Ein verdammt kurzes Interview mit Geert Wilders. Es wird bloss ein bisschen an der Oberfläche gekratzt. Doch ein Interview ist besser als gar keins:
SPIEGEL: But immigrant youth crime has nothing to do with religion.
Wilders: It’s true, they don’t carry the Koran under their arms. But it’s at home. And their fathers go to the mosque. They don’t tell their children that beating women or believers of other religions is not allowed. That’s why we have to push harder for a kind of Leitkultur, a guiding culture. Not a monoculture but a culture that draws on our Christian, Jewish, humanistic traditions and that poses a challenge to the Islamic problem. This is patriotism, not nationalism, this is pride in our own culture.1
“Es macht den Migrationshistoriker [Klaus J. Bade] wenig froh, dass er bislang vor allem mit seinen düsteren Prognosen recht behielt. Noch um die Jahrtausendwende hatte er gehofft, die Migration werde sich «rechtlich besser regeln». Und dass die Bereitschaft des reichen Nordens grösser sei, «ein Stück weit zu verarmen, um gemeinsam zu überleben. Denn die Reichen müssen ärmer werden, sonst schaffen wir es nicht.» Beides hat sich als Illusion erwiesen.”1
Das erstaunt mich auch. Wieso wollen diese dummen reichen Staaten bloss nicht verarmen?
Weil sie nicht masochistisch sind?
Ich will unseren Regierungen nicht unterstellen, dass sie begriffen haben, dass Umverteilung nicht das beste ist, das uns passieren könnte. Denn nach wie vor sind viele Politiker der irrigen Meinung, der weltweite Wohlstand könne nicht wachsen. Das Quantum Reichtum, das die Erdmenschen gesamthaft besitzen könnten, sei fix und deshalb sei es Entwicklungsländer nicht möglich, Armut zu bekämpfen, so lange westliche Nationen nicht ärmer würden.
Welch abstruser Gedanke das ist, merkt man, wenn man sich in den Kopf ruft, wie die Welt vor fünfzehn (drei würden auch reichen) Jahrhunderten ausgesehen hat. Ein Wunder ist geschehen: Der weltweite Wohlstand ist gewachsen.
Natürlich können arme Staaten wachsen, ohne dass reiche Staaten ärmer werden müssten. Ansonsten wäre der Aufstieg der asiatischen Tigerstaaten auch nie möglich gewesen. Doch das ist ein gefährlicher Gedanke. Genau wie die Merkwürdigkeit, dass die Entwicklungshilfe für jene Staaten praktisch null ist. Im Vergleich zu manchen afrikanischen Staaten jedenfalls, in denen - notabende - immer noch miserable Zustände herrschen.
Das wirft für Umverteilungs-Propheten natürlich schwere Fragen auf. Täte es zumindest, wenn sie nicht die ganze Zeit damit beschäftigt wären, Bestätigungen für ihre Ideologie zu suchen und die ganzen Unstimmigkeiten zu ignorieren.
[Sorry übrigens, Wand. Ich will nicht die ganze Zeit gegen dich sprechen, doch manchmal geht's nicht anders. Tur mir auch leid, falls ich im Eifer etwas laut geworden bin.]
Westliche Staaten votierten jedoch für die Religionskritik. Trotzdem haben islamische Staaten mit der eifrigen Hilfe Chinas obsiegt, was dazu führte, dass der UN-Menschenrechtsrat (MRR) nun eine Resolution gegen die “Diffamierung des Islam und anderer Religionen” vorlegt123.
Nicht verwunderlich ist, dass der Islam als einzige Religion explizit genannt wird. Dies liegt daran, dass Pakistan diese Resolution im Namen der Islamischen Konferenz in den MRR eingebracht hatte. Nun ist es also offiziell: Islamkritik ist verboten. Und dies Im Namen der UNO und der Menschenrechte.
11. Urges all States to ensure that all public officials, including members of law enforcement bodies, the military, civil servants and educators, in the course of their official duties, respect all religions and beliefs and do not discriminate against persons on the grounds of their religion or belief, and that all necessary and appropriate education or training is provided4
Unsere Politiker müssen jeden Glauben respektieren? Was soll diese Scheisse? Sollen wir uns jetzt vor dem Islamismus niederknien? Was ist mit anderen abstrusen Glaubensformen? Nazismus? Scientology? Weltverschwörungstheorien, die das Weltjudentum und Chemtrails beinhalten?
