“Den Film selbst bezeichnete die [dänische Journalisten-]Gewerkschaft als politische Propaganda.” 1
Sorry,über politische Propaganda zu klagen, ist in einer Demokratie doch ziemlich daneben, nicht wahr?
“Das iranische Aussenministerium nannte den den Film eine «widerliche Aktion» und sprach von einem «Kreuzzug» westlicher Länder gegen den Islam.”2
Genau, dieser Film ist ja so etwas von undifferenziert. Dieser Westen, der die ganze Zeit Verschwörungen gegen friedselige iranische Islamisten schmiedet…
“Das Stück sei «irreführend und voller Rassismus», sagte heute ein Sprecher des [indonesischen] Aussenministeriums; die Veröffentlichung sei «ein unverantwortlicher Akt unter dem Mantel der Pressefreiheit.»”3
Wie rassistisch es doch ist, terroristische Attentate zu verurteilen…
“[Der indonesische] Parlamentspräsident Agung Laksono warnte vor Unruhen und forderte die Regierung auf, die Weiterverbreitung des Stücks etwa über das Internetportal «YouTube» zu unterbinden.”4
Herr Lakonso, wissen Sie, dass Youtube gar kein niederländisches Unternehmen ist? Dass man darüber hinaus das Internet nicht so einfach kontrollieren kann wie seinen Chihuahua?
“Der Vorsitzende der grössten islamischen Organisation «Muhammadiyah», Dien Syamsuddin, sagte: «Wir sind absolut gegen diesen Film, der eindeutig eine Beleidigung ist und den Islam diskreditiert.»”5
He, Syamsuddin, der kleine Hans hat mich mit einem Schneeball am Arm getroffen. Darf ich eine Fatwa ausrufen. Darf ich? Hm, darf ich?
Ach, und übrigens, falls jemand Geert Wilders Aussage “Islam wants to rule, submit and seeks to destroy our western cilivization” für eine rassistische, da verallgemeinernde Äusserung hält, mache ich darauf aufmerksam, dass wir alle hin und wieder Sätze ausspeien wie “Die Schweizer sind doch ein Volk von verklemmten Isolationisten”, “Ha, Amerika, diese dekadenten Kriegstreiber müssen gerade etwas sagen” oder auch “Israel verübt einen Genozid in Palästina”. Nein, wenn wir immer alles hyper-differenziert betrachten müssen, dann dürfen wir auch nie sagen “Die Deutschen haben im Dritten Reich Juden und Behinderte umgebracht”, man müsste sagen “Einige Nazis haben im Dritten Reich Juden und Behinderte umgebracht.”
Nur so, falls sich wieder jemand wegen “undifferenzierten Äusserungen” angegriffen fühlt.
Danke für die Aufmerksamkeit.
Geert Wilders Film “Fitna” ist nun endlich erschienen. Sehen kann man ihn auf Liveleak. rutube, da Morddrohungen gegen Mitarbeiter von Liveleak ausgesprochen wurden und deswegen das Video von Liveleak gelöscht wurde.1 Alternativ ist “Fitna” bei Youtube zu finden. Dort ist das Video allerdings für Besucher unter 18, resp. alle ohne Account gesperrt.2
Gegner und Kritiker des Films monieren, Wilders wolle bloss provozieren. Andere meinen gar, Wilders einziges Ziel sei es, zu beleidigen. Wen auch immer.
In einem liberalen Staat, der die Meinungsfreiheit hochhält und sie nur bei rassistischen Äusserungen und Hetzreden unterbindet, ist Wilders Intention jedoch völlig irrelevant. Oder soll man etwa einen Film verbieten, bloss weil der Macher nichts weiter will, als zu provozieren? Dann müsste man die halbe Filmgeschichte ausradieren.
Auch beleidigen darf man. Es ist zwar nicht die feine Art und Weise, aber Beleidigungen sind etwas sehr Alltägliches. Wollte man sich jedes Fluchwort verbieten, man würde durchdrehen. Ob unterdrückter Gefühle. Ob der Scheinheiligkeit.
Ich habe mir den Film reingezogen. Ohne Popcorn. Ohne übermässige Begeisterung. “Fitna” ist nicht schlimm. Selbst der Tagesanzeiger kommt zu diesem Schluss.3 Volksverhetzend wäre der Film, wenn die explizite und ernst gemeinte Aussage gemacht würde: “Muslime sind nicht mehr wert als ein Stück Dreck.”
