Monatsarchiv für August 2007



Saudi Arabian Airlines: Verbot von religiösen Gegenständen an Bord

An Bord der Saudi Arabian Airlines sind alle religiösen Gegenstädne verboten, ausgenommen die, die zum Islam gehören. Im wortlaut auf ihrem offiziellen Webauftritt:

“A number of items are not allowed to be brought into the Kingdom due to religious reasons and local regulations. These include alcoholic beverages, pork and pork products, prohibited drugs and narcotics, firearms, explosives, edged weapons and pornographic materials.

Items and articles belonging to religions other than Islam are also prohibited. These may include Bibles, crucifixes, statues, carvings, items with religious symbols such as the Star of David, and others.”

Wo ich bereits beim Verbot von Schweinefleisch an die Grenzen meiner Toleranz gerate, obwohl ich ja generell dagegen bin, dass man als Privatperson Nahrungsmittel anderswo hin transportiert, als vom Supermarkt nach Hause, muss ich beim Verbot von religiösen Gegenständen oder Symbolen sagen: So geht das nicht.

Und zwar nicht, weil ich von diesem Verbot betroffen wäre. Dies wiederum nicht, weil ich nicht nach Saudi Arabien möchte, sondern weil ich nie religiöse Dinge mit mir herum schleppe.
Das Verbot widerspricht natürlich jeglicher Religionsfreiheit. Und dies ist nicht akzeptabel. Würde das Verbot zudem mit aller Strenge durchgesetzt, so wäre manches junge Mädel überrascht, das nichts ahnend ein winziges Kreuzchen an einem feinen Kettchen trägt (und ohne damit irgendwelche Religiosität äussern zu wollen, zumal viele Kreuze tragen ohne sich überhaupt je Gedanken über die metaphysischen Konzepte des Christentums gemacht oder gar einmal gebetet zu haben.) ein Flugzeug eben jener Fluggesellschatf betritt.

Für einmal darf ich sogar der PI recht geben, wenn diese fragt:

“Wo seid ihr, Athen, Frankfurt, Genf, Houston, London, Madrid, Málaga, Manchester, Mailand, München, New York, Nizza, Osaka, Paris, Prag, Rom, Wien und Washington D.C.?”

politically incorrect: Saudia: Bibeln, Kruzifixe und Davidstern verboten
saudi arabian airlines: Offizielle Website




Rechtsextremismus gleich zu stellen mit Ausländerfeindlichkeit?

Gotthard Deuse glänzt in den letzten Tagen mit einem akuten Fall von Realitätsverlust.

Sagte Mügelns Bürgermeister doch zuerst, die Hetzjagd, bei der um die fünfzig Männer acht Inder angegriffen, denen ganze zwei Polizisten zu Hilfe gekommen waren, sei bloss ausländerfeindlich motiviert, jedoch nicht rechtsextrem.
Dann erzählte er entrüstet weiter, in seiner Stadt gäbe es keine Rechtsextremen. Er kenne die Jugendlichen und jungen Männer seiner Stadt. Die seien nicht so.
Nun, Mügeln hat kannpe fünftausend Einwohner. Von der Einwohnerzahl also vergleichbar mit der Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin und immer noch lebe. Meiner Kenntnis nach muss man jemanden schon sehr gut kennen, um fest zu stellen können, ob sich in seine rechte Haltung Extremismus mischt. Rechtsextremismus ist eine sehr verschwiegene fundamentalistische Strömung. Ausgenommen eben jene berüchtigten Gewaltexzesse. Im Alltag jedoch verhalten sie sich nicht sehr anders als zum Beispiel Linke. Somit kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Herr Deuse auch nur irgendwas davon mitbekommen hätte, wenn einer von Mügelns Jungbürgern fundamentalistisches Gedankengut in sich getragen hätte. Auch ist es nicht anzunehmen, dass Mügeln wie eine Insel in Ostdeutschland thronen würde, frei von all den Rechtsextremen, die die umliegenden Städte, Gemeinden und Dörfer heimsuchen.

Eine andere Frage stellte sich mir jedoch, als ich zum ersten Mal von der Tat erfuhr:

Wo liegt der exakte Unterschied zwischen einer Abneigung gegen Osteuropäer, Ausländerfeindlichkeit und Rechsextremismus?