Ich glaube, ich bin zu alt für diese Welt.
It doesn’t work that way. Wie will sich der Westen aufgeklärt und liberal nennen, wenn wir klamme Angst vor ein paar (mordend) protestierenden Islamisten haben?
Normalerweise sollte es doch so sein, dass man Mördern sagt: “So nicht!” und sie danach vor ein Gericht wirft, wo sie mindestens ein paar Jahre Gefängnisaufenthalt verordnet bekommen. Erpresser müssen auch zwingend der Justiz übergeben werden. Das geschieht normalerweise auch. Was aber, wenn es Terroristen sind, die sich ausserhalb der eigenen Gerichtsbarkeit befinden? Dann entschuldigt man sich präventiv, man wolle auf keinen Fall Suizidbomber und Islamofaschisten erzürnen?
Nein. Doch es bleibt nicht bloss bei dem. Man schimpft Leute aus, die sich eines unserer Grundrechte bedienen: Der freien Meinungsäusserung.
Und argumentiert mir nicht damit, es sei doch bloss pragmatisch, wenn man dadurch eventuell provozierte Anschläge verhindern wolle. Das ist es nicht, eher eine schale Version eines masochistischen Opportunismus.
Mit einem Staat, gleich ob sozialistisch, islamisch oder liberal , kann es nicht weit her sein, wenn selbiger nicht einmal Meinungsfreiheit erträgt. Es ist ein Zeichen der Krankheit, wenn die Staatsorgane auf einen Akt der freien Meinungsäusserung mit Notfallplänen1 reagieren und klar stellen, dass man mit der Sache absolut nichts zu tun habe2. [Ekelhaft sind auch jene medialen altbekannten Selbstgeisselungen, die für ein Miteinander von Humanismus und Islamismus plädieren3.]
Wenn wichtige politische Teile eines Staates (Politiker, Parteien, Regierungsvertreter) aufheulen, wenn ein Individuum essentielle Freiheiten auslebt, dann muss man ernstlich besorgt sein um den Zustand jenes Staates.
Ich will Geert Wilders nicht in Schutz nehmen. Wer kritisiert, muss auch Kritik einstecken. Kritik an “Fitna” kam einige. Manche berechtigt. Andere scheinheilig. Und manche einfach nur realitätsverweigernd.
Doch es ist falsch, wenn Amtsinhaber, gewissermassen Erben der Aufklärer und Humanisten, genau jene schelten, die dieses Erbe ausleben. Umso schöner empfinde ich die Solidarisierung von Teilen der Blogosphäre, die in den letzten Stunden und Tagen erfolgt ist. Konservative((gegenstimme - Fitna-Download)) wie Liberale. Christen wie Atheisten4.
Ganz merkwürdig wird es auch, wenn sich der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) gegen eine Veröffentlichung von “Fitna” auf der Website des Humanistischen Pressedienstes ausspricht5. Uns selbst der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V. in dieselbe Bresche schlägt6.
Hach, ich übertreibe mal wieder, um auf ein Interview mit dem Thurgauer Unternehmer Daniel Model aufmerksam zu machen, das im heutigen Kleinen Bund erschienen ist:
In Ihrem Blog-Eintrag schreiben Sie auch, der Sozialstaat sei eine Illusion. Warum?
Der Sozialstaat belügt die Menschen nicht nur, er beraubt sie. Ich spreche nicht in erster Linie von jenen Menschen, die mit ihren Steuern den Sozialstaat finanzieren. Vielmehr meine ich jene Menschen, die seine Hilfe in Anspruch nehmen und von ihm abhängig werden. Man nimmt ihnen das Feedback durch das Leben. Leben ist lernen, und wo jemand um die Möglichkeit zu lernen gebracht wird, ist er verloren. Das ist für mich Diebstahl an den Energien der Menschen.1
Wie sich die Welt an fünfzehn Minuten Film berauschen kann. Wahrlich wunderlich:
“Unterdessen verurteilte Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon den anti-islamischen Film “in schärfster Form”. Es gebe keinerlei Rechtfertigung für Hasspredigten und das Anstacheln von Gewalt, erklärte Ban in New York. “Das Recht auf freie Meinungsäußerung steht hier nicht zur Debatte”, so Ban. “Freiheit muss immer mit sozialer Verantwortung einhergehen.”"1
Eine wunderbar elegante Umkehrung von Ursache und Wirkung. Wir lernen daraus: Zuerst war die Wut über den islamistischen Terror da, und erst danach der islamistische Terror.
