Monatsarchiv für December 2007



a happy new year…

…and don’t let the creepy bots and the somehow sweet addiction to your blog eat your soul. i say ~




Über den Rassismus des Nicht-Vergewaltigens, sagt’s euren Kindern

Israelische Soldaten haben eine neue scheussliche Methode herausgefunden, wie sie arme, unschuldige palästinensische Frauen erniedrigen können. Indem sie sie nicht vergewaltigen. Dank Tal Nitzan und ihrer prämierten Studie zu der Frage, wieso israelische Soldaten keine Frauen vergewaltigen, wissen wir jetzt jedoch endlich, dass dies allein ihrem üblen Rassismus zu ‘verdanken’ ist. Denn, wie jeder Ehrenmann - derweil er seinen Kindern aus dem wunderbaren Buch The Middle East zum Beispiel folgendes vorliest:

“Im Jahr 1967, nach dem “Sechstage-Krieg”, annektierte Israel das Westufer des Jordans, Ost-Jerusalem, den Gazastreifen, die Sinai-Wüste, und die Golanhöhen. Die Besatzung dieser Gebiete, entgegen aller internationalen Regeln führte zu einem gewalttätigen Widerstand, der die extremsten Palästinenser in den Terrorismus warf. [...] Die bewaffneten Gruppen der 1964 gegründeten PLO führten Widerstands- und Terroraktionen gegen den Besatzer.”

- schon vermutet hat, sind Vergewaltigungen, wie auch Nicht-Vergewaltigungen bloss zwei unterschiedliche Seiten derselben Medaille, die abscheulich nach Rassismus stinkt. Aber wer hätte schon ernsthaft daran gezweifelt, dass diese Zionisten keine ehrbaren Menschen sind, die sich bloss anständig verhalten:

“In the Israeli-Palestinian conflict, it can be seen that the lack of military rape merely strengthens the ethnic boundaries and clarifies the inter-ethnic differences - just as organized military rape would have done. [...] As Israelis/Jews, who view themselves as moral, the soldiers find it difficult to commit martial rapes. It seems that (in Bosnia) men identified themselves as Serbians through committing public group rapes of Bosnian women; Jews identify themselves as non-rapists, non-assimilationists, as a nation unique in the embrace of God. Rape and non-rape are two sides of the same coin, which in different situations the use of either one can lead to the same results.”

[Natürlich, es ist leicht nachvollziehbar, wie jemand auf die Idee kommt, eine Studie darüber zu schreiben, dass niedere politische Ziele hinter dem Fehlen von abscheulichen Taten stecken müssen. Jedenfalls wenn man ein unglaubliches Ausmass an Antizionismus und ein ganz kleines bisschen Paranoia voraussetzt. Manchmal wundere ich mich über die Absurditäten der heutigen Welt, dann erinnere ich mich daran, dass es schon zu allen Zeiten geistesschwache Wirrköpfe gab, doch das hebt meine Laune nur unmerklich.]

a mother in israel - The real reason Israeli soldiers don’t rape Palestinian women
arutz sheva - Heb. U. Paper Finds: IDF Has Political Motives for Not Raping
atlas shrugs - Lefty Israel Study-Why Jews Don’t Rape: They have an agenda!
band of brothers - Kinder an die Macht!
chesler chronicles - Refusing to Rape=Racism if you are an Israeli Soldier
fdog - Die Dialektik des Nicht-Vergewaltigens
israel satire laboratory - Sociologist Uncovers New Israeli Abomination: IDF Soldiers Not Raping Arab Women!




Benazir Bhutto ermordet

Die schlechten Zeichen mehren sich wie die fetten düsterschwarzen Wolken am Horizont. Sie nähren sich von der regenschwangeren Luft, die auf der schweissnassen Haut elektrostatisch prickelt.
Die Demokratie in Pakistan erreicht ihre finstersten Stunden, schwankt auf dem schmalen Grat, der die Nation noch vor der Diktatur trennt. Gewalt schwappt entfesselt in die breiten Gassen von Rawalpindi, drängt ins Freie und hin zur Theokratie.
Eine Welle der Solidarität brandet durch unsere Sphären, kaschiert die Sorge, die unseren Atem stocken lässt, und bedeckt die ernsten, tiefgründigen Stimmen mit einem Schleier aus Entsetzen. Doch dahinter wetzen Analytiker und Kritiker ihre Federn, warten, bis ihre Hirnwindungen genügend geschärft sind, um Stahl zu schneiden.
Erste Regentropfen fallen, dumpf lassen sie Fensterglas erzittern, gefolgt von ein paar fernen Donnerschlägen, die langsam in unser Leben grollen.

