Monatsarchiv für April 2007



Religionskritik - Vivisektion Gottes II

Gott ist tot, sagte einst Nietzsche.
Nietzsche ist tot, sagte einst Gott.

Ich hab noch ‘mal nachgedacht.

Und um eine kleine Dystopie zu entwerfen, gehe ich von zwei Annahmen aus.

1.] Religion bringt Glück, Zufriedenheit [Nicht religiös zu sein und ein naturalistisches Weltbild zu haben bedeutet zu viele Gedanken, zu viele Unstimmigkeiten, zu gross gottverdammte Pein.]

2.] Areligiosität und Ungläubigkeit bringt Frieden, Sicherheit [Religionen führten jeher zu Kriegen.]

Die Welt, wie wir sie kennen:
In den weitesten Teilen der Welt bestimmt eine Religion das Tagesgeschehen, ausgenommen ein paar öde Wüstenstriche und ein paar naturalistische Universitäten in den Hochburgen Westeuropas.
Subjektivität prägt unser Handeln bis hinunter auf unsere Knochen, eingebrannt in unserer Hirnrinde, dass wir Recht haben und die anderen armselige Narren sind.
Kriege werden begonnen, häufig zwischen Religionen, manchmal kommt auch Hochmut dazu und eine Rasse erhöht sich über die andere. Blutbenetzte Kriegsherren rotten ganze Vöker aus, halten das tote Fleisch unter dem Kugelhagel ihrer Kalaschnikows für minderwertig.

Drehen wir die Frage um:
Wann hat je ein Krieg stattgefunden, der nicht deswegen begonnen wurde, weil sich jemand im Recht wähnte und den andern in seine Schranken weisen wollte?

Werfen wir die Münze noch einmal:
Sich im Recht zu wähnen ist subjektiv. Subjektivität entspringt dem selben aschegrauen Flussbett wie die Religiosität. Denn du denkst, du hättest Recht, was ab und an bloss ein törichter Irrglauben ist:

Die Welt, wie wir sie nicht kennen:
Abgesehen von ein paar Unbelehrbaren, die sich in den Kaukasus in einsame Abteien zurück gezogen haben, herrscht Objektivität. Jegliche vorstellbare religiöse Anwandlungen existieren nicht. Rechthaberei wird zu einem Fremdwort. Argumente haben Gewicht. Welche Meinung der Realität näher kommt, welcher Marschallplan der effizientere, ‘bessere’ ist, bestimmen nicht mehr durch Parteipropaganda verblendete Menschen, sondern Fakten, Studien und der Wahrheit verpflichtete Wissenschaftler.
Einige verlieren den Halt im Leben. Andere werden depressiv. Nicht wenige fallen synthetischen Drogen anheim. Suizide sind nicht allzu selten. Vielleicht sprengt sich auch mal ein Attentäter in einem Wall-Mart in die Luft, um auf sein Leid aufmerksam zu machen.

Nun frage ich: Welche der zwei Möglichkeiten ist die weniger blutige?




Religionskritik - Vivisektion Gottes

Gott ist tot, sagte einst Nietzsche.
Nietzsche ist tot, sagte einst Gott.

Herr Spackmann klagte einst, wir hätten Gott getötet. Erklärte die westeuropäische Gesellschaft zu einer Welt ohne Platz für Leute mit Hirn und Herz. Vor einem nach Schwefel und Pestilenz riechenden Trümmerberg stehen wir heute. Finden einzig lauwarme Zuflucht im Materialismus und im Rauschtrinken. Leben wir also von der Zerstörung des tröstenden und nach Apfelkuchen riechenden Jenseits?

Ich würde sagen: Nein.

Vielmehr betrinken wir uns mit heidnischer Esoterik, hetzen ein paar frisch gezapften Bierchen hinterher und finden den alten, in diesen, heutigen Zeiten akademisch anmutenden Monotheismus obsolet.

Doch wie kann eine Nation nach der Renaissance, dem Humanismus, der Aufklärung und eines ganzen Jahrhunderts moderne Wissenschaften zwar dem Gott als Übermenschen abschwören, aber gleichzeitig zu etwas viel Archaischerem zurückkehren, den Naturreligionen?

