“Hast du auch HIV, popp’ trotzdem ohne Kondom drauf los, geschehen wird dir nichts.”
So, oder so ähnlich klang es gestern aus den Radios, wenn man nicht genau hinhörte oder nur wenig Ahnung von Wissenschaft hat. Das Schweizer Staatsradio DRS 1 verbreitete diesen Unsinn.
Nun, die Meldung mochte schon stimmen, ihr Wortlaut war denn auch ein ganz anderer als oben genanntes “Zitat”. Doch die Medien sind sich der Verantwortung scheinbar nicht bewusst, die sie tragen. Jeder vernunftbegabte Mensch kann sich an zwei Fingern abzählen, was geschieht, wenn man folgende Meldung (Einleitung eines NZZ-Artikels) missversteht:
“Die Eidgenössischen Kommission für Aidsfragen (EKAF) hält in einem Artikel, den sie am Mittwoch in der Schweizerischen Ärztezeitung publiziert hat, fest, dass HIV-Infizierte, sofern sie drei strikte Bedingungen erfüllen, nach heutigem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis nicht mehr infektiös seien.”
Überschrieben ist der Artikel gar folgendermassen:
“HIV-Infizierte sind während der Therapie nicht infektiös”
Ich will jetzt ja den Teufel nicht ins Web tippen, doch: Wie unwahrscheinlich ist es denn, dass ein HIV-Infizierter folgende Schlagzeile liest, sich nicht weiter informiert und seine eigenen Schlüsse daraus zieht?
Offenbar ist es unmöglich, dass so etwas geschehen könnte. Dies müssen die Schweizer Medienschaffenden zumindest annehmen, ansonsten handeln sie ein wenig gar fahrlässig.
Da bringt es auch wenig, wenn am Schluss des Artikels noch angefügt wird:
“Wie das Bundesamt für Gesundheit in einem kurzen Kommentar betont, ändere sich nun nichts an den Regeln der HIV-Prävention für die Allgemeinbevölkerung. Denn diese neue Information sei nur für jene Personen gültig, die seit Monaten eine wirksame und kontrollierte Therapie erhielten – und deren Partner oder Partnerin dies ganz sicher weiss.”
Eine Information, die vielleicht eine handvoll Leute betrifft, dennoch lässt DRS 1 nicht davon ab, geschlagene 5 Minuten über diese hochbrisante Tatsache zu berichten. Was, bitteschön, soll das?
Nein, es liegt mir fern, die Rechtmässigkeit dieser Nachricht anzuzweifeln, doch ich denke auch, Journalisten sollten bedenken, was ihre Artikel auslösen könnten. Doch diese Selbstkontrolle ist offenbar nicht mehr gegeben.
Danke. Doeners Blog erklärt kurz und verständlich die Hypothekenkrise ~ Kurz erklärt: Subprime-Krise
Pharyngula beleuchtet dankenswerterweise prägnant das aktuelle Geschwurbel des Papstes ~ Do we really care what the Pope says anymore?
Hell yeah, der Versuch des deutschen Familienministeriums, ein aufklärerisches Kinderbuch zu indizieren, schlägt hohe Wellen der Empörung. So lasse ich mir den kritischen Part der Blogosphäre gefallen:
Die radikallinke Perspektive 2010 gesellt sich auf die Linie der Vernunft und fordert ~ Ursula von der Leyen auf den Scheiterhaufen!
Die taz unterstützt den Skeptizismus einmal mehr ~ Kinderbuch soll indiziert werden
Die Welt zeigt keine Freude ab einem aufklärerischen Kinderbuch, hält den Atheismus gar für eine Religion und steht hier stellvertretend für alle Religionsapologeten und Sektier, die Wissenschaft von Glauben nicht trennen können und immer noch nicht mitbekommen haben, dass unser Staat ein humanistischer ist und kein christlicher, kritisiert die von der Leyen dann trotzdem noch ~ Wie antisemitisch kann ein Kinderbuch sein?
Den Brights und ihrem Aufruf zu einer Unterschriftaktion schliesse ich mich gerne an ~ Rettet das Ferkel!
Der SkepTicker liefert emporschnellende Verkaufszahlen des Buchs und viele weitere Links ~ Kinderbuch auf den Index?
Zum Schluss ein Reim aus dem Buch, das den Titel „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel” trägt:
„Der Gottesglaube auf den Globus / Ist fauler Zauber, Hokuspokus, / Rabbis, Muftis und auch Pfaffen / Sind, wie wir, nur nackte Affen. / Bloß dass sie Gespenster sehen / Und in lustigen Gewändern gehen.“
…bin nicht ich, sondern die Figur eines Kinderbuchs, das vergangenen Oktober erschienen ist. „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel” heisst das Buch und ist von Michael Schmidt-Salomon und Helge Nyncke.
