight Clubs um Schmerz und Blut.
Ich frage mich also, ob Fight Clubs hierzulande legal wären.
Sie sollten es eigentlich, da jeder über seinen Körper frei verfügen kann. Herrscht also zwischen zweien ein Konsens, dass sie nichts gegen Schläge und Tritte gegen ihren Körper einzuwenden haben, dürfen sie sich nach allen Regeln der Kunst verprügeln.
Doch haben wir diese Freiheit tatsächlich?
Edit: Marco und Jan haben Teilantworten auf obige Frage geliefert, aus denen man alles weitere ableiten kann.
So sind “schlagende” Studentenverbindungen erlaubt, allerdings müssen strikte Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, wie man bei Wikipedia lesen kann. In der Schweiz sind Duelle scheinbar vollkommen legal.
Jedoch ist der Widerstand gegen “gewalttätige”, nicht etablierte Freizeitvergnügen enorm. Reball, eine Unterart des Paintballs, wird gerne mal verboten.
Dies zeigt, dass Fight Clubs keine Chance hätten, legal zu existieren. Die Freiheit, mit seinem Körper nach eigenem Gutdünken zu verfahren, besteht also nicht.
Freiheit bedeutet, dass jeder das Recht hat, über sein Eigentum und dessen Nutzung frei zu verfügen.
(Leute, die also Rauchverbote möchten und die wirtschaftliche Tätigkeit von Individuen in einem Mass regeln möchten, das darüber hinausgeht, dass Besitz und Leben der jeweils anderen geschützt werden, setzen sich über das Eigentumsrecht hinweg.)
- The Right to Use and Reuse Content
- The Right To Control Digital Property On Your Own Device
- The Right To The Free Flow Of Information
- The Right To (Some) Privacy
- The Right to Control Your Digital Identity1
Es wird heikel, wenn man wie Nancy Pelosi Mindestlöhne fordert, seinen Angestellten jedoch Löhne bezahlt, die unter dem geforderten Minimum liegen. Jan Helfeld zeigt die double standards von Nancy wunderbar auf.
hat tip to Dirk
Es ist so merkwürdig wie einleuchtend, dass nur Atheisten begreifen, dass sie Atheisten sind. Theisten weisen diesen Fakt jeweils weit von sich, obwohl sie die Existenz der grossen Mehrheit von Gottheiten ebenso negieren wie ganz gewöhnliche Atheisten.1