Dieser Blogblues wirft grosse Wellen, schon fast tsunamiartig grosse. Im Fährwasser der allgemeinen Unruhe schwappt die Kunde vom Ende des Maingold-Blogs mit. Entsetzen fällt nieder wie aschener Regen. Zynismus. Überheblichkeit gewiss auch. Doch vor allem wird die Blogosphäre immer noch nicht als Teil der Normalität wahrgenommen. So, als wäre sie kein Bestandteil des Daily Struggle, den manche redegewandter führen als andere, der jedoch Part eines jeden Lebens ist und der sich zumeist auf ein paar Grundtriebe reduzieren lässt.
| Was braucht man, um sich wichtig zu fühlen, wann fühlt man sich wichtig?
Sind es wieder einmal die Äusserlichkeiten, die unser Gewicht bestimmen?
Oder ist es so, dass wenn ich mich selbst, im Innern für wichtig halte, ich nicht im Aussen danach hinterher hächeln muss?
feel-better-blog.de - Wie wichtig bin ich denn?|
| ein vor Arroganz und Überheblichkeit nur so strotzender Beitrag von “Maingold” auf Blogbar veröffentlicht:
basic thinking blog - Ich bin besser, die anderen sind schlechter|
| Die so called Blogosphäre wimmelt von widerlichen, nichtssagenden Selbstdarstellern, nerdigen Sesselfurzern die außer ihrem langweiligen Blog nichts anderes haben, einer großen Menge Speichelleckern und Jubelpersern und den besonders widerlichen SEO und Linkhuren, mit welchen ich ganz einfach nicht mehr in einen Topf geworfen werden möchte.
Ich möchte nicht mehr dieser „Blogosphäre“ angehören und ich möchte kein Blogger mehr sein. Warum nicht? Weil ich mit den meisten Personen dieser Schublade im realen Leben noch nicht mal ein Bier trinken gehen würde. Weil wir keine Gemeinsamkeiten haben, weil ich viele von ihnen abgrundtief zu hassen gelernt habe.
blogbar - Maingold sagt:|
| Seit ich Anfang des Jahres ein Monat in Italien war, mache ich das sehr gelassen und joval. Nach dem Monat, wo ich all das kaum sah, merkte ich erst, wie unsagbar piefig das alles ist. Das gesammelte Geflenne in Karlsruhe des gemsichten Männerchores aus Schultheis, Turi, Winkel und seinem kleinen Helferlein, weil ich ja so gemein bin, und ihre Show danach, der Frust bei Turi, das Gezappel von Winkel, der einer Frau in den Auschnitt gaffen kann, und die kleinliche Werberechnerei von Schultheis haben dann auch trefflich dafür gesorgt, dass ich die Tage danach aus dem inneren Lachen nicht mehr rausgekommen bin. Helden des Blogkommerzes. Ganz klein. Ich muss mal in meine Münzschublade schauen, wieviele dieser dollen Leute ich mir fürs Wechselgeld kaufen könnte.
blogbar - Maingold sagt:|
| Och nee, ne? Und was ist jetzt mit Elsa?
jeriko - What the f***!?|
| Wir kennen uns und haben mehr als ein Bier getrunken. Der Text da oben gilt ja nicht nur für Blogs, den kann man auch gleich auf die ganze Gesellschaft beziehen. Ersetze Blogger durch Mensch, funktioniert auch. Als Mensch wäre die Konsequenz Eremitentum, muss ich nicht haben.