Einst hatten wir den Karikaturenstreit, nun wird der Kinderbuchstreit folgen. So scheint es zumindest. Während Pädagogen und Psychologen - also die, die am meisten Ahnung vom Kindsgemüt haben - das Buch loben:
„als Gegengift zu religiöser Indoktrination von Kindern pädagogisch besonders wertvoll”
empfindet das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend das Kinderbuch als jugendgefährdend:
„geeignet, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer (sic!) eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden”
Kurz nachgeschlagen, als jugendgefährdend werden Bücher dann eingestuft
„wenn sie unsittlich sind, verrohend wirken, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizen”
Ein Buch, das zu kritischem, skeptischem Denken anregt, soll also jugendgefährdend sein? Scheinbar schon:
„die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht”
„die Besonderheiten jeder Religion (…) der Lächerlichkeit preisgegeben”
„Text und Abbildung mithin antisemitische Tendenzen”
Selten habe ich lächerliche Vorwürfe gehört, doch offenbar will sich das Ministerium nicht nehmen lassen, Deutschlands Kinder christlich zu indoktrinieren. Es wunderte mich nicht, würde dasselbe Ministerium verlangen, dass Gotteslästerung ein Offizialdelikt würde. Scheinbar ist also ein christliches Weltbild um einiges wichtiger als das Recht auf freie Meinungsäusserung. Nun, hoffen wir, dass ein Ministerium, das eine Generation unskeptischer Gläubiger heranziehen will, an der eigenen Rückschrittlichkeit krepiert. Mit Bibelpredigen und unhaltbaren Vorwürfen lässt sich jedenfalls keine Zukunft machen.
Dies meint auch Michael Schmidt-Salomon, dem ich mich zu hundert Prozent anschliessen kann und dem ich für diese Worte meinen tiefsten Dank aussprechen darf:
„Auch Kinder haben ein Recht auf Aufklärung. Schauen Sie sich doch einmal in der Welt um! Nie zuvor war Religionskritik so wichtig wie heute! Man kann gar nicht früh genug damit beginnen, den Menschen die Angst vor archaischen Glaubenssätzen zu nehmen. Diese Glaubenssätze führen, wie wir tagtäglich in den Medien erfahren müssen, zu jener Verrohung, die man nun ausgerechnet dem Ferkelbuch unterschieben möchte. Wer die Geschichte vom kleinen Ferkel gelesen hat, der weiß, dass sie ganz sicher nicht zu Hass aufstachelt, sondern zu Heiterkeit. Das kleine Ferkel führt uns auf humorvolle Weise jene menschlich-allzumenschlichen Unzulänglichkeiten vor, die sich auch, aber nicht nur, im religiösen Glauben widerspiegeln. Es mag ja Menschen geben, die eine solch humorvolle Sichtweise der menschlichen Existenz nicht ertragen können und deshalb beleidigt nach Zensur schreien. Derartige Leute sollten in Ministerien aber wirklich nicht das Sagen haben!”
Doch eine Welt, in der man speziell betonen muss, dass Kinder ein Recht auf Aufklärung haben [Schmidt-Salomon sagt ja nicht einmal, dass Kinder unbedingt aufgeklärt werden müssten. Doch dies verlange ich. Denn alles andere bedeutete unglaubliche Regression und wäre ein einziges Trauerspiel. Ich sehe jedenfalls meine Zukunft nicht in einer religiös oder esoterisch geprägten Welt. [Ach... Für diese Worte werde ich sicherlich gleich wieder unter eine Stampede kommen, oder ans brennende Kreuz, oder auf den altehrwürdigen Scheiterhaufen.]] …
humanistischer pressedienst - Großer Ärger um ein kleines Ferkel
via: brightsblog - Ärger um ein kleines Ferkel
Claudio Casula von Spirit of Entebbe entführt uns in eine Welt der Absurditäten und Scheusslichkeiten, er kommentiert ironisch einen unverhohlen unkritischen Artikel über palästinensische Terroristen, die in der Nacht aus den Häusern schleichen, um Qassam-Raketen bauen zu gehen. Ein besonderes Auge darf man auf den Schreibstil dieser Journalistin werfen, die sich in eine Raketenwerkstätte palästinensischer Jihadisten gewagt hat. Stocknüchtern und ohne die kleinste Frage über das Treiben der Terroristen zu stellen. ~ Uli im Wunderland
Vom Coyote Blog und von Side Effects wurde mir die Karte bei Strange Maps empfohlen, auf der dargestellt ist, in welchem County welche Kirche/Sekte die religiöse Macht inne hält, resp. am meisten Anhänger für sich beanspruchen darf ~ 237 - Regionalism and Religiosity
Die bezaubernde JLT von *Evil under the Sun* stellt ein paar äusserst lesenswerte atheistische Blogs vor ~ Blogs von Atheisten, für Atheisten, über Atheisten.
