Monthly Archive for August 2007



Aesop Rock - None Shall Pass

Genau, jener, der sich “must not sleep - must warn others” auf die Unterarme tätowiert hat, ist zurück. Vier Jahre her ist es seit seinem letzten Album “Bazzoka Tooth” und zwei Jahre seit seiner letzten EP “Fast Cars, Danger, Fire and Knives”.
Und wer hat Ian Matthias Bavitz schon nicht vermisst?

None Shall Pass stellt eine klare Weiterentwicklung gegenüber dem Vorgängeralbum dar. Einerseits wegen einer grösseren Diversität. Jeder Track ist auf eine ganz eigene Weise insane. Und obwohl es - wie üblich bei einem Def Jux-Album - mir noch einiges abverlangen wird, die Songs zu begreifen, kann ich doch bereits jetzt sagen, dass Ian erwachsener geworden ist. None Shall Pass ist gesamthaft weniger verspielt, dafür stringenter und noch tiefer als die Vorgänger.
Ein durch und durch gelungenes Album, auch wenn ich den kalten Schauer vermissse, der sich mir bei anderen Def Jux-Alben hartnäckig in den Nacken klemmt. Doch muss man Ian eine verdammt grosse Authenzitität zugestehen.

Congrats auch für Jeremy Fish für das superbe Artwork.

aesoprock.net: Official Website
jeremy fish: Official Website
laut.de: Aesop Rock Biografie
myspace: Aesop Rock
underspot: Aesop Rock - None Shall Pass ( 2007 )
wikipedia (de): Aesop Rock
wikipedia (en): Aesop Rock




Aaliyah - R.I.P.

16. Januar 1979 - 25. August 2001.

Rest in peace, Aaliyah Dana Haughton.




Atmosphere - Sad Clown Bad Summer 9

Als Appetitizer für Ants und Slugs kommende LP ‘When Life Gives You Lemons’…, die im kommenden Frühjahr erscheinen sollte, bringen die beiden die EP ‘Sad Clown Bad Summer 9′ aufs Parkett. Fünf Tracks, von denen insbesondere die ersten zwei das Warten auf die LP sehr schwer machen.
Die EP beginnt mit dem melancholischen Track ‘Sunshine’, der zwar auch zu einem brennend heissen Sommer passen würde, noch viel besser jedoch für die kühlnassen letzten paar Monate. An einem wolkenverhangenen, grauschwarzen Morgen zur Arbeit oder zur Schule pilgern zu müssen, kann ziemlich an die Substanz gehen. Umso schöner klingt dann ‘Sunshine’.
‘The Number One’, der nachfolgende Song breitet nach den ersten paar Takten schon eine bedrückende Nachdenklichkeit über dir aus. Und wer weiss, wie sich verzehrende Sehnsucht oder Liebeskummer anfühlt, der wird Mühe haben, sich dem Sog dieses Tracks zu entziehen.

Atmosphere ist es - wie nicht anders zu erwarten - gelungen aus ein paar Beats, einem Instrumental und Slugs entspanntem Flow eine Hand voll Meisterstücke zu schaffen, die sich erdig und beängstigend nahe am Daily Struggle vom Rest des Underground abheben.

Eine markante EP, die tiefgründiges Chillen auf hohem Niveau erst möglich macht.

amazon.de: Sad Clown Bad Summer No. 9
fatbeats.com: Sad Clown Bad Summer 9
laut.de: Atmosphere Biografie
pitchfork: Atmosphere Fill Bad Summer With EP
underspot: Sad Clown Bad Summer Vol. 9
wikipedia.com: atmosphere




Juice - Number One Hundred

10 Jahre Juice - Eine der bekanntesten Hip Hop Magazine wird 10, und die kommende September-Ausgabe wird die 100ste sein. Congrats meinerseits.

rap.de: Der Juice Redaktion Fragen an die Fragensteller
we know rap: 10 Jahre Juice
wikpedia: Juice




Murs- Murs For President kommt 2008

Wenn alles nach Plan läuft, und das tut’s im Hip Hop Bizz nur selten, erscheint Anfang 2008, also in einem guten halben Jahr Murs’ neues Album “Murs For President”.
Nach den beiden Meisterwerken “Murs 3:16: The 9th Edition” und “Murray’s Revenge”, die beide komplett von 9th Wonder produziert wurden, wir 9th Wonder auch für das kommende Album Murs zur Seite stehen.
“Murs For President” wird auch nicht über Def Jux heraus kommen, sondern über das Major Label Warner Music.