Denn das ist es, was geschieht. Wir mögen zwar fernöstliche Glaubensprinzipien als Esoterik bezeichnen und Astrologie zu den Wissenschaften zählen, doch damit verhöhnen wir uns bloss selbst. Zwei Meilen gegen den Wind ist uns anzuriechen, dass wir uns mit diesen Worten für objektives, wissenschaftliches Denken gerade selbst disqualifiziert haben. Schlimmer gar, wir geben allen zu sehen, dass wir nicht einmal wissen, was ‘Wissenschaft’ überhaupt bedeutet.

Und zu alldem kommt hinzu, dass es bloss gewöhnliches Heidentum ist, dass wieder durch unsere Adern bricht. Auch wenn wir hier und dort ein paar Nadeln in zarte Haut treiben. Oder ein paar Kräutchen mit Tonnen von Wasser tränken und dies wirksam nennen. Wir können es noch so schön finden, die Walpurgisnacht zu feiern oder uns gegenseitig aus den Furchen in den Händen die Zukunft zu lesen, doch das ist etwas, das nicht einmal die Vikinger getan haben. [Die haben das bierselige und schlachtenüberfüllte Valhalla angebetet.]

Unsere gesamte christliche Kultur scheint ihre Religion zu vergessen und sich in die düsteren, von Rauchschwaden und Graskrümeln umwehten Gefilde der keltischen Druiden zu begeben. Um dort Erlösung zu finden, Trost und Glück. Um dort zu erhalten, was der Katholizismus nicht zu geben im Stande war.

Geht, ihr, die ihr euch so gerne Christen nennt. Betet die Tigermücken an, die schleimigen Blutegel. Doch nennt das, was ihr tut, nicht wissenschaftlich. Denn das ist es nicht. Und ihr treibt damit rostige Nägel unter meine Kopfhaut.

Nachdem Äonen der Diktatur hinter uns liegen und unter dem Knüppel des Religionswahns keine funktionierende Gesellschaft entstehen konnte, sollten wir vielleicht damit beginnen, Gott bei lebendigem Leibe zu sezieren und die Verblendung Fitzelchen um Fitzelchen aus den Eingeweiden unseres Staates zu zerren.




Das Proletariat der Gaffer

Als ich gerade so beim alkohollose Stöbern durch die Web-Gefilde war, fiel mir das Manifest gegen die Gaffer in die Hände. MC Winkel hat’s geschrieben und sich als Mann hinter “die Angestarrten, die Reduzierten und die Vermaterialisierten” gestellt. Symbolisch, versteht sich.

Eine lobenswerte Tat von jemandem, der selbst nicht ganz gegen das Gaffen gefeit ist, wie er ehrlicherweise gesteht.

Er ist halt auch nur ein MC.

Ich möchte jedoch die Spezies der gemeinen Gaffer (durchaus doppeldeutig zu verstehen) gegen die wohlerzogene und kultivierte Rasse der Geniesser abgrenzen. Was MC Winkel schon angetönt hat, möchte ich doch hier noch einmal in fetten Lettern nieder geschrieben sehen.

Was den Gaffer anbelangt, hat sich MC Winkel schon genügend darüber ausgelassen. Deshalb hier ein kurzer, von weissem Ascheregen bedecktes Manifest für den Geniesser:

Was der Gaffer sehr frontal und direkt macht und mit obszönen Gesten begleitet, kleidet der wahre Geniesser in ein kultiviertes, kennerisches Auftreten. Nach einem Blick weiss er schon, ob jenes weibliche Wesen mehr Aufmerksamkeit wert ist, als bloss die eines kurzen Blickes, mit dem man üblicherweise das Proletariat bedeckt. Ist sie es, so geniesst er zuerst einfach mal nur ihre blosse Anwesenheit. Ab und an streift er sie mit einem Blick, der bloss einen Bruchteil länger ist als ein zuälliger Blick. Irgendwann, nachdem er sich der Ästhetik, Wohlgeformtheit und Schönheit jener Frau vollends bewusst geworden ist, sucht er dann nach etwaigem Blickkontakt oder beginnt ein Gespräch mit ihr um ihr so implizit und mit der dem Geniesser eigenen Subtilität eines Gentlemans seine Bewunderung auszudrücken.

