Erzählt man jemandem, man besässe ein Blog, fragt dieser entweder, nachdem er ein geräuschvolles “Hä?” ausgestossen hat, was denn dies sei oder aber, sollte er denn selbst ein Blogger sein, was extrem unwahrscheinlich ist oder ist schon mal über einen Blog gestolpert, was hin und wieder vorkommt, er nestelt an seinem Hemdkragen und murmelt dann sowas wie: “Wieso bloggst du denn?”
Während diese Frage noch einfach zu beantworten ist, mit einem “Wegen dem Geld” vielleicht, oder simplerweise “Weil ich’s kann” oder “Ich schreib’ halt gern”, wird es schon schwieriger, wenn man nach den Zielen gefragt wird, die man mit seiner Bloggertätigkeit zu erreichen versucht. So geschehen am Donnerstag, einunzwanzigsten Juni auf Blogschrott.net, dem Blog von Yannick Eckl.
Das geringste Ziel ist das Geld. Klar, ich ziele schon darauf ab, in naher Zukunft ein paar Dollar in meine Taschen rollen zu lassen, doch dies wäre nicht einmal ein Grund, mit dem Bloggen zu beginnen oder es weiterzuführen, umso weniger kann es ein Ziel sein.
Ebenfalls ist es nur ein bisschen mein Ziel, interessante Diskussionen zu führen, Netzfreundschaften zu schliessen oder ins Gespräch mit anderen zu kommen. Dies mag jetzt zwar egoistisch klingen, doch Diskussionen führe ich immer noch weitaus lieber von Angesicht zu Angesicht. Und um Flirtbekanntschaften zu machen gibt es weitaus nützlichere Portale. Es über die Blogosphäre zu versuchen, wird vermutlich ein zum Scheitern verurteiler Versuch bleiben.
Dann ist es einfach dein Ziel, hier deinen Spass zu haben?
Diese Frage liegt nun sicherlich einigen auf der Zunge, doch einmal mehr kann ich verneinen. Ich schreibe zwar sehr gerne und finde auch Gefallen am ganzen Blog-Prozedere und bin auch nicht abgeneigt, ins Gespräch mit anderen Bloggern zu kommen, und hätte ich keine Freude am Bloggen, würde ich’s ganz sicher nicht tun, doch ein Ziel ist es nicht.
Ich führe burnttongue.net nicht, um etwas Spass im Leben zu haben. Hätte auch irgendwie einen erbärmlichen Beiklang. Nein, wenn ich auf Vergnügungen aus bin, dann wende ich mich der realen Welt zu, und das intensiv, manchmal zu intensiv.
Was dann?
Verflucht, du bist weder geldgierig noch kommunikationssüchtig, wozu hast du denn einen Blog?
Weil ich es kann.
Ich bin hier, um mich in den Underground zu wählen und mich dann zum Rest der Welt vorzuarbeiten. Einfluss zu gewinnen. Eine ‘Stimme’ zu sein.
Allem voran, beabsichtige mit meiner Hiersein, mit meiner Existenz als Blogger, Flöhe in die Ohren des Volkes zu streuen. Ja, man könnte behaupten, mein Ziel sei es, Manipulation auszuüben. Allerdings möchte ich vor allem an der kleinbürgerlichen Oberfläche unserer ach so schünen Welt kratzen. Ich möchte die Leute ein klein wenig zum Nachdenken bringen. Nur so weit, dass sie damit beginnen werden, sich selbst eine Meinung über das Weltgeschehen zu erarbeiten.
Anders ausgedrückt: Ich will alte, starre, festgefahrene Denkprozesse wieder in Gang bringen und die von Propaganda geschwängerten und von Fundamentalismus durchtränkten Denkmuster aufbrechen.
Wenn ich das zumindest bei einer Person geschafft habe, oder schon nur jemandem zeigen kann, dass die Wirklichkeit anders aussieht, als rechte, linke oder religiöse Propaganda uns dies weismachen will, bin ich zufrieden. Wenn dabei noch ein paar Cents herausspringen, umso besser.