Wichser gibt es überall, ich hab da nen ganz ordentlichen Ignore-Modus.
nerdcore - I hate you now - Marius über das Ende von Maingold.|
| Dabei ist mir klar geworden: Der Beitrag von Maingold ist zwar sachlich korrekt, aber das was er kritisiert, ist Nebenwirkung der Demokratisierung öffentlicher Meinungsbildung. Und wer diese Nebenwirkungen kritisiert, stellt die Meinungsbildungs-Demokratie insgesamt in Frage. Das wiederum kann ich nicht unterstützen.
am ende des tages - “Maingold” geht in den Untergrund|
| Dramatisch? Auf den ersten Blick vielleicht - aber im Grunde genommen nur eine Wiederholung des Tenors, den man schon unter vergleichbaren Umständen sowohl im virtuellen als auch realen Leben gehört und gelesen hat: zum Abschied wird noch einmal richtig auf die Kacke gehauen. Ob dies als finale Aufmerksamkeitsbeschaffung oder rein im Sinne von “jetzt habe ich nichts mehr zu verlieren” gewertet wird, überlasse ich jedem selbst.
Maingold greift zu großen und harten Worten; von Speichelleckern, Jubelpersern und Linkhuren ist die Rede, allesamt Bestandteile eines großen Deppenpools, mit dem er nichts (mehr) zu tun haben will. Ein großes, schwarzes, stinkendes und triefendes Gemälde, mittendrin ein einziger leuchtender Punkt, mit krakeliger Schrift als “Ich” ausgewiesen.
bangers welt - Finaler Rundumschlag|
Krise?
Nee, nur das ganz gewöhnliche Geplänkel zwischen Leuten, die sich hin und wieder nicht riechen können.
Ich sag’ ja: Alltag.
Heimat, der wohl umstrittenste Begriff seit der Gotteslästerung. Er verbindet die Geborgenheit mit dem Patriotismus und lässt den Bürger hilflos bis chauvinistisch zurück.
Roman Hanhart ruft rechtzeitig zum einbrechenden Herbst eine Blogparade zum Thema Heimat aus.
Zentral stellt er folgende Fragen:
* Was bedeutet Heimat für Dich?
* Wie erlebst Du sie?
* Worin oder womit manifestiert sie sich?
* Wann fühlst Du Dich daheim?
* Welche Werte verbindest Du mit Heimat?
Ich schätze zwar, dass ich zu jung bin, um irgendwo Wurzeln geschlagen zu haben, doch die Fragen möchte ich nur ungern unbewantwortet lassen:
Kurz gesagt, fühle ich mich dort daheim, wo ich mich geborgen, aufgenommen, vollkommen akzeptiert bin.
Ich lege keinen grossen Wert auf eine geographische Heimat, auch nicht auf die soziale Herkunft. Viel wichtiger ist für mich die westliche, schweizerische Kultur, in der ich aufgewachsen bin. Es vermittelt mir Sicherheit, wenn sich die Leute so verhalten, wie ich es gewohnt bin. Mit denen kann ich so reden, wie mir die Schnauze gewachsen ist. Ich brauche mich auf nichts Neues einzulassen, muss mich nicht anpassen oder überwinden, eine andere Kultur zu verstehen.
Gewiss bedeutet Heimat für mich auch, immer wieder an denselben Ort zurückzukehren. Das vertraute Heim, das Bett, das man kennt, die Gasse mit dem knorrigen alten Baum an der Ecke. Doch was wäre Heimat ohne die Leute, die einem an engsten stehen?
Nichts. Ein trostloser Hort verblassender Erinnerungen.
Deshalb sage ich ja: Daheim bin ich, wenn ich mit Leuten zusammen sein kann, die ich kenne, die so sind wie ich. Ich könnte eines Abends eine hübsche junge Lady kennen lernen und die Nacht bei ihr auf der Couch verbringen und würde mich genauso geborgen, genauso heimisch fühlen wie in meinem Elternhaus.