Und für den Gaffer hat er, genauso wie für alle anderen Ignoranten und Stümper, nur in Eis gefrorenen Zorn übrig.




Brenne, Vernunft!

Es mag manchmal amüsant sein, Fundamentalisten dabei zu zu sehen, wie sie jeden Ungläubigen verfluchen.

Traurig hingegen ist es, wenn man frühabends, wenn man eigentlich an ganz anderes denkt, als braune Ideologien und faschistoides Gedankengut und man sich bloss etwas in einem Chat vergnügen will oder ein paar leichte Artikelchen lesen möchte, über so etwas stolpert.

Nicht zu Unrecht nennt es die Heute-Zeitung Kindesmissbrauch. Wenn schon Zehnjährige zu Sieg Heil und Nazi-Parolen aufmarschieren, dann ist mit der Gesellschaft als Ganzem wirklich etwas sehr schief gelaufen. Wenn Leute, die bereits achtzig Jahre auf dieser Erde leben, sich dazu entschliessen, die Judenvernichtung wäre doch eine gute Lösung gewesen, dann lässt man sie halt in ihrem Irrglauben und denkt sich halt, lange werden sie’s eh nicht mehr tun.

Aber unschuldige Kinder mit fanatischem Hass zu erziehen, das ist abscheulich. Und eine Ohrfeige für uns alle.




Ideologisten auf dem Marsch zur Knechtschaft!

Verdammt.

Die Hitze spaltet meinen Kopf. Der Schweiss läuft in salzigen Bahnen meine Stirn herab. Selbst jetzt, um neun Uhr abends, ist es noch heiss draussen. Zu feucht. Es ist, als würden sich draussen mächtige, finstere Gewitterwolken zusammen ballen und nur darauf warten, die Erde mit entsetzlichen Salven kalten Regens einzudecken.

Doch der Himmel ist klar, wenngleich dunkel.

Nein, die Hitze stört mich nicht. Es ist was ganz anderes, das sich wie eine Streitaxt den Weg durch meinen Verstand gräbt.

Das blutige Aufeinandertreffen von linker und rechter Ideologie.
Es ist doch immer sehr schön, wenn einem ein Nationalist ohne Argumente davon überzeugen will, dass die Ordonnanzwaffen doch daheim aufbewahrt werden sollten. Weil ja, äh, wir sind ja freie Bürger, oder… Und sowieso, wenn nur die Eidgenossen… das wäre alles kein Problem…

Und dann, kaum hat man den Schultag überstanden, kommt nach Hause, legt sich zuerst eine Runde in die brennend kalte Sonne und isst dann ein wenig Risotto und wähnt sich gemütlich am Plaudern, kommt sogleich ein infamer Angriff von links. Politisch gesehen. Fast hätte ich über die hoffnungslosen Versuche lächeln müssen, mir beibringen zu wollen, dass unsere wohlgenährte westliche Zivilisation am Elend der Welt Schuld trügen, da wir schamlos kleine Afrikanerkinder und Islamisten knechten, wenn mir nicht im gleichen Moment bewusst geworden wäre, wie fern von der Realität und wie bar jeglicher Satire diese Worte waren.

Ich warte nur auf eine unheilige Allianz zwischen islamistischen Terrorfürsten und kreationistischer Kirchenväter, um die gottlosen freien Wissenschaften auszurotten und ihre Verblendung wie ein Schwall Pech über die freie Meinungsäusserung zu schütten.

Nein, im Ernst, wann treten eigentlich mal wieder Leute in die Politik ein, die auch was von der Sache verstehen?




Die Welt ertrinkt in Blut

Gestern. Nachmittag.

Alleine sass ich auf dem Gleis 1 am Freiburger Bahnhof. Die Schule aus. Ein Wochenende vor mir.

Keiner war dort, als ich mich ins Wartehäuschen setzte. Bloss eine alte Dame, die durch ein buntes Blättchen bätterte. Und draussen auf einer Holzbank ein junges Pärchen, eng umschlungen. Es war heiss, doch kein Schweiss netzte meine Stirn, bloss eine kalte Wut, die dahinter wütete.