Wenn man die Wikipedia befragt, so ist der Unterschied schnell gefunden:

“Die Xenophobie (griechisch ξενοφοβία – Fremdenangst, Fremdenfeindlichkeit, Kompositum aus ξένος, xénos − der „Fremde“, der „Gast“ und φόβος, phóbos − „Furcht“, „Angst“, „Schrecken“) bezeichnet die Scheu oder Furcht vor dem Fremden. Xenophobie ist eine ablehnende Einstellung und Verhaltensweise gegenüber anderen Menschen und Gruppen, die vermeintlich oder real fremd sind (z. B. durch fremde Herkunft, Kultur, Sprache oder Religion). Sie kann sich durch Furcht, Meidung, Geringschätzung, Spott oder Feindseligkeit ausdrücken, die bis hin zur Gewalt reicht. Teilweise wird der „Fremde“ als Quelle unvorhersehbarer Gefahren gescheut.”

und:

“Rechtsextremismus ist eine Sammelbezeichnung für politische Orientierungen, Ideologien und Aktivitäten, die den demokratischen Verfassungsstaat ablehnen und durch eine autoritär geführte „Volksgemeinschaft“ ersetzen wollen. Dabei wird von einem vermeintlich naturgemäßen „Volkstum“ ausgegangen oder die Existenz von Rassen behauptet, um andere Menschengruppen abzuwerten und auszugrenzen.

Rechtsextremisten glauben an eine naturgegebene ethnische und/oder rassische Ungleichheit der Menschen, die meist mit einer Überhöhung der eigenen Nation gegenüber anderen Nationen einhergeht. Ethnische, kulturelle, geistige und körperliche Unterschiede begründen für sie einen minderen Wert und Rechtsstatus bestimmter Individuen und Gruppen.

Jede Spielart von Rechtsextremismus lehnt daher das an den universalen Menschenrechten orientierte Gleichheitsprinzip ab. Dies unterscheidet ihn von allen an der liberalen Demokratie orientierten Politikkonzepten wie auch vom Linksextremismus.”

Doch ganz so einfach ist es leider nicht. Es gibt dutzende von Mischformen und Spielarten. Dennoch ist eine Unterscheidung zwingend nötig, denn wo Xenophobie noch verständlich ist, muss Rechtsextremismus zwingend polizeilich und juristisch verfolgt werden.
Eine öffentliche Diskussion wäre nötig, gerade auch wegen der momentan sehr aktuellen Diskussion über Islam, resp. Islamismus, die teils von rechtsradikalem Gedankengut durchzogen ist, teils von naiver Xenophilie.
Doch eine sachliche Diskussion ist schwer möglich, Vorurteile und dogamtische Weltanschauungen verunmöglichen sie nur allzu häufig.

classless kulla: Der kleine Volksaufstand von Mügeln
duckhome: Wir habe keine Nazis
f.a.z.: Mügeln und der Mob
schieflage: Mob in Mügeln: Was hat die Presse nun rausbekommen?
spiegel online: Hetzjagd in Mügeln: Zentralrat fürchtet um Sicherheit von Homosexuellen und Juden
wikipedia: Mügeln
wikipedia: Rechtsextremismus
wikipedia: Xenophilie
wikipedia: Xenophobie




Warum Gentrifikation so schlimm ist

Zwei deutsche Soziologen.

Sie besuchten Bibliotheken, zuerst solche aus Ziegeln und Holz, dann virtuelle. Wikipedia vielleicht. Durch Google fanden sie auch einiges. Der eine benutzte in seinen akademischen Veröffentlichungen Worte wie Ungleichheit oder Gentrifizierung. Die beiden Soziologen trafen sich auch mit deutschen Aktivisten und liessen ihre Mobiltelefone während dieser Zeit zu Hause.

Seit Beginn des Monats befinden sich Dr. Matthias B. und Dr. Andrej H. in Untersuchungshaft.
Aufgrund ihrer obengenannten ‘verdächtigen’ Aktivitäten.