Bei solchen Aussichten wartet man noch sehnsüchtiger auf das Frühjahr als sonst schon.

def jux: Murs
myspace: murs
mzee.com: Murs: Major-Album “Murs For President” kommt 2008
wikipedia: Murs
wikipedia: Definitive Jux




Talib Kweli - Ear Drum

“I’m a working-class MC, and I got to keep putting music out.”, erklärte Talib Kweli Greene letzten Herbst, an einen stürmischen, von grauen Nebelschwaden und schwarzen Regenschleiern verhangenen Septemberabend.

Das ‘Versprechen’ hat er gehalten. Ear Drum ist da. Und ein Meisterwerk geworden.
Kein Donut könnte besser schmecken. Kein frisch geschnittener Rasen herber riechen. Ich würde eine Ear Drum Session zwölf Stunden Garten Eden bevorzugen.

talib kweli - eardrum

01. Everything Man
02. NY Weather Report
03. Hostile Gospel
04. Say Something (ft. Jean Grae)
05. Country Cousins (ft. UGK)
06. Holy Moly
07. Eat To Live
08. In The Mood
09. Soon A New Day (ft. Norah Jones)
10. Electrify
11. Hell
12. More Or Less (ft. Dion)
13. The Perfect Beat (ft. KRS-One)
14. Hot Thing
15. Oh My Stars (ft. Musiq Soulchild)
16. Listen

Ear Drum lässt mich wortlos zurück, wie ein verrottendes Blatt, das von einem dunkelgrauen, grollenen Gewitterregen zerfetzt wird und leblos in die Kanalisation geschwemmt wird.
Nur dass dies hier ein atemberaubendes Stakkato aus erstklassigen Beats, einer qualitativ hochstehenden Produktion, einem sauberen, präszisen Flow und deepen, nachdenklichen und gesellschaftskritischen Lyrics ist, das mich zwar wortlos, aber durchaus nicht zerfetzt oder leblos, sondern entspannt und mit dem Gefühl zunehmender Beunruhigung in den schweren Schwaden meines Verstandes.

Beunruhigt deshalb, weil es wohl eine Weile dauern wird, bis ich wieder einmal ein auch nur annähernd so deliziöses Album in meine Finger kriege.




Canibus - For Whom The Beat Tolls

Anders als bei den meisten seiner anderen Alben, und derer hat der Mann viele, hat Germaine Williams bei seinem neusten Streich For Whom The Beat Tolls eine gute Produktion erwischt. Eine verdammt gute sogar.

Canibus spittet aggressiv wie eh und je ins Mic, findet gar wieder zurück zu seinen alten, grollenden Rhymes, die vor wissenschaftlicher und philosophischer Tiefe nur so triefen. Hier macht sich ganz klar seine Vergangenheit als Informatiker bemerkbar.

canibus - for whom the beat tolls

01. For Whom The Beat Tolls
02. Harbinger Of Light
03. Poet Laureate Infinity V003
04. Liquid Wordz (Feat. Sun & Killah Priest)
05. Father Author, Poor Pauper
06. Dreamzzzzz
07. Magnum Innominandum
08. Layered Prayers
09. The Fusion Centre (Feat. Vinnie Paz)
10. 702-386-5397
11. The Goetia
12. Secrets Amongst Cosmonauts
13. One Ought Not To Think
14. Javelin Fangz
15. There Has He Been (Feat. K-Solo)
16. Poet Laureate Infinity V004

For Whom The Beat Tolls ist ganz klar dope. Die Beats sind krank, besonders zu empfehlen sind hier die Tracks Harbinger Of Light und Poet Laureate Infinity V003. Die Produktion vermag auch zu überzeugen und hält sich das ganze Album über auf einem angenehm hohen Niveau, erreicht manchmal gar unerwartete Brillianz. Canibus’ heiserer, knurriger Flow bohrt sich tief in die Gehörgänge und fügt dem Album den letzten Schliff hinzu.

Canibus 8. Platte ist ein absoluter Pflichtkauf, auch wenn man dem, der das Cover verbrochen hat, ein rostiges altes Schrapnell durch den Schläfenlappen bohren sollte.

Germaine Williams ist zudem immer noch einer der herausragendsten und einzigartigsten Lyricists, die es im Hip Hop momentan gibt, den Underground eingeschlossen. Nebst dem Fakt, dass er ein verdammt guter Storyteller ist, was im Hip Hop schon selten ist (Wie auch in der Literatur), tut es einfach verdammt gut ‘mal einen MC zu hören, der nicht über Gangstas, Bitches and Jewels rappt, und auch nicht, wie ein grosser Teil der alternativen Szene, mit metaphysischen Konzepten wie Gott angewalzt kommt, sondern sich eben mit Genetik, String-Theorien und Schaltkreisen zufrieden gibt.