Dem ist nicht so. Es werden bloss die Schrecken gezeigt, die der Islam hervorgebracht hat. 9/11. Antisemitismus. Zu Mord aufrufende Koran-Suren. Doch das ist alles längst bekannt. Terrorismus kann islamisch motiviert sein. Da bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass alle Moslems Mörder wären. Oder den Islamismus unterstützen würden. Einen Film im selben Still könnte man über jede andere Religion drehen. Bibelpassagen etwa. Christliche Fundamentalisten, die “Abtreibungs-Ärzte” umbringen. Zur Judenmission aufrufende Päpste.
Religionskritik muss immer erlaubt sein. Besonders in Zeiten wie diesen.
(Klar, “Stop Islamisation” kommt wortwörtlich vor. Auch “Islam wants to rule, submit and seeks to destroy our western cilivization”. Doch ich halte das für eine erlaubte Übertreibung im Kampf gegen den Islamismus. Und Muslime, die unsere Werte teilen, sollten sich davon schon gar nicht angesprochen fühlen.)
Alle, und wirklich alle Southpark-Episoden gibt es jetzt online. Mit Werbeeinblendungen zwar, aber immerhin.
Ein grosser Schritt für die Menschheit ~ southparkstudios
Geert Wilders und sein Film. Darüber wurde in den letzten Wochen bloss noch gestreitet und gezankt. Morddrohungen wurden an ihn adressiert. In Brandreden wurde ihm unbändige Unterstützung versprochen. Der Film ist immer noch nicht draussen. Wohl auch, weil Geerts Website abgeschaltet wurde und kaum einer TV-Gesellschaft seinen Film übertragen will. Zu gross die Furcht vor dem tödlichen Islamismus.
Über den Film reden will ich nicht, denn als Liberales und als Demokrat steh’ ich nun hier und kann nicht anders. Die grossartige und so hart erkämpfte Meinungsäusserungsfreiheit gebietet uns, den Geert diesen Film zeigen zu lassen. Auch wenn er geschmacklos ist. Denn auch Geschmacklosigkeit soll man sagen dürfen. Denn würde dieser Grundsatz nicht gelten, so würde sich bei jedem Film jemand finden, der ihn für Geschmacklos hält. Zudem: Gäbe man den Islamisten nach und würde die Ausstrahlung des Films verbieten, so müsste man auch den Bischofen nachgeben, die alle Actionfilme, Thriller, Krimis und dergleichen aus dem TV und dem Kino bannen wollen.
Nein, bei der leidigen Geschichte gibt es ein pikantes Detail. Der öffentlich-rechtliche Muslimische Rundfunk (Nederlandse Moslim Omroep) hat dem Geert angeboten, den Film auszustrahlen. Eingebettet in eine Streitgespräch zwar und mit vorgehender redaktioneller Kontrolle, aber immerhin. Schade nur dass diese muslimische Stimmen (die mit uns für die Meinungsfreiheit “kämpfen”) so wenig Einfluss haben auf ihre radikalen Glaubensbrüder.
nzz - Ein falscher Märtyrer
Paul Geisert und Mynga Futrell, die beiden Gründer der Brights-Bewegung, im Interview:
Die Annäherung der Bush-Regierung an die christliche Rechte – durch offene Zustimmung zu Religion und Finanzierung religiöser Einrichtungen – hatte furchtbare Auswirkungen auf das, was früher neutrale Einrichtungen und eine säkulare Regierung waren. Selbst im Fall, dass durch überwältigende Siege der Demokraten manches wieder rückgängig gemacht wird, bleibt viel Schaden zurück. Religion hat nicht mehr nur eine symbolische Rolle, sie durchdringt viele Institutionen, etwa das Militär. Auch die wissenschaftliche Forschung wurde durch diese Politik beschädigt.1
Ich klage nicht an. Ich stelle nur fest: Religion kann töten. Auch ohne Selbstmordattentäter und Kreuzzüge. Auf grausame Art und Weise noch dazu:
An 11-year-old girl died after her parents prayed for healing rather than seek medical help for a treatable form of diabetes, police said Tuesday.
[...]she had probably been ill for about 30 days, suffering symptoms like nausea, vomiting, excessive thirst, loss of appetite and weakness.