Der Iran agiert ja schon seit einer kleine Weile abseits von Vernunft und Verstand. Das ist ja nichts Neues fär unsereiner. Dass die iranische Regierung es mit der Realität nicht so genau nimmt, sie zumindest sehr häufig aus den Augen verliert, auch:
“I wish to inform you that, emboldened by the absence of any action by the Security Council, various Israeli officials have unabatedly continued to publicly and contemptuously make unlawful and dangerous threats of resorting to force against the Islamic Republic of Iran”, sagt der iranische UNO-Botschafter Javad Zarif.
Und fährt gleich weiter:
“for pushing for statements against Iran based on various distortions and unsubstantiated allegations … in a failed attempt and tired smokescreen to distract the international community’s attention from the real and serious threats that the (Israeli) regime poses to international and regional peace and security.”
Wenigstens kann man nun mit jedmöglicher Sicherheit sagen: Lasste alle Hoffnung fahr’n. Zumindest was die geistige Gesundheit iranischer Regierungsanggestellter angeht.
Doch zumindest einem UNO-Generalsekretär hätte ich etwas mehr Gespür für die Wirklichkeit zugetraut:
“The Darfur conflict began as an ecological crisis, arising at least in part from climate change”
Ban Ki-moon scheint jedoch ebenfalls von akutem Realitätsverlust befallen worden zu sein.
Mein Beileid. Wenigstens hat er coole Kumpels gefunden.
[via]
…noch nicht.
Aber bald werde ich vielleicht meinen Platz hier räumen. Zumindest ist mir im Moment sehr danach zu Mute.
Doch ich denke, ein paar Tage keine Nachrichten mehr lesen, würde vermutlich reichen, um meine Aufgebrachtheit etwas zu dämpfen.
Jedenfalls ist Bin Laden nun wie angekündigt zum Ritter geschlagen worden, resp. einer islamistischen Variante davon. Osama ist jetzt also Träger des Titels Seifulah und somit das Schwert Allahs. (Persönlich fände ich es ja lustig, wenn er ein Wallholz Odins wäre, aber jedem das seine, nicht?) Wahrscheinlich muss man eh Terrorist sein, um zu dieser Auszeichnung zu kommen. Doch bleiben wir bei den Fakten und lassen die Worte der pakistianischen Fundamentalsiten für sich sprechen:
“Bin Ladens Dienst für die Muslime im Jihad gegen die Heiden.”
“Wenn England Rushdie zum Ritter schlagen darf, dann haben wir das Recht, unserem Helden und Führer die gleiche Ehrung erteil werden zu lassen.”, so Allamah Taher Ahsrafi, Vorsitzender des mächtigsten fundamentalistischen Verbandes Pakistans, der Versammlung der Gelehrten des Islams.
Doch wenden wir uns einem anderen Thema zu und blicken in die Türkei, wo ein Siebzehnjähriger mit einer Dreizehnjährigen geflirtet hat, oder auch ein wenig mit ihr herumgemacht hat und der nun von ihr wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt ist. Scheinbar habe sie sich als Fünfzehnjährige ausgegeben. Doch der Marco T. hat wohl vergessen, dass ein Mädchen, das von sich selber sagt, es sei fünfzehn, jedoch aussieht wie achtzehn kaum älter als zwölf sein kann. Dies ist eine der fundamentalsten Regeln unseres täglichen Zusammenlebens und es existiert bis anhin auch keine Ausnahme davon.
Nun, die Geschichte wäre vollkommen in Ordnung, wenn der Marco eine kleine Busse hätte zahlen müssen und einen Rüffel erhalten hätte.
Nun jedoch ist es so, dass sich dies alles in einem Land abgespielt hat, das einen Mann verehrt, der gar eine Neunjährige gepoppt hat, was ihn naürlich zum Helden gemacht hat. Den Marco halt eben nicht.
Grässlich sind offenbar auch die Haftbedingungen, die Marco erleiden muss, es scheint, als wäre er wie eine Ratte unter unwürdigen Umsänden in so etwas wie einen Käfig eingesperrt worden.
Lächerlich wird es dann auch noch, als sich nämlich die “Hürriyet” äber die Forderung der Bundesregierung nach einer Freilassung entsetzt und die Forderung gar als Beleidigung für das türkische Rechtssystem empfindet.