Für die Hamas ist der ganze Israel-Palästina-Konflikt ein Spiel, so scheint es.
Mehr und mehr erinnert mich die übereifrige Hamas an ein jähzorniges Kind, das kaum hat es den Legoturm gebaut, ihn schon wieder umschmeisst, so dass die scharfkantigen Legosteine in alle Richtungen davon fliegen und einer das kleine Kind gar an der Stirn trifft und einen blut’gen Kratzer hinterlässt, worauf die Stimmbänder zu einem Gewimmer und Gedrohe anstimmen.
Weit gefehlt. Die Hamas kann dies. Es geziemt sich auch für das von Allah auserwählte Volk, das ihre Brüder von der Knechtschaft zu befreien geboren. [Die alte Southpark-Weisheit, dass die Mormonen Gottes Volk seien, mal beiseite gelassen.]
Ägyptische Sicherheitskräfte werden beim Wiedererrichten des Grenzzauns zwischen Gaza und Ägypten tatkräftig von der Hamas unterstützt. Von den gleichen Leuten, die dem palästinensischen Volk vor ein paar Tagen halfen, den Grenzzaun mit Bulldozern nieder zu reissen.
Das macht auch Sinn, denn:
“When we decide to open it, [we] open it, when we decide to close it, [we] close it — us and the Egyptians.”
So Ahmed Yusif, ehemaliger Berater des bis Juni letzten Jahres regierenden Premierminister der Palästinensischen Autonomiegebiete Ismail Haniyeh, ein Hamas-Bruder natürlich.
Das ist die brillante Zwangslogik, die ich an den Hamas so schätze…
So sagt Khatami also, in eine säkularen Welt herrsche das Gesetz des Stärkeren, Hoffnungslosigkeit und dergleichen. Ein religiöser Staat gründe sich hingegen auf Respekt.
Schlüer konzentriert sich derweilen auf die Scharia.
Ingrid Mattson, namhafte Konvertitin, schien es gar möglich, dass man zugleich komplett westlich und komplett Moslem sein könnte.
Eigentlich reden sie aneinander vorbei.
Khatami irrt sich grossartig. Einzig aus einer materialistischen Perspektive kann man eine Ethik entwerfen, die das Streben nack Glück eines jeden einzelnen fördert. Sich stützend auf Fakten, nicht auf eine realitätsfremde Moral. Ausserdem hat er selbst den Darwinismus und The Survival Of The Fittest nicht verstanden. Desweiteren scheint er nicht zu begreifen, dass es sehr erfüllend sein kann, wenn man dem Leben einen Sinn gibt, anstatt auf einen gottgebenen zu warten. Nun, das kann man ihm auch nicht verübeln, schliesslich ist er ein verblendeter Dogmatiker. Einer, der die Scharia relativiert und in der Religion persönliche Freiheit entdecken kann, ist schwerlich vernunftbegabt.
Ein lächerlicher Mann, durch und durch.
Schlüer hingegen sieht nur das Schwarze. Moderate Moslem gibt es nicht.
Na ja, es gibt sie so wenig wie moderate Christen. Jedoch hat die islamische Welt nie eine Aufklärung erfahren. Anders als der Westen, wo die Religion dem säkularen Staat weichen musste. Das Christentum jedoch nahm die humanistischen Ströme auf und wurde zu jener vergleichsweise liberalen Religion, die sie heute ist. Mit der Verfassung jedenfalls eher vereinbar als der Islam.
Die Mattson trat bereits mit Kopftuch auf und zeigte so, dass sie es mit der Freiheit doch etwas anders hält als ein Durchschnittskanadier. Obwohl sie sich für durch und durch westlich hielt. Offenbar schien ihr nie jemand gesagt zu haben, dass der Westen humanistisch, rationalistisch und materialistisch ist. Doch Gläubige können die Religion eben nie aus der Politik raus halten.
Schlussendlich geht es jedoch gar nicht um den Islam, wie keiner der dreien so ganz begriffen hat, es geht darum, dass die Verfassung über persönlichen Weltbildern steht. Weder Anarchismus, noch Nazismus, noch Islamismus sticht das Gesetz. Direkt anschliessen würde die Frage nach der Integration.
espace - Streit um Minarette in Davos
tagesanzeiger - Schlüer trifft auf Chatami
youtube - Open Forum - Welcome & The Comeback of Religion: A Potential Danger for the Secular State?