[...]The girl has three siblings, ranging in age from 13 to 16, the police chief said.
“They are still in the home,” he said. “There is no reason to remove them. There is no abuse or signs of abuse that we can see.”1
Genau, Herr Polizeichef. Man muss ja auch den Glauben der Eltern respektieren. Das ist ja ganz wichtig. Denn es waren ja nicht die Eltern, die ihre Tochter durch Untätigkeit umgebracht haben. Es waren.. äh… widrige äussere Umstände, genau.
Still sieht die Gesellschaft zu, wie irgendwelcher Aberglaube Jahr für Jahr Elend und Tod über die Welt bringt. Selbst mitten im Herzen des Westens, den USA.
Update:
“I’d actually put the girls death down to criminal negligence. There is no reason that girl should have died at all. A relative got so concerned about the girl’s welfare that they phoned the police. A relative in another state had to call the Police to get the poor girl any sort of proper attention and, sadly, it was far too late. Think about it … a relative in another state was so concerned that she called the Police and the Parents didn’t even take the child to a Doctor?”2
The fact of the matter is that these parents were following the teachings of the Bible. God isn’t “the great physician” no matter how many times you say that he is.3
They attribute their daughter’s death to lack of faith. Convenient, isn’t it? If Madeline recovered, they would think that prayer works. Since she died, they did not have enough faith. Either way, reality does not impinge on their fantasy world. No matter what the outcome, no matter what the consequences, nothing can shake their belief.
Certainly they thought they are doing the right thing. They were convinced that prayer is more effective than treatment. However, this conviction does not change that they are incompetent, abusive, theistards, unfit to ever raise children.
If your crazy neighbor truly believed that shaking a baby is good for the baby, he would shake that baby out of the best of intentions. Nevertheless, would you let him hold yours? Especially if he has already shaken one baby to death? So why the fuck do these parents get to keep their other three children?4
Since we are atheists, we don’t need any rites. But we still have our habits.
Morgenrituale ((die karriere-bibel - Morning Pages – Blogparade zum Morgenritual)) braucht doch keiner. Man ist ja kreativ und lebensfroh. Und trotzdem macht man’s jeden Tag auf dieselbe Art und Weise. Mit der Zeit pendelt sich ein Verhaltensschema ein, das zwar nicht optimal ist, aber mit dessen Hilfe man rechtzeitig zur Arbeit kommt und vorher trotzdem noch dieses oder jenes erledigen kann. Manche Dinge müssen zwischen aufwachen und arbeiten einfach sein. Duschen zum Beispiel.
Womit ich beim wichtigsten Ritual eines jeden meiner Morgen bin. Duschen. Heiss und ausgiebig. Ich kann am Morgen alles weglassen, doch das Duschen muss sein. Ohne fühl’ ich mich erstens gar nicht wohl und seh’ auch ziemlich verknautscht aus, und zweitens macht mich die Dusche erst wach. Davor bin ich bloss ein Bündel Knochen, Sehnen und Fleisch. Danach bin ich mehr oder weniger lern- und arbeitsfähig. Und Morgenessen natürlich. Spätestens wenn ich aus dem Zug steige.
Und hätt’ ich jetzt nicht Osterferien, dann würde in dieser Minute mein Wecker klingeln. Das heisst, der Radio sich einschalten und die Lautstärke aufdrehen.
Selbstverständlich sind Lebewesen mehr als “deterministische Bioautomaten”, allerdings ist all dieses “Mehr”, zu dem u.a. auch das gehört, was Theisten gern “Seele” nennen, keine übernatürliche Draufgabe zur Chemie und Biologie der Lebewesen, sondern genau die Auswirkung der natürlichen, emergenten Neuronalstruktur, also so natürlich wie die biologischen und chemischen Prozesse selbst, nur eben nicht materiell basiert, sondern strukturell basiert.1
Ein Satz. Treffer ins Schwarze. Doch wird dieser je zu einem Theisten durchdringen? Nein. Denn hier begegnen wir dem Unterschied zwischen Glauben und Wissen, Religion und Wissenschaft:
Der Glaube ist fix, eingebrannt in den Verstand. Ein Weltbild, das sich während achtzig, vielleicht auch neunzig Jahren nie verändert. Stets dieselben Dogmen. Stets dieselbe Ideologie. Stets der Anspruch, als einziger die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Als einziger die Wahrheit zu kennen.