Nun ja, doch wahrscheinlich sollte ich bedenken, dass die Leute dort einen Pädophilen verherrlichen und ihnen einfach ein paar Jahrhunderte Zeit geben, bis auch sie so etwas wie Menschenrechte verfassen oder wenigstens aus dem Mittelalter und der Knechtschaft des Islams herausfinden.
Wenn es nur nicht derart ein Schlag ins Gesicht wäre.
Ach ja, ich bleibe hier, den Kampf gegen die Torheit weiterzuführen.
Hugo Chavez kündigte vor einer kleinen Weile an, die Schweiz besuchen zu wollen. Eine offzielle Antwort steht immer noch aus. Doch jetzt hat die Fribourger Universität die Initiative übernommen und ihn zu sich eingeladen.
Nun, was soll ich als freiheitsliebender Eidgenosse davon halten?
Nicht viel. Es besteht zwar die Möglichkeit, dass Chavez tatsächlich etwas lernen könnte hier in der Schweiz. Zum Beispiel könnte man ihm von der Pressefreiheit erzählen oder ihm erklären, dass in einem Staat immer auch die Stimmen der Opposition Bedeutung haben.
Es ist mir bewusst, dass es beim Treffen mit Chavez vor allem darum geht, dass die in Venezuela tätigen Schweizer Konzerne weiterhin dort ihre Geschäfte tätigen können und nicht verstaatlicht werden. Ein Staatsbesuch hat jedoch immer auch eine politische Seite, die besonders im Fall von Chavez nicht vernachlässigt werden darf.
Denn die Gefahr besteht, dass seine Reise in die Schweiz zu einem Propagandafeuerwerk für die hiesige Linke, insbesondere für alle Gegner der USA und für alle Befürworter des Sozialismus, Kommunismus, Marxismus. Denn diese werden ihn mit offenen Armen empfangen, ihn lobpreisen und ihm zujubeln.
Es ist beinahe eine Gewissheit, dass Chavez ebenfalls für seine Vorstellung des idealen Staates werben wird. Und das wohl nicht zu wenig.
Im Rahmen der freien Meinungsäusserung ist dies sein gutes Recht, genauso wie ich meine Skepsis hier äussern darf.
Jedoch möchte ich fragen, inwiefern es okay ist, einem zwar demokratisch gewählten Staatspräsidenten, der jedoch mit Opposition und Kritikern seines Agierens deutlich in deren Schranken verweist und dessen Handeln zumindest ab und an diktatorische, gegen die Menschenrechte verstossende Züge trägt, eine Plattform für seine linkspopulistische Propaganda zu bieten.
Der Bundesrat will nun schärfer gegen Journalisten vorgehen, die vertrauliche Dokumente, resp. Stellen daraus, an die Öffentlichkeit bringen. Übeltätern droht gar Hausverbot, da in diesem Falle ihnen ihre offzielle Zulassung entzogen werden könnte. Somit wäre es ihnen untersagt, das Medienzentrum zu betreten, die entsprechenden Unterlagen einzusehen oder gar erst einen Fuss ins Bundeshaus zu setzen. Für den einen oder anderen käme dies einem beruflichen Genickschuss gleich. Dazu möchte der Bundesrat generell weniger Medienausweise verteilen, zudem nur noch an Leute, die ihr Brot mehrheitlich mit dem Journalismus verdienen, also nicht an Lobbyisten oder sonst Leute, die konträre Positionen zum Bundesrat einnehmen könnte. Dies obwohl jeder Parlamentarier zwei Zutrittsausweise frei verteilen kann. An wen steht den National- und Ständeräten frei.
Der Hass des Bundesrates auf Medienleute schaut den Possenreissereien, die man sich sonst nur von Staaten wie Iran oder Venezuela gewohnt ist, ein wenig ähnlich. Insbesondere, da gerade die Politiker es sind, die mit Indiskretionen spielen wie Stammtischler mit Jasskarten. Wenn sie sich in Zukunft also die Finger dabei verbrennen, sollen die Presseleute dafür büssen. Ein feucht-fröhliches Opfer-Täter-Rollen-Tauschen würde uns also erwarten. Wenn nicht zahlreiche Insider verlauten lassen, dass man kaum je mehr einen Journalisten im Bundeshaus antreffen würde, könnte sich der Bundesrat durchsetzen.