Ich dachte nach. Und wäre dies eine gute Geschichte, oder irgendein Blockbuster, dann würde jetzt ein Schwarm heiser krächzender Raben über dem Bahnhofsdach kreisen, düster kalter Nebel zwischen den Gleisen hervor quellen oder schon nur ein paar entsetzlich schwarze Gewitterwolken sich am Horizont zusammenrotten.
Doch es war bloss öde Realität. Nicht einmal ein Hitzeflirren kräuselte die Luft über dem Asphalt.

Einsamkeit schnürte mir die Luft ab, doch was in mir weit mehr Unbehagen auslöste, das war das Fehlen von Gerechtigkeit. Mochte es etwas geben, das ür andere paradiesisch war, für mich schaute es nur wie ein kalter Ascheregen aus.
Grau.

Was will ich in dieser Welt, wo ich am Freitag nach der Schule weit weg von Vertrauen und einem Gefühl das annähernd Zufriedenheit sein könnte, allein am Bahnhof sitze, zusammengekauert wie ein Obdachloser in einer kalten Moskauer Nacht. In einer Zeit, in der es allgemeines Entsetzen auslöst, wenn ein Cho Seung-Hui ein paar miserable Theaterstücke schreibt. Damn. Als ob es nicht dazu gehörte, mal jemandem den Tod zu wünschen.

Gerechtigkeit. Hah. Ich hätte vielleicht glücklich sein sollen. Doch was ich tatsächlich empfand, das war eine tiefe, irritierende Langeweile. Und ich fragte mich. Fragte mich, was tatsächlich so erstrebenswert daran sein sollte, ein Leben zu leben, wie es alle taten. Wieso, verdammt, fallen früher oder später alle in die Gutbürgerlichkeit zurück, der sie entstammen. Warum rann einsame Gleichgültigkeit über meine Haut.

Irgendwann einmal flatterte eine Taube vorbei. Etwas später fuhr mein Zug im Bahnhof ein. Grelles Licht strömte in die staubigen Compartements. Ich zitterte vor Kälte.




Ich depressiver Narr!

Die Sonne gräbt sich in junge, zarte Haut, bis Blut aus den Poren leckt. Verbrennend. Vernichtend. Strafend gar, könnte man manchmal das Gefühl bekommen. Eine knochenbrechende Strafe für dutzende gläserne, noch ungelebte Leben.
Jung sind wir. Bin ich. Sind meine Ansichten. Was nicht heiss, dass sie frisch wären.
Wie sagte einst ein kluger Mann. Die Geschichte ist bloss die immerwährende Wiederholung der ewiggleichen Geschehnissen. Nee, wart mal. Das hab’ ich mal gesagt. Bloss ein Narr also. A foolish fellow, wie niemand zu sagen beliebt.
We are the future. Sagte mal jemand. Nicht ich.

Doch hört man sich mal um, sinniert über die Klageschreie, die sich spitz durch die Trommelfelle graben, dann könnte man denken, die Welt von morgen sähe aus wie ein postapokalyptischer, von nuklearen Wintern und Bombeneinschlägen verheerter Landstrich, durch den Drohnen schwirren und jedes übrig gebliebene, grässlich entstellte lebende Wesen auslöscht. Kalt und stumm. Gefühllos.
Ich muss mich berichtigen. Die Welt wöre so, doch sie sähe nicht so aus. Vielmehr gliche sie einer bis aufs letzte Staubkorn designte Konsumhölle, in der perfekt aussehende, fortwährend sprechende und doch nichts aussagende Bürger umherirrten. Die Geilheit triefte nur so aus jedem dunklen Eckchen. Alles glänzte und verströmte den falschen Duft des Paradieses. Doch dahinter, hinter dieser süssen, heissen Fassade lauerten bloss die entsetzlichen, von dunklen Schatten zerfurchten, urmenschlichen Abgründe einer von Ängsten getriebenen, verlorenen Jugend.

Keiner kümmert es.
I just don’t give a fuck. Oder gutbürgerlich deutsch: Die zu Stein und Fleisch gewordene Ihr-könnt-mich-mal-am-Arsch-lecken-Mentalität.

