Das Kapitalismus-Magazin über den finsteren Ron Paul, dessen Kreationismus und insbesondere dessen dringendes Anliegen, das First Amendment zu überwinden ~ Die Ron-Paul-Kontroverse - ein Postmortem
PZ Myers über den wirren Huckabee und dessen Vorhaben, aus den USA einen biblischen Gottesstaat zu formen ~ Huckabee is a raving lunatic
Hans Magnus Enzensberger in der Weltwoche über sein neues Buch “Hammerstein oder der Eigensinn”, seine Misanthropie, die Schwierigkeit im Umgang mit Deutschen und ihrer dunklen Vergangenheit und das ewige Scheitern des Sozialismus. Ein Interview ~ «Jammern ist nie eine gute Idee»
Band of Brothers wirft einen scharfen Blick auf die Berichterstattung über Israel und die Gräuel, die ihm angedichtet werden ~ Der ewige Jude
WhiteCoat Underground räumt auf mit eingebildeten Kranken und Patienten, die alles besser wissen als der Doktor. ~ Profiting from others’ suffering—the difference between skeptical doctors and crooks
Und es ist tatsächlich eine Frage. Da hilft kein Verleugnen. Doch es ist nicht die Frage, ob man kriminelle Ausländer mitsamt den Töchtern und Cousinen ausschaffen sollte, es ist die Frage, wie schweizerisch ein Ausländer sein muss, damit er hier weilen darf.
Das Schweizer Volk als Ganzes muss sich klar werden, ob es eher den Multikulti-Weg beschreiten will oder eher eine radikale Bünzlischweiz möchte. Nur leider lässt sich dieses Problem nicht von Philosophen und Intellektuellen lösen.
Doch so lange die Linke nicht bereit ist, diese Diskussion zu führen, und so lange die Recht nicht gewillt ist, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen, werfen wir die heissen Kohlen bloss weiterhin dem Gegenspieler zu. Denn lösen könnten wir dieses Problem nur gemeinsam, die Kohlen jedenfalls kühlen nicht aus, und an heissen Kohlen verbrennt man sich bloss die Finger.
Nationalismus zu verstehen ist nicht leicht. Besonders nicht, wie man stolz sein kann auf ein völlig zufälliges Ereignis, das meist schon Dutzende Jahre zurück liegt.
Man kann sich über die Chancen freuen, die einem ein Land bietet, gewiss. Doch darüber den Verstand verlieren?
In der Türkei liebte eine Schulklasse ihre Nation heiss und innig. So beschlossen sie, eine Landkarte zu malen und sie den im Kampf gegen die PKK gefallenen Soldaten zu widmen.
Nach zwei Monaten und hunderten von Nadelstichen in Daumen und Finger, hatten sie die Karte endlich fertig. Ein weisses Stück Tuch, das nun getränkt war mit türkischem Blut.
Sie sendeten sie dem Generalstabschef der Armee, Yasar Büyükanit, der sogleich in Tränen ausbrach.
Landesweit wurde die Karte gelobt und die nicht mehr ganz so kleinen Kinder zu so etwas wie Nationalhelden.
Ein positives Zeichen dennoch: Kritische Stimmen wurden laut, einer möchte ich mich ganz besonders anschliessen:
Dem linken istanbuler Ökonom Ahmet Insel:
“Wenn die Existenz unserer Nation durch Blutvergießen garantiert wird, dann haben wir kein Recht, unseren Platz unter den zivilisierten Staaten zu fordern”
Wie wahr, Ahmets Einsichtsvermögen wünschte ich auch dem Rest der mittelalterlichen Welt. Hoffen können wir bloss noch, dass diese Schüler eine Tetanusimpfung hatten und dass sie nächstes Jahr ihren Soldaten nicht den Dorfplatz widmen möchten.
jetzt.de - Bis aufs Blut gereizt: türkische Jugendliche, ihre Nation und deren Symbole
taz.de - Türkische Schüler malen mit Blut
Merkwürdig könnte man sie nennen die Reaktionen der altbewährten Medien auf jenen berüchtigten U-Bahn-Überfall in München von vor vier Wochen. Man könnte tatsächlich auf die krude Idee kommen, ihnen zu unterstellen, die eine Zeitung wolle die andere in Sachen Skurrilität und schlechten Stil überbieten.
Nun sind also schon wieder Leute aufgetaucht, die meinen alles besser zu wissen und zu können und sich vor allem für bessere Menschen zu halten. Na ja, einer der ältesten Fehler der Menschheit, dass ein jeder glaubt, er hätte das Patenrezept und das Wundermittelchen. Ha! Meine Verachtung ist euch gewiss, ihr Trottel.