Dass hier etwas nicht stimmen kann, zu diesem Schluss kommt auch die US-amerikanische Soziologin Saskia Sassen, die an der Columbia University lehrt und ihr britischer Berufskollege Richard Sennett von der London School of Economics.

taz: Im Namen der Terrorbekämpfung werden unsere Kollegen verfolgt: Das Verbrechen der Soziologie: Kommentar von Saskia Sassen und Richard Sennett
via side effects: Im Namen der Terrorbekämpfung
auch duckhome: Gentrifikation
dazu die wikipedia: Gentrifizierung
des weiteren: politblog.net “Gentrifikation” - Wissenschaft oder terroristischer Geheimcode?
taz: Kommissar Google jagt Terroristen




Ein Wort gesprochen.

Unabhängig von den anderen Diskussionen über Content und Blogging und Verbände und derartiges:

Ein Statement.

Ich fühle mich immer noch neu in der Blogwelt, wenngleich ich schon Unmengen an Posts und Comments gelesen habe. Und manchmal, da fühle ich mich noch viel zu jung, um hier teilzunehmen. Ich sollte mir eigentlich keine Gedanken über Traffic machen, nicht darüber, wie ich etwas an Bekanntheit und Einfluss gewinnen könnte, auch nicht darüber, ob dieser oder jene Post jetzt wirklich nötig ist. Mit achtzehn sollte man sich nicht darum bemühen müssen, nicht in Dogmas zu verfallen und zuletzt sollte man als ‘Kind’ sich nicht wieder jeden Tag fragen, ob die eigene Meinung denn die richtige ist, oder ob nicht doch jemand anders mit seinen Gedankengängen der Realität, resp. der bestmöglich Lösung für ein Problem näher kommt als man selbst.
Doch dann wieder kann ich mich nicht einfach mit einer Schüssel Popcorn vor die Kiste hocken und mir halt das reinziehen, was grad läuft. Sorry, geht nicht. Ich müsste mich verleugnen.

Doch was hat das alles noch mit Content zu tun?

Nun, es gibt einige tiefgründige Blogs/Posts dort draussen. Und einige Blogger die eine Auffassung von der Welt haben, die ich bei vielen vermisse. Und es gibt auch die, welche sich gegen das Versinken der Wirklichkeit in einem Tümpel Dogmen wehren.
Solche Blogs sind es, die mehr Macht haben sollten. Medial. Gesellschaftlich. Politisch.
(Das vermisse ich in der heutigen Welt, der Fokus auf die Realität, unabhängig von Parteiprogrammen und Verblendung. Mich kann man wohl nicht unbedingt Menschenfreund nennen, wenn ich verlange, das Volk sollte sich zurückbesinnen auf das, was Politik meiner Auffassugn nach sein sollte: ein Prozess, der sich darauf konzentriert aus hundert möglichen Wegen den für die Gesamtheit besten auszuwählen. Vermutlich möchte ich einfach nicht in einer Welt leben, in der die Wissenschaften an Boden verlieren und in der vergessen gegangen ist, dass es weder Gut noch Böse gibt, sondern nur die leere, kalte Welt.)
Und wenn ich bei der Bündelung dieser weit verstreuten Einzelkämpfer helfen kann, resp. sie zuerst in diesem Pulk Faulschädliger auffinden kann, dann bin ich eigentlich ganz zufrieden. Dann kann ich ganz ruhig auch jeden Abend zum Kühlschrank pilgern, Eiswürfel und Zitrone in eine frostige Coke packen und eine gediegene Runde Southpark und Drawn Together gucken.




Falsche Signale für Provider

Zuerst wollte ich auf die Meldung vom Tagesanzeiger, dass künftig Provider für die Webseiteninhalte ihrer Kunden verantwortlich gemacht werden sollen, bloss erwidern:
Ach, brilliant, am besten wäre es immer noch, man würde eine zentrale Zensurbehörde errichten, die jede Website prüft, bevor sie öffentlich zugänglich gemacht werden darf. Bei diesem sehr strikten Prozess würde dann jede Website vom Netz gestrichen, die nicht mindestens mit siebenhundertachtzig Worten ihre gutmenschliche Absichten offen proklamiert.

Dann habe ich mich jedoch dafür entschieden, das Ganze etwas objektiver anzugehen.

Ich unterstütze es sehr, dass man endlich Klarheit schaffen will, was die Haftung bei Internetbelangen angeht. Auch ich bin ja als Blogger davon betroffen, insbesondere bei der Frage der Linkhaftung.