“a) the elections will most likely be cancelled or postponed, with a possible state of emergency returning.
b) an opposition leader was killed
c) She was a Bhutto, which is symbolic, especially in Sindh province.” ~

“How did humanity ever get to the point where suicide bombing became an “accepted” way of dealing with political strife?” ~

cnn - Benazir Bhutto assassinated
fdog - Attentat auf Benazir Bhutto - erste Einschätzung
nzz - Tod von Bhutto stellt Wahl in Pakistan in Frage
the story so far - Attentat auf Benazir Bhutto - erste Einschätzung

update:
der amerikanist - Sichert die Grenzen! Die Pakistaner kommen!
fdog - Pakistan - ein vorsichtiger Ausblick
zettels raum - Kennedy, Rabin. Jetzt Bhutto




leaves of grass

“and your very flesh shall be a great poem and have the richest fluency not only in its words but in the silent lines of its lips and face and between the lashes of your eyes and in every motion and joint of your body´s” - walt whitman




Markt statt Almosen

Weihnachten ist vorbei, satt, sabbernd und gierend sitzt man vor dem rieselnden Tannenbaum und starrt ins halbleere Glas, irgendwie wissend, dass die Dekadenz immer noch im Hinterkopf grummelt, obwohl sie gerade mit fettigen Truthahnscheiben, cremigem französischem Weichkäse und likörgefüllten Pralinen gefüttert wurde. Man möchte speien.
Nur… Das schlechte Gewissen und die eng gewordene Jeans lassen sich nicht mitsamt ein paar Kotzbröckchen die Toilette runter spülen.
So blättert der Finger schon präventiv durch das Scheckbuch, derweil die paar noch vorhandenen Hirnkrumen die Namen von Hilfsorganisationen wie ein Mantra vor sich her tragen.

Doch vielleicht, vielleicht würden wir besser den Nagel der Selbstgerechtigkeit aus unserem Fleisch reissen und jenen zuhören, die wissen, was Afrika braucht. Eleni Gabre-Madhin über die hohen Risiken, die äthiopische Bauern tragen müssen und Warenterminbörsen:

fdog - VIDEO: Mit Markt gegen Armut




abysmal I

Schöne Weihnachten, geniesst die paar arbeits- und blogfreien Tage…




Student’s Little Helper I

“If you could take a pill which enhanced attention and cognition with few side effects, would you?”


Vermutlich, ist jedoch stark abhängig von den Nebenwirkungen. Um eine solche Frage beantworten zu können, müsste ich die Nebenwirkungen kennen. Es gibt ein paar, die ich wohl in Kauf nehmen würde, und viele, die ich auf keinen Fall akzeptieren könnte. Doch Doping für mein Gehirn?
Klar, es wäre unfair, doch schlussendlich geht’s um das wertvollste, das ich besitze: Meinen Intellekt.

“How would you react if you knew your fellows were taking cognitive enhancers?”

Ich wäre erstaunt, obwohl es mich nicht überraschen dürfte. Brain drugs sind nichts allzu Neues, in Form von Kaffee sogar gang und gäbe.
Jedoch würde ich mich fragen, wieso meine Kollegen diese “cognitive enhancers” zu sich nehmen. Doch die möglichen Antworten sind ebenso vielfältig wie abgründig.

“How should society react?”

Die Gesellschaft sollte das Phänomen äusserst kritisch betrachten. Es bräuchte einen interdisziplinären Diskurs. Einerseits zwischen Wissenschaft und Ethik, andererseits auch auf der Achse Wirtschaft und Politik. Denn schlussendlich wäre dies ein zweites grundlegendes Tabu, das wir brechen würden. Unseren Körper verändern wir beinahe schon nach Belieben - vor einigen Jahrzehnten in diesem Ausmass noch unvorstellbar. Frisur, ja. Kleidung, ja. Doch das Fleisch an sich, niemals. Da wird, so denke ich, in naher Zukunft noch so einiges auf uns zu kommen. Vor allem dann, wenn die Biotechnologie ihren Durchbruch findet und man seine Gadgets implantiert und nicht in der Handtasche auf sich trägt. Mensch 2.0, sozusagen. Verschmelzung von Mensch und Maschine.
Mit Brain Drugs könnte die zweite Schwelle überschritten werden. Die Veränderung seines Geistes, mit Hilfe von Pharmazeutika, Biotechnologie… Seinen Verstand gezielt modellieren zu können. Ihn unabhängig vom Körper auf einem konstanten Hoch zu halten. Bei Bedarf die Konzentration schärfen zu können. Schlussendlich die Kontrolle über die eigenen Emotionen zu bekommen. Und so zur perfekten Selbstbeherrschung und -bestimmung zu finden. Doch um welchen Preis?

adventures in ethics and science - The ethics of performance enhancing drugs in academe.
nature - Professor’s little helper
pharyngula - Drugs for brains
retrospectacle - Cognitive Enhancers in Academic Doping




World Blog Forum, Grössenwahnsinn oder interne Revolution?

“The World Blog Forum is an independent international organization committed to improving the state of the blog by engaging Peoples in partnerships to shape global, regional and industry agendas.”