Sorry, ich schweife ab. Also, während dort draussen entsetzliche Taten geschehen, sitzen ein paar drinnen und sinnieren über Worte nach. Ein wahrer Streit über Begrifflichkeiten ist entbrannt. Wer denn nun wirklich ein Spiesser sei, und ob man denn die Spiesser nicht gescheiter Gartennazis nennen solle, und ob Besserwisser nicht die eigentlich Wurzel des Übels sind.
Nein. Period.
Wenn ein paar Leute ihre Schnauze nicht geschlossen lassen können, dann lasst sie in Ruhe. Das sind bloss Schwätzer. Eine schnelle Zunge hat jeder irgendwo, eine scharfe ebenso. Wahrlich zu bemitleiden und strafrechtlich zu verfolgen ist jener, der bei einer Provokation kein Rückgrat beweisen kann, sondern seine Fäuste singen lassen muss.
Doch wie kommt man auf die stumpfsinnige Idee, ein Nörgler hätte den ganz physischen Schlag in die Fresse verdient?
Indem man dem Schläger den freien Willen abspricht und ihn dem Spiesser zuschreibt.
Aber bitte, wenn der gereizte Jungtürke sich nicht im Zaume hat, wieso sollte das der Spiessbürger können? Entweder war der Übeltäter fähig gewesen, sich dafür zu entscheiden, seinen Sneaker nicht im Hinterkopf eines Rentners zu versenken. Dann ist dies eine verabscheuungswürdige, entsetzliche Tat. Wenn er nicht in der Lage dazu war, fehlte ihm der freie Wille, und dann fehlt letzterer jedem von uns und wir dürfen uns daran gewöhnen, alles durch die Umstände zu entschuldigen. Wir konnten ja nicht anders, nich’?
band of brothers - Alles Spiesser
bissige liberale - Junge Türken schreiben über Jugendgewalt
bissige liberale - Lady Bitch Ray - Debattentod Delüks
spon - “Eine frühe Entschuldigung macht Sinn”
spon - Grummelnde Gartennazis
transatlantic forum - Gewaltige Aufgaben
So, da hat man also eine Organisation, die den Zustand der Freiheit in der Welt untersuchen soll. Wie viele andere Liberale finde auch ich dies eine wunderbare Idee.
Dann jedoch scheint sich dieses Freedom House sehr in die SVP verbissen zu haben. Da werden die wunderbar falsch verstandenen Schäfchenplakate gezückt (Wer kennt das Wort Metapher nicht? Wer? Jaa, hier. Braver Burscht, kriegst auch ein Guetsli.) und mit den Worten “Kampagne mit offen rassistischem Appell” unterlegt, das zugegebenermassen abscheuliche Video “Himmel oder Hölle” hervorgeholt und nebenbei wird auf die Minarettinitiative verwiesen, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, dass das Initiativrecht auch eine gewisse Freiheit für das Volk bedeutet, dass die Minarettinitiative erst noch darauf überprüft werden muss, ob sie verfassungskonform ist und - schliesslich und endlich - heftigst umstritten ist und nicht einmal von der gesamten SVP unterstützt wird.
Lane Green, Autor der Studie, sagt jedoch, das Schäfchenplakat sei nur ein Element von vielen. Trotzdem scheint er eine Kausalität zwischen Fremdenfeindlichkeit und Wahlgewinnen der SVP zu sehen. Wie mir scheint, ist er dem Glauben verfallen, die SVP würde bloss von Xenophoben gewählt werden und baue einzig auf Antiimmigrationsparolen auf. Green kennt die Schweiz allerdings gut, er war schon öfters hier. Letztes Jahr leider nicht.
Auch der Forschungsdirektor vom Freedom House, Arch Puddington, nimmt die Schweiz als schwarzes Herz Europas war. Eine Atmosphäre der Feindseligkeit herrsche hier. Na, wenn man sein Wissen aus populistischen Schlagzeilen zieht, dann könnte man das tatsächlich meinen. Aber aus eigener echt schweizerischer Erfahrung kann ich sagen, dass ein Schweizer Leben aus ganz viel anderem besteht als bloss aus verschärften Asylgesetzen oder dergleichen.
Ach ja, die Begründung für das Urteil folgt dann irgendwann. Vermutlich, wenn die vielen anderen Elemente gefunden wurden. Die Untersuchung wurde nämlich noch gar nicht fertig geschrieben, bloss etwas heisse Luft wurde abgelassen. Dampf, der allerdings begierig aufgesogen und wiedergegeben wird. Kritiklos weitgehend. Es ist ja immerhin eine Studie, gell.