Jedoch werden falsche Signale gesetzt, wenn man die Hosting-Provider haftbar machen will. Im Klartext würde dies nämlich ein enormer Aufwand für die Hoster bedeuten. Das könnte dazu führen, dass deren Angebote teurer werden oder aber der Kundenservice darunter leidet. Daneben erleichtert man dadurch auch die Zensur. Denn welcher Provider möchte sich schon einen Gerichtsprozess leisten?
Keiner, deshalb würden viele vorsorglich Seiten vom Netz nehmen, die sich entweder in der gesetzlichen Grauzone befinden oder aber durch stark politische oder sehr kritische Aussagen immer wieder auf sich aufmerksam machen.
Dies kann und darf ich nicht goutieren.

Dazu kommt, dass der Verfasser jenes Artikels, welcher in einer doch recht renommierten Tageszeitung erschienen ist, einen journalistischen Kniff verwendet, um die Leser auf seine seite zu ziehen:

Denn die Kriminalität im Internet nimmt drastisch zu: Es geht längst nicht nur um Pornografie, Gewalt und Rassismus. Kriminelle hacken sich auch in fremde Konti und ziehen Geld ab oder tummeln sich beim illegalem Glücksspiel.

Diese Aussage stimmt vollkommen, wenn sie für sich alleine steht. In einen Zusammenhang gebracht mit einer Haftungsfrage, von der vor allem Provider betroffen sind, erweckt sie den Eindruck, als könnte man selbst Phishern das Handwerk legen, wenn man bloss die Hosting-Provider haftbar macht.

Zudem erstaunt es mich, dass jetzt das Klagelied über Internetkriminalität gesungen wird, in einer Zeit, da immer wieder Erfolge im Kampf gegen die Kinderpornografie gefeiert werden dürfen und als Kontrast dazu jedoch Fürsprecher des Terrorismus laufen gelassen werden, obwohl der Staat sie in den Händen hatte.

Komische Zeiten, in denen ich aufwachsen darf. Doch die Inkonsequenz des Menschen ist wohl ein alter Hut.

Tagesanzeiger: Blocher verärgert die Internetbranche
Winkelried.info: Schweiz: Linke bereiten “Anti-Winkelried.info-Gesetz” vor




Eint die Blogger!

Was ich eigentlich in diesen Tagen tun wollte, den Versuch einer Definition, was ein Blog ist, zu wagen, hat mir Pascal schon abgenommen. Gewiss, es ist nicht meine Definition, aber sie kommt dem, was ich sagen wollte, so nahe, dass es unnütz ist, wenn ich den Sachverhalt noch einmal in eigenen Worten würde formulieren.

Ganz nüchtern betrachtet: ein Blog ist ein Medium, wie es ein Stück Papier auch sein kann. Auf einem Stück Papier findet eine harmlose Kinderzeichnung und aber auch brisante Informationen Platz, welche möglicherweise gar einen Krieg auslösen können. Man ist frei zu entscheiden, was man auf das Blatt Papier schreibt/zeichnet. So verhält es sich auch mit den Blogs. Ein jeder Blogger ist frei das zu schreiben, was sein Herz begehrt.


Pascal kommt, wie zuvor schon der Bürger-Herold, nicht umhin meine leicht überspitzte ‘Forderung’ nach einer Revolution zu kritisieren. Die Beiden haben gewiss auch Recht. Bloss: Was ich möchte, das ist nicht eine vereinte Blogosphäre, das ist auch keine Professionalisierung von Klein-Bloggers-Dorf. Ein Kodex, an den sich jeder halten muss, der sich Blogger schimpfen möchte oder lediglich mit einem blogähnlichen System im Internet selbstgeschriebene Beiträge publik machen möchte, würde ich auch zutiefst ablehnen. Ich liebe die Freiheit. Und ein jeder sollte im Netz das schreiben dürfen, was er will (Abgesehen von verfassungswidrigem Bullshit). Wie banal es auch sein mag. Sonst müsste man dieselbe Forderung auch beim Fernsehen, bei Zeitschriften und bei Radiostationen vorbringen. Nicht zu vergessen ein Redeverbot für jeden, der sich nicht gerade auf einem hochstehenden Niveau über gesellschaftlich oder wissenschaftlich relevante Theme unterhalten will.

