Monatsarchiv für June 2008



Sinnloser freier Wille

Hm, ich bin nicht ganz sicher, ob ich verlinkten Text richtig verstanden habe. Vermutlich trage ich immer noch irrige Vorstellungen über Bewusstsein und Ich herum. Ich als naturalistischer Atheist begreife mich nicht konsequent als biologische Maschine, deren Bewusstsein mehr Schatten als Realität ist:

Free will: The concept that some aspect or aspects of an agent’s conscious or unconscious is completely independent of that agent’s environment, including their internal environment.

In other words, someone with free will is more than just “chemicals firing in their brain.” Some aspect of their personality or decision-making ability is not determined by physical reality. Depending on who you ask, that aspect has variably been defined as choice, personality, intelligence, and many other concepts. However, I think that this definition captures the general essentials of the idea, at least enough to talk about it.

Did you notice that my definition of free will makes no sense? I tried my very best to make sense, because I do not want to be accused of setting up a straw man. However, no matter how you try, it is impossible to define free will without resorting to the supernatural — something outside of reality. I challenge anyone to do better. Even if they can make a better-sounding definition of free will, no one can make it make any more sense.

This, then, is the crux of the argument: that free will cannot exist, because it relies on a supernatural mechanism.1

  1. Spread Rationality - Free will does not exist! []



Albinos und Wurzelgemüse

Ich frage mich bloss gerade, ob man jeglichen Glauben in denselben Topf werfen kann. Gleich weissen und gelben Rüben, die man auch in derselben Pfanne kocht. Suchen wir zuerst nach den Wurzeln.

Worin gründet sich also die Hoffnung, die man erfährt, wenn man betet oder an ein Jenseits glaubt oder an Flussgeister, die es derb mit den Nymphen treiben?

Worin gründen die Morde an Albinos in Tansanien, denen Beine, Brüste und Lippen abgeschnitten werden, weil die Leute denken, Albinos hätten magische Kräfte und Tinkturen aus deren Fleisch würde einen reich machen? [Im Ernst jetzt, das ist dort gar nicht allzu selten.1]

Beide gründen sich in irgendwelchen Ideen und Vorstellungen, die komplett von der Realität losgelöst sind. Wie also soll es möglich sein, das eine ohne das andere zu bekommen?

  1. fivepublicopinions - Things they’d have difficulty believing in Salt Lake City XVIII []



Engel in ihrer Kehle

Ich bin ernsthaft erstaunt darüber, dass man dem Erlebnis eines Heroinsüchtigen, der weisse Mäuse sieht oder dem Erlebnis eines Übermüdeten, der Stahllineale sich krümmen sieht eine andere Qualität zusprechen kann als dem Erlebnis eines Gläubigen, der Engel sieht oder Gott spürt.




Ekelhafte Verrückte & Gentech

Rund 35 Personen haben am Freitagmorgen in der Forschungsanstalt Reckenholz in Zürich-Affoltern gentechnisch veränderte Pflanzen zerstört. Fünf Personen wurden verhaftet. Laut ETH ist keine Verschleppung nach draussen zu befürchten.

Gegen 7 Uhr 30 brach eine Gruppe von rund 35 vermummten Personen das Eingangstor zur Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART auf, wie die ETH Zürich mitteilte. Sie drohten den beiden Angestellten mit Gewalt, falls sie sie behindern würden und verschafften sich so Zugang zum Versuchsfeld, wie ART-Kommunikationschefin Denise Tschamper auf Anfrage sagte. 1

1. Die Dummheit der Vandalen ist verblüffend gross.
Bei diesem Feldversuch geht es gerade darum, die Risiken von gentechnisch veränderten Pflanzen zu erforschen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse können wichtiges Datenmaterial für eine Entscheidung für oder wider ebejenen Gentech-Weizen liefern. Doch verhindert man solche Versuche, wie will man dann wissen, ob von diesen Gentech-Pflänzchen eine Gefahr ausgeht?

2. Forschungsfeindlichkeit bedeutet Fortschrittsfeindlichkeit bedeutet Tod.
Das Potential von gentechnisch veränderten Organismen ist enorm. Entscheiden wir uns im Voraus gegen Gentech - ohne also intensiv Forschung betrieben zu haben - dann heisst das nichts anderes als: Es besteht zwar die Möglichkeit, dass wir oder unsere Kinder in Zukunft extrem grossen Nutzen aus Gentech-Pflanzen ziehen können, wir leugnen das jedoch und flüchten uns lieber mit unseren unbegründeten Ängsten in fröhliche Naturromantik und Neo-Paganismus.

