So, jetzt haben die Impfgegner ihre Bescherung. In der Schweiz ist eine Masernepidemie ausgebrochen1. Auch Grossbritannien hat so seine Probleme mit den Masern2 Wie es sich jetzt herausgestellt hat, sind antroposophische Schulen ein interessanter Epidemiehort.3
Doch eben, wir leben in Zeiten, da Feng Shui von Bundesbehörden empfohlen wird, da darf der kleine Bürger auch so seinen Aberglauben herumtragen und mit grossen Portionen Unwissen um sich schmeissen. Auch wenn der “Allgemeinpraktiker” ist und irrigerweise meint, Impfen biete nur einen minderen Schutz, um sicher vor Masern zu sein, nütze einzig und allein die deftige Erkrankung an ihnen.4 Da müssen noch diverse Leute ihre Hausaufgaben machen. So schwer ist das Prinzip der Impfung ja nicht zu verstehen, oder?
Ausser man ist besessen von irrationalem Aberglaube, der so absurd ist wie gefährlich. Die Anti-Impf-Hysterie hat sich tief in unsere Gesellschaft gefressen. Jetzt dürfen wir ihre Früchte essen: Epidemien. Genau, kleine Kinder, die erkranken, obwohl sie hätten gesund bleiben können. Sie liegen im Spital, mit peinigenden Qualen, statt in diesen ersten Frühlingstagen draussen zu spielen. Und ich will nicht derjenige sein, der dem kleinen Kind erklären muss, wieso es jetzt Tage im Siechtum verbringen muss, obwohl eine kleine Impfung es davor hätte bewahren können.
Ich versteh’s einfach nicht. Wie kann man bloss derart fern der Realität leben? Diese gottverfluchten Verschwörungstheorien und diffusen Ängste vor allem, was nicht direkt vom Acker des Nachbarbauern stammt. Als hätte es die Aufklärung nie gegeben. Der religiöse Wahn zeigt sein wahres, abgrundtief hässliches Gesicht.
Nein, ich versteh’ einfach nicht, wie man seine eigenen Kinder leiden lassen kann.
Wer den Militärdienst mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann, soll nicht mehr vor einer Kommission antreten müssen. Geht es nach dem Bundesrat, soll der Tatbeweis, einen Ersatzdienst zu leisten, der anderthalb Mal länger als der Militärdienst ist, in Zukunft genügen. ((nzz - Keine Gewissensprüfung mehr für den Zivildienst))
Die Schweiz wird auf den ersten April nächsten Jahres ein wenig liberaler. Die Abschaffung der Gewissensprüfung ist zwar ein guter Schritt in die richtige Richtung, aber lediglich ein Kaffeelöffelchen voll Zucker in ein Bassin voller Essig. Die Milizarmee soll endlich auf den Schlachthof. Ein unliberales Monstrum wie dieses, das weder Frauen und Männer gleich behandelt, noch irgendeinen positiven Effekt auf die Geisteshaltung junger Schweizer Bürger hat. Im Grunde genommen werden Hundertscharen Einwohner für etliche Monate aus dem Berufs-, Privat- und Ausbildungsleben herausgerissen und mit so sinnvollen Aufgaben beschäftigt wie auf dreckigem Waldboden herumzukriechen. Die Milizarmee ist ein urchiges Relikt, das jedoch nichts im Europa des Einundzwanzigsten Jahrhundert zu suchen hat. Eine Alternative zum Wehrdienst besteht auch nach der Abschaffung der Gewissensprüfung nicht wirklich. Immer noch dauert sie eineinhalb mal so lang und bedingt ein schriftliches Gesuch. Zwar kann man sich im Zivildienst fürs Wirtschaftsleben rüsten, indem man sich zum Beispiel Sozialkompetenzen aneignet oder auch seine Kenntnisse der Buchhaltung vertieft, doch ein wahrlich liberaler Staat zwingt seine Bürger niemals zu schlechtbezahlten fragwürdigen Diensten.
kyriacou.ch - Das Ende der Wehrpflicht
kyriacou.ch - Tatbeweis statt Gewissensprüfung - mutloses Reförmchen
Esoterische Vorstellungen dringen leider immer weiter auch in Behörden vor. Ein jüngstes Beispiel liefert die dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales unterstehende Bundesanstalt für Arbeitsschutz, die 2007 eine Broschüre mit dem Titel “Wohlbefinden im Büro - Arbeits- und Gesundheitsschutz bei der Büroarbeit” veröffentlicht hat. Ab Seite 29 wird unter dem Titel “Die Energie fließen lassen! - Feng Shui im Büro”, der Einsatz der chinesischen Geomantie zur Verbesserung des Arbeitsumfeldes empfohlen.1
Bitteschön, ein Pflänzchen im Büro mag manchereiner als entspannend empfinden, andere stehen eher auf abstrakte Gemälde und dann gibt es noch jene, die gerne einen Vogelbalg an der Wand hängen sehen. Innendekoration ist eine verflucht subjektive Sache. Manche mögen’s eher rustikal. Anderen wird davon übel. Schlussendlich geht es bei der Gestaltung von Büros und anderen Räumen um den Geschmack desjenigen, der dort seiner Arbeit nachgeht. Das ästhetische Empfinden variiert von Person zu Person. Das führt bisweilen zu Zwisten und Disputen, wenn mehrere Personen dieselben Räumlichkeiten benützen müssen.