Germaine ist ein aussergewöhnlicher MC und ein Mann, der eine gehörige Portion Pech hatte mit seinen Produzenten. Aber wenn er mit seinen nächsten Platten For Whom The Beat Tolls noch toppen kann, dann erwarten uns verdammt schöne Zeiten.

wikipedia.com: Canibus




Pharoahe Monch - Desire

Endlich, nach 8 Jahren, ist Pharoahe Monch.
Meine Erwartungen waren hoch, zuhoch, denn erfüllt wurden sie nicht.

Troy Donald Jamersons Desire ist zweifellos ein gutes Album, das den grössten Teil der heutigen Rap-Platten schlägt, die wie Erdbeerkaugummi schmecken, zuerst zwar sehr gut und du kannst nicht genug davon kriegen, doch schon bald einmal wird dein Mund taub und der Kaugummi ist bloss noch ein fades Stück Abfall.

pharoahe monch - desire

01. Intro (Prod. by Black Milk)
02. Free
03. Desire (Feat. Showtime) (Prod. by The Alchemist)
04. Push (Feat. Showtime, Mela Machinko & Tower Of Power)
05. Welcome To The Terrordome
06. What It Is
07. When The Gun Draws (Feat. Mr. Porter)
08. Let’s Go (Feat. Mela Machinko) (Prod. by Black Milk)
09. Body Baby
10. Bar Trap (Feat. Mela Machinko) (Prod. by Black Milk)
11. Hold On (Feat. Erykah Badu)
12. So Good
13. Trilogy (Act 1 Feat. Mr. Porter, Act 2 Feat. Dwele, Act 3 Feat. Tone)
14. Agent Orange (UK Bonus Track) (Prod. by Sa-Ra)

Der erste Eindruck war also nicht der Beste, doch nach ein paar Mal Hören, schmeckte es dann doch ganz solid. Desire ist selten aussergewöhnlich und bricht kaum die Norm guter Rap-Alben, aber das eine oder andere Mal hat mich Pharoahe Monch doch überrascht. Besser gesagt: Seine Produzenten. Denn wenn in einem Track wie Welcome To The Terrordome urplötzlich ein irrer Gospelchor in den Vordergrund bricht, dann hat das schon ein Stückchen Bewunderung verdient.

An den Lyrics gibt es natürlich nichts zu beanstanden, die sind deep und schmackhaft. Pharaoahe Monch ist und bleibt einer der grössten Lyricists dieser Ära.

When The Gun Draws ist einer der Höhepunkte des Albums, die Beats sind einfach krank und bohren sich wie ein Meissel in deinen Verstand und lassen nicht mehr los, bis du erschöpft und berauscht in den Wohnzimmer-Sessel zurück fällst, alsbald die letzten Töne des Tracks verklingen.

Desire ist zwar kein ganz grosses Stück geworden, aber doch eine derjenigen Platten, um die man an einem trüben, regnerischen und doch irgendwie zu warmen Septembermorgen so froh ist.

wikipedia.com: Pharoahe Monch




Blue Scholars - Bayani

Yeah!
Rawkus schlägt zurück, zuerst mit Marco Polo, und jetzt auch noch mit den Blue Scholars. Rawkus ballt nach langer Zeit wieder die Faust. Das tut gut. Schmeckt noch besser als ein Glas Coke mit Eiswürfeln und Zitrone an einem heissem Sommertag.

Was Bayani so gut macht?
Die Grunzkehlen, die nach billigem Crystal schreien und 50 Cent nachgieren, werden keine Freude an der Platte haben.

Es ist ein frisches, sattes Stück Hip Hop.

blue scholars - bayani

01. Baha’i Healing Prayer (intro)
02. Second Chapter
03. Opening Salvo
04. North by Northwest
05. Ordinary Guy
06. Still Got Love
07. Bayani
08. Loyalty
09. Fire for the People
10. Xenophobia (interlude)
11. The Distance
12. Back Home
13. 50 Thousand Deep
14. Morning of America
15. Joe Metro

Um es vorwegzunehmen:
- Die Platte ist nicht leicht zu verdauen, schmeckt zwar bestens, aber sie fordert einem doch einiges ab, zumindest mir.
- Die Lyrics sind schwer gespickt mit Ansichten, die ihr Fundament in der Baha’i haben, eine nicht unumstrittene Religion, sehr jung. Und meines Erachtens auch nicht zweifelhafter als das Christentum.