Nun, es ist absolut lächerlich, was unsere höchsten Politiker gerne durchsetzen möchten. Zudem stellt es eine Ohrfeige für die freie Berichterstattung dar.
Doch da die Bundesräte der Willkür anscheinend so nahe stehen:
Wollt ihr tatsächlich, dass es bei uns so endet wie im Iran unter Ahmadinedschad oder liebt ihr bloss die mittelalterlichen Hofgauklereien?
Endlich. Die Possenreisserei um die Rütli-Feier ist vorbei.
Schneider-Amman, Hayek und ein paar weitere, namentlich nicht genannte Unternehmer kommen für die Sichterheitskosten auf.
Ich bin wirklich froh darum. Einerseits, weil, wie Schneider-Amman sagt, “die Schweiz wegen einer verunmöglichten Bundesfeier international Schaden leidet” und er dies mit seinem Eingreifen verhindert. Andererseits weil solchen Unruhestiftern nicht nachgegeben werden darf, da dies sonst falsche Signale an potenzielle andere Chaoten senden würde. Manche würden es geradezu als Freibrief verstehen, ihnen unliebsame Events in Grund und Boden zu stampfen.
Schliesslich und endlich mag ich es auch allen Schweizern gönnen, für die der 1. August noch ein Feiertag ist und nicht bloss ein Tag, an dem man nicht arbeiten gehen muss.
Und nein, ich möchte hier nicht erwähnen, dass zweiundsiebzig Jungfrauen für eine Ewigkeit doch etwas gar wenig sind oder mich darüber aufregen, dass Jihadisten in der Schweiz Plattform geboten wird für ihre Kreuzzüge gegen den Westen oder gar Links zu den angesprochenen Themen setzen.
Vielmehr habe ich heute im gestrigen heute gelesen, und zwar in der Rubrik “Gute News”, wieso es karriereförderlich ist, wenn man terroristische Akte plant.
So stand doch auf der Frontseite des gestrigen heute, vor vier Jahren habe eine Studentin am Düsseldorfer Flughafen mit einer Bombendrohung für Unruhe gesorgt, und dies bloss, weil sie mit ihrem Freund nicht verreisen wollte. Sie wurde zwar zu 350′000 Franken Busse verdonnert, resp. Schadensersatz, doch nun hat sie ein Jobangebot eines FDP-Abgeordneten namens Carlo Cronenburg und lobt ihr damaliges Verhalten als “mutig und kreativ”.
Wahrhaft selten las ich etwas Lächerlicheres.
However, ich frage mich, wieso jene Martina B. mit einem Kerl zusammen war, mit dem sie nicht einmal in die Ferien fliegen wollte.
Dass jedoch Leute im Staatswesen geduldet werden, die (gefakte) Bombendrohungen noch belohnen wollen und es wohl lustig finden, wenn Hunderte von Leuten grundlegend verarscht und wohl nicht wenige in Angst versetzt werden, finde ich grandios absurd.
Was macht der Herr C. wohl beim nächsten Wahlkampf? Bastelanleitungen für milchflaschengrosse Sprengsätze verteilen? Oder sich gar selbst einer “mutigen und kreativen” Tat hingeben?
Ich möchte… Ja, was möcht’ ich eigentlich an diesem heissen Sommerabend, da die Zikaden in den Wiesen zirpen und die Luft getränkt ist mit dem Geruch der Freiheit?
Zurücklehnen könnt’ ich mich. Mich nach draussen auf die Terrasse setzen, dem Quartierlärm lauschen, den wohlklingenden Stimmen gleichaltriger Mädchen, die mit dem Motorfahrrad noch kurz ausfahren, ein Stück Kuchen essen und ein Bier trinken.
Hab’ ich auch. Und es tat gut.
Allerdings… Meine Gedanken fräsen sich wie ein Schneidebrenner durch meinen Schädel, ganz egal, ob ich nun Franzvokabeln pauke oder mit einer hübschen Dame essen gehe. Darum kehre ich auch immer hierher zurück. Komme nicht umhin, erneut anzuklagen.