Heimat begreife ich nicht als nationalistische Angelegenheit. Für mich ist Heimat ein Gefühl, das ich mit gewissen Dingen verbinde, die mir Verlässlichkeit garantieren. In dieser Welt der extrem schnellen Veränderung, der Umwälzungen und der Unsicherheiten ist Heimat jener gefühlsmässige Ort, an den ich mich zurückziehen kann, wenn mir all dies über den Kopf wächst.
| Marnem glaubt es liegt am Überfluss der Blogs. Der Feedreader wird nicht zur Informationsquelle sondern zu einer Riesensau die viel zu viel umfasst. Das ist eine Frage der Organisation. Mann muss sich trennen können. Ich nehme immer noch Neue auf, werfe aber auch Alte hinaus, wenn sie nicht das bringen, was ich suche. Zweckorientiert und kaltschnäuzig. Trotzdem bleibt ein wenig Spaß.
duckhome - Herbst in Klein-Bloggersdorf|
| Nach den wilden Sturm- und Drangjahren, die eigentlich viel zu kurz ausfielen, hat für viele schon die Desillusionierung des Alltags begonnen. Enttäuschungen pflasterten unseren Weg, womit wir wieder bei Authentizität wären. Blogger voll wunderbarer Geschichten stellten sich als Gaukler und Märchenerzähler heraus, die Robin Hoods des Blogwood Forest ließen sich nach kurzer Balgerei relativ schmerzfrei vom Sheriff von Nottingham nach Hause einladen und machten zusammen ne lustige Roadshow und bastelten am Vermarktungskonzept. Die eifrigen Mitmach-Gurus der vergangenen Tage kommen vor lauter Mitmach-Dingenskirchen zu allem - nur nicht mehr zum Mitmachen und drehen sich vor allem meist nur noch um sich selbst und ihre eigenen Sinnfragen und Richtungsdiskussionen. Kommentare bei anderen sind dann schon die Ausnahme, die klassischen Themenübernahmen von anderen Blogs, das suchen nach dem Puls der Zeit läuft nur noch in den eigenen Zirkeln, meist nur im eigenen Kopf. - Aber sind deswegen die anderen schuld? Bewahre! Enttäuschung kommt von “Ende einer Täuschung” und das ist nicht immer in den anderen begründet. Man selbst hat sie bisweilen dazu gemacht, idealisiert, ikonisiert. Die Täuschung eine Frage der eigenen Wahrnehmung, das Ende davon ein heilsamer Prozeß.
endl - Kein Blogblues|
| Zudem bin ich eh der Meinung, dass die Menschheit immer stärker Netzpräsenz zeigen wird. Also besiedle ich dieses Land und fühle mich wie eine Art früher Pionier. Der das neue Land beackert und für die nachfolgenden Generationen vorbereitet. Schöne Vorstellung. Mit dieser langfristigen Vision lebt es sich prima für eine lange Zeit, unabhängig davon, ob man nun mal weniger mal mehr Lust drauf haben wird.
basic thinking blog - Blog Depri?|
| Abgesehen davon ist manchmal wirklich sowas wie Endzeitstimmung zu spüren. Für mich ist das absolut unverständlich, denn meine Auffassung vo Bloggen bedeutet: Erzählen. Erzählen ist ein bombensicheres Kommunikationsmodell, es ist simpel und effektiv wie das Blog als Instrument, da hat eine Ausdrucksform das ideale Ausdrucksmittel gefunden, und damit läuft die Sache. Solange man sich nicht von “den anderen” definieren lässt, oder denen, die andere Ziele verfolgen, den Spass verderben lässt. Das an und für sich gute Vernetzen kann schnell zu einer Spassbremse werden, weil damit plötzlich Gestalten auftauchen, denen man keinesfalls vorgestellt werden möchte, aber niemanden kann einen zwingen, dergleichen in seiner Umgebung zu dulden.
blogbar - Die Chimäre des Blogblues|
| Ich habe eine andere Theorie. Zum einen kommt, wie bereits erwähnt, gerade die Zeit der Herbstdepressionen, die einem manchmal einfach die Lust an dem nehmen kann, was man üblicherweise so tut.