3. Kein Respekt gegenüber Eigentumsrechten.
Wenn die Leute was gegen Gentech haben, dann dürfen sie ihre Meinung äussern, auch wenn ihre Argumente bloss wirre Verschwörungstheorien und totale Unkenntnis beinhalten. Das Eigentum anderer Leute zu zerstören, oder schon nur deren Grundstück zu betreten, ist eine äusserst hässliche Sache. Die Wahrung der Eigentumsrechte ist der Schlüssel zu Wohlstand, Freiheit und Sicherheit. Was passierte, würde Selbstjustiz populärer und hätten mehr und mehr Leute das Gefühl, sie könnten ihre eigenen fanatischen Ideen über die Grundrechte stellen, ist wohl bekannt.

  1. NZZ - Anschlag auf Feldversuch mit Gentech-Weizen []



Wir Liberale sind die besseren Linken

Lesebefehl:

Wenn es stimmt, dass der Wettbewerb ein Entmachtungsinstrument ist [...], dann müssten sich gerade die Linken zu offenen Märkten bekennen: Dann müssten die Linken den Neoliberalismus lieben lernen. Denn der Wettbewerb stürzt die Mächtigen vom Thron und verteilt Chancen und Macht an jene, die keine Privilegien haben. Also sind die Liberalen die wirklichen Linken, während viele Linke in Wirklichkeit nichts als status quo orientiere Protektionisten sind – mithin nichts als Konservative.1

  1. Wirtschaftliche Freiheit - Entmachtet die Privilegierten! []



Kleeblätter im Weissen Haus

Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht, was Obama angeht. Zuerst die gute: Er ist überzeugter Christ, denn er trägt als Schutzsymbol und Glücksbringer eine Maria mit Kind mit sich herum.

Sorry, für den kleinen Scherz, das war natürlich die schlechte Nachricht. Und eine gute gibt’s hier auch nicht. Meine misanthropische Ader, ihr versteht.

Amongst the things that Barack Obama carries for good luck are a bracelet belonging to a soldier deployed in Iraq, a gambler’s lucky chit, a tiny monkey god and a tiny Madonna and child.1

Aber hey, das muss noch nichts mit Aberglaube zu tun haben, die Glücksbringer können auch einfach Erinnerungsstücke sein.

Anders sieht die Situation bei McCain aus:

He won’t throw a hat on a bed — that’s a very old superstition that if you do that, someone in the household will die soon (too bad throwing your hat in the ring doesn’t mean your chances of winning will die). He won’t take a salt shaker from someone’s hand. He carries around lucky change, a lucky compass, a lucky feather. The report says he has dozens of lucky rituals.
[...]

When McCain once misplaced his feather, there was momentary panic in the campaign, until his wife found it in one of his suits. When the compass went missing once, McCain assigned his political director to hunt it down.

2

Mir ist’s im Grunde egal, ob da jemand glaubt, vierblättrige Kleeblätter würden Glück bringen. Dazu bin ich gar kein Amerikaner, ich war gar noch nie dort. Verbunden fühl’ ich mich mit ihnen aber schon ein wenig. Deshalb mag ich hier sagen:
Einem, der das Zittern kriegt, wenn seine Glücksfeder gerade nicht in Griffnähe ist, dem traue ich nicht zu, dass er bei Regierungsangelegenheiten irgendeine rationale Entscheidung treffen kann. Dazu: Was geschieht, wenn er mit Ahmadinejad am Essen ist und der ihm den Salzstreuer reicht oder - noch schlimmer - McCain merkt, dass er sein Hufeisen zu Hause vergessen hat?

  1. Bad Astronomy - Obama’s superstitious, too []
  2. Bad Astronomy - McCain’s bizarre beliefs []



Spiele töten…

…Spieler tun das nicht.

Ein Berner Strafgericht hat die Klage gegen Mediamarkt abgewiesen. Das Computerspiel «Stranglehold» darf weiter verkauft werden. Der Kläger setzt nun auf den politischen Weg.
Angeklagt war der Geschäftsführer einer Berner Mediamarkt-Filiale, weil dieser Computerspiele mit Gewaltinhalten zum Verkauf anbietet. Kläger war der Berner SP-Grossrat Roland Näf.
1

Näf will die Killergames nun national verbieten.
Schön, er benutzt die Politik um irgendwelche Dinge zu verbieten, die er nicht mag. Vielleicht sollte ich seinem Beispiel folgen und in die Politik einsteigen, um lila gefärbte Haare zu verbieten.