Nein, worauf ich hinaus will: Was man bei etablierten Medien früher hatte, nun jedoch immer weiter auf dem Rückzug ist, in die Blogosphäre bringen: Eine sicht- und fühlbare Trennung zwischen seriösen, relevanten Blogs und den Privatblogs. Ich bin mir im Klaren darüber, dass es zahlreiche Mischblogs gibt. Privatblogs wie Hilton-Blogs und IT-Blogs haben denn auch eine wichtige Aufgabe zu erfüllen: Die der Unterhaltung.

Deswegen halte ich auch Pascals ‘Wunsch’ nach Bloggerverbänden für gerechtfertigt.
Blogs könnte man dann auch tatsächlich als fünfte Macht im Staate etablieren. Jedenfalls der Teil der Blogosphäre, der sich ernsthaft mit Politik, Gesellschaft, Medien etc. auseinandersetzt. Doch bevor ein Blogger z.B. auf nationaler Ebene wahrgenommen wird, muss noch eine Menge getan werden. Denn noch werden Blogs von vielen belächelt. Vor allem sind Blogs immer noch ein relativ unbekanntes Medium.

Doch bevor man überhaupt die Forderung nach einem Verband stellen kann, sollte man tatsächlich eine Grundsatzdiskussion führen. Und natürlich müsste man die Frage stellen, ob es überhaupt etwas brächte, einen Bloggerverband zu gründen. Der Bürger-Herold zum Beispiel ist nicht dieser Meinung.

Und schlussendlich müsste sich wohl jeder mal wieder vor den Spiegel stellen und sich jene entscheidende Frage stellen: Was will ich mit meiner Bloggerei eigentlich?
Denn es macht einen gewissen Unterschied, ob man seine Unzufriedenheit bloss in die Menge brüllt oder tatsächlich etwas aus ihr machen will.

Blogclub: Blogger-Gewerkschaft in den USA
Bürger-Herold: Revolution demnächst
Das Subjektive: Ein Verband für Blogger
Der Misanthrop: Content: Eine sanfte Revolution in Sicht?
Paperholic: Blogosphere/Schweiz: Verband vs. Notverband
Swiss Metablog: Wundverband für Blogger




Eine sanfte Revolution in Sicht?

Ich freue mich auf weitere engagierte Reaktionen von Freunden der gepflegten Medienkritik, denn was wir hier aufbauen könnten, wäre idealerweise wirklich die fünfte Macht im Staat!

Nun denn, beginnen wir die Revolution, die aus der Blogosphäre die fünfte Macht im Staate macht:

1. Wie Pascal ganz richtig erkennt, ist eine Grundsatzdiskussion über Sinn und Zweck von Blogs zu führen.

2. Ich begrüsse seinen Vorschlag: “Ich denke, man müsste sich zu einem Verband zusammenschliessen, wenn man gewisse Normen festlegen will. Das wird zwar wieder einige auf den Plan rufen Mitglieder dieses Verbandes als Elitär zu beschimpfen, aber das muss man dann wohl im Kauf nehmen.”

3. Die Blogosphäre ist längst ein Stück Mainstream geworden. Einzelne Blogs bilden vielleicht noch eine Art Subkultur, doch alle Blogs zusammengenommen sind es längst nicht mehr.

4. Wenn man die Blogosphäre als Ganzes ansieht, so kommt man einzig zu dem Schluss, es gehe ihr hauptsächlich um die Populärkultur à la iPhone, Paris Hilton und den Schnaps in den Kirschpralinen.

5. Dies führt dazu, dass Blogs gesamthaft als unseriös angesehen werden und ein gewöhnlicher Journalist nur darüber lächelt, wenn er mit einem Blog konfrontiert wird, egal wie hoch die Qualität in diesem einzelnen Blog ist.

6. Um dem etwas entgegen zu setzen, müsste man bestimmte Blogs quasi zertifizieren. Ihnen ein Label verpassen, das für Qualität und Inhalt steht.

7. Diese Aufgabe kann man nur einer Elite anvertrauen, die sich exzellent mit journalistischen Standards, den vorher festzulegenden Blogstandards und allgemein publizistischen Medien auskennt.