Zum anderen kollabieren manche Mechanismen der Blogosphäre unter dem Gewicht eben dieser. Durch das stetige Wachstum an Blogs nimmt die Möglichkeit den Überblick zu behalten ab. Von Tag zu Tag steigt die Zahl der Blogs, die man nicht im Feedreader hat und darum verpasst, was dort passiert. Zwar kann man einiges dadurch abfangen, dass man Artikel nicht mehr liest, sondern nur noch überfliegt, immer mehr Feeds in der Reader packt und noch mehr Zeit in die Blogosphäre investiert, zugleich nimmt damit aber die Möglichkeit ab, sein eigene Artikel zu Schreiben. Artikel zu Schreiben kostet immer Kraft und genauso das Lesen von Blogs, somit konkurrieren diese beiden Tätigkeiten und man muss sich der Erkenntnis hingeben, nicht beides Tun zu können.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das deprimiert.
, marnems sicht der dinge - Herbststimmung in der Blogosphäre?|
Ein Mash-Up. Ein Thema, das vor einigen Monate, als sich das Sommerloch klaffend öffnete, schon einmal im Gespräch war. Und dann mitten in der sengenden Sommerhitze noch einmal. In leicht abgewandelter Form. Macht euch nichts draus, ich mag mich jetzt nich dazu äussern. Weder spüre ich den Blogblues, noch mag ich darüber sprechen, dass andere ihn haben oder eben nicht. Meine gedrückte Stimmung rührt von anderen Dingen her, die mehr oder weniger bloss mich und eine andere Person anbelangen. Vielleicht noch eine dritte. Oder eine vierte. Je nach dem.
Wollte eigentlich auch nur euch ein paar Links zur Verfügung stellen, und für mich eine kleine Sammlung kreieren, auf die ich beizeiten zurück greifen kann. Falls der Blogblues mich doch noch erwischt. Nein, stimmt nicht, er wird mich erwischen, die Frage ist nur, wann.
Bis dahin: Kaffee mit viel Zucker und ein paar Karamell-Stückchen dazu hilft gegen vieles.
Der katholischen Kirche reicht es offenbar nicht, dass sie mit der Popetown-Affäre ganz gewaltig aufs Dach bekommen haben. Nein, nun wollen sie auch noch Nachschlag, wieder von MTV und dem liberalen, für die Freiheit einstehenden Teil unserer Gesellschaft.
MTV, ganz die lebensfrohe Kultur-, Kommerz- und Musikgesellschaft, die es ist, will am 1. November in München die MTV Europe Music Awards verleihen. Dumm nur, dass am gleichen Tag Allerheiligen ist und das Erzbistum ganz gewaltig etwas dagegen hat. Verständlich, an einem der wichtigsten Tage des Katholizismus eine solch liederliche Party zu schmeissen, ist zutiefst verwerflich.
Schön zu wissen, dass der Vatikan das Wort Fortschritt aus den heiligen Gemächern gestrichen hat und sich nun mit ganz platonischer Leidenschaft dem Rückschritt hingibt. Vielleicht sollte jedoch mal jemand den Leuten dort sagen, dass Westeuropa schon längst eine mehr oder weniger konsequente Trennung von Staat und Kirche durchgesetzt hat und unsere Kultur stark auf liberalen Werten basiert, die wenigstens teilweise in der Aufklärung entstanden sind.
sueddeutsche: Kirche will MTV stoppen
Wer von euch könnte mir auf den Anhieb sagen, was Wissenschaftlichkeit bedeutet?
Theorie?
Hypothese?
Falsifizierbarkeit?
Ich denke alle - und damit gehört ihr einem exklusiven Zirkel an, ihr sei gewissermassen eine Elite. Denn eins ist gewiss: Dort draussen gibt es Hunderte Millionen, die nicht vollbringen können, was für euch eine Leichtigkeit ist.
Gerade wegen der Bequemlichkeit vieler Menschen - oder auch schlicht, weil sich die meisten davor zurückschrecken, als Atheist zu enden, was durchaus ein schwerer Schicksalsschlag ist, darf man denn nichts mehr hoffen und muss sich mit der grauen Tristesse des Alltags zufrieden geben - reiten esoterische Praktiken, sektiererische Kreuzzügler und obskure Untergangspropheten auf der Pseudowissenschaftlichkeit.