Wohingegen wir, die wir rational und evidenzbasiert denken oder zu denken versuchen (nicht immer gelingt es uns, besonders in politischen Belangen), dem steten Wandel unterliegen. Mit der Welt wandeln auch wir uns. Seit dem Durchbruch der modernen Wissenschaft und all ihren medizinischen, technologischen Errungenschaften müssen wir in immer kürzeren Zeitabständen und an neue Erkenntnisse gewöhnen. Und manchmal, manchmal, da würde man am liebsten die Augen verschliessen und sich an irgendeinen Gott klammern. Erkenntnisse können manchmal grausam sein, gerade wenn es um den Menschen als Mensch geht. Doch ist die Welt wegen dem weniger schön?
Nein, gottverdammt. Gerade mit einem wissenschaftlichen Verständnis der Welt wird man sensibel für die grundlegende Schönheit der Dinge. Code is poetry. Science is aesthetics.
Even a priest can fall in love with evil1
Einst dachte ich, es wären bloss Ökofundis, radikale Sozialisten, grüne Technophobe und greise Hippies, die den wissenschaftlichen Fortschritt als Werk des Teufels im Nadelstreifenanzug bezeichnen würden.
Zur Schande aller ’säkularen’ Fortschrittsgegner gesellen sich nun unsere lieben Erzkatholiken zu den Forschungsverhinderern.2
Bischof Heinz Josef Algermissen könnte glatt Jean Zieglers Zwillingsbruder sein. Auch Algermissen sieht die Weststaaten eine “Todesstrategie des Aushungerns der Armen” vollziehen. Darüber hinaus seien wir süchtig nach Leben und versuchten, auf eigene Faust dem Tod zu entkommen. Statt Gott um Gnade zu flehen.
Bischof Wolfgang Huber sagt es noch deutlicher: “Manche denken, zur Überwindung des Todes seien wir nicht auf Gott angewiesen, der moderne Mensch könne das selber.” Des weiteren bezeichnet er die forschenden Mediziner als “Phantasten, die meinen, der medizinische Fortschritt werde eines Tages den Tod überwinden.” Ach bitte, als ob es je einen seriösen Wissenschaftler gegeben hätte, der die Unsterblichkeit angestrebt hätte. Dem Herrn Bischof scheint nicht bewusst zu sein, dass selbst unser Universum endlich ist. Nein, was mit der regenerativen Medizin angestrebt wird, ist ein möglichst langes, beschwerdefreies Leben. Lang deshalb, weil es nicht das geringste Anzeichen dafür gibt, dass nach dem Tod etwas folgen wird. Und wenn ich nur ein Leben habe, dann will ich nicht schon mit fünfzig zu Grabe getragen werden.
Erzbischof Reinhard Marx, von dem erst kürzlich hier die Rede war, fordert die Christen allesamt zum Missionieren auf und gibt sich so als vehementer Gegner des Liberalismus zu erkennen. Daneben scheint der bischöfliche Absolutheitsanspruch bei ihm ausserordentlich stark ausgeprägt zu sein. Lustig wird es, wenn er selig glaubend zum Zölibat aufruft: “Es geht da nicht um ein ‘mittelalterliches’ Gebot, das sich die katholische Kirche einfach ausgedacht hat, sondern darum, die Lebensweise Jesu als Berufung zu leben.” Natürlich, Jesus’ Enthaltsamkeit ist historisch hinreichend mit Fakten belegt.
Lächerlich wird es, wenn der treue Hirte zum Wirtschaftsgeschehen, besonders der Hypothekenkrise, Stellung nimmt: “Ein erster Schock war schon das Platzen der Internetblase im Jahr 2000, als selbst seriöse Banken die Leute unter dem Banner der Gier zum Aktienkauf getrieben haben” Der böse Kapitalismus, der uns einen hohen Lebensstandard gebracht hat, ist ganz und gar unmoralisch. Das wusste der Herr Ziegler allerdings schon vor zehn Jahren.
Besser wird’s auch nicht, wenn der Papst die Welt zum Frieden aufruft.3 Vergisst er dabei doch, dass er persönlich für hunderte AIDS-Toten verantwortlich ist. Aber wir wissen ja: Die Heiligen war immer schon die Scheinheiligsten.