“Menschen, die bloggen, treffen sich und tauschen sich untereinander aus, stossen auf andere Menschen, die Dienste und Angebote unterhalten, welche wiederum für alle interessant sein könnten. [...] Es dient als Treffpunkt für Menschen, die aus den verschiedensten Gebieten stammen, sich aber gegenseitig unterstützen und von einander lernen und natürlich auch Geld verdienen können.”

Schön strukturlos klingt das. Besonders, da die Bloggertreffen wie Unkraut aus dem Boden spriessen. Doch das WBF will mehr, es will die Welt. Und zwar die Ganze. Das klingt überheblich, und der Ausgang ist ungewiss.

Dennoch ist die Idee, die dahinter steckt, viel versprechend. Die Blogosphäre international zu verknüpfen. Aus den bisherigen Kleinbloggersdörfchen ausbrechen und neue Bündnisse schaffen. Sharing knowledge & ideas, gewissermassen. Zu unserem gegenseitigen Nutzen.

Skepsis ist trotzdem angebracht, besonders um nicht jene Fehler zu wiederholen, an denen vergangene ähnliche Projekte grandios gescheitert sind.

[Ich werde später noch ausführlicher auf das Word Blog Forum eingehen, ich bin mir noch zu unschlüssig...]

besser gehts immer - Große Idee aus der Schweiz: World Blog Forum
bewerberblog - World Blog Forum
donrivas - Wer hats erfunden?
pascal witzig - Das Bloggen institutionalisiert sich
swiss metablog - World Blog Forum 2008 in Bern
unterneuntupfig - Weltforen zur Rettung der Welt
worldblogforum - Official Homepage
yoda.ch - Das erste World Blog Forum am 11. bis 13. Juli 2008 in Bern




Die Furcht vor dem perfekten Kind

Wer will dem kleinen, verkrüppelten Jungen erzählen - wenn er fragt, wieso er nicht mit den anderen Kindern im taunassen Gras herumtollen kann, wieso er Orion und das Kreuz des Südens nicht zu sehen vermag, wieso er nicht ist wie die andern Kinder, wieso er bloss mit diesem Defekt im Hirn geboren ist, der ihn zeitlebens nie Empathie und Liebe empfinden lassen wird - dass es war, weil man Genmanipulation für unethisch hielt, weil man nicht ins Werk Gottes reinpfuschen wollte, weil sich der Mensch nicht über die Natur erheben solle, obwohl man aus ihm mit ein paar simplen Eingriffen schon im Embryostadium einen 1A-08/15-Menschen hätte machen können?

Wer?




UN-Klimakonferenz (Weltklimakonferenz, COP-13 / COP/MOP-3) in Nusa Dua auf Bali

Bali, ach Bali, du öde Perle des südlichen Asiens…

Wie grotesk muss die Klimakonferenz auf einen unbescholtenen Bürger wirken. Beinahe zwei Wochen lang tagten Politiker, Abgeordnete und Klimawandelverhinderer aller Länder und Kulturen auf jenem kleinen Inselchen, um sich am Ende darauf zu einigen, dass man die Gespräche dereinst weiterführen wolle. Die strahlende Spitze des umweltpolitischen Lebens jettete kurz nach Bali, um mit harter Stimme für einen geringeren CO2-Ausstoss zu plädieren.
Aktionismus in allen Ehren, doch hier giesst man Öl in jenes Feuer, das man zu bekämpfen sich guten Gewissens vorgenommen hat. Ich bin mir auch durchaus bewusst, dass man dann und wann kurzfristig das Fegefeuer in Kauf nehmen muss, um längerfristig die Hölle zu verhindern. Bloss eins: Die Teilnehmer der Weltklimakonferenz sollten künftig auf ihre Zunge beissen, wenn ihre Kollegen aus Ministerien, Direktorien und Geschäftsleitung eine kleine Reise für dieses oder jenes Meeting unternehmen. Entweder das oder sie verlieren Schlag auf Fall jegliche Glaubwürdigkeit.

Ein leichtes Lächeln schleicht sich über meine Mundwinkel, wenn ich sehe, wie optimistisch Landesvertreter nach Bali reisten, mit welcher Zuversicht sie sich einer Klimaänderung entgegen stemmen. Der Zyniker in mir erkennt jedoch die Überheblichkeit der Klimaaktivisten. Es ist schon schwer genug, ein Klassenfest zu organisieren, wenn mir also jemand erklären könnte, wie man knapp zweihundert Nationen und ein paar Milliarden Menschen dazu bringen soll, den Ausstoss von “klimawirksamen Gasen” zu verringern, dann wäre ich ganz froh.

Nicht, dass man es nicht versuchen sollte, im Vorherein zu kapitulieren ist stets der falsche Weg, doch manchmal würde man Zeit und Geld besser in andere, leichter zu realisierende Vorhaben investieren.

gegenstimme - Die Diskussion ist keineswegs beendet
meinungsfreiheit.li - Tsunamiwarnung im Dezember für Bali