Denn was schmeckt wie Wissenschaft, kann ja nur die Wahrheit sein. Zumal die Pseudowissenschaften viel gnädiger sind und sich wunderbar ins eigene Weltbild einfügen. Denn all die Wissenschaftler, die zu gegenteiligen Schlüssen gekommen sind, sind eh alle vom bösartigen Kapitalismus gekauft und sehen nicht weiter als bis zu ihrer eigenen Nasenspitze.
Ich erlaubte mir, tief durchzuatmen, als ich die Kunde eines neuen Blogs vernahm, der sich dem Kampf gegen Para- und Pseudowissenschaften verschreibt. Sehr lobenswert. Und gleich mit dem dritten Post räumt die Gesellschaft für kritisches Denken mit Gratisblättchen-Studien auf, die den Beweis für den Einfluss der Gestirne auf unser Leben erbracht haben wollten.
Ich weiss nicht, was ich erwartet hatte, als ich diese Tage nach Hause gekommen war, mich nach einer Tasse Kaffe und einer Pfeffernuss umschauend und den PC hochgefahren hatte.
Wohl wollte ich bloss Ablenkung, ein bisschen durch deviantart surfen, einen Messenger überbeanspruchen und vergessen. Die Welt dort draussen. Die Schule. Vermutlich hätte mir zu jenem Zeitpunkt ein Gläschen Whisky gut getan, um die nebeltrunkene Sehnsucht zu betäuben, die an mir nagte, und immer noch tief in meinen Hirnwindungen schlummert.
Umso mehr freute ich mich dann, als ich den Feedreader öffnete und dann über irgendeinen Blogpost auf das Interview des Spiegels mit Darwins Rottweiler, Herr Clinton Richard Dawkins himself, fiel. Der Tag war gerettet. Dawkins Ruf als eloquenter Render, der mit einem messerscharfen Verstand gesegnet ist und im Gegensatz zu vielen Europäern keiner Wissenschaftsfeindlichkeit erlegen ist, überzeugten mich, das Interview ohne Umschweife zu lesen.
Drei Seiten später war ich enttäuscht, dass das Interview schon zu Ende ist. Eine tiefe Zufriedenheit machte sich nun in meinen Gedärmen breit. Gepaart mit dem hübschen Gedanken, dass Vernunft doch noch nicht gestorben ist. Bloss ein Lammfilet im Teig hätte den Abend noch schöner machen können, und… na ja, ihr wisst schon…
“SPIEGEL: Mindestens fünf weitere Autoren haben in der letzten Zeit Streitschriften gegen die Religion verfasst. Wie viel, glauben Sie, lässt sich damit bewirken?
Dawkins: Die Atheisten waren viel zu lange nett. Jetzt erheben wir die Stimme - und siehe da, unsere Bücher sind gewaltige Bestseller. Mein Buch hat sich jetzt schon, als Hardcover, mehr als eine Million Mal verkauft …
SPIEGEL: …vielleicht haben es manche nur gekauft, um es zu verbrennen.
Dawkins (lacht): Meinetwegen. Ich sehe natürlich, dass ich wahrscheinlich vor allem meiner Gemeinde predige. Aber ich sehe auch, dass diese Gemeinde viel größer ist, als alle dachten. Selbst wenn es nicht gelingt, die Gläubigen von ihrem Glauben abzubringen, bewegen wir vielleicht Leute dazu, von verstecktem zu unverblümtem Atheismus zu konvertieren.
SPIEGEL: Sehen Sie sich als Heerführer im Kampf gegen die Religion?
Dawkins: Können Sie sich das vorstellen? Ich als Anführer?
SPIEGEL: Vielleicht nicht der diplomatischste, aber immerhin gemäß Ihrem Spitznamen: “Darwins Rottweiler”?