8. Es ist nicht hinzunehmen, dass einzelne Individuen, die selbst ein Garant für Qualität sind, die Blogosphäre verlassen, weil der Mainstream auch in Kleinbloggersdorf Einzug gehalten hat.

9. Blogs sind in der breiten Menge zu unbekannt, als dass sie tatsächlich eine fünfte Macht im Staate darstellen könnten.

10. Ein Elite müsste auch diesem Punkt Abhilfe verschaffen.

Die Diskussion über den Zweck von Blogs, resp. was ebenjene überhaupt sind, ist auf jeden Fall zu führen. Unabhängig von den oben genannten zehn Punkten, welche sowieso nur als Anfang einer tieferen Auseinandersetzung mit Blogs zu verstehen sind.

Das Subjektive: Blogsphäre braucht Grundsatzdebatte
Die Blogdenunzianten: Versuch: Was sind Blogs?
Maingold.com: Journalistische Blogversteher
Peter Walts Blog in die weite Medienwelt: Ein Blog ist, wenn etwas zurückkommt…
Sueddeutsche.de: Abgebloggt: Die deutsche Blog-Szene will eine Alternative zu den etablierten Medien werden. Doch zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine große Lücke.




Eine weitere Dekade des Kalten Krieges

Wir haben sicherlich weitaus grössere Probleme als den Islamismus. Doch kaum etwas kann uns derart nachhaltig schaden wie eine zu grosse Ausbreitung des Fundamentalismus - egal ob islamisch, römisch-katholisch, evangelikal oder nationalsozialistisch motiviert -.

Nun verhält es sich heutzutage so, betrachtet man lediglich Westeuropa, Heimat von uns allen und Vorreiter in Sachen Menschenrechte (Was nicht mit strikter Einhaltung der Menschenrechte gleichzusetzen ist, sondern bloss bedeutet, dass hier in Westeuropa die persönlichen Freiheitsrechte einen grösseren Stellenwert einnehmen als in manch anderen Staaten.), sich die extremen Christen immer noch in Grenzen halten - Ich würde trotzdem ein scharfes Auge auf Kreationisten und dergleichen sektiererischen Gemeinschaften werfen. - und zwar seit Jahren vor einem Ausbreiten des Nationalsozialismus gewarnt wird, sich die Szene dem medialen Anschein nach jedoch nicht merklich zu vergrössern scheint und deren öffentlichen Auftritte (wenn rassistische Parolen geschwungen werden) zumindest in der Schweiz verhindert oder rasch wieder aufgelöst werden.

Im Gegensatz dazu scheinen sich radikalfundamentale Moslems - auch Islamofaschisten genannt - in Europa auszubreiten und teils öffentlich ihre Gedanken äussern dürfen, teils ihre Aufrufe zu islamistisch motivierter Gewalt nur unzureichend unterbunden wurden.

Nebenbei ist auch anzumerken, dass die tiefe Spaltung zwischen islamfreundlichen und islamkritischen Bevölkerungsteilen im Internet besonders gut zu beobachten ist, andererseits aber auch ganz reale Auswirkungen hat, wenn einerseits Morddrohungen gegenüber Islamkritikern ausgesprochen werden und manchmal auch vollzogen werden, andererseits öffentliche muslimische Anlässe gezielt gestört werden. Beide Seiten scheinen sich dabei immer häufiger über die Verfassung hinwegzusetzen und zu Selbstjustiz zu greifen, was vielleicht nicht verwerflich ist, aber absolut inakzeptabel.
Des weiteren ist bei Islamfreunden und bei Islamkritikern zumeist nicht unbedingt ein geringes Fachwissen, sondern mehr eine grosse Voreingenommenheit festzustellen. Eine sachliche Diskussion, z.B. darüber, ob der Staat und seine Organe härter gegen radikale Muslime vorgehen, resp. ob in manchen Fällen Islamismus gar toleriert wird.

An dieser Stelle möchte ich einerseits auf eines der jüngsten Interviews mit Ibn Warraq hinweisen, anderseits ein paar Linktipps zu weiteren Information geben, anderseits die Frage aufwerfen, was man persönlich tun kann, wenn man - virtuell oder real - mit Fundamentalismus konfrontiert wird.