Manche sagen auch, ich hätte ein Loch in mir, das ich zu stopfen gedenken würde. Eine rausgerissene Rippe?

Nope. Ein psychisches Loch.
Eine innere Leere, die hier sehr unterschwellig angedeutet wird. Hier verliert sich die Subtilität in schönen Worten.

Aber eben, da ich mich weder glücklich nennen kann, noch bar von tief liegendem Zorn bin, muss mir etwas fehlen.

Innere Leere kenne ich nur zu gut. Es hat etwas bittersüsses an sich, etwas melancholisches. Auf eine zwiespältige, doppeldeutige Art. Leere ist angenehmer als ihr Gegenteil, ein Chaos aus bedrückenden Gedanken und Bildfetzen, die vor deinem inneren Auge vorbei schweben und Tristesse in deinen Verstand bringen.

Doch da fehlt nichts. Ich hab’s nachgezählt, alles noch da. Galgenhumor, hm? Und der Strick um meinen Hals ist in Wahrheit ein Loch in meinerm Seele Verstand.

Und irgendwo, in meinem tieferen Unterbewusstsein, wo sich Illusorisches und Dystopisches vermischt, da weiss ich, es ist bloss dieses abgefuckte Leben. Nichts anderes.




Gegenstimmen gegen leeren Magen!

Nachdem ich zuerst ja aus und ein paar Bier trinken gehen wollte, um das Ende der Osterferien zu ertränken, veranlasste mich dann meine derbe Müdigkeit doch dazu, dieses Unterfangen auf die nächste Kadaversammelstelle zu bringen und einen Blick in die Semmelstatz zu werfen. Ich erwartete die übliche Ödnis aus ein paar Besuchern und keinen Kommentaren und staubigen, leeren Dünen. Dann sah ich mich etwas Freude, zugegeben, mit Skeptizismus beträufelter grosser Freude, dass mich die Gegenstimme zwar nicht namentlich, aber doch mit ein, zwei Worten und einem Link erwähnt hatte. Das führte dazu, dass mein Blog Web-Geschreibsel von einer Besucherschwemme überrollt wurde.
Tja, dachte ich da, seh ich mich halt noch ein bisschen um bei den Gegenstimmen. Hatte ja nichts besser zu tun, nachdem ich mich schon dazu entschlossen hatte, mich an heutigem Abend nicht an alkoholischen Getränken zu vergreifen.
Munteren Fusses stapfte ich also dort herum und tat mich an einem Glas Tee vergnüglich, als mein von der brachialen Schläfrigkeit schwer gewordenes Haupt vielleicht ironisch lächelnd, vielleicht zustimmend nickte, als ich über jene paar Worte stolperte, in denen die linke Hemisphäre als geisteskrank betitelt wird und in al-qaid’sche Nähe gerückt wird. Rare Worte in einer von der Linken dominierten Blogosphäre. Und doch fühle ich mich manchmal an brennenden Fanatismus erinnert, wenn die Grünen mit beinahe schon religiösem Eifer an ihr Werk gehen. Faschistoide rechte Parteien nicht zu vergessen. Der blauäugige Kerl hier sowieso.
Das mir erst jetzt bewusst gewordene Paradoxon des sakulären Islams wurde dann übrigens auch noch in kritische Worte gefasst. Und wahrhaftig, wenn Religionskritik mit Rassismus gleichgesetzt wird, wie auch während dem Streit um die Mohammed-Karikaturen geschehen, dann ist unsere Meinungsfreiheit wirklich arm dran. Und mit ihr alles, wofür ein westlicher Staat stehen kann. Daher werde ich hier keine ‘Rassen’ diskriminieren. Auch keine Völker. Aber Religionen, und jegliche andere Glaubensgemeinschaften.
Ein zynisches Lächeln machte sich in jenem Moment auf meinen Lippen breit, da ich las, dass selbst die Grünen nun ihre verdammten Probleme mit Islamisten oder gewöhnlichen Moslems haben. Geht halt doch nicht, möchte da manch einer sagen.




Fragil. Tot. Trostlos.