Dawkins: Rottweiler sind sehr charmante, süße Hunde.
SPIEGEL: Mr Dawkins, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.”
spiegel: Ein Gott der Angst
wikipedia.com: Dawkins
Gerade die radikale Linke ist es, die sich entsetzt und Zornesflücke ausstösst, wenn eine Geselle aus den eigenen Reihen mit seinem Weltbild nicht kreuzfahren darf. Umso vehementer knüppeln sie unliebige Meinungen nieder und stempeln Weltbilder als Verbrechen ab.
Nun muss man sich jedoch darüber im Klaren sein, dass Weltbilder und Meinungen das ureigenste Gut einer jeder Person sind und die Freiheit der Gedanken gestutzt wird, wenn gewisse Ansichten für illegal erklärt werden.
Dass man sich nicht öffentlich zu jeder Ideologie bekennen darf und dass es keineswegs im Sinne einer freien Gesellschaft sein kann, wenn Hetzpropaganda betrieben werden darf, ist mir absolut verständlich und mitunter auch ein Grund, wieso ich aufhorche, wenn in Reden krasse Verallgemeinerungen geäussert werden (Egal, ob der Islam als Brutstätte für Terroristen oder die SVP als faschistoid beitelt wird.).
Genauso sehr wie man in der Öffentlichkeit auf seine Worte achten muss und soll, dürfte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass man im Privaten Raum selbst die abstrusesten und menschenverachtendsten Gedanken äussern kann. Stets begleitet vom Risiko, dass man belächelt wird oder sich verhasst macht.
Ein Unter-Strafe-Stellen von gewissen Gedankengängen oder auch nur die allgemeine Inakzeptanz von unbedarften Äusserungen im vetrauten Kreis, käme der Einführung der aus der DDR bekannten Inoffîziellen Mitarbeitern gleich. Denn zwischen verfassungsfeindlichen Aktivitäten und tagträumerisch ausgesprochenen Gedanken, besteht doch ein recht grosser Unterschied. Auch wenn einer mal im vollen Ernst meint, den Rechtsstaat beerdigen und ein monarchistisches Reich aufbauen zu müssen.
bissige liberale: Meinung… Verbrechen… Pfft
Tote Zeilen schwingen in der Leere meines Schädels hin und her wie einsame Strings, gebeutelt von einem stellaren Impakt und einer Hand voll Gammastrahlen.
Obiger Satz ist als Kontrapunkt zu religiöser Verblendung und esoterischem Wahnwitz zu verstehen. Er ist zwar genauso wirr, will jedoch bloss gut klingen und greift nicht nach der Totalität.
Gläubige zu verstehen, will ich mir nicht anmassen, umso härter treffen mich derart wissenschaftsfeindliche Aussagen wie:
“Immerhin redet man weiterhin von EvolutionsTHEORIE, da viele Punkte in dieser Theorie alles andere als Bewiesen sind, man nimmt es z.B. an, dass der Mensch vom Affen abstammt aufgrund diverser Indizien, aber belegen konnte man das bisher nicht. Ist also in diversen Punkten eine Art Ersatzreligion, mit “wissenschaftlichen” Mäntelchen.”
Zugegeben, der zitierte Satz löst bei mir aufgrund der tiefen Unwissenheit, die in ihm steckt, vor allem erschütternde Traurigkeit aus. Nebst einem kleinen Lächeln ob der Überraschung, dass es immer noch Leute gibt, die unter der Knute eines Irrglaubens ihrem Dasein fristen müssen. Dennoch steht obiges Zitat exemplarisch für die heutige Gesellschaft, die einer Abkehr einer nie dagewesenen Säkularität frönt.