FAZ.net: Ayaan Hirsi Ali im Interview: Die schleichende Scharia
Focus Online: Fluch im Internet gegen Islamkritiker
Qantara.de: Interview mit Khalil Samir: Politischer Islam als Primat der Unvernunft
Welt Online: Ist der Islam reformierbar?
Welt Online: Morddrohungen wegen Dialogs mit den Muslimen

Gerade das Interview mit Ibn Warraq ist sehr aufschlussreich, stimmt nachdenklich, aber auch etwas traurig, wenn man tatsächlich 100 Jahren Kalten Krieges entgegen blicken muss. Und nimmt man ihm beim Wort: “Der Kalte Krieg gegen den Kommunismus hat 40 Jahre gedauert, dieser hier kann 100 Jahre dauern. Oder noch länger. Aber er muss geführt werden.”, so liegt noch viel Arbeit vor uns, wahrscheinlich eine Periode noch verhärteterer Fronten, einige Todesopfer und langwierige, kräftezehrende Diskussionen.
Schlussendlich ist es die Vernunft die obsiegen muss und an diesem Prozess der Auseinandersetzung mit dem Islam, wie auch mit dessen Gegner muss sich der ganze Westen beteiligen, nicht nur einzelne Exponate, sondern auch der einfache Bürger. Die Zukunft liegt schliesslich und endlich in unseren Händen. Bloss: Momentan erwecken die wenigsten Händen den Eindruck, dass sie sich erstens an diesem Kalten Krieg beteiligen möchten und zweitens dazu in der Lage wären.

Spiegel Online: Interview mit Ibn Warraq: “Dieser Kalte Krieg kann 100 Jahre dauern”




Laut diskutiert und immer wieder überschätzt: Terrorismus

Unter Terrorismus (von lateinisch terror: „Furcht, Schrecken“) sind Gewalt bzw. Gewaltaktionen (wie z. B.: Entführungen, Attentate, Sprengstoffanschläge etc.) gegen eine politische Ordnung zu verstehen, um einen politischen Wandel herbeizuführen. Der Terror dient als Druckmittel und soll vor allem Unsicherheit und Schrecken verbreiten, daneben aber auch Sympathie und Unterstützungsbereitschaft erzeugen.[1] Terrorismus ist keine militärische Strategie, sondern primär eine Kommunikationsstrategie. Terroristen streben zwar nach Veränderungen der bestehenden Ordnung, doch greifen nicht militärisch nach Raum (wie z. B. der Guerillero), sondern wollen das Denken besetzen.

Wenn man bedenkt, dass unsere Kultur seit ihrem Beginn mit Terrorismus in den vielfältigsten Forme leben muss - man denke nur schon mal an die Zeloten und Sikarier - könnte man annehmen, wir hätten im Laufe der Zeit so etwas wie Gegenstrategien entwickelt, oder wenigstens damit umzugehen gelernt und begriffen, dass man Terrorismus zwar bekämpfen kann, er aber in der einen oder anderen Form immer wieder auftaucht.

Doch weit gefehlt, wir benehmen uns so, als hätten wir den Terrorismus erfunden. Als wären wir die erste Generation, die so etwas erlebt. Es wurde geflucht, als hätte ein verhutzeltes Göttchen mindestens drei der zehn biblichen Plagen auf die Erde hernieder gesandt.

Terrorismus ist schlimm, und es betrübt mich, wenn solcher Fundamentalismus Europa mitten ins Herz trifft. Todesopfer sind natürlich immer inakzeptabel.
Jedoch darf man nicht vergessen, dass die tatsächlichen Auswirkungen des Terrorismus zumeist sehr gering sind. Die psychologischen dafür umso grösser. Und auf die zielt der Terrorismus ab.
Die Hysterie, die durch 9/11 ausgelöst wurde, war genau das, wonach die Attentäter, resp. deren Hintermänner gelechzt haben. Und wir, leichtgläubig und ins innerste Mark getroffen, haben ihenn die Aufmerksamkeit und den Tumult praktisch Minuten bis Stunden später nach Hause getragen und noch eine Schachtel aufgewühlter, verängstigter Pralinen mitgegeben.