Mal sehen, es ist Samstagabend, bei mir daheim jedenfalls ein inoffizieller Sommertag und verdammt heiss draussen. (Und ich spiele jetzt nicht auf die Kolleginnen und leichtbekleideten Mädchen an, die sich auf Betonboulevards und asphaltierten maritalisch anmutenden Kreuzwegen in äusserst anziehener Lebensart tummeln. Sondern auf ebenjene Hitze, die die Krebsliga dazu veranlasste, den Gemeinbürger mit Warnrufen zuzudecken. Wehret der Selbstständigkeit!) Was geht also leichter die ausgetrocknete Kehle runter, als ein kühles, frisch gezapftes Cardinal? den von leichtfüssigen Tagträumen durchzogenen und spröde gewordenen Verstand hinunter als ein ausschweifender Überblick über die Blogosphäre?

Würde ich tatsächlich hier und heute einen Schnappschuss machen, dann würden bei manchen dystopische Fantasien aufkommen. Eine öde Steppe, wüst und leer, bloss besiedelt von erdölig schimmernden Illusionen.

Dafür wimmelt es bei den Konservativen nur so von Verwertbarem.
Durch sie bin ich zum Beispiel auf das da gestossen. Immer wieder mal erfrischend, etwas als Böse Verschrienes oder gar Verleumdetes aus einem neuen Blickwinkel zu sehen. Erfrischender gar als ein Eiswürfel auf nackten Zungen. Wider die linke Lethargie! Oder so. Auf jeden Fall betrachtenswert, auch wenn man keine andere oder kurdische Sicht auf den Irakkrieg gewinnen will.

Und das war’s auch irgendwie mit freshen Artikeln.

Bloss Alex fand schöne, trockengefrorene Worte um den “hohlen, greifbaren, reproduzierbaren Staub”, der gestern Mittag tief in meinem Kopf ein sibirisches Strafgefangenenlager eröffnete, in Stein zu meisseln. Eine Leere, die selbst jetzt noch an mir anhaftet wie ein Kaugummi am Schuh eines Pendlers. Fragil hölt sie meine Gedanken in einer blassen Stille, die jegliches Leben auslöscht.

Einzig das Rauschen von Reifen auf nacktem Teer ist noch zu hören.




Oh mein Gott! Sie haben den Misanthropen getötet! … Ihr Schweine!

Nö. Ein paar vielleicht. Aber mich haben sie nicht erwischt.

Seit Dienstag trägt burnttongue.net sein neues Layout, und an jenem stürmischen Tag hisste ich die Flagge des Misanthropen. Ein paar Tumbleweeds rollten über den wüsten, staubigen Pfad, über den ich zu schreiten pflegte. Jener Moment, der nach warmem Bier und ausgedörrter Erde roch, war es, in dem ich mich für meine Subjektivität entschloss. Und das bleibt so.

Manch einer schreit vielleicht auf, wenn er das Wort Misanthrop nur schon geflüstert hört oder es niedergeschrieben sieht.
Die hier zum Beispiel.
Die verleumden mich sogar hier.
Doch frage ich mich, wenn wir Misanthropen solch verachtenswerte Wesen sind, wie konnte der Herr Goethe dann so locker darüber schreiben?
Selbst der Herr Schopenhauer und der Herr Swift wurden des Menschenhasses bezichtigt. Natürlich auch von denen.
Die mögen unsereinen nicht. Doch auch Molière sah es mit Humor. Auch sie hier nehmen es gelassen und sehen mich bereits als Conferencier.
Und er hier scheint auch kein Psychopath zu sein, genauso wenig wie dieser dort, der bloss “schief lächelt” zum bösen Spiel.

Ich hasse die Menschen nicht, ich liebe sie. Manche.
Ich bin bloss desillusioniert, anders als meine lieben sozialistischen Kollegas. Ganz gewiss bin ich auch kein Pessimist, bloss ein zynischer Realist.
Wieso ich mich dann einen Misanthropen nenne?
Aus leidiger Provokation. Und weil ich kein Gutmensch bin. Ich bin subjektiv. Etwas anderes kann ich nicht sein. Und so. Nur, damit sich nachher niemand beklagt, ich habe ihn beleidigt oder angegriffen. Es geschieht bloss im Namen der freien Meinungsäusserung. Behold! Magnifiez la liberté!