“Der Spitzendiplomat [Ban Ki Moon] mahnte einen gegenseitigen Respekt der Religionen an. Die wahre Trennlinie verlaufe nicht zwischen der islamischen und der westlichen Welt, sondern zwischen einer kleinen Zahl von Extremisten und dem Rest der Welt, sagte Ban.”2
Kann ich zustimmen. Bloss: Diese antisäkularen, antiaufklärerischen, antiwestlichen Extremisten - auch wenn sie in der Minderheit sind - stehen an der Spitze von diversen Staaten.
““In dem seit Monaten angekündigten Film bringt Wilders Terroraktionen muslimischer Extremisten in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Koran.” Folge? Muslime reagieren extremistisch und drohen mit Terroraktionen.”3
Wohl der vernünftigste Kommentar zu Geerts “Fitna”, den ich gesehen habe.
“Not that I think that such films shouldn’t be made, quite the contrary. I think the only way we twill ever get to a state of true global secularism is by continually showing these radicals that we will never give up. Once they finally realize that their threats and actions are not going to be tolerated, and that they should respect people’s opinions different to their own, maybe then we can have a sensible discussion over the whole matter. Acting like idiotic immature children (which they are) isn’t going to get them anywhere.”4
Ich gebe es zu, auch diese Aussage könnte ich unterschreiben.
Klassisch Liberale haben eine Beisshemmung. Immer differenziert. Nie offensiv. Stets auf präventive Entschuldigungen bedacht. Derweil werden sie von polternden Neoliberalen, klassisch Konservativen, Neokonservativen, Grünen und Theokraten überrollt.
Ja, Liberale. Auch europäische. Gerade schweizerische. Werdet gemein. Polemisch. Zynisch. Ironisch. Sarkastisch. Aber hört auf, euch wie Rosinen zu benehmen. Vertrocknet und langweiliger als trocknende Farbe.
“I’d like to suggest a very simple strategy for American liberals: Get mean. Stop policing the language and start using it to hurt our enemies. American liberals are so busy purging their speech of any words that might offend anyone that they have no notion of using language to cause some salutary pain.
Why, for example, not popularize slogans that mock the Bush loyalists as “suckers”? Something like, “There are two kinds of Republicans: millionaires and suckers.” Put that on a few bumper stickers and I guarantee a lot of “South Park Republicans” will quit the GOP. They just smirk when you tsk-tsk at them for being disrespectful. They want to be disrespectful; every normal young male wants to be.”1
Ein Satz, der so offensichtlich klingt, dass man mich für einen holzhackenden Hinterwäldler halten könnte. Doch es ist nötig, ihn auszusprechen. Angesichts dessen, dass der Islamismus gar oft skizziert wird als Reaktion auf soziale und politische Missstände und nicht als Überbegriff für tiefgläubige, mittelalterlich (antiaufklärerisch und antiwestlich) denkende Muslime, deren Taten stets religiös motiviert sind, verstanden wird.
“Hizbullah and Hamas are themselves products of rebellion - rebellion against what they took and still take to be a foul, unjust political order in Lebanon or Palestine or the Middle East in general. That drive has, naturally, even necessarily, pushed them to advocate the absolute negation of everything embodying that allegedly unjust order. Their motivating force is submission to the pursuit of the just idea, and this goes to the very heart of Islam itself, indeed denotes its very meaning, which is based on the embrace of total submission to God. Nasrallah may rarely employ religious terminology, but everything about the way he structures his thoughts, contentions, or vows reflects a deeply religious mindset.”1
Bob Geldof kämpft zusammen mit George W. Bush in Afrika gegen die Armut. Und lobt ihn dafür in der Weltwoche.