Die Blue Scholars - DJ Sabzi und MC Geologic - liefern mit Bayani ein wirklich freshes Album ab. Wie könnte das auch anders sein, wenn der eine ein ehemaliger Drummer ist und eine Ausbildung zum Jazz-Pianisten hinter sich hat und der andere mit der Lyrik spielte und als Spoken-Word-Poet von verrauchter Bar zu verrauchter Bar zog. Dies ist es wahrscheinlich, das Geologic zu einem so guten Storyteller macht, eine Eigenschaft, die bei Rappern und MCs immer noch selten zu finden ist.
Bayani ist erstklassig produziert worden, die Songs haben durchgehen einen exotischen Einschlag und bringen ebenjene vorher schon angesprochene Freshness. Die Beats überzeugen durchgehend. Ich hätte sie mir zwar etwas düsterer gewünscht, denn sie sind zwar sehr cool, aber doch recht ruhig ausgefallen, doch so, wie sie sind, machen sie das Album zu einem perfekten Stück Musik um an einem heissen Sommerabend mit einem Bier und seinen Leuten zu chillen.
Wären da nicht die Lyrics. Denn die sind deep und clever. Für manch einen also ungewohnte Kost. Geologic spittet seine Rhymes sehr entspannt über die Beats und hat einen ziemlich angenehmen, auf den Punkt gebrachten Flow. Leider jedoch eine ziemlich monotone Stimme.

Insgesamt ein erstklassiges Album, das sehr fresh ist, den Hip Hop zwar nicht revolutioniert, aber guten Gewissens als einen modernen Klassiker bezeichnet werden kann.

Doch schlussendlich lässt Geologic einen doch alleine draussen in einem fröstelnd eisigen Regenschauer stehen:

“they say desegregation was a great step forward /
but integration only covered up a rotten core”

bbc: Baha’i




KRS-One & Marley Marl - Hip Hop Lives

KRS is back!

Ok, er war nie wirklich weg, aber in den letzten Jahren war es, trotz Kristyles, D.I.G.I.T.A.L., Keep Right und Life.

Für dieses eine Album spannt Lawrence Parker mit seinem Erzrivalen Marlon Williams zusammen. Die beiden waren einst verfeindet, als der Streit um den Ursprungsort des Hip Hops entbrannte: The Bridge Wars. Vom Beef zwischen den Boogie Down Productions und der Juice Crew habe ich zwar genauso wenig mitgekriegt wie von den Anfangstagen des Hip Hop (sorry, aber da lebte ich noch nicht einmal.), aber es ist dennoch schön, wenn eine Rivalität beigelegt wird und daraus wahrer Hip Hop, wahre Kunst entsteht.

krs-one & marley marl - hip hop lives

01. It’s Alive (Intro)
02. Hip Hop Lives
03. Nothing New
04. I Was There
05. Musika (feat. Magic Juan)
06. Rising To The Top
07. Over 30
08. M.A.R.L.E.Y. (Skit)
09. Kill A Rapper
10. The Teacha’s Back
11. The Victory (feat. Blaq Poet)
12. This Is What It Is
13. All Skool
14. House Of Hits (feat. Chief Rocker Busy Bee)

Zu viele Worte möchte ich hier auch gar nicht verlieren. Wer KRS kennt, der soll sich das Album besorgen, wem Marley Marl ein Begriff ist, der auch.
Doch alle, die deepe Lyrics nicht mögen und Oldschool lächerlich finden: Kauft euch Hip Hop Lives nicht, ladet es nicht einmal herunter. Und lasst am besten die Finger von Hip Hop, ihr scheint keine Ahnung davon zu haben.

Das Album ist auch tatsächlich gut. Ok, ich habe in der letzten Zeit einiges Interessanteres gehört, aber den Mainstream schlägt’s allemal. Ab und an drückt die Langeweile durch, doch die von zuckerwattigen Songs wie Candy Shop auf Schnelllebigkeit geprägte Kehle tut sich am Anfang halt immer etwas schwer, wenn wieder mal ein Stück Schwarzwäldertorte auf der Zunge landet. Anders gesagt: Das Album braucht etwas Zeit, und ein paar Tage Abstinenz vom Radio und den mit Dipset-Platten getränkten CD-Regal sollte man sich auch gönnen, doch tut man dies, dann ist Hip Hop Lives nebst einer gelungenen Antwort auf Nas’ Hip Hop Is Dead auch eine verdammt gute Platte.

Verändern wird das Album nichts, das sollte man schon im Hinterkopf behalten, aber es könnte ein Anfang sein.

wikipedia.com: KRS-One
wikipedia.com: Marley Marl
wikipedia.com: The Bridge Wars