Es erstaunt mich einfach, wie stark diese Anschläge unsere Nationen spalten und entzweien konnten. Auf der einen Seite sah man unbegründete Selbstanklagen und naive Schönrederei, auf der anderen Seite erblickte man lächerliche Forderungen nach einem Dritten Weltkrieg und rassistische Wortspielereien. Dass sich beide Fronten gegenseitig aufgewiegelt haben, hat mich nicht weiter überrascht.

Dass man sich heute, sechs Jahre nach 9/11 noch immer hinter Dogmas verkriecht - man denke nur einmal an den Wahlspruch “wipe Iran off the map” oder an das Feindbild Amerika - und über das Problem Terrorismus immer noch nicht sachlich und lösungsorientiert sprechen kann, dafür umso mehr.

Doch vermutlich bin ich bloss zu wenig fundamentalistisch, um ein halbwegs angenehmes Leben führen zu können. Wie schön wäre es denn auch, wenn ich mich gediegen zurück lehnen könnte, eine klar umrissene Personengruppe zu meinem Feind erklären könnte, mich zu Bratwurst und Bier fürchterlich über eben diese aufregen dürfte und auf keinen Fall nachdenken müsste. Doch so bin ich nicht. Und sich selbst verarschen können andere. Ich mag nicht.

Nun, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass über die kleinsten Probleme stets am meisten gesprochen wird, geh’ ich jetzt im Medizinschränkchen nach meinen Medikamenten suchen. Die nachtgrauen Pillen, wo Zynismus drauf steht.




Content: Mythos oder einzige Chance für die Blogosphäre?

Es hat beinahe schon etwas Virales an sich, wenn innerhalb eines Tages diverse, bekannter und unbekanntere Blogger sich über das Schwinden von Content in der Blogosphäre beklagen.

Mit zunehmender Beunruhigung habe ich mich durch die Posts getrunken und bin dann, mit leichten Kopfschmerzen, zum Schluss gekommen, den in die Menge geworfenen roten Faden aufzunehmen.

Ein paar Minuten vergingen, in denen ich zustimmend nickend vor dem bläulichen Flimmern meines Bildschirms sass und mich erfreute an der konstanten Qualität der Beiträge aus Maingold, inhaltlich wie auch ‘literarisch’.

Mit einem heftigen Klatschen prallte ein Sperling in das Bürofenster und riss mich aus der Starre, die mich hinterhältig befallen hatte. Ich verscheuchte die Apathie aus den Fingerspitzen, begann ein paar Zeilen zu schreiben und dann fiel mir auf, wie Recht die Blogger doch hatten und immer noch haben.
Es ist schwierig geworden, wirklich gut geschriebene Artikel zu finden, obwohl es heute mehr Blogs denn je gibt. Content wird generiert, mitsamt endlosem Traffic und einem Honigtopf für all die langweiligen, grauen Gesichter dort draussen, die scheinbar den menschlichen Stereotypen verkörpern und mangels eigenem Leben demjenigen von Wildfremden nacheifern, sei es ein Cervelat-Promi, ein Döner-Promi oder ein grüner Neo-Linker.

Doch bis man in den Wirren der Blogosphäre wieder einmal über Inhalte stolpert und sich über einen Post freuen mag, dauert es bisweilen Tage. Und das ist schade, denn so werden Blogs immer etwas anrüchig Langweiliges, geradezu Populistisches an sich haben. Kein Wunder, dass dann Zeitungsmacher und Journalisten auf die Blogger herabsehen. Meistens - leider - zu recht.

Denn in einem solchen Kollektiv werden wir immer ein soziales Randdasein leben, das bekannt ist für youporn- und Abmahnungs-Affären, jedoch nicht für die momentant zu selten vorhandene Qualität.
Das ist auch gut so, denn ehrlich gesagt würde ich es bei dem aktuellen Zustand der Blogosphäre für falsch halten, wenn wir tatsächlich die fünfte Macht im Staat wären. Auch wenn ich es mir bei manchen Bloggern wünschen würde, ihre Stimme würde ebenso viel gelten wie die eines Journalisten einer renommierten Zeitung.

It’s too long: Die Angst des Bloggers vor dem Content
Maingold: Die Würfel sind gefallen
Peter Walt: News ohne News-Gehalt