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“A Free country is one where there is broad scope for open political competition, a climate of respect for civil liberties, significant independent civic life, and independent media.”
“Switzerland suffered a slight decline in freedom in 2007 due to a rise in anti-immigrant hate crimes and an atmosphere of hostility driven by the increasingly popular People’s Party”
“Downward trend arrow due to the electoral gains of the Swiss People’s Party, which campaigned with an overtly racist appeal and promises anti-immigrant policies that further marginalize Switzerland’s significant foreign-born population.”
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Die Konklusion:
Wenn die Kriminalität steigt, dann sinkt die Freiheit. Sie sinkt insbesondere bei Schäfchenplakaten. Dasselbe bei einer minim erkalteten Stimmung im Land. Und beim Erstarken einer rechten Partei.
Ich sehe den Zusammenhang nicht, aber ich bin auch kein Autor einer Studie.
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freedomhouse - Freedom in the World 2008 Survey Release
nzz - Schweiz mit Abwärtspfeil – wegen SVP-Schafen
side effects - Schäfchenplakat immer noch aktuell
Giovanni Schumacher - sein Nachname verhöhnt den Wohlklang seines Vornamens bitterlichst - führte seine Brigaden des Bündnisses für globalen Widerstand in Bern zum Sieg. Jener Sieg über die Vernunft, bei dem seine anarchosyndikalistischen Anhänger ihr wahres verfassungsfeindliches Gesicht gezeigt haben.
Nun ist es ja ein alter Hut, dass die Anarchisten Gesetzesbrecher seien, schliesslich lässt sich dies sehr direkt aus ihrer politischen Haltung schliessen. Besonders wenn sich der Libertarismus mit dem Klassenkampf vermischt und nun in einem Kollektivschlag sowohl Staat als auch Marktwirtschaft überwunden werden sollen. Dass dies nur mit dem Bruch von Gesetzen möglich ist, das ist verständlich. Ehrenhaft - lächerlich, zu welch obszön unironischen Worten ich hier greife - dass der Schumacher nie etwas anderes behauptet hatte.
Schuld an der Gewalt sind natürlich die unmenschlichen Kriegstreiber in Davos, welche geschützt durch das milliardenschwere Sicherheitsdispositiv die Welt unter sich aufteilen. Ich habe die Kritik am WEF ja noch nie wirklich verstanden. Wenn sich Leute zum Austausch von Meinungen treffen wollen, dann dürfen sie das. Und wer nicht eingeladen ist, ist nicht eingeladen. So einfach geht das. Ich gehe auch nicht auf die Strasse, bloss weil ich an jene Party nicht eingeladen wurde, an der wohl zwei oder drei über mich lästern. Wie lächerlich wäre das auch! Das WEF ist zwar keine Party, sondern eher ein Diskussionszirkel, doch ein legitimes Recht, dort anwesend sein zu müssen, kann niemand geltend machen. Auch wenn es hier um den Lieblingssozialrevolutionär geht. Ich komme auch nicht plötzlich daher und verbiete dem Chavez sich mit dem Ahmadinejad zu einem antizionistischen Tee zu treffen. Vielleicht begrüsse ich es nicht, doch etwas dagegen habe ich nicht ernstlich. Ich will ja niemandem verbieten, eine kleine Party steigen zu lassen. Auch meinen grössten Neidnasen nicht.
Alles in allem sind die Ereignisse, welche am frühen Samstagvorabend in Bern geschehen sind, nicht weiter erstaunlich. Ein paar Dogmatiker haben sich den Weltfrieden in den Grind gesetzt, meinen alles besser zu wissen und, da sie den Staat ja ablehnen - was jedoch dann nicht mehr so legal-legitim ist -, selbst ein Gewaltmonopol errichten zu müssen.
Merkwürdig auf welch abstruse Ideen manche Leute kommen. Doch natürlich wollen diese Manifestanten (*hust* Linksextremen) ja nur das Beste für alle Leute. Na ja, auch Uriella will bloss das Beste für die Menschheit.
Wenigstens ihr, meine getreuen Leser, wisst, dass es einen gewaltigen Unterschied zwischen der Intention und der Aktion ist. Anders ausgedrückt: Jeder will das Beste, bloss sind die meisten Ideologien nur in der Theorie auch dafür geeignet. So mag ein libertärer Staat zwar auf grossartigen Idealen fussen, funktionieren tut er jedoch nicht, sondern bringt verruchtes Elend über die Leute. So viel also zu den guten Absichten.