Ob sich jemand in einem Raum wohlfühlt - was dann zu besseren Leistungen führt - ist also abhängig von dessen individuellen Geschmack und davon, ob der Innendekorateur diesen Geschmack getroffen hat. (Es mag durchaus sein, dass es ein paar Gestaltungsregeln gibt, die allgemeinere Gültigkeit haben, doch dies mit Hokuspokus zu begründen, halte ich für falsch.)
Statt liberal zu sein und den Angestellten die weitere Ausgestaltung ihres Arbeitsraumes selber zu überlassen, setzt man lieber auf nach strikten Vorgaben eingerichtete Büros.
Statt rational zu sein und zu erkennen, dass Feng Shui ein Glaubenssystem ist und kein objektiver Nutzen erwiesen ist, ja dass die Grundidee der “Energieströme” gar diversen Naturgesetzen widerspricht, setzt man auf krud-esoterischen Aberglauben.
Ich hätte bereits ein ungutes Gefühl, wenn dies ein kleiner Betrieb machen würde. Doch in diesem Falle geht es um eine Bundesanstalt. Oder wollen uns die Politiker etwa den endgültigen Beweis liefern, dass ihre Arbeit grundsätzlich willkürlich ist und nicht auf Fakten basiert?
Zumindest gibt es eine Korrelation zwischen niedriger Religiosität und dem Bruttosozialprodukt pro Kopf ~ Mehr Kohle, weniger Religion. ~ And The Winner Is…
Es ist nun allerdings nicht die (politisch motivierte) Geisselung des Konsums durch die Linken, die mir Sorgen macht, sondern die zunehmende Selbstidentifikation, die wir Alle aus dem Konsum ziehen. Dabei verändert sich nicht mal so sehr der Mechanismus, der wohl schon immer galt: Ich leiste mir „was Schönes“, damit „es mir gut geht“. Das Problem ist vielmehr der immer grössere Stellenwert des Konsums, die Sinnentleerung, die damit einher geht, und die uns nicht zuletzt die eigene Jugend vorzeigt.1
Hm, wenn ich der einzige bin, der meinem Leben einen Sinn geben kann, spielt es da noch eine Rolle, wie ich meinem Leben den Sinn verpasse?
Ich muss zugehen, dass der Konsum auch schlechte Seiten hat. Nike schafft es zum Beispiel immer wieder in die Schlagzeilen durch die eine oder andere Ausbeuterei. Ja, ganz im Ernst, wenn ich hier etwas konsumiere, hat das mitunter grauenhafte Konsequenzen auf andere Leute. Ich wage allerdings zu behaupten, dass dies nur vorübergehende Erscheinungen sind. Haben die Schwellen- und Drittweltländer ihre Entwicklung zu einem demokratischen Rechtsstaat abgeschlossen, so werden die Konsummöglichkeiten nicht abgenommen haben, der Konsum jedoch völlig frei von negativen Aspekten sein.
Und ja, ich definiere mich über mich selbst. Oder sollte ich mich etwa durch andere definieren lassen? Lieber nicht. Was ich konsumiere, wie ich mich anziehe, was ich esse, wie ich lebe, wofür ich mich interessiere, das ist alles Ausdruck meines Charakters. Auch der Kaviar auf meinem Brötchen. Manche würden daher auf guten Geschmack schliessen, andere auf einen dekadenten Charakter. Whatever. Es ist weder grundsätzlich schlecht, noch per se gut.
Künstlich suggerierte Bedürfnisse?
Nun, Annehmlichkeiten sind eigentlich immer überflüssig. Überflüssig im Sinne von nicht überlebensnotwendig. Und doch geniessen wir doch alle das Stückchen Schokolade, die goldene Rolex, das inspirierende Gedicht…
Wie schwer muss es sein, zu begreifen, dass Atheismus keine Religion ist und auch keine Glaubensinhalte besitzt? ~ Answering “ed”
Kurt Westergaard, ein Mohammed-Karikaturist, im Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger ~ „Provokation ist, wovon Satiriker leben“
Der Spiegel zum Beispiel, der hat sogar eine Agenda. Lächerlich? Es wird noch besser ~ Die ohne Maulkorb reden
Wie absurd es doch ist, die Atheisten in Amateure und Profis einzuteilen ~ Amateur Atheists?
Brauchen wir mehr als ein Haus, Frau, Kinder, Familie, Beruf, Pension? Ein Auto? Einen Baum gepflanzt zu haben? Berauschen klingt’s ja nicht gerade. Aber wenn man an den Details feilt ~ We Need Nothing More