Ich möchte jetzt nicht die Extremisten ins Visier nehmen, die gewaltsam eroberte Gebiete Hamastan nennen, massakrierende Attentäter oder krude Gotteskrieger, die sich Staatspräsidenten schimpfen und Völkermorde ausrufen:
“Mit Gottes Hilfe haben die Kinder Libanons und Palästinas den Countdown zur Zerstörung des zionistischen Regimes in Gang gesetzt. Wir werden hoffentlich in naher Zukunft die Zerstörung dieses Regimes erleben.”
Nein, ich kritisiere die Blogosphäre, weil sie sich nicht darum kümmert. Es ist ihr schlicht und einfach egal. Uns allen. Wir schauen lieber youporn oder vergucken uns in Blogdiven, als dass wir was gegen die Gefährdung von Leib und Leben, der Aufhebung der Rechtsstaatlichkeit und der Kastrierung der Freiheit in all ihren Facetten tun würden. Tun möchten.
Doch nein, wahrscheinlich steht es mir nicht zu, offen Kritik zu äussern. So empfinde ich es doch als meine Pflicht. Anders als andere kann ich nicht feuchtfröhlich damit leben, zuzusehen wie die Welt von ein paar räudigen Hunden angefressen wird.
Damit, dass die meisten Leute eine sprichwörtliche “I Don’t Give A Fuck”-Mentalität an den Tag legen, könnte ich ja noch leben. Anderes ist man sich ja schon gar nicht gewohnt.
Mit der Doppelmoral des Volkes habe ich jedoch Probleme.
Und gerade im Konflikt mit dem Islam zeigt sich die perverse Paradoxie des gemeinen Bürgers auf die bespielhafteste Weise, die man sich nur vorstellen könnte.
Da wird breit und genussvoll auf Schweizer eingeschlagen, die was von Judenvernichtung stottern und ein zittriger Heil ins Mikro krächzen. Tut dasselbe jedoch ein Ausländer, namhaft ein Moslem, sieht man einfach drüber hinweg. Selbst wenn diese in unserem eigenen Staat zu Genoziden aufrufen und sich des niederträchtigsten nur vorstellbaren Hasses bedienen.
Da komme ich einfach nicht umhin, zu fragen:
Wieso?
Verdammt, das darf eifnach nicht sein. Leute, bitte, denkt mal ‘ne Runde nach. Nutzt euren Verstand. Doch wahrscheinlich verpuffen meine Worte nur wie kalter Wasserdampf in den Weiten des Netzes, ohne dass sich jemand darum schert.
[Irgendwann wird sich meine Wut legen, und zu jenem Zeitpunkt wird ein etwas reflektierterer Eintrag gepostet. Und bis dahin verweise ich einmal mehr auf die Gegenstimme.]
Adieu, Volk.
Ein kühler Wind streicht draussen um die Fassaden. Leichter Regen fällt als Überbleibsel eines Gewittersturmes. Doch noch immer kann man die Hitze durch das feine Nebelgespinst hindurch riechen, das wie eine erstickende Feuersbrunst über dem Erdboden liegt. Ein paar dünne, trübe Lichtstrahlen tröpfeln durch die Düsternis und kratzen an meiner schwitzigen Haut.
Mehrere Stunden ist es nun her, seit das Ergebnis der Abstimmung über die 5. IV-Revision bekannt geworden ist.
Eine Mehrheit der Stimmbürger sprach sich für die dringend nötige, aber problematische Revision aus.
Über das Ergebnis kann man denken, was man will. Drei Fakten lassen sich jedoch daraus ablesen:
1. Das Scheitern der Linken. Einmal mehr haben sie eine Abstimmung schändlichst verloren. Dazu noch lief die SVP mit wehenden Flaggen in eines der traditionellen Hauptthemengebiete der Linken ein. Somit lässt sich sagen: Nicht nur gleicht die SP momentan einem ruder- und steuerlosem Floss ohne markante Spielfiguren und reissender Propaganda [An den Marketing-Winkelzügen einer SVP könnten sie sich ein geissbockiges Vorbild nehmen.], auch lassen sie es mit dünnem Proteststimmchen geschehen, dass die Rechte traditionell linke Themen wie Sozialwerke oder Invalide für sich beansprucht.