1. Killergames sind moralisch nicht falsch. Wenn jemand sie mag, wieso diese Person nicht einfach spielen lassen? Das Töten stellt in den wohl meisten Fällen kein Akt der Brutalität oder des Sadismus dar, sondern ein Weg, das Gameziel zu erreichen. Selbst in Games wie GTA ist der Tötungsakt beinahe klinisch rein. An Leid ergötzen kann man sich kaum.

2. Zwischen dem Konsum von Killergames und erhöhter Gewalttätigkeit wurde bis heute nicht einmal eine Korrelation bewiesen. Meines Wissens das Einzige, das die Killergame-Gegner in der Hand haben, sind ein paar Untersuchungen, die zum Schluss gekommen sind, dass Leute weniger stark auf virtuelle Gewaltsituationen reagieren, nachdem sie Killergames gespielt. Dazu eine Korrelation von hohem Gameskonsum und schlechten Noten.2 Doch das sind ein paar wenige Studien, die diese Ergebnisse erbrachten. Selbst wenn weitere Studien die Vermutungen erhärten würden, könnte man immer noch nichts über etwaige negative Folgen von Killergames aussagen.

3. Abgesehen davon, dass Näf wohl noch nie ein Killergame gespielt hatte, scheint er das Wort Filesharing auch nicht zu kennen. Würde er, dann müsste er begreifen, dass ein Verbot vielleicht eine leichte Abnahme des Killergames-Konsums zur Folge hätte, sehr viele jedoch ihre Games einfach aus dem Internet saugen würden. Oder sie auf dem lokalen Schwarzmarkt besorgen, wo man auch raubkopierte DVDs und Cannabis kaufen kann.

  1. tagesanzeiger - «Killergames» sind weiterhin erlaubt []
  2. tagesanzeiger - Gewalt-Games führen zu Schäden bei jungen Leuten []



Ehe und Rückschritt

Ein italienischer Bischof hat einem querschnittsgelähmten und impotenten Mann eine kirchliche Trauung verweigert. „Keiner kann eine Trauung vollziehen, kein Bischof oder Priester, wenn er weiß, dass eine Impotenz vorliegt, weil dies ein Grund für die Annullierung der Ehe sein kann“, sagte Salvatore de Ciuco vom Bistum Viterbo nördlich von Rom einem italienischen Fernsehsender.1

Mal ehrlich, wen hat diese Mitteilung überrascht?

Anders gefragt: Wie verwirrt muss man sein, um zu glauben, man könne der katholischen Kirche alle mögliche Privilegien einräumen )für die jede andere Unternehmung schon hunderte Male vor dem Gericht hätte erscheinen müssen) ohne dass sie dann alle ihr ungenehmen Leute über die Klippe jagt?

  1. faz - Keine Hochzeit ohne Sex []



Glaube auf den Punkt gebracht

Ich mag diese Kosten-Nutzen-Rechnungen. Besonders wenn’s um politische Fragen geht. Darum soll’s hier nicht gehen.

Sondern ich will ein paar Sätze an jene Leute richten, die stets einwenden, die Religionen brächten doch so viel Gutes, wenn ich ebenjene kritisiere und ihre Abschaffung fordere:

…it’s hard to believe that you really need a lot of supernatural baggage to derive those social benefits. Compassion and kindness do not die when people stop believing in God. On the other hand, there are certain sorts of abuse that are vastly more likely to occur in the presence of religious belief than in its absence. Only someone driven mad by religion would beat his daughter for losing her virginity before her wedding, for example.1

  1. EvolutionBlog - The Illusion of Virginity []



Der Gottesbeweis

Sapere Aude hat Gottes Existenz bewiesen. Damit ist für mich alles erledigt und ich kann euch bloss noch gute Nacht wünschen:

Du schuldest mir 100 Euro.

Solltest Du anderer Ansicht sein, mußt Du mir die Nichtexistenz Deiner Schulden beweisen!

Da ich fest daran glaube, dass Du, liebe/r Leser/in, mir diese hundert Euro schuldest, werde ich dafür sorgen, dass Du nicht nicht mehr ruhig schlafen wirst, bis Du mir die hundert Euro überwiesen hast. Ich werde in Deiner unmittelbaren Umgebung permanent dafür sorgen, dass Dir Deine Schulden immer und immer wieder vor Augen stehen. Ich werde bei Behörden, Freunden, Bekannten und Familienmitgliedern in freundlichen Gesprächen darauf hinweisen, dass Du mir hundert Euro schuldest.

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  1. sapere aude - Gottesbeweis []