Nur die Besorgnis um meine geistige Gesundheit hat mich bisher davon abgehalten, darüber nachzudenken, was geschehen würde, wenn an unseren Schulen tatsächlich Intelligent Design als Alternative zur Evolutionstheorie gelehrt werden würde.
arlesheim reloaded: Wenn aus Gott ein intelligenter Designer wird
eugen sorg: Gott ist nicht tot
wikipedia: Theorie
Einerseits ist es für einen Menschen unmöglich, eine Sache objektiv wahrzunehmen, da alles, was wir sehen, spüren etc. durch die Sinne, den Verstand und die Emotion gefiltert wird. Andererseits wird der Einzelne sehr schnell unglaubwürdig, wenn er es mit der selektiven Wahrnehmung übertreibt und dur dasjenige sieht, das in sein Weltbild passt.
Gerade als Blogger ist man immer in einem Zwiespalt zwischen der eigenen Subjektivität und dem Anspruch auf Gültigkeit der eigenen Aussagen. Sind Blogger mit Blindheit geschlagen, so sind es auch Medienschaffende aller anderen Sparten.
Mit der Gefahr der selektiven Wahrnehmung wird man spielend fertig, wenn man entweder bloss über persönliche Angelegenheiten spricht, mit jedem Post ein Schwall Gefühle, Eindrücke und Kommentare in das Netz entlädt, oder aber, wenn man sich als Tech-Blogger betätigt und nur Meldungen über neue Software oder Gadgets weitergibt. Im ersten Fall macht gerade die radikale Subjektivität, resp. die Wucht der festgehaltenen Gefühle den Blog interessant, im zweiten Fall braucht man lediglich die offizielle Pressemeldungen zu durchstöbern, um Posts verfassen zu können, die im Vergleich zu Spekulationen über einen iPod für Blinde, Gültigkeit haben.
In meinem Metier, der Auseinandersetzung mit der Politik, der Gesellschaft und den Medien, ist die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge ungleich diffuser und die Realität besteht zumeist aus einer fleckigen, pissgelben Grauzone. Weil Politik in Ideologien wurzelt, die Gesellschaft trunken von Voreingenommenheit und Unwissen ist und die Medien Aussagen verdrehen und mit Vorurteilen um sich werfen, wird das Schreiben eines Artikels dann und wann zu einer grässlichen Tortur, die sich mit Fanfaren in deine Augen bohrt. Jedes Mal, wenn ich dann auf den ”Veröffentlichen”-Button klicke, habe ich eine neue Version der Realität in die Welt gesetzt, die zwar nicht wahrer ist, als die Stories der anderen Blogger, mir jedoch das Gefühl gibt, sie sei es.
pr blogger: Die selektive Wahrnehmung der Blogger
silberflieder//fragmente: selektive wahrnehmung
Blogwatch bietet ein Feature, das einerseits grosse Zukunft haben könnte, andererseits sehr viel Arbeit kostet: Blogs vorzustellen und sie zu bewerten. Sein Blog anmelden, kann jeder, der die Musse dazu hat.
Die drei Journalisten, Peter Roskothen, Markus Larkovirta und Peter Wilhelm, stecken hinter dem Projekt und bewerten jedes Blog nach so subjektiven wie verständlichen Kriterien. Das heisst, nach persönlichen Vorlieben, dem ersten Eindruck und einer Hand voll Objektivität und journalistischen Standards.
Die ganze Blogosphäre so zu kartieren, wäre ein Ding der Unmöglichkeit, dass Blogwatch einen Anfang wagt, finde ich einen mutigen und wichtigen Schritt nach vorn.
Abgesehen davon, dass Blogwatch quasi eine kommentierte Blogroll darstellt, und ich die Anonymität von herkömmlichen Blogrolls nicht allzu sehr schätze. Jeder Klick ist da normalerweise ein Sprung ins Ungewisse, bei Blogwatch hingegen hat man die volle Kontrolle darüber, welches Blog mit welchen thematischen Schwerpunkten man sich als nächstes reinziehen will.
blogwatch: Homepage
blogwatch: Weblog vorschlagen?