2. Das Scheitern der Medien. Ja, neutrale, sachliche Argumente waren nie zu hören, was mitunter dazu führte, dass ich bis heute nicht weiss, ob die IV-Revision eher nützlich oder eher schädlich ist. Die Zeitungen und Fernsehstationen boten lediglich Platz für beleidigende Werbekampagnen und diffamierende Propaganda, die an der Wahrheit wohl meilenweit vorbeigeschippert ist.
3. Das Scheitern der Schweizer Blogwelt. Niemand sagt was dazu, ausser ein paar Nachrichtendienste, der Blog des gfs.bern, doch die zählen alle nicht, und der Wiedenmeier. Wenigstens er äussert sich auf seinem Gedankenbörsen-Blog zur heutigen Abstimmung und trifft die Wirklichkeit mit grosser Treffsicherheit:
“Der Wahlkampf diente vor allem der SVP…”
Zu bedauern ist jedoch, dass er bis zu diesem Zeitpunkt der einzige blieb. Die fünfte Macht im Staat, die Blogosphäre, streitet sich lieber um Fotodienste, die beste Biermarke oder Greenfield-Groupies, als ihre Klauen zu wetzen und ihre Zukunft zu gestalten.
Doch lassen wir sie, die armen Teufel, die wie wir alle vor die Hunde gehen. Es ist nicht schlimm, die Verantwortung aus der Hand zu geben und sich nicht darum zu kümmern, was mit der eigenen Nation geschieht. Mein Verständnis für all die, die nichts ändern wollen, obwohl sie sich lautstark über alles mögliche beschweren.
Es betrübt mich wirklich sehr, dass wir als fünfte Macht bloss dasitzen und zuschauen, derweil die Welt vor uns vorbei zieht und die Wirklichkeit statt findet. Vielleicht sollten wir alle mal wieder raus gehen und ein wenig tagträumen, um die Essenz unseres Daseins wieder zu finden: Die Möglichkeit unsere Zukunft zu formen.
Ausserdem sollten wir ein paar Politblogger haben, es scheint, als würde sich jeder für das iPhone interessieren, aber keiner für unsere Landesregierung.
Schade.
Noch mal Glück gehabt, oder so…
Zwar werden laut dem Artikel “Der Staat surft mit” der heutigen Sonntagszeitung Experten dem Bundesrat voraussichtlich noch diesen Monat eine Machbarkeitsstudie vorlegen, in der die Möglichkeiten zur totalen Überwachung eines Individuums aufgezeigt werden, doch die Vorratsdatenspeicherung scheint für den Moment kein Thema mehr zu sein.
Das DBA (Dienst für besondere Angelegenheiten) kommt nach über einem Jahr Arbeit am Projekt “IP Lab” zum Schluss, dass die Datenmengen nur sehr schwer zu bewältigen wären, die anfallen würden, überwachte man die gesamte Telekommunikation jedes Telefon-, oder Internetnutzers in der Schweiz.
So bleibt momentan also alles beim Alten, wie bisher werden also die Randdaten für ein halbes Jahr gespeichert, wie lange also welcher PC mit dem Internet verbunden war und wer wem eine E-Mal sendete.
Die Verfasser der Studie empfehlen jedoch von Strafverdächtigen komplette Bewegungsprofile anzulegen, wer also wann welche Website angeklickt hat, welche Daten heruntergeladen und was in seinen E-Mails geschrieben, und diese für 6 Monate zu speichern. Zwar wird wahrscheinlich und hoffentlich ein Richter darüber entscheiden müssen, wer nun als verdächtig gilt, Bedenken gegen eine mögliche Vorratsdatenspeicherung, wenn auch beschränkt auf ‘mögliche’ Straffällige, bleiben jedoch bestehen.
Vorerst ist die Gefahr der totalen Überwachung, der Stasi 2.0 und des Staates, der mitsurft, also abgewendet, die Gefährdung unserer Privatsphäre ist durch diese Studie jedoch nicht vermindert worden. Es heisst also weiterhin, die Augen offen zu halten und den Staat und seine Fachleute genauestens zu beobachten. Skepsis und eine gesunde Portion Zweifel ist wärmstens empfohlen. [Obwohl sich die Schweizer Blogosphäre wohl kaum um diese 'Bedrohung' scheren wird, sondern sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern muss.]
Denn was muss man tun, um unseren Staatsspitzeln aufzufallen?