Das wird sicher das Herz vieler Bush-Hasser brechen. Sorry. Aber wenigstens ist er ein bisschen neoliberal. Das ist doch auch hassenswert, nicht?
“Man vergisst leicht, dass Bush Betriebswirtschaft studiert hat. Er denkt wie ein Unternehmer, denkt in Ergebnissen, Gewinnen und Verlusten. Seine Afrikaprogramme sind konkret, und eine grosse Rolle spielt, zu Recht, der Handel: «Mein Vorgänger hat den African Growth and Opportunities Act (AGOA) ins Leben gerufen, ich habe dieses Gesetz zwei-mal bekräftigt», sagt Bush. Gemeint ist ein Gesetz, demzufolge 900 bislang kräftig besteuerte afrikanische Exportgüter nun abgabenfrei importiert werden können. Das Ergebnis ist verblüffend. In Lesotho arbeiten 42 Prozent der Beschäftigten in Betrieben, deren Exporte nach Amerika gehen. Zwar macht Erdöl weiterhin 90 Prozent der afrikanischen Exporte in die USA aus, aber AGOA ist genau das, was zu einem Wandel in Afrika beitragen wird.
«Eine Steigerung der afrikanischen Exporte um ein Prozent ist mehr Geld als alle Entwicklungshilfe pro Jahr zusammengenommen. Deswegen ist Doha so wichtig», sagt Bush mit Blick auf die WTO-Verhandlungen.”1
Schon erstaunlich, wie sehr ein schlecht gemachtes, an sich stinklangweiliges Filmchen die halbe Welt erzürnen kann.
“Es ist schon eine ziemliche Packung, die dem Zuschauer zugemutet wird. Es ist ein direkter Sprung ins Gesicht all jener, die die Probleme leugnen oder auf die lange Bank schieben wollen. Es ist aber kein rassistischer oder blasphemischer Film.”1
Blasphemie und Rassismus in einem Satz? Nun, das ist heftig. Wenn wir die beiden Dinge gleichsetzen, nun, dann lasst uns doch gleich Lobeshymnen auf die Theokratie singen.
“Fair ist „Fitna“ nicht: der Film verschweigt die Rolle des Westens bei der Finanzierung und Stabilisierung der elenden Verhältnisse in arabischen Ländern, die die Jugend in die Arme der Extremisten treibt, er verschweigt die Verurteilungen des Terrors durch islamische Führer und er verschweigt die Opfer der vom Westen finanzierten oder initiierten Kriege in muslimischen Ländern.”2
Suggestion ist etwas schönes, hm? Man mag sie bei “Fitna” kritisieren, doch wenn man den Westen für den Islamismus verantwortlich machen will, dann ist sie recht und billig.
“Niederländische Muslim-Verbände erklärten kurz nach Veröffentlichung, er sei nicht so schlimm wie erwartet. Sie hatten befürchtet, Wilders würde im Video den Koran verbrennen oder ihn in Stücke reissen. Dies sei aber nicht der Fall.”3
So what? Auch wenn er das Märchenbuch zerrissen hätte… Haben wir jetzt Gesetze, die das Zerreissen von Büchern verbieten? Ach nein, stimmt, es wäre ein Akt purer Blasphemie. Wie fürchterlich. Wie rassistisch.
“Seit Donnerstagabend ist der Film nun auf der Website www.liveleak.com einzusehen – und zeigt, dass Wilders exakt auf der Augenhöhe und dem Niveau derjenigen argumentiert, denen seine Kritik gilt.”4
Sind wir nicht alle ein bisschen Suizidbomber? Und Geert ganz besonders?
“[Fitna] behandelt ein Phänomen, das, wie mittlerweile jeder informierte Leser weiss, jüngeren Datums ist und sich primär aus politischen und sozialen Missständen nährt: eine tiefe Frustration, die dann auf unselige Weise in eine tödlich bornierte und rückständige Lesart der religiösen Schriften umgewandelt wird.”5
Vielleicht hat der islamistische Terrorismus auch einfach mit dem Islam selbst zu tun? Religionen haben immer das Potential zu gewaltigen Massakern aufzurufen. Aber vermutlich hatten die mittelalterlichen Kreuzzüge auch nichts